Wünsche helfen!

Wünsche

Weißt du, wie die alten Märchen beginnen?
„Es war einmal und auch nicht mehr, … zu einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat …“

Märchen sind nicht nur zur Unterhaltung da. Sie wurden geschrieben, um Erfahrungen und Weisheiten zu überliefern. Diese verstecken sich hinter der eigentlichen Geschichte.

Viele Märchen wurden schon von Psychologen und spirituellen Lehrern gedeutet. Märchen und Geschichten werden seit jeher von Therapeuten und Coaches eingesetzt.

Sollte sich auch hinter dieser bekannten Einleitungsformel ein Hinweis verborgen halten? – Ich glaube schon, dass das so ist. Sonst wäre wohl kaum Bärbel Mohrs Buch „Bestellungen ans Universum“ ein solcher Erfolg geworden.

Wenn ich mir etwas wirklich von Herzen wünsche, so brauche ich meist nicht lange zu warten, bis es in Erfüllung geht. Ich mache mir ganz automatisch ein sehr realistisches Bild von der Situation und sehe mich schon im Zustand der Erfüllung. Der Wunsch zieht mich faktisch an.

Vor einiger Zeit habe ich mir einen Amethyst-Anhänger gewünscht. Er sollte Tropfenform haben. Ich hatte das Bild genau vor mir. Ich konnte ihn förmlich auf meiner Haut fühlen. Ich sah mich damit. Natürlich habe ich anderen von meinem Wunsch erzählt. Ich hatte mir keinen Termin gesetzt und war mir trotzdem sicher, dieser Anhänger kommt zu mir. Was soll ich dir sagen: Nach nur 4 Monaten bekam ich ihn völlig unerwartet von einem lieben Freund geschenkt. Zu einem Anlass, wo ich kein Geschenk erwartet hätte.

Das geht natürlich besonders gut bei Wünschen, die sehr nahe an der Realität sind und auch möglich sind. Trotzdem mache ich mir nicht viele Gedanken, wie ich diese Wünsche erreichen werde. Ich habe eine innere Sicherheit, dass sie passieren werden.
Ganz anders ist es mit den Zielen, die ich mir bewusst setze. Da fällt mir die Realisierung manchmal nicht so leicht. Ich setze diese Ziele nach allen Regeln der Kunst, setze sie SMART und tue alles, um sie zu erreichen. Die Leichtigkeit des Wünschens fehlt und es wird oft verkrampft und klappt nicht so, wie ich es gerne hätte.

Wo ist also der Unterschied zwischen meinen Wünschen und meinen Zielen?

Ich habe einige Zeit gebraucht, um es herauszufinden und bin jetzt dem Schlüssel auf der Spur. Meine Wünsche kommen vom Herzen, ich habe sofort ein Zielbild und automatisch ein intensives Gefühl, wie es sich anfühlt, wenn dieser Wunsch erfüllt ist.
Meine Ziele kommen manchmal vom Verstand und manchmal vom Herzen und ich habe ein Zielbild. Der Unterschied ist: Mein Zugang zu meinen Emotionen ist nicht so intensiv. Ich spüre nicht sofort, wie sich das Ergebnis anfühlen wird.

Mein Fazit:

Ich verlege mich mehr aufs Wünschen. Ganz einfach, weil das bei mir besser klappt.
Vielleicht gelingt es mir eines Tages mit meinen Zielen genauso unverkrampft umzugehen, wie mit meinen Wünschen.

Die Emotionen sind der Schlüssel. Dr. Joe Dispenza beschreibt in seinem Buch „Du bist das Placebo“ wie die Emotionen der Schlüssel zur Selbstheilung sind. Wenn es gelingt, die Heilung gefühlsmäßig vorwegzunehmen und in einen guten emotionalen Zustand zu kommen, dann wirken nicht nur Medikamente besser, sondern auch Placebos entfalten ihre Wirkung.

Eine Tochter einer Freundin beherrscht die Kunst des Wünschens so gut, dass es wirklich bewundernswert ist.
Meine Freundin bekam von einer Bürokollegin ausgemusterte Kleidung geschenkt. Es waren lauter Designerstücke in der Kleidergröße ihrer Tochter. Abends brachte sie ihrer Tochter die Sachen vorbei. Ihre Tochter sah in den Sack und lachte. „Weißt du Mami, heute Morgen bin ich vor meinem Kasten gestanden und dachte bei mir, dass ich wirklich etwas Neues zum anziehen brauche. – Und schon ist es da! Ist das nicht wunderbar?“ Sie sah die Sachen durch und bemerkte: „Einige dieser Sachen hab ich mir vor kurzem in einer Boutique angesehen und dachte mir noch, dass ich sie mir im Moment nicht leisten kann.“

Wünsche entfalten – besonders wenn sie intensiv sind – eine besondere Magie. Wenn es richtige Herzenswünsche sind, dann richtet sich alles in uns auf die Erfüllung dieser Wünsche aus. Wir strahlen aus, was wir anziehen wollen und das Gesetz der Resonanz kann wirken.

Was das für dich bedeutet

Wenn du – so wie ich – manchmal deine Schwierigkeiten mit den gesetzten Zielen hast, dann versuche es doch einmal mit Wünschen. Das klingt oberflächlich nur nach einem Begriffsaustausch und hat dennoch eine ganz andere Wirkung.

Wünsche nehmen Druck heraus

Es gibt erfüllbare und unerfüllbare Wünsche. Somit ist klar: Wünschen darfst du auch Unerreichbares.

Viele Menschen limitieren sich bei ihren Zielen. Ihre persönlichen Glaubenssätze werden sofort aktiv.
Du setzt dir ein berufliches Ziel und hast sofort eine Stimme im Kopf, die dir zuflüstert:

  • Du bist nicht gut genug.
  • Um das zu erreichen, brauchst du noch eine Zusatzausbildung.
  • Der Kollege xy versteht es viel besser, sich ins rechte Licht zu setzen.
  • Dazu fehlt mir noch die Erfahrung.

Beim Wünschen bist du frei von diesen Glaubenssätzen. Du darfst dir auch Dinge wünschen, die – vorerst – unerfüllbar scheinen. Somit vergeudet dein Unbewusstes keine Energie mit negativen Glaubenssätzen. Es kann sich ganz auf die Realisierung des Wunsches ausrichten.

Wünsche lassen sich leichter publik machen

An ein Ziel bindest du dich. Du gehst damit eine Verpflichtung dir selbst gegenüber ein. Das hat zwar den Vorteil, dass du dich verbindlich darauf festlegst. Es können gleichzeitig auch viele Gedanken bezüglich Scheitern und Gesichtsverlust auftauchen.

  • Was ist wenn ich das Ziel nicht erreiche?
  • Wie werde ich dann dastehen?
  • Was werden die anderen von mir denken?

Das sind natürlich alles wieder Glaubenssätze und einschränkende Entscheidungen.

Wünsche kannst du leicht erzählen. Da es ja „nur“ ein Wunsch ist, melden sich diese ganzen Bedenken nicht.

Egal ob du dir ein Ziel setzt, oder ob du dir etwas wünscht, wenn du darüber sprichst, holst du dir Unterstützer ins Boot. Du triffst möglicherweise Menschen, die dir weiterhelfen.

Wenn du unbelastet von Zweifeln bist, wirst du diese Möglichkeiten erkennen und annehmen. Du siehst also: Auch Wünsche ebnen Wege.

Wünsche lösen automatisch positive Gefühle aus

Wenn du dir etwas wirklich wünscht, dann ist mit der Erfüllung des Wunsches automatisch ein gutes Gefühl verbunden. Egal, ob du dir eine Motoryacht, mehr Umsatz oder ein gelassenes Familienleben wünscht. Wenn du an die Erfüllung des Wunsches denkst, dann wird sich ein wohliges, angenehmes Gefühl einstellen.

Wünsche schaffen Durchhaltevermögen

Genau dieses positive Gefühl hilft dir auch, auf dem Weg zur Wunscherfüllung durchzuhalten. Auch wenn du selbst etwas dazu beiträgst und dein Beitrag mit Herausforderungen verbunden ist.

Wenn es dein Wunsch ist, einmal auf dem Großglockner zu stehen, dann wirst du auch die dafür erforderlichen Schritte unternehmen. Du wirst trainieren, dir passende Bergpartner suchen, die Ausrüstung beschaffen usw.

Wünsche und Ziele liegen manchmal knapp beinander

Du siehst, Wünsche und Ziele liegen manchmal knapp beinander. Der einzige Unterschied besteht für mich darin, dass ich meinen Wünschen nicht unbedingt einen Termin gebe.

Ich bin aber durchaus bereit für meine Wünsche etwas zu tun und notfalls auch hart zu arbeiten. Wünsche, für die ich selbst gar nichts tun möchte, sind Luftschlösser :-)

Der wesentliche Unterschied besteht für mich darin, dass beim Wünschen ganz viel Druck rausgenommen wird und mein innerer Richter bzw. meine Glaubenssätze schweigen.

Wirst du die Magie der Wünsche in Zukunft für dich nutzen?

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Wie bleibe ich im Umgang mit meinen eigenen Erziehungsansprüchen entspannt?

eigene Erziehungsgrundsätze

Kleiner Schiläufer – großer Frust

Peter will seinem Sohn das Schi laufen beibringen. Peter ist ein guter Schifahrer. Es weiß nicht nur, wie es technisch geht, er hat auch Erfahrung damit, anderen etwas beizubringen.

Sein Sohn Niklas steht im Schnee. Er findet es unfair, dass er zuerst einmal den Hang hochstapfen soll. Peter erklärt: „Das macht man am Anfang so. Außerdem bist du schon aufgewärmt, wenn wir oben sind. Das hilft dir, Verletzungen zu vermeiden.“
Niklas ist sauer. Alle anderen dürfen mit dem Lift fahren.

Als sie endlich oben sind, zeigt ihm Peter den Stemmbogen. Niklas findet, das wäre etwas für Babys. Er ist schon 5 Jahre alt. Er ist schon groß. Er will genau so toll Schi fahren, wie Benni Raich. Der ist toll! Bei dem sieht alles so einfach aus.

Nachdem Peter drauf besteht, versucht er den Stemmbogen. – Und findet heraus, dass das nicht so einfach ist. Niklas wir wütend, weil er genau weiß, was er machen soll und es körperlich nicht schafft.

Zuerst redet ihm Peter noch gut zu. „Niklas du musst Geduld haben. Wenn du fleißig übst, dann wirst du bald ein toller Schifahrer.
Neuer Versuch. Es klappt schon besser. Plötzlich stürzt Niklas. Peter nimmt es locker, geht zu ihm hin, hilft ihm auf und klopft ihm den Schnee ab. Niklas friert. Er nimmt einen neuen Anlauf. Nun kommt er ganz gut nach unten. Aber jetzt soll er den Anfängerhügel wieder hinaufstapfen. Er will nicht und bekommt einen Wutanfall. Schließlich ist er ja schon einmal herunter gefahren. Es wäre wirklich Zeit für den Lift. Peter ist unnachgiebig. Er weiß, dass Niklas noch Übung braucht. Stapfen macht müde. Niklas Beine sind an die Anstrengung noch nicht gewöhnt und er kann die Bewegungen nicht richtig ausführen. Peter korrigiert. Niklas schreit ihn an: „Papa ich mach das doch schon so!“ Peter zeigt nochmal vor. Niklas wird zornig. „Genau so mache ich es. Bei mir geht das nicht.“

Jetzt verliert Peter die Geduld: „Du machst gar nichts so, wie ich es sage. Sonst würdest du genau so den Hang hinunterfahren. Schau mir noch mal zu und stell dich nicht so an!“ Niklas reagiert mit einem harschen: „Ich bin ohnehin zu blöd dafür. Das schaffe ich nie!“

Jetzt ist Peter frustriert. Normalerweise besitzt er eine Engelsgeduld. Er hat schon einigen Erwachsenen und auch vielen Kindern Schi fahren beigebracht. Bei seinem eigenen Sohn versagt er. Dabei wollte er es besonders gut machen. Er weiß, wie sensibel Niklas ist. Er ist überzeugt davon, dass sein Sohn sportlich ist. Warum hört er nur nicht auf ihn? Es bringt ihn auf die Palme, wenn Niklas so stur ist.

Ungeduld mit Kindern

In meinem Artikel Von Eulen und Lerchen habe ich auch eine Situation beschrieben, wo Ines, die Mutter von zwei Mädchen frustriert war, weil sie ihre eigenen Ansprüche an eine gute Erziehung nicht gerecht werden konnte.

Warum werden Eltern ihren Ansprüchen nicht gerecht

Eltern wollen das Beste für ihre Kinder

Dazu zählt auch eine gute Erziehung. Sie soll natürlich ganz anders sein, als die eigene. Geprägt von Liebe und Verständnis. Geduldig wollen sie sein und den Kindern alles erklären.

Und dann werden sie vom Alltag eingeholt. Sie merken, dass sie sich in vielen Dingen so verhalten, wie sie es immer vermeiden wollten. Schlimmer gar, sie erkennen Verhaltensweise der eigenen Eltern wieder. So wollten sie nie sein!

Warum gelingt es nicht?

Alle Eltern haben eine eigene Geschichte und diese kommt im Umgang mit den Kindern oft hoch. Durch Erlebnisse oder einzelne Sätze wird sie angetriggert und schon befinden wir uns auf einer Zeitreise. Natürlich nicht wirklich. Ein Teil von uns, unser Körper, bleibt im hier und jetzt und erwachsen, aber ein anderer Teil – unsere Gefühle – wird in eine andere Zeit katapultiert. Wir sind aufeinmal wieder klein, unbeholfen und ausgeliefert. Jetzt prallen wir mit unserem Kindergefühl auf das Gefühl unseres Kindes – und PENG!, der schönste Knatsch ist fertig.

Wie gehe ich mit meinem eigenen Frust um?

Den eigenen Glaubenssätzen auf der Spur

Welche Sätze gehen dir durch den Kopf?

Hörst du innerlich Sätze wie:

  • Nie machst du es richtig.
  • Du kannst dich noch so bemühen, das wird doch nichts.
  • Jetzt hast du es schon wieder verbockt.

Ja? Dann bist du deinen eigenen Glaubenssätzen auf der Spur. Vielleicht sind das auch genau die Sätze, die du in ähnlichen Situationen in deiner Kindheit gehört hast. Und genau dieses Programm fängt jetzt zu laufen an.

Schleudert dir dein Kind vielleicht genau diese Sätze entgegen

Vielleicht schleudert dir dein Kind noch dazu genau einen dieser Sätze entgegen. Dann prallt Glaubenssatz auf Glaubenssatz. Der reife Teil in dir erkennt jetzt, dass deine eigenen Glaubenssätze auf dein Kind überspringen. Die Folge ist oft ein schlechtes Gewissen.

Du fühlst dich innerlich zerrissen. Einerseits fühlst du dich selbst in deinen Gefühlen verletzt und fällst in ein altes Versagensgefühl, andererseits willst du dein Kind zu einem positiven Menschen erziehen und ein gutes Vorbild sein.

Was kann ich in solchen Situationen tun?

Bleib gelassen

Zuerst einmal: Bleib gelassen! Allein die Tatsache, dass du dir deiner Fehler bewusst bist, hilft dir dich weiter zu entwickeln. So kannst du daran arbeiten, es das nächste Mal besser zu machen. Das ist doch erfreulich :-)

Geh aus der Situation

Wann immer du kannst, verlasse die Situation. Atme tief durch und spüre in dich hinein. Was ist es genau, was dich so frustriert? Was brauchst du im Moment, um wieder ruhig zu werden.

Atmen hilft

Atme ein paar Mal tief durch. Das hört sich an, wie eine Binsenweisheit. Wenn du dich aber bewusst auf deinen Atem konzentrierst, dann ist in deinem Gehirn im Moment kein Platz für andere Gedanken. Das Gedankenkarussell kann sich beruhigen. Du kannst wieder klar denken und neue Entscheidungen treffen.

Warte ab

Auch dein Kind braucht eine Zeit, um sich zu beruhigen.

Wenn es euch beiden besser geht, sprich die Situation an. Du kannst erklären, dass dir dein Verhalten leid tut. Kinder können gut mit den Fehlern der Erwachsenen umgehen, wenn sie merken, dass sie ehrlich sind.

Humor

Bewahre dir deinen Humor. Er hilft dir, die Komik in der Situation zu sehen und auch deinem Kind mit einer humorvollen Bemerkung über die Situation hinwegzuhelfen. Achte dabei aber auf einen freundlichen, liebevollen Ton. Sonst kann eine humorvoll gemeinte Bemerkung zynisch ankommen.

Erinnere dich, wie es dir gegangen ist

Als Peter nachdenkt erinnert er sich an eine Szene, wo er seine Schi erbost von sich geschleudert hat, weil sie nicht „so gut fahren, wie die vom Hermann Maier.“
Mit dieser Erinnerung fühlt er sich seinem Sohn gleich ganz nah und kann ihn in seinem Frust gut verstehen.

Nicht alles selbst machen

Gerade wenn es darum geht, Kindern Sportarten beizubringen, ist es oft für beide Seiten leichter, wenn das Kind einen Kurs besucht. Erstens sieht es im Gruppenunterricht, dass andere auch Fehler machen und nicht gleich erfolgreich sind. Es merkt, dass Übung dazu gehört. Andererseits ist ein professioneller Trainer nicht gefühlsmäßig verstrickt und kann so sachlich reagieren.
Kinder können auch oft Anweisungen von anderen leichter akzeptieren.

Auch dein Kind möchte vielleicht vor dir besonders gut dastehen und hat mit sich daher wenig Geduld. Schließlich will es genau so toll sein, wie Papa oder Mama.

Die eigenen Glaubenssätze bearbeiten und auflösen

Es ist gut, die eigenen Glaubenssätze zu bearbeiten und aufzulösen, um sie nicht an die Kinder weiter zu geben. Wenn einige deiner Glaubenssätze wegfallen, wirst du in gewissen Situationen gelassen und ruhig reagieren können.

Wenn du dabei Hilfe brauchst, so wende dich an einen Coach. Alle Coaches verfügen über Techniken, die dabei helfen Glaubenssätze aufzulösen.

Auch im Online-Workshop Hotel Mama schließt gibt es einige Übungen, wo aktiv an deinen persönlichen Bremsen und Glaubenssätzen arbeitest. Hier hast du die Möglichkeit dich anzumelden. KLICK

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Eulen und Lerchen

Eulen und Lerchen und wie das Leben so spielt

Von Eulen und Lerchen

Die Lerche

Die kleine dreijährige Lea sitzt am Fußboden des Kinderzimmers und schiebt konzentriert einen ihrer kleinen Füße in die Strumpfhose, die die Mama bereitgelegt hat. Die Unterhose und das Hemdchen hat sie schon angezogen. Geduldig schiebt sie Falte für Falte über Zehen, Ferse und das Bein nach oben zur Hüfte. Jetzt hat sie es geschafft! Strumpfhosen anziehen gehört wirklich zu den ganz schweren Dingen und Lea kann das schon. Darauf ist sie stolz. Nun kommt das T-Shirt und die Hose dran. Das ist leicht und im Nu ist Lea fertig und hüpft zum Frühstückstisch.

Die Eule

Ganz anders ihre siebenjährige Schwester Nina. Nina liegt immer noch im Bett. Sie mag nicht aufstehen. Es ist noch viel zu früh und im Bett ist es kuschelig warm. Mama ist wie immer gekommen und hat Nina einen Guten Morgenkuss gegeben. Dann ist sie hektisch wieder verschwunden, bevor Nina auch nur ein Auge aufgebracht hat. Nina ist sauer! Sie wollte doch Mama „Guten Morgen!“ sagen und dann auch so aus dem Bett hüpfen, wie Lea das immer macht. Aufstehen fällt Nina extrem schwer. Nachdem Mama ohnehin aus dem Zimmer gegangen ist, dreht sich Nina nochmal um.

Mama kommt ein zweites Mal. Diesmal ist sie nicht mehr ganz so fröhlich und sagt: „Nina, komm du musst aufstehen, damit du rechtzeitig in die Schule kommst. Du weißt doch, wie viel Zeit du brauchst. Komm mein Schatz! Steh endlich auf.“ – Und weg ist sie wieder.

Nina setzt sich verschlafen im Bett auf. Sie überlegt. Was hat Mama nochmal alles gesagt? Sie kann all die Informationen in der Früh noch nicht aufnehmen. Gut, aufstehen war jedenfalls dabei … und dann. Verträumt geht sie zu ihrem Kasten und starrt hinein. Was soll sie heute bloß anziehen? Da kommt Mama schon wieder. Nina weiß, jetzt ist Mama schon ziemlich böse. Dabei hat sie doch gar nichts gemacht.

Mama stürmt in das Zimmer, schleudert ein paar Klamotten vom Kasten auf das Bett und sagt bestimmt: „Zieh das an und komm zum Frühstück. Du bist sowieso schon wieder spät dran. Du trödelst schon eine halbe Stunde hier herum und bist noch immer nicht angezogen.“

Wie geht es der Mama?

Ines, die Mutter der beiden ist mittlerweile ganz schön unzufrieden. Jeden Tag dasselbe Spiel. Zu Lea kommt sie ins Zimmer, weckt sie sanft indem sie ihr einen Guten Morgen Kuss gibt und die Jalousien öffnet und zu Nina kommt sie einfach nicht durch. Jeden Tag nimmt sie sich vor, es besser zu machen, mehr Geduld zu haben. – Und jeden Tag scheitert sie. Es ist zum Verzweifeln. Dabei steht ihr Nina sehr nahe. Sie ist ihr sogar ähnlich. Sie selbst ist als Kind auch schwer aus dem Bett gekommen. Aber zum Kuckuck, sie hat es doch auch gelernt, rechtzeitig fertig zu sein.

Einerseits ist sie grantig auf Nina, andererseits ist sie böse auf sich selbst, weil sie doch eine geduldige, verständnisvolle Mutter sein will.

Kennst du Situationen wie diese?

Es ist dabei gleichgültig, ob es um das morgendliche Aufstehen, oder die Hausaufgaben geht. Situationen wie diese verschaffen Stress. Bis zu einem gewissen Grad scheinen sie wie eine Abwärtsspirale. Dein Kind macht nicht das, was du von ihm erwartest und das macht dich nervös und ungeduldig. Das führt dazu, dass du ärgerlich über dich selbst bist, weil du deinen eigenen Erziehungsansprüchen nicht gerecht wirst. Schließlich wärst du gerne geduldig und verständnisvoll. Das macht dich noch unruhiger. In dieser Unruhe gibst du unklare Anweisungen, redest viel und dein Kind weiß nicht mehr, was es tun soll. Es wird vielleicht bockig oder geht in Widerstand ….

Oder du versuchst äußerlich ruhig und gelassen zu bleiben, in dir tobt aber bereits ein Vulkan. Das drückst du mit deiner Körpersprache deutlich aus. Dein Kind weiß jetzt nicht mehr, soll es sich nach dem richten, was du tust, oder nach dem, was du sagst – und tut möglicherweise erst einmal gar nichts. Du weißt schon ;-)

Vom richtigen Umgang mit Eulenkindern

Wie entkommst du Spiralen wie dieser

Die Chronobiologie

Jeder Mensch hat einen bestimmten Lebensrhythmus. Tageszeiten, wo er voll leistungsfähig ist, und Tageszeiten, wo er nicht so aufmerksam ist.

Die grobe Einteilung ist uns als Morgen- und Abendmensch bekannt. Manchmal nennen wir sie auch Eulen und Lerchen.
Nina ist eindeutig ein Abendmensch. Das weiß Ines auch. Sie möchte gerne darauf Rücksicht nehmen und gibt ihr morgens noch einmal die Gelegenheit sich im Bett noch einmal umzudrehen.

Ines könnte Nina helfen aufzuwachen, indem sie bereits vor dem Wecken die Jalousien hochzieht und das Tageslicht hereinlässt. Im Winter könnte sie eine gedämpfte Lampe einschalten. Das gedämpfte Licht wird Nina helfen aufzuwachen.

Die Aufmerksamkeit halten

Danach geht sie zu Nina und gibt ihr einen Kuss. Dann wartet sie, was passiert, greift Nina sanft an und wenn Nina die Augen öffnet sieht sie sie an. Sie merkt dann gleich, ob sie Ninas Aufmerksamkeit hat. Während dieser ganzen Zeit, hält sie die Berührung mit Nina, und befindet sich mit ihr auf einer Ebene. Sie sieht ihr in die Augen und sagt:
„Guten Morgen Nina.“ – Pause und Atem holen – „Du kannst dich noch einmal umdrehen.“ – Pause und Atem holen – „In fünf Minuten komme ich wieder und dann stehst du auf.“ Lächeln!

Mit dieser Methode: Angreifen – ansprechen – atmen – Auftrag kannst du sicher sein, dass deine Informationen zu deinem Kind durchdringen. Du gibst ihm die Zeit, das gesagte zu verarbeiten.

Anschuldigungen helfen nicht

Sätze wie dieser:
„Zieh das an und komm zum Frühstück. Du bist sowieso schon wieder spät dran. Du trödelst schon eine halbe Stunde hier herum und bist noch immer nicht angezogen.“, helfen nicht. Sie enthalten eine Menge Wörte. Wörter wie „müssen“, die ein schlechtes Gefühl erzeugen und Begriffe wie „schon wieder“ und „noch immer“ die die Eindruck erwecken nichts richtig zu machen.

Sätze wie dieser werden später einmal zur inneren Stimme deines Kindes. Du selbst kennst diese Sätze, die dich vielleicht heute noch darin hindern, zu deiner wahren Größe zu kommen. Du hast sie möglicherweise selbst noch im Ohr, wenn du etwas Neues ausprobieren willst.

In der Kürze liegt die Würze

Wähle kurze einfache Sätze. In der Montessori-Pädagogik gibt es einen wertvollen Grundsatz.

Er lautet:

Zähle deine Worte, zähle deine Bewegungen.

Wir alle verwenden in unserer Alltagssprache und auch in der geschriebenen Sprache jede Menge unnötige Füllwörter. Sie machen einen Text reich und angenehm zum Lesen oder Zuhören. Wir verwenden komplizierte Satzbauten, damit wir alle unsere Sinneseindrücke schildern können. Lass all das weg!

Bei Aufträgen oder Erklärungen ist es gut, diese Füllwörter, die du nicht brauchst, wegzulassen.

Lass bei Aufträgen und Erklärungen die unnötigen Füllwörter weg.

Merkst du den Unterschied. Ich bin sicher, auch bei dir kommt der zweite Satz klar an.

Das Versprechen halten

Nach fünf Minuten kommt Ines wieder in den Raum und sagt fröhlich: „Nina, aufstehen!“ Dann bleibt sie und wartet, was passiert.
Steht Nina auf, dann gibt sie den nächsten Auftrag: „Zieh dich bitte an und komm danach zum Frühstück!“

Steht Nina nicht auf, dann geht sie wieder zu Nina ans Bett, greift sie sanft an, atmet, sieht Nina an, atmet und sagt dann: „Nina es ist jetzt wirklich Zeit aufzustehen.“ Pause und atmen. „Zieh dich bitte an.“ Dann wartet Ines, bis Nina beginnt sich anzuziehen.

Vorbereitung am Vortag

Bei Eulenkindern ist es gut, die Kleidung schon am Vortag bereit zu legen. Dann braucht ihr in der Früh nicht mehr suchen. Abends hast du die Aufmerksamkeit deines Eulenkindes und kannst mit ihm gemeinsam entscheiden, was es anziehen möchte. Morgens wird es sich schwer tun, Entscheidungen zu treffen.

Nachsehen

Ist Nina ein hartnäckiger Fall von morgendlichem Träumelinchen, dann ist es sinnvoll, während des Anziehens noch ein-, zwei Mal bei Nina vorbeizuschauen, wie weit sie ist. Gegebenenfalls kann Ines dann sanft und direkt anstupsen: „Nina, beeil dich bitte!“ oder „Ach, du musst nur mehr das T-Shirt anziehen. Sehr gut!“

Wenn Nina angezogen ist, dann ist wahrscheinlich das Ärgste überwunden. Sie ist dann so weit wach, dass sie in der Lage ist, Gesprächen und Anweisungen zu folgen. ;-)

Mehr davon?

Du willst noch mehr wissen? Dann vereinbare doch einen Termin für eine virtuelle Happy Hour. Dort hast du die Gelegenheit, mir deine Herausforderung zu schildern und ich kläre mit dir gemeinsam, wie ich dich am besten unterstützen kann.

Ich stehe mit meinem Fachwissen und guten Tipps zur Verfügung, du steuerst deinen Cocktail bei.
Wir plaudern 30 Minuten lang über deine Herausforderung und schauen gemeinsam, wie ich dich am besten unterstützen kann.

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Deine Erfahrung

Ich bin sicher, diese Tipps helfen auch dir im Umgang mit deinem Kind. In einem meiner nächsten Artikel widme ich mich dann deiner Gelassenheit in Bezug auf deine eigenen Erziehungsansprüche.

Teil mir doch mit, wie es dir damit ergangen ist.

 

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