Aus-gelassen leben

Pubertät - Interview mit Daniela StubeDie Herausforderungen der Pubertät

Diesmal ist Daniela Strube zu Gast. Sie ist Expertin für den Umgang mit Jugendlichen in der Pubertät.
Fragen zu diesem Bereich tauchen auch in den Hotel-Mama-Workshops immer wieder auf und so habe ich mir gedacht, ich hole mir einmal eine Expertin für dieses Thema zum Interview. Und dieses Interview war so ergibig und fein, dass es mich gleich auf noch eine Idee gebracht hat. Ein neues Freebie für Hotel Mama schließt! – Die Expertengespräche. Sie sind auch schon in Arbeit und wenn du Interesse hast, dann solltest du unbedingt wieder hier vorbei schauen. Daniela ist auch dabei. Weiterlesen

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!

Familienzeit

Familienzeit

Wochenende

Heute ist Freitag. Heute Abend geht es ins Wochenende.
Es gibt da eine Firma, die hat als Telefonansage „Sonntag ist Familientag!“. Wenn du Kinder hast, weißt du vielleicht, von wem ich spreche. Spannenderweise habe ich bei meinen Recherchen zu diesem Artikel entdeckt, dass diverse Freizeiteinrichtugen diesen Spruch für sich entdeckt haben und damit besondere Angebote verbinden.

In meinem Artikel soll es nicht um diese Firma gehen, sondern um diese wunderbare Idee Familienzeiten genauso ernst zu nehmen, wie berufliche Termine.

Na mach ich doch, denkst du jetzt vielleicht. Ist das wirklich so? Bist du zu Familienzeiten nur für deine Familie da? Oder bist du immer im Multitastking unterwegs. Ich meine damit nicht die täglich anfallenden Hausarbeiten oder die Gartenarbeiten, für die nur am Wochenende Zeit ist. Ich meine damit auch nicht Besuche von Freunden und Verwandten.
Was ich meine, ist deine Einstellung.

  • Erlaubst du dir am Wochenende (oder wann immer deine persönlichen Familienzeiten sind) in slow motion unterwegs zu sein?
  • Nimmst du dir mehr Zeit für die Bedürfnisse deiner Kinder?
  • Unternehmt ihr etwas gemeinsam?
  • Gibt es wirklich Familienzeit in Form von Erlebnissen?

In Frankreich z. B. hatten sehr viele Schulen am Mittwoch schon mittags Schluss beziehungsweise hatten die Grundschulden diesen Tag ganz frei. Mittlerweile ist es so, dass an allen Schulen Mittwoch vormittags untterrichtet wiird. Auch die Wirtschaft hat sich auf diese Tatsache eingestellt. Es ist der Tag, an dem französische Familien Zeit für Erledigungen haben, der Tag, an dem viele Kinder ihre Freizeitangebote einplanen. Es ist aber auch der Tag, an dem man nachmittags besonders viele Familien auf dem Spielplatz oder durch die Parks streifen sieht. Es ist der Tag, wo Außenstehende den Eindruck haben, dass sich alles nach den Kindern richtet.

Das ist leider nicht so. Dadurch, dass so viele an diesem Nachmittag frei haben, wird der Tag genützt für Arztbesuche, notwendige Einkäufe, etc.

Familientag

Mir gefällt die Idee eines Familientages. Es muss ja nicht der Sonntag sein. Bei vielen Familien ist das aus beruflichen Gründen schon nicht möglich. Ärzte und Krankenschwestern haben einen Dienstplan, der sich nicht nach Arbeitstag und Wochenende richtet.

Welchen Tag du mit deiner Familie zum Familientag machst, hängt ganz von euch und euren Lebensumständen ab.

Ich finde es auch gar nicht so wichtig, was ihr macht, sondern wie ihr es macht.

Gemeinsame Erlebnisse schaffen Bindung

Jedes gemeinsame Erlebnis schafft Bindung und eine gemeinsame Erinnerung. An schöne Tage denken wir gerne zurück. Die kann uns niemand wegnehmen.

Genau daran solltest du im Umgang mit deinem Kind denken. Natürlich sollten die Grundbedürfnisse deines Kindes gedeckt sein. Trotzdem sollte es lernen, dass materieller Besitz vergänglich ist. Ein iPhone oder das siebente PC-Spiel geht irgendwann kaputt oder verliert seinen Reiz.

Wenn es dir gelingt, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, dann werden sie deinem Kind lebenslang in Erinnerung bleiben.

Worauf ich hinaus will, ist die Tatsache, dass so ein gemeinsames Erlebnis nichts Großartiges sein muss. Es sind oft die kleinen Dinge, die Kindern im Gedächtnis bleiben und sie beeindrucken.

Du kochst für deine Familie ein schmackhaftes Essen. Wie wäre es, wenn du dir Zeit nimmst und deine Kinder in die Zubereitung miteinbeziehst?
Ich weiß, dass das für dich vielleicht ein wenig anstrengend sein wird. Die Kinder werden aber sicher einen riesen Spaß dabei haben. Sie werden vieles lernen und sie werden dich mit dem Schwung dieser Begeisterung auch zukünftig unterstützen.

Als mein Bruder und ich Kinder waren, haben wir unsere Mutter immer beim Kochen unterstützt. Über die Hilfstätigkeiten sind wir lange nicht hinausgekommen. Da meine Mutter berufstätig war, haben wir die gemeinsame Zeit geliebt. Hier hatten wir Gelegenheit über all das zu plaudern, was uns beschäftigt hat und unsere Mutter nahm sich auch die Zeit uns zuzuhören. Wir verbanden einfach das Notwendige mit dem Angenehmen.

Ihr wollt im Garten die Sträucher schneiden. Dann mach deine Kinder zu Verbündeten. Lass sie mithelfen. Vor allem kleine Kinder lieben es, die Dinge zu machen, die die bewunderten Eltern auch machen.
Bei dieser Gelegenheit kannst du deinen Kindern gleich die verschiedenen Pflanzen im Garten zeigen, ihre Namen nennen und ihnen erklären, von welchen Pflanzen die Früchte essbar sind und welche sie lieber gar nicht angreifen.

Mein Vater war ein leidenschaftlicher Gärtner. Ich habe ganze Vormittage mit ihm im Garten verbracht. Pflanzen umgetopft, Sträucher geschnitten, Bäume gesetzt. Ich habe dabei unheimlich viel gelernt. Das Spannende ist, dass vieles davon Passivwissen ist. Ich kenne ganz viele Pflanzen, dann wenn ich sie sehe, könnte sie aber nicht aktiv aus dem Gedächtnis beschreiben.
Natürlich ist auch Wissen aktiv da und auch ich liebe meinen Garten.

Konzentration und Aufmerksamkeit

Die oben genannten Beispiele haben eines gemeinsam. Unsere Eltern waren in diesen Augenblicken mit ihrer Aufmerksamkeit ganz bei uns. Meine Mutter ist eine ausgezeichnete Köchin und vieles ging daher automatisch. Mein Vater wuchs schon in einer Gärtnerei auf und daher war dieses Hobby für ihn stets eine Gelegenheit das „Hirn auszulüften“.

Du siehst also, das Geheimnis liegt darin, dass du deine Aufmerksamkeit deinem Kind widmest.

Das kannst du natürlich genauso gut bei einem Museumsbesuch tun. Ich kann mich gut daran erinnern, als ich mit meinem Sohn das erste Mal in Wien im Naturhistorischen Museum war. Ich dachte, er würde sich für Dinosaurier interessieren.
Nein, er hat mich zwei Stunden lang von einer Vitrine zur nächsten geschleppt. In jeder dieser Vitrinen waren 20 – 30 verschiedene Vogeleier. Ich musste ihm bei jedem Ei vorlesen, von welchem Vogel es stammte. – Ein Albtraum für mich! Er hat es so genossen, dass er sich heute mit 21 Jahren noch freudig daran erinnert.
Ich habe mich einfach auf ihn eingelassen und mitgemacht. Ich habe also alle meine Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet.

Familienzeit schafft Gemeinsame Erinnerungen

Zeit ist das schönste und wertvollste Gut, das wir verschenken können.

Ja, du hast Recht: Zeit ist flüchtig. Gemeinsam verbrachte Stunden schaffen gemeinsame Erinnerungen und bieten damit auch nach Jahren noch guten Gesprächsstoff.

Diese Erinnerungen bleiben auch dann noch, wenn ein materielles Gut schon lange kaputt ist.

Das erste Fahrrad bleibt uns meistens in Erinnerung. Es ist jedoch nicht nur das erste Fahrrad, das sich in unserem Gehirn einen festen Platz erobert, sondern auch diese Einzigartigkeit. Das erste Stück ist immer etwas Besonderes. Das erste Fahrrad ist aber auch mit dem Prozess des Fahrrad fahren Lernens verknüpft. Mit den Erinnerungen an die Hand von Papa oder Mama im Rücken, als sie hinterhergelaufen sind. An all die Anfeuerungsrufe bei den erzielten Erfolgen.

Mein Bruder hat einen schönen Grundsatz. Er ist der Meinung das schönste Geschenk an Kinder sind gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse.

Er verdient gut und er und seine Frau wollen die Kinder nicht über die Maßen verwöhnen. So haben die Kinder eher weniger Spielsachen, als andere gleichen Alters. Was die beiden aber mit den Kindern machen ist reisen. Langsam und auf kindgerechte Art. Bei diesen Reisen nehmen sie sich sehr viel für die Familie Zeit und nehmen immer auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht.
So haben mein Neffe und meine Nichte schon mehr von der Welt gesehen, als ich.

Gesprächsstoff und Kitt in schwierigen Zeiten

Gemeinsam verbrachte Zeit schafft somit auch Gesprächsstoff und die gemeinsamen Erinnerungen können wertvoller Beziehungskitt in schwierigen Zeiten sein.

Es gibt einfach Situationen im Laufe des Lebens, die machen uns sprachlos. Wir sitzen vor dem geliebten Menschen und finden einfach keinen Anknüpfungspunkt. Das kann sein, wenn die Kinder pubertieren, aber auch, wenn die Eltern alt werden. Dann empfinde ich es wirklich als wertvoll auf gemeinsame und positive Erinnerungen zurückgreifen zu können.
Es ist wie eine Brücke, über die du ins Jetzt gehst und auf einmal kommt ein richtiges Gespräch in Gang, von dem alle profitieren.

Zeit für die Familie ist gut eingesetzt

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Bei uns ist es schon oft so, dass Zeit mit der Familie besondere Planung braucht. Jedes Familienmitglied hat eigene Pläne und so müssen wir uns gut koordinieren, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Es lohnt sich jedem Mal! Wir genießen diese wertvollen Stunden alle.

Mein Mann und ich sorgen aber auch nach wie vor dafür, dass wir mit jeden einzelnen Familienmitglied einzeln Zeit verbringen und Erlebnisse schaffen, die Exklusivität haben. Das fördert die Beziehung zu unseren Kindern, auch wenn sie schon junge Erwachsene sind.

Wie hältst du es mit der Familienzeit?

  • Planst du diese Zeit?
  • Ergibt es sich einfach?
  • Verbringt ihr regelmäßig Zeit miteinander und schafft gemeinsame Erinnerungen?

Ich bin ganz gespannt auf deine Antworten.

Bleib gelassen!

Ilse Maria_Signatur

 

 

 

 

 

 

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!
Stoppe das Gedankenkarussell
Stoppe das Gedankenkarussell

Lea sitzt im Wohnzimmer und grübelt: „Was hab ich bloß falsch gemacht?“ – Stoppe das Gedankenkarussel, Lea!

Leas Sohn Lukas ist heute mit einer Vorladung seiner Klassenlehrerin nach Hause gekommen. Lea soll zu einem Gespräch in die Schule kommen.
Lukas ist 12 Jahre alt und hat einen Schulkollegen im Streit verletzt. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Trotzdem möchte die Klassenlehrerin mit Lea sprechen.

Natürlich hat Lea Lukas sofort zu dem Vorfall befragt: „Was hast du nur schon wieder angestellt?“, schüttelt sie den Kopf.
Lukas reagiert bockig: „Gar nichts.“
„Das gibt es nicht. Von `gar nichts´ bekommt dein Klassenkollege keine Beule. Komm schon, sag mir was passiert ist, damit ich morgen bei dem Gespräch nicht dumm da stehe.“
„Das ist dir wieder wichtig, dass du nicht dumm da stehst. Es ist dir ja ganz egal, was vorher passiert ist.“
„Das stimmt nicht,“ sagt Lea, „genau darum frage ich ja, dass ich deine Sicht der Dinge höre.“
„Peter hat mich gehänselt und als ich sagte er soll aufhören, hat er immer weitergemacht. Irgendwann hab ich dann nur mehr rot gesehen und hab ihn geschubst“, meint Lukas.
„Du weißt doch genau, dass du Konflikte nicht mit Gewalt lösen kannst“, sagt Lea.
„Du hast gut reden. Wenn ich dich so sekkieren würde, wie mich Peter, dann würdest du auch ausrasten“ mault Lukas und verabschiedet sich beleidigt in sein Kinderzimmer.

Lea bleibt ratlos im Wohnzimmer zurück. Sie kann sich das alles nicht erklären. Sie hat Lukas schon als Kleinkind beigebracht, dass man Konflikte nicht mit Gewalt löst, sondern sich hinsetzt und miteinander redet. Sie macht sich Vorwürfe, weil es ihr nicht gelingt, zu ihm durchzudringen und sie fühlt sich hilflos, weil sie spürt, wie schlecht es ihrem Kind geht. Eigentlich müsste sie jetzt stark sein und zu ihm gehen. Sie müsste ihn in den Arm nehmen und trösten. Doch das kann sie jetzt nicht. In ihr kommt eine entsetzliche Wut hoch, weil sie morgen in die Schule muss. Was ist nur mit ihr und Lukas los? Wo sind sie nur falsch abgebogen? Sie fühlt, dass sie das Vertrauen ihres Kindes verliert. Ihre Gedanken drehen sich im Kreis. Sie werden schneller und schneller. In ihrem Kopf geht es zu wie auf einem Karussell.

Natürlich ist das nur eine fiktive Geschichte und doch habe ich immer wieder Mütter bei mir sitzen, die sich fragen: „Was habe ich bloß falsch gemacht? Wo bin ich nur falsch abgebogen?

Nachts liegen diese Mütter dann wach und die Gedanken fahren fröhlich Karussell. Sie spielen alle möglichen Szenarien durch, malen sich das Schlimmste aus und sehen ihre Kinder schon am Rande des Abgrunds. Sie finden keinen Schlaf und suchen die Schuld am vermeintlichen Versagen oder an den scheinbaren Fehlern ihrer Kinder bei sich.

Was tun? – Stoppe das Gedankenkarussell

Mach dir klar, dass jeder Mensch das Recht hat seine eigenen Fehler zu machen

Du kannst nicht alles beeinflussen, was dein Kind tut.
Gestehe deinem Kind Fehler zu. Bestimmte Erfahrungen muss dein Kind selbst machen und du kannst sie ihm nicht abnehmen. Ich weiß, manchmal ist es schwer zuzusehen. Vor allem dann, wenn du glaubst zu wissen, wie sich die Dinge entwickeln. Vor allem dann, wenn du ahnst, dass dein Kind auf die Nase fallen wird.

Auf die Nase fallen tut weh. Aber Erfahrungen, die dein Kind selbst macht, merkt es sich am besten.

Du kannst dein Kind nicht vor allem beschützen

Mach dir klar, dass du dein Kind nicht vor allem beschützen kannst. Jeder von uns macht unangenehme Erfahrungen und hat mit Personen zu tun, von denen er lieber Abstand halten würde.

Dein Kind hat einen Lehrer, der streng und schon beinahe boshaft agiert?
Hilf deinem Kind sich möglichst gut auf diese Stunden vorzubereiten. Wenn die Situation unerträglich wird, suche das Gespräch mit diesem Lehrer. Stärke dein Kind! Mach ihm aber auch klar, dass es im Leben nun Mal mit Personen konfrontiert sein wird, die es nicht unbedingt gut mit ihm meinen.

Das heißt jetzt nicht, dass sich dein Kind alles gefallen lassen soll. Der Umgang mit diesem Lehrer wird ihm jedoch auch helfen, Strategien zu entwickeln, um mit unangenehmen Zeitgenossen auszukommen.

Das beste Beispiel ist für mich ein Schüler, der von einer Montessori-Schule auf ein normales Gymnasium wechselte. Er tat sich schwer in unlinierten Heften ordentlich zu schreiben. Daher verwendete er stets linierte oder karierte Hefte, die auch in Ordnung waren.

Seine Biologie-Lehrerin bestand auf einem unlinierten Heft. Er meinte, dass er einsehe, dass er die Zeichnungen auf unliniertem Papier mache, aber schreiben würde er auf liniertem Papier.

Am Ende des Jahres stand er zwischen zwei Noten. Die Biologie-Lehrerin sagte ihm, dass sie ihm die bessere Note geben würde, wenn er ein unliniertes Heft hätte. Natürlich war das pure Schikane. Dieser Meinung waren auch seine Eltern.

Er setzte sich aber trotzdem hin und schrieb das Heft eines ganzen Jahres ab und führte ab diesem Zeitpunkt zwei Hefte. Eines für die Lehrerin (unliniert) und eines für sich selbst (liniert mit Zeichnungen auf unliniertem Papier). Auf die Frage seiner Eltern, warum er das mache, erklärte er: „Ich will ein `Sehr gut´ in Biologie und der Klügere gibt nach. Außerdem erspare ich mir auf diese Art das Lernen, weil ich ohnehin alles zwei Mal schreibe.“

Dieser Schüler war ganz und gar nicht gebrochen. Er gab scheinbar nach und führte für sich das Heft so, wie er es für richtig hielt. Dafür nahm er die doppelte Arbeit in Kauf.

Dein Kind muss gewisse Entwicklungsstufen durchlaufen

Oft wundern sich Mütter, warum ihre kleinen Söhne mit Bananen schießen, obwohl sie es doch strikt vermieden haben Kriegsspielzeug oder Spielzeugwaffen zu kaufen.

Keine Sorge, das vergeht wieder. Es ist ein Entwicklungsschritt, den kleine Jungen durchmachen. Im Alter von 5 – 7 Jahren erproben Jungs oft, wer der Stärkere ist und auch Mädchen bilden „Banden“. Dabei proben sie ihre Führungsfähigkeiten. Sie lernen auch mit Konflikten in Gruppen umzugehen und diese selbst in die Hand zu nehmen.

Wenn du deinem Kind ein gutes Vorbild bist, dann wird es bald zu einer ruhigen Verhandlungsweise – ohne schießende Bananen – finden.

So stoppst du das Karussell

Atmen

Konzentriere dich auf deinen Atem. Zähle beim Ein- und Ausatmen mit, ohne deine Atemgeschwindigkeit zu beeinflussen. Du wirst merken, dass sich dein Atem verlangsamt. Ganz von allein.

Atmen ist etwas, was unser Körper von ganz alleine macht. Niemand braucht sich auf die Atmung zu konzentrieren. Genau darum ist es so entspannend, wenn du deiner Atmung deine Aufmerksamkeit widmest. Du lenkst deine Aufmerksamkeit auf etwas, was dich keine Aufmerksamkeit, keine Energie und keine Kraft kostet.

Denk an etwas Schönes

Denke an ein wirklich schönes Erlebnis zurück. Wichtig ist, dass es ein Erlebnis ist, mit dem du gute Gefühle verbindest. Hol dir genau diese Gefühle her.

Mein Sohn denkt in so einer Situation gerne an einen Urlaub am Strand. Er spürt die Sonne auf seiner Haut, und nimmt wahr, wie die leichte Meeresbrise seine Haut streichelt. Er kann den Sand durch seine Finger rieseln spüren und fühlt das Glücksgefühl das er hat, wenn er in den Wellen herumhüpft.

Höre deine Lieblingsmusik

Hast du ein Lieblingslied? Wenn du damit noch schöne Erinnerungen verbindest, dann ist das eine prima Möglichkeit, dich aus dem Gedankenkarussell zu holen.

Für mich ist „New York“ von Frank Sinatra eines dieser Lieder. Ich habe eine ganz intensive Erinnerung an einen Sommertag in den 80-er Jahren. Es war der Veldener Sommerkarneval und ich tanzte mit meinem Mann zu diesem Lied auf einer Terrasse mit Blick auf den Wörther See. Kaum war das Lied verklungen begann das Feuerwerk, das sich im See spiegelte. Ich brauche dieses Lied nur zu hören, schon bin ich wieder 20 Jahre alt …

Meditiere

Das hört sich banal an. Regelmäßiges Meditieren wird dich wirklich ruhig und gelassen machen. Es wird dir helfen, deine aufkommenden Gefühle von den Tatsachen zu unterscheiden.

Es gibt viele Formen der Meditation und du findest bestimmt die Richtige für dich.

Die einfachste Form der Meditation ist es, einmal für 60 Sekunden gar nichts zu tun. Damit deine Augen etwas zu tun haben, kannst du die Zeiger einer analogen Uhr beobachten. Nimm während dieser Zeit deine Gedanken und Gefühle wahr und lasse sie einfach weiterziehen. Wenn sich dein Verstand an einer der Informationen festbeißen will, dann bedanke dich bei ihm für seine Aufmerksamkeit und nimm den nächsten Gedanken wahr.

Körperwahrnehmung

Wenn es dir schwer fällt zu meditieren, weil du dabei immer wieder abschweifst, dann kannst du auch folgende Köperwahrnehmungsübung machen.

Spüre nacheinander in alle Bereiche deines Körper: Erst in die Finger der linken Hand, dann in den linken Unterarm, den Ellbogen, den Oberarm, die Schulter, danach wechselst du zur anderen Seite und schenkst deine Aufmerksamkeit den Fingern der rechten Hand, dem rechten Unterarm …

Das machst du so lange, bis du den ganzen Körper durch bist. Du wirst sehen, danach bist du wunderbar entspannt und hast ganz andere Gedanken im Kopf.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, dein Gedankenkarussell zu stoppen. Mit diesen Übungen gelingt es dir sicher.

Bleib gesund und gelassen!
Deine Mütterversteherin

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!

 

Ich beschäftige mich ja jetzt schon eine ganze Weile mit dem Thema Grenzen und Selbst-Beschränkung. Das ist ein wirklich spannendes Thema, das viel Potential hat. Je länger ich daran arbeite, desto mehr wird mir bewusst, wie viele Fragen rund um das Thema auftauchen.

Eine sehr spannende wurde mir unlängst in einer Facebook-Gruppe gestellt.
„Wie kann ich auch einmal Fünf gerade sein lassen, das Ganze etwas lockerer sehen und wo sind Grenzen angesagt?“ Weiterlesen

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!

Familienalltag vereinfachen

Warum Selbst-beschränkung für dein Kind wichtig ist

Selbst-beschränkung - Vereinfachung - Beschränkung

In meinem letzten Podcast habe ich mich damit beschäftigt, dass Kinder, die in einer Überflussgesellschaft leben, dieselben Verhaltensweisen zeigen, wie Kinder die vom Krieg traumatisiert sind.

Außerdem habe ich auch auf weitere Artikel im Netz hingewiesen, wo es um Grenzen und Freiheit geht. Ich habe gesagt, dass ich überzeugt bin, dass diese drei Themen eng miteinander verbunden sind und dass ich glaube, dass man sie nicht unabhängig voneinander betrachten kann.

Im heutigen Blogartikel sollte es ursprünglich darum gehen, warum Grenzen für dein Kind wichtig sind. Bei der Ausarbeitung dieses Themas habe ich aber festgestellt, dass es dabei nicht nur um Grenzen im Verhalten geht sondern auch um die Begrenzung von Besitztümern und Gütern. Beides sind Grenzen. Um aber die Unterscheidung zu wahren und dem Thema wirklich gerecht zu werden, möchte ich auch die Begriffe klar trennen.

Wenn ich also von Grenzen spreche, so meine ich die Grenzen des Verhaltens und der persönlichen Freiheit.

Die Begrenzung von Besitztümern, Gütern und Informationen ist für mich eher mit dem Begriff der Selbstbeschränkung verbunden.

Selbst-beschränkung

Selbstbeschränkung ist eine persönliche Entscheidung mit dem Ziel die vorhandenen Mittel so effizient zu nutzen, dass der Mitteleinsatz möglichst klein gehalten wird.

Dazu dienen drei prinzipielle Fragen:

  • Was ist not-wendig? – Also: Was dient dem Überleben.
  • Was brauche ich? – Was ermöglicht mir ein angenehmes Leben?
  • Was hätte ich gerne? – Was dient meinem persönlichen Luxus.

Daran siehst du schon, dass das eine sehr persönliche Entscheidung ist. Was für den einen ein Luxusgut ist, kann für den anderen zum angenehmen Leben dazugehören.
Ich spreche hier ausdrücklich nicht davon, was ich möchte und mir nicht leisten kann. Ich meine wirklich Selbstbeschränkung; freiwilligen Verzicht auf alles, was nicht nötig ist.

Das soll kein Plädoyer für Minimalismus werden, obwohl ich dieser Lebensart durchaus einiges abgewinnen kann. Ich möchte dir heute zeigen, welche Auswirkungen (Selbst-)beschränkung auf dein Kind hat und was es dabei für das Leben lernt.

Selbst-beschränkung bewirkt Freiheit

Freiheit - Selbst-beschränkung

Durch Selbstbeschränkung erwirbt dein Kind Freiheit. Das hört sich im ersten Augenblick vielleicht komisch an, denn vielleicht glaubst du, Freiheit bedeutet alles haben zu können. Und damit hast du vollkommen Recht. Freiheit bedeutet, etwas haben zu können, aber es nicht unbedingt haben zu müssen. Die endgültige Entscheidung liegt bei dir. Und genau das verschafft Freiheit.

Selbst-beschränkung bedeutet Unabhängigkeit

Am besten gebe ich dir ein kleines Beispiel: Du hast Lust auf eine Süßigkeit und entscheidest dich aus Überzeugung dagegen, jetzt sofort etwas zu kaufen und zu essen.

  • Das macht dich einerseits unabhängig von deinen eigenen Gelüsten.
  • Du bist unabhängig von der Verfügbarkeit.
  • Du bist unabhängig von den angebotenen Waren. Denn du kannst dich entscheiden zu warten, bis du an etwas gesünderem vorbei kommst.

Selbst-beschränkung steht in engem Zusammenhang mit Selbstbestimmung

Du bestimmst, ob du einem plötzlichen Gefühl, einem momentanen Gusto oder einem spontan auftretenden Bedürfnis nachgibst oder eben nicht. Du hast die Wahl und nimmst diese Möglichkeit der Wahl auch in Anspruch.

Das bedeutet gleichzeitig, dass du die Verantwortung übernimmst und dich nicht getrieben fühlst.

Ich hatte heute ein Gespräch mit einer Freundin, die seit einigen Wochen auf jegliche Süßigkeiten verzichtet. Dazu möchte ich bemerken, dass sie einen extrem „süßen Zahn“ hat. Bisher konnte sie Süßigkeiten kaum widerstehen. Weder beim Einkauf, noch wenn sie ihr irgendwo angeboten wurden.

Heute hat sie mir freudestrahlend mitgeteilt, dass sie jetzt ein ganz neues Gefühl der Freiheit und der Selbstbestimmung habe, weil sie viel bewusster einkaufen geht und völlig ohne Drang an die Süßigkeiten vorbeigehen kann.

Dasselbe gilt auch für dein Kind, wenn du ihm das vorlebst.

Selbstkontrolle

Das bedeutet, sie kann sich jetzt selbst kontrollieren. Diese Selbstkontrolle gibt ihr wiederum ein Gefühl der Unabhängigkeit.

Es entfällt das Gefühl etwas unbedingt haben zu müssen.
Du kennst das sicher, dass dein Kind unbedingt ein neues Spielzeug haben will, weil es im moment in ist und es jeder hat. Bereits nach kurzer Zeit wird dieses Spielzeug uninteressant. Das Herz deines Kindes hängt nicht an der Sache.

Wenn du deinem Kind alles kaufst, was es möchte, dann wird es sich von klein auf an das kurzfristige Glücksgefühl beim Kauf von neuen Dingen gewöhnen.

Selbst-beschränkung bedeutet Einfachheit

Mein Mann lebt zur Zeit in Tunis. Er hat dort eine möblierte Wohnung gemietet. Die Wohnung ist einfach und funktionell eingerichtet. Es gibt keinen unnötigen Schnick-Schnack. Es gibt nur das, was wirklich gebraucht wird – und das ist erstaunlich wenig.

Natürlich wünsche ich mir manchmal verschiedene Gerätschaften in der Küche, wenn ich dort bin. Das Erstaunlich ist: Ich habe bisher immer noch alles kochen können, was ich mir vorgenommen hatte. Ich musste oft anders vorgehen, als gewohnt und mir mit den vorhandenen Mitteln behelfen und doch hat es immer geklappt.

Selbst-beschränkung macht kreativ

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären. Selbst-beschränkung macht kreativ.
Das ist auch bei Kindern so. Wenn sie nicht viele Spielsachen haben, dann entwickeln sie eine benahe unglaubliche Kreativität. Plötzlich wird jeder Gegenstand zum Spielzeug unfunktioniert. Kochlöffel und Kochtopfdeckel werden zur Trommel, ein leerer Karton zum Haus oder zum Auto, eine Decke über dem Tisch zu Höhle. Das fördert die Phantasie und auch die Sprache. Die Kinder müssen sich gegenseitig erklären, was sie sich dabei gedacht haben.

Es kommt der berühmte Satz: „Stell dir vor das ist …“ „Wir tun jetzt so als ob …“

Das ermöglicht den Kindern auch einen Einstieg ins Schauspiel und ins Rollenspiel und das wiederum hilft ihnen sich in andere einzufühlen.

Selbst-beschränkung bedeutet Zeitersparnis

Wenn du weniger Besitz hast, dann bedeutet das automatisch weniger Pflege.

Wenn dein Kind also weniger Spielsachen hat, dann ist es schneller fertig mit aufräumen. Es hat nicht so viel Aufwand mit der Pflege seiner Besitztümer.

Überblick

Gleichzeitig hat es einen guten Überblick über das, was vorhanden ist.

Viele Kinder wissen gar nicht, welche Spielsachen sie haben. Es ist einfach zu viel.

Bücherregal für Kinder - Selbst-beschränkung

Gerade bei Büchern bedeutet weniger am Anfang mehr. Kinder sind meistens nicht in der Lage ein Buch auszuwählen, von dem sie nur dem Buchrücken sehen. Es ist also sinnvoll, die Bücher mit der Vorderseite des Covers gut sichtbar ins Regal zu stellen. Dann kann dein Kind sein Lieblingsbuch jederzeit finden und auswählen. Diese Art, die Bücher aufzubewahren erfordert auch mehr Platz. Es gehen also wenige Bücher ins Regal, die sind dafür aber gut sichtbar.

Selbst-beschränkung bedeutet warten lernen

Wenn die finanzielle Lage der Eltern angespannt ist, lernen Kinder meist ganz von selbst zu warten. Bestimmte Anschaffungen werden auf den Geburtstag oder auf Weihnachten aufgeschoben. Wenn Kinder also einen bestimmten Wunsch haben, so müssen sie warten.

Bei mir war das als Kind so und ich habe dabei etwas Wichtiges gelernt. Manche Wünsche sind nicht so wichtig. Es ist nicht wert, auf die Erfüllung zu warten und es drängt sich ein anderer Wunsch vor.

Geduld

Bei diesem Warten lernen Kinder auch Geduld.

Genau auf dieses Warten lernen und das Thema Geduld ging Walter Mischel in den 1970-er Jahren mit dem Marshmallow-Experiment ein. Er gab Kindern ein Marshmallow und stellte sie vor die Wahl es entweder gleich zu essen, oder zu warten und ein zweites als Belohnung zu erhalten. Die Wartezeit betrug 6 – 15 Minuten. Für Kinder eine unglaublich lange Zeit, wenn sie vor der begehrten Süßigkeit sitzen.

In den Nachfolgestudien in den 1980-er Jahren fand er heraus, dass die Kinder, die länger gewartet hatten und damit eine zweite Süßigkeit verdient hatte, später schulisch erfolgreicher waren und eine tendenziell höhere Lernbereitschaft hatten. Außerdem konnten sie besser mit Frustration und Stress umgehen, als andere.

Wert-schätzung

Selbst-beschränkung fördert die Wertschätzung. Einerseits gewinnt eine Sache an Wert, wenn ich lange darauf warten muss oder wenn ich darauf hinarbeite. Andererseits gewinnt sich auch an Wert, wenn sie nicht eine unter vielen ist.

Ich habe vor einiger Zeit einmal ein Zitat gelesen, wo es um den Besitz von Büchern ging. Da ich eine bekennende Leseratte bin, hat es mich tief beeindruckt.

Der Sinn des Zitates war folgender:
Es ist besser nur ein Buch zu besitzen und sich damit intensiv auseinander zu setzen, als viele Bücher, die nur oberflächlich gelesen wurden.

Ich könnte mir nicht vorstellen nur ein Buch zu besetzen, aber die Idee hinter dieser Aussage fasziniert mich!

Achtsamkeit

Wenn dein Kind nur wenige Dinge besitzt, dann lohnt es sich diese Dinge in guter Qualität anzuschaffen.

Das ist auch ein Grundsatz, dem Maria Montessori immer wieder herausgekehrt hat. Sie forderte, dass die Arbeitsmaterialien der Kinder von hoher Qualität sein sollten.

Sie war der Meinung, dass die Kinder diese Qualität durchaus schätzen würden und dadurch auch mit den Materialien vorsichtiger und achtsamer umgehen würden.

Ich konnte das selbst in meinen Eltern-Kind-Spielgruppen beobachten. Getreu diesem Grundsatz habe ich für die 2 -3 jährigen kleine Teller aus Porzellan und kleine, kindgerechte Gläser angeschafft. In den 2 Jahren, wo ich diese Eltern-Kind Gruppen geleitet habe ist kein Stück zu Bruch gegangen, obwohl die Kinder bei der Zubereitung der Jause halfen und selbst den Tisch deckten und abräumten. Zusätzlich befand sich zwischen Küche und Gruppenraum eine Stufe. Die Kinder überwanden dieses Hindernis mit äußerster Vorsicht und waren sich immer bewusst, dass das Geschirr zerbrechlich ist.

Spannend war es auch zu beobachten, wie jedes Kind seinen individuellen Weg fand, mit der Stufe umzugehen. Es gab Kinder, die das Geschirr auf den Boden stellten, die Stufen hinunterkletterten und das Geschirr wieder aufnahmen. Andere hielten das Geschirr vorsichtig in der Hand, setzten sich auf die Stufe, ließen die Beine hinabbaumeln und stellten sich wieder auf. Und wieder andere übergaben auf der Stufe das Geschirr den begleitenden Eltern und nahmen es nachher wieder auf.

Liebe zum Detail

Wenn wenig vorhanden ist, dann kann dein Kind, die Liebe zum Detail entwickeln, weil das Auge und der Geist nicht abgelenkt ist.

Kinder fangen oft an, ihr Zimmer zu verschönern, wenn es ausgemistet wird. Plötzlich haben sie Ideen, wie sie den Arbeitsplatz bequemer und funktioneller gestalten können.

Du kennst das sicher auch von dir. Du wirst keine Lust haben, einen Strauß Blumen auf einen überfüllten Tisch zu stellen. Auf einem leeren Tisch hingegen kann er wirken.

Überschaubarkeit gibt Geborgenheit

Diese Überschaubarkeit gibt auch Geborgenheit. Sie vermittelt deinem Kind das Gefühl, seine Umgebung wirklich gut zu kennen.

Wenn nur wenig da ist, dann hat alles seinen Platz. Das bietet Struktur und gibt Sicherheit und trägt somit zur Geborgenheit bei.

Fazit: Verzicht lohnt sich durchaus

Es lohnt sich durchaus auf manche Dinge zu verzichten und auf andere vielleicht etwas länger zu warten. Du eröffnest deinem Kind dadurch eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten.

Deine

Ilse Maria_Signatur

 

 

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!