Loslassen

Die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist geprägt von Phasen von Innigkeit, die dann wieder von Prozessen des Loslassens unterbrochen wird. So wachsen Kinder und so gewinnen sie Stück für Stück Selbständigkeit.

Nicht immer fällt Müttern dieser Prozess leicht und ich halten den Satz „Du musst lernen los zu lassen!“ für genauso lästig wie den Satz „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!“. Spannenderweise fallen diese Sätze oft im selben Kontext und sind nur an andere Personen gerichtet. Trennungsschmer kommt auch bei Müttern vor.

Trennungsschmerz bei Müttern

Loslassen ist integraler Bestandteil des Mutterseins

Das erste Mal lässt du dein Baby los, wenn es deinen Körper verlässt. Neun Monate ist es in dir herangewachsen. Und dann kommt der Moment loszulassen. Nachdem du dein Kind wahrscheinlich kennen lernen willst, fällt das Loslassen in diesem Fall relativ leicht. Ich kenne allerdings Mütter, die von sich sagen, am liebsten wären sie immer schwanger ;-)

Die nächsten Punkte am Weg des Loslassens sind schon festgelegt. Das Baby schläft im eigenen Bett, es wird aktiver und braucht weniger Körperkontakt. Wenn du gestillt hast, dann folgt die Phase des Abstillens, die auch eine Trennungsphase für Mutter und Kind darstellt.

Oft sind weder Mutter noch Kind bereit für diesen Schritt, dann heißt es behutsam vorgehen und sich Zeit zu lassen. Wenn du für diesen Prozess eine Expertin suchst, so kann ich dir Tabea Laue herzlich empfehlen.

Später lässt du dein Kind los, wenn es selbst zu gehen beginnt und die Welt erforscht. Es will nicht mehr immer an der Hand gehen und bewegt sich mehr und mehr von dir weg.

Dieses Loslassen macht Angst und ruft Trennungsschmerz hervor.

Schließlich hast du dich mit deinem Kind als Einheit wahrgenommen. Sicher, es gab Tage, an denen dir diese Symbiose auf die Nerven ging. Im Grunde genommen fandest du es aber sehr nett.

Bei den meisten Familien wird das Thema Loslassen mit dem Kindergartenbesuch richtig akut. Vorher können sich alle Beteiligten noch irgendwie rumschummeln.

Bei den meisten Familien wird das Thema Loslassen mit dem KITA-Besuch richtig akut. Vorher können sich alle noch irgendwie rumschummeln. Klick um zu Tweeten

Sowohl dir als Mutter, als auch deinem Kind fällt das Loslassen leichter, wenn du alle Etappen ruhig vollziehst. Wenn ihr euch vor dem Kindergarten schon daran gewöhnt habt, dass es auch Zeiten gibt, wo ihr getrennt seid, dann wird es nicht so viele Schwierigkeiten geben.

Die Ursachen von Trennungsschmerz

Wenn dein Kind in den Kindergarten kommt, dann wird es selbständig und lernt, ohne dich auszukommen. Das kann Verlustängste und echten Trennungsschmerz auslösen. Auch bei dir als Mutter.

Du verlierst die Kontrolle

Ab jetzt weißt du nicht mehr, was dein Kind zu jeder Minute des Tages macht. Das Leben deines Kindes entzieht sich deiner Kontrolle. Das ist die Ursache für unangenehme Gefühl, Schmerz und Angst. Schließlich warst du bis jetzt die Hauptperson im Leben deines Kindes und umgekehrt. Du hast es umsorgt und getröstet. Jetzt lernt es ohne dich zurecht zu kommen.

Starke Mutter-Kind-Bindung

Viele Frauen merken gar nicht, wie sehr sie ihr Leben auf das Kind einstellen. Einerseits geht ihnen die ständige Verfügbarkeit auf die Nerven und sie fühlen sich ausgelaugt. Andererseits können sie in dieser Zeit auf das Leben ihres Kindes größtmöglichen Einfluss nehmen.

Du merkst, dass dein Kind – und damit auch du – älter wird

Oft fällt es Eltern schwer zu sehen, dass ihr Kind älter wird, mehr Verantwortung übernehmen kann und auch in der Lage ist Aufgaben für die Gemeinschaft zu erledigen. Sie wollen ihr Kind möglichst lange klein halten. Sei es, weil sie Kleinkinder so niedlich finden, oder auch, weil sie damit ihre eigene Jugend festhalten.

Gerade bei diesem Punkt spielt der Faktor Gewohnheit eine große Rolle. Wenn du etwas oft machst, dann stellt sich schnell eine Gewohnheit ein. Du brauchst nicht mehr an alles zu denken, wenn du es tust. Ein gutes Beispiel ist dafür Auto fahren. Du sitzt nicht mehr wie in den Anfangstagen im Auto und denkst: „Runterschalten – Blinken – Spiegel-Spiegel-Schulter-Blick – runterschalten – einschlagen – um die Kurve fahren“ Du tust es einfach.

Ich bin unlängst bei einem Kinderkurs in die Gewohnheitsfalle getappt. Du kannst es dir in diesem Video ansehen.
https://youtu.be/u7QYLu7dcXM

Bedenken das Kind jemand anderem anzuvertrauen

Sein Kind einer anderen Bezugsperson anzuvertrauen setzt sehr viel Vertrauen voraus. Wenn du dein Baby einmal für ein paar Stunden von deiner eigenen Mutter betreuen lässt, dann weißt du genau worauf du dich einlässt. Schließlich kennst du deine Mutter schon dein ganzes Leben. Du kennst ihre Werte, weißt, wie sie in Krisensituationen reagiert und du weißt auch, dass sie in vielen Fällen in deinem Sinne handeln wird.

Sein Kind einer anderen Bezugsperson anzuvertrauen setzt sehr viel Vertrauen voraus! Klick um zu Tweeten

Bei einer Pädagogin weißt du das am Anfang nicht. Du musst ihr einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen. Du kannst nur darauf vertrauen, dass sie ihren Beruf gelernt hat, genug Erfahrung und Kompetenz mitbringt, um deinen kleinen Liebling gut zu versorgen.

Dazu kommt, dass du dir zwar die Betreuungseinrichtung in vielen Fällen aussuchen kannst. Nicht aber die Bezugsperson innerhalb dieser Einrichtung. Du hast keine Wahl. Das kann schon Bedenken auslösen. Dazu kommt, dass auch viele Kinder am Anfang weinen, wenn sie von der Mama getrennt werden.

Manchmal wenden sich Kinder auch von sich aus Betreuungspersonen innerhalb einer Einrichtung zu (wenn sie die Wahl haben), die du selbst nicht ausgesucht hättest. Sie finden bei dieser Person etwas, von dem sie sich angezogen fühlen.

Und dann gibt es die Ausnahmen

Ich z. B. hielt mich für eine dieser Ausnahmen. Bei beiden Kindern fiel mir das Abstillen leicht. Es erfolgte im Einklang mit den Kindern. Auch das Gehen lernen und der Kindergarteneintritt hat wenig ausgemacht. Dann kam der Schuleintritt und wieder fühlte ich nichts von dem Trennungsschmerz, den andere Mütter beschrieben. Ich fühlte mich schon über dieses Phänomen erhaben! Wenn ich es geahnt hätte. Hochmut kommt bekanntlich von dem Fall!

Als unser Sohn allerdings ins Gymnasium kam und mit dem Bus 20 Minuten bis zur Schule fahren musste, änderte sich schlagartig alles. Mein kleiner Großer wollte natürlich vom zweiten Schultag an allein in die neue Schule fahren. Schließlich war er auch bereits am zweiten Schultag allein in die Volksschule gegangen.

Voll erwischt!

Mich hat es damals voll erwischt. Wir hatten unserem Sohn extra ein Handy gekauft, damit er uns immer erreichen konnte. Bereits am zweiten Tag rief er mich an, weil die Klassenkollegen seine Schuhe versteckt hatten. Ich musste ihn telefonisch anleiten, sein Problem allein zu lösen – und ging dabei im Kreis. Ich war nicht in der Lage ihm zu helfen. Er hätte es auch gar nicht gewollt.

Am dritten Tag stieg er drei Stationen zu früh aus dem Bus und statt mich anzurufen ging er den ganzen Weg zu Fuß nach Hause. Er kam eine geschlagene Stunde zu spät. Meine Anrufe auf seinem Handy hatte er nicht gehört, weil es in der Schultasche am Rücken war! Ich hab rotiert, mir alle möglichen schrecklichen Dinge ausgemalt und mir schon überlegt, ob ich die Polizei verständigen soll.
Und dann kam er lachend und seelenruhig nach Hause. Erschöpft vom langen Fußmarsch und glücklich, es ganz allein und selbständig geschafft zu haben.

Du siehst, für Trennungsschmerz ist es nie zu spät ;-)

Dieses Erlebnis hat jedoch auch mich gelehrt Vertrauen in mein Kind und seine Kompetenz zu haben.

Du leidest unter Trennungsschmerz und wünscht dir Unterstützung?

Ich bin für dich da!

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Wie deine Angst die Trauer deines Kindes beeinflusst

Wie deine Angst die Trauer deines Kindes beeinflusst

Zu diesem am 10.05.2019 überarbeiteten Blogartikel gibt es einen passenden Podcast vom 3.5.2017, den du im Anschluss an den Artikel findest.

Wie deine Angst die Trauer deines Kindes beeinflusst

Was deine Ängste mit der Trauer deines Kindes zu tun haben

Heute widme ich mich dem schwierigen Thema Kindertrauer bei chronischer Krankheit oder Verlust von Angehörigen.

Wenn Kinder trauern geht das den meisten Eltern ganz schön an die Nieren.

  • Sie leiden mit.
  • Sie versuchen zu trösten.
  • Sie fühlen sich hilflos.
  • Sie würden ihrem Kind gern die Situation ersparen.

All das ist verständlich.

Die eigenen Ängste und Dämonen

Wenn dein Kind trauert musst du dich als Elternteil auch noch deinen eigenen Dämonen und Ängsten stellen. Und genau diese Ängste können die Trauer deines Kindes beeinflussen. Du möchtest deine Ängste nicht auf dein Kind übertragen? Dann ist es wichtig, dass du deine Ängste kennst!

Ich selbst habe in meinem Leben schon einige Verluste erlitten und traurige Situationen erlebt.
Ich habe ein Sternengeschwisterchen, musste mich von mehreren Haustieren verabschieden und als ich 13 Jahre alt war, verlor ich meine geleibte Oma. Als unsere Söhne 5 und 2 Jahre alt waren, verloren sie ihren Uropa und 3 später einen ihrer Großväter. Dabei habe ich sie gut begleitet.
Das sind nur einige meiner Erlebnisse.

Gott sei Dank bin ich in einer Familie aufgewachsen, in der Trauer kein Tabu-Thema war. So kann ich auch mit belastenden Situation unbefangen umgehen.

Ich kenne also die Nöte und Ängste eines Kindes genauso, wie die Sorgen einer Mutter.

Wenn dein Kind trauert

Wenn dein Kind trauert, dann willst du es möglichst gut begleiten.

  • Du machst dir Sorgen, ob es diesen Verlust unbeschadet übersteht.
  • Du willst es trösten und beschützen.
  • Wahrscheinlich bist du dir nicht sicher, ob und wie viel du mit deinem Kind reden sollst.
  • Sprichst du von dir aus die Situation an, oder wartest du ab, bis das Kind von sich aus kommt?
  • Sollst du es ermutigen seinen Gefühlen und Tränen freien Lauf zu lassen, oder lenkst du es besser von seinem Schmerz ab?

Gerade was das Thema Trauer anbelangt, sind die eigenen Ängste in Bezug auf das Thema für das Kind oft entscheidend, wie frei oder wie belastend es traurige Situationen empfindet.
Eltern sind nun einmal Vorbilder für das Kind. Kinder übernehmen die Sorgen, Ängste und Befürchtungen oft ganz automatisch.

Soll das jetzt heißen du bist schuld, wenn dein Kind sehr trauert, oder in einem Trauerprozess steckenbleibt?

Nein, das bist du nicht! Ich bin gegen diese Beschuldigungen und gegen Eltern-Bashing.

Auch du warst in deinem Leben vielen Einflüssen ausgeliefert, die dich in deinem Verhalten geprägt haben.
Diese Verhaltensweise laufen ja auch ganz unbewusst ab. Du denkst dir nicht vorher: „Jetzt zeige ich meinem Kind einmal ganz massiv meine eigene Angst, damit es nicht auf den Buam klettert.“ Es passiert einfach. Es passiert auch dann, wenn du versuchst, deine eigene Angst zurückzudrängen. Dein Kind fühlt die Angst hinter deinen ermunternden Worten. Das konntest du sicher schon selbst beobachten.

Selbstreflexion ist in der Erziehung sehr wichtig!

Durch Selbstreflexion hast du die Möglichkeit zu erkennen, wie dein eigenes Verhalten, dein Ängste und auch deine positiven Seiten, das Leben deines Kindes beeinflussen. Nachfolgend findest du einiger dieser Ängste und die Auswirkungen auf dein Kind.

Die Ängste in Bezug auf Kindertrauer

Was sind also die Ängste, die Erwachsene in Bezug auf Kindertrauer blockieren oder im Verhalten beeinflussen?
Wie beeinflussen die Eltern ihr Kind mit dieser Angst?
Was kannst du tun, um deine Ängste in den Griff zu bekommen und nicht an dein Kind weiter zu geben?

Die Angst, das Kind zu überfordern

Viele Eltern haben Angst, das Kind mit zu vielen Informationen über Krankheit und Tod zu überfordern. Das ist verständlich. Sie wollen ihr Kind beschützen und so lange als möglich die schweren Erlebnisse von ihren Kindern fern halten.

Dabei vergessen die Erwachsenen eines. Wenn jemand in der Familie krank ist oder stirbt, dann bekommen Kinder durch ihre feinen Antennen ohnehin mit, dass etwas anders ist. Sie merken die Stimmung im Haus. Wenn niemand mit ihnen spricht, dann kann es sein, dass sie die bedrückte Stimmung auf sich beziehen. Manche Kinder denken dann, sie hätten etwas falsch gemacht. Ein persönliches Erlebnis kannst du in diesem Video ansehen.

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Die Beeinflussung

Du siehst also, dass die Angst das Kind zu überfordern, zu etwas viel Schwerwiegenderem führen kann. Im Video hatte das Kind das Gefühl nicht traurig sein zu dürfen. Schließlich „wusste“ es offiziell noch nicht Bescheid. Doch Erwachsene wollen für Kindertränen eine Erklärung. Sie fragen nach, weil sie sich Sorgen machen. Wie könnte das Kind aber sagen: „Ich habe Angst um den Opa!“, oder „Ich bin traurig, weil Opa krank ist!“, wenn es offziell noch gar nichts weiß. Das Kind spürt mit dieser Erklärung würde es das Weltbild der Eltern erschüttern und so hält es seine Tränen zurück.

Der mögliche Ausweg

Versuche in einer ruhigen Situation deinem Kind in kindgerechter Sprache zu erklären, was Sache ist. Bleib dabei so sachlich, wie möglich und zeige dennoch deine Gefühle. Es ist ok., wenn dir dabei die Tränen über die Wangen rinnen. Du kannst deinem Kind ruhig sagen: „Weißt du, das macht mich auch sehr traurig!“
Erzähle lieber etwas zu wenig als zuviel. Wenn der Opa Krebs hat, dann reicht es zu sagen, dass Opa sehr krank ist und in nächster Zeit öfter im Krankenhaus sein wird.
Wenn dein Kind genauer nachfragt, dann erkläre ihm alles, was es wissen will so gut es geht und so einfach, wie möglich.

Die Angst, dass das Kind nicht versteht

Oft glauben Erwachsene auch, dass vor allem kleine Kinder ohnehin nicht verstehen, was passiert. Sie denken, dass Kinder unter zwei bis drei Jahren ohnehin vergessen.
Das stimmt bis zu einem gewissen Grad. Wenn ein Kind zwei, drei Jahre alt ist, wenn der Opa stirbt, dann wird es keine bewusste Erinnerung an diesen Opa haben. Es wird aber eine diffuse Erinnerung haben. Es wird sich vielleicht auch später an eine Zeit erinnern können, als alle durchs Haus geschlichen sind und die Stimmung komisch war. Es wird vielleicht den zeitlichen Ablauf durcheinander bringen. Mehr dazu in diesem Video. An meiner Frisur kannst du unschwer erkennen, dass ich mich schon lange mit diesem Thema beschäftige ;-)

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Meine Erfahrung ist es, dass Kinder immer verstehen, wenn wir Erwachsene uns bemühen die Situation kindgerecht zu erklären und aufzubereiten.

Die Beeinflussung

Im Video schildere ich ein eigenes Erlebnis. Meine Mutti hat ein Kind verloren, als ich drei Jahre alt war. Ich habe dieses Ereignis abgespeichert, ich habe es allerdings lange Zeit emotional mit einem Auffahrunfall in Zusammenhang gebracht, der nach diesem Ereignis war.
Sehr gut kann ich mich noch an die gemeinsamen Gute-Nacht-Gebete erinnern, als meine Mutter mit meinem Bruder schwanger war. Sie endeten immer mit dem Satz: „Lieber Gott mach, dass die Mutti ein gesundes Baby bekommt.“ Ich weiß nicht, ob dieser Satz meine Idee war. Ich weiß nur, dass ich ihn sehr ernst genommen habe und er sich in mein Hirn eingegraben hat. Und ich hatte große Angst, als meine Mutter tatsächlich zur Geburt ins Spital musste. Danach hat mein vierjähriges Ich alles getan, um die Mutter zu entlasten.

All diese Beeinflussungen passieren im Normalfall völlig wohlmeinend und aus guter Absicht. Oft braucht es eine Außensicht, um nicht in diese Falle zu tappen.

Der möglich Ausweg

Wenn das Kind sehr klein ist, dann nimm es auf den Schoß. Rede mit ihm. Vielleicht wird es deine Worte nicht verstehen. Es wird aber fühlen, worum es geht. Es wird deine Stimmung aufnehmen, sowohl deine Trauer, als auch die Absicht es einzubeziehen und zu erklären, so gut es geht.
Mach aber dein Kind nicht für die Lösung des Problems verantwortlich. Genau das ist mit den Abend-Gebeten bei mir passiert. In meinem magischen Denken habe ich mit dem lieben Gott eine Art Vertrag abgeschlossen: „Ich bin besonders brav und angepasst und du sorgst für ein gesundes Kind!“

Die Angst, die eigene Trauer zu zeigen

Eltern wollen ihr Kind nicht unnötig belasten. Genau deshalb bemühen sie sich in manchen Fällen, ihre eigene Trauer nicht vor dem Kind zu zeigen. Sie geben sich betont lustig und unbeschwert.

Kinder merken aber bald, dass dieses Gehabe nicht echt ist. Sie sind gute Beobachter und sie erkennen, dass die Körpersignale wie: Haltung, Körperspannung und Mimik nicht zu den lustigen Worten passen. Sie erhalten also zwei Botschaften. Der Körper sagt: Ich bin traurig. Mit Worten und Stimme wird vermittelt: Es ist alles in Ordnung.

Die Beeinflussung

Das führt zu Verunsicherung des Kindes. Was soll es jetzt glauben? Soll es seiner Wahrnehmung vertrauen oder dem, was gesagt wird? Im Normalfall vertrauen Kinder ohnehin der Körpersprache. Dann zeigt das Kind „Ich habe dich verstanden.“ Vielleicht wird es nachfragen: „Papa, warum bist du traurig?“ Wenn Papa dann abstreitet traurig zu sein, ist das Kind irritiert. Es wird wahrscheinlich weitere Versuche starten, um zu überprüfen, ob sein Gefühl richtig ist. Erhält es immer eine abweisende Antwort, dann lernt es im schlimmsten Fall dadurch: Ich kann Menschen nicht richtig einschätzen. Es vertraut sich selbst nicht mehr.

Der mögliche Ausweg

Zeig deinem Kind deine Trauer. Es kann damit besser umgehen, als die meisten Erwachsenen. Für Kinder ist Trauer noch ein vollkommen natürliches Gefühl. Es ist unangenehm, aber sie bewerten es nicht als schlecht. Diese Zuweisung erfolgt eher durch Erwachsene.

Wenn du deine Trauer zeigst, kann das der Anfang eines wunderbaren Gespräches über den Grund der Trauer sein.

Die Angst vor der Intensität kindlicher Gefühle

Kinder zeigen ihre Gefühle noch sehr ungefiltert. Allerdings nicht immer so, wie Erwachsene sie erwarten. Gerade bei Trauer kann es sein, dass Kinder ganz anders reagieren. Sie sind wütend, auf den Überbringer der traurigen Nachricht. Sie ziehen sich scheinbar gleichgültig zurück. Sie reagieren aufmüpfig, wenn sie nicht in der Lage sind ihre Trauer zu zeigen. Oder sie weinen bittere Tränen.

All das machen sie mit einer Ausschließlichkeit, die für Erwachsene oft verstörend ist.

So denken sich viele Erwachsene: Besser ich konfrontiere mein Kind erst gar nicht mit diesem Thema, dann erspare ich mir zusätzlichen Ärger und dem Kind dieses Gefühlschaos.

Die Beeinflussung

Gefühle haben viele verschiedene Arten zum Ausdruck zu kommen. Keine ist richtig oder falsch.
Auch bei Erwachsenen trauern die einen laut, die anderen klagen und wieder andere ziehen sich zurück und sind für ihre Angehörigen kaum zu erreichen. Hier wird die Verschiedenheit des Verhaltens weitgehend akzeptiert.
Warum glauben wir zu wissen, wie man am besten trauert?

Der mögliche Ausweg

Ich weiß, es ist manchmal schwer: Sei offen gegenüber dem Verhalten deines Kindes. Du kannst ihm seine Trauer nicht abnehmen. Das wäre gar nicht gut. Diese Trauer ist notwendig für seine Entwicklung. Sie hilft dem Kind, die Geschehnisse zu verarbeiten.

Das Beste, was du tun kannst ist da zu sein. Präsent sein – gesprächsbereit sein – zuzuhören. Damit hilfst du deinem Kind aktiv, seine Trauer zu bewältigen.

All diese Ängste beeinflussen im Verhalten mit dem Thema Verlust und Trauer.

Tabuthemen

Dazu kommt, dass Trauer, Verlust, Krankheit, Schmerz und Tod in unserer Gesellschaft Tabuthemen sind, die an sich schon Angst machen.

Technik und Wirtschaft verleiten uns zu dem Eindruck, alles unter Kontrolle zu haben. Alles scheint sofort verfügbar. Geräte funktionieren auf Knopfdruck.

Alles, was nicht kontrollierbar ist, macht uns Angst. Dazu gehören Naturkatastrophen, Krankheiten und der Tod. Wir versuchen uns zu schützen, so gut es geht. Wir bauen Häuser erdbebensicher, schließen Versicherungen gegen Hagel und Überschwemmungen ab. Täglich werden neue Mittel gegen Krankheiten erfunden. Institutionen arbeiten daran menschliche Körper einzufrieren, bis ein geeignetes Heilmittel gefunden ist. Allein, das nützt alles nichts. Es gibt immer noch Dinge, gegen die wir mit all unserem Wissen und all unserer Technik nicht ankommen.

Für dich ist es nicht nur wichtig, deine eigenen Ängste zu verstehen, sondern auch auf die Ängste deines Kindes vorbereitet zu sein. Nur so kannst du wirklich gut unterstützen.

Ängste der Kinder

Demgegenüber stehen die Ängste der Kinder. Ja, auch Kinder haben Ängste, die wir mit unserem Verhalten oft schüren. Sie entstehen durch missverständliche Aussagen.

Die Angst nicht mehr aufzuwachen

Es kann sein, dass dein Kind mit seinen großen Ohren Sätze hört, die nicht für das Kind bestimmt sind. Vielleicht hört es die Nachbarin sagen: „Meine Mutter ist friedlich eingeschlafen.“

Wenn es die Mutter der Nachbarin kannte und feststellt, dass sie auf einmal nicht mehr auftaucht, dann kann es schon sein, dass dein Kind falsche Schlüsse zieht. Die alte Dame ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Hoffentlich passiert mir das nicht auch.

Die Lösung

Vermeide Umschreibungen und nütze einfache klare Formulierungen.

Die Angst allein zu sein

Wenn Angehörige sterben, dann merkt dein Kind, wie alle leiden. Auch wenn ihr nicht darüber sprecht. Wenn der Opa stirbt und die Oma bleibt allein zurück dann sehen das die Kinder. Sie sehen, wie sich die Oma kränkt und dass sie auf einmal allein lebt. Da kann schon die Angst auftauchen, durch ein unvorhergesehenes Ereignis allein dazustehen.

Viele Kinder sprechen das dann auch aus. Sie sagen immer wieder den Satz: „Lass mich nicht allein!“ oder „Mama du stirbst aber noch nicht!“

Wie reagierst du als Mutter da richtig?

Einerseits kannst du ja deinem Kind nicht versprechen noch lange nicht zu sterben, denn du hast keinen Einfluss darauf. Andererseits willst du dein Kind natürlich in seiner Angst ernst nehmen und beruhigen.
Vielleicht gefällt dir etwas in der Art:
„Ich weiß nicht, wann ich sterben werde. Aber ich will dich auf gar keinen Fall allein lassen. Ich bleibe bei dir so lange es mir möglich ist. Schau mal, ich bin ganz lebendig. Fühl mal, wie mein Herz schlägt.“

Die Angst Schuld zu sein

Gerade Kinder, die noch im magischen Alter sind; also rund um das 5. Lebensjahr – geben sich oft selbst Schuld an Lebensereignissen. Vor allem dann, wenn sie kurz vorher etwas falsch gemacht hatten und deswegen ein schlechtes Gewissen haben.

Ich gebe dir ein kurzes Beispiel: Ein Kind hat eine Katze und die Aufgabe sie zu füttern. Es vergisst darauf und wird von den Eltern darauf aufmerksam gemacht – vielleicht sogar geschimpft. Am darauffolgenden Abend kommt die Katze nicht nach Hause. Sie wurde von einem Auto überfahren. Da kann es schon sein, dass das Kind seine Verfehlung (das Vergessen des Fütterns) mit dem Ausbleiben der Katze in Verbindung bringt. Es empfinden das Überfahren werden der Katze als Strafe.

Die Ängste der Eltern bedingen und schüren die Ängste der Kinder

Das gemeine an der Sache ist, dass die Ängste der Eltern, die Ängste der Kinder entweder bedingen und verursachen. Oder sie werden durch die Ängste der Eltern noch geschürt und vergrößert. Genau das wünschen wir uns doch für unsere Kinder nicht.

Was kannst du dagegen tun

Meines Erachtens hilft hier nur Achtsamkeit und Offenheit. Achtsamkeit dir selbst und deinen Gefühlen gegenüber. Es ist keine Schande Angst zu haben. Steh dazu und sprich deine Angst offen an. Dadurch zeigst du deinem Kind auch, dass es sich um deine Angst handelt.

Achtsamkeit dem Verhalten des Kindes gegenüber. Wenn dir irgendetwas komisch vorkommt, sprich es an. Rede mit deinem Kind. Immer altersgemäß und in seiner Sprache. Du wirst sehen, Kinder begreifen so viel mehr, als wir glauben.

Wenn du mit deinen Gefühlen offen umgehst, dann ermöglichst du auch deinem Kind offen darüber zu sprechen. Es kann weinen und toben. Es kann seinem Schmerz freien Lauf lassen.

So wird der Weg frei für gemeinsame Gespräche und Rituale. Diese Rituale werden euch helfen eure Trauer gut zu verarbeiten und mit dem Verlust abzuschließen.

Willst du dein Kind in seinem Trauerprozess wirkungsvoll begleiten?

Dann ist mein Online-Workshop „Kindertrauer“ genau das richtige für dich.
Für die Teilnahme brauchst du nur einen PC oder Laptop, eine stbile Internetverbindung, eine Kamera und ein Mikro. Schon bist du startklar.

Im Online-Workshop zeige ich dir:

Wie du mit deinem Kind ins Gespräch kommst

Woran du erkennst, dass dein Kind genug Information hat

Warum es wichtig ist, deine eigene Trauer zu zeigen

Mit welchen Ritualen du dein Kind unterstützen kannst

Der nächste Workshop wird am 26.09.2020 statt.

Wenn dich das Thema berührt und beschäftigt, dann trag dich gleich für die Interessentenliste ein.

Du erhältst dafür als Bonus Vorschläge für verschiedene Trauerrituale.

Leider können wir unsere Kinder nicht vor allem schützen. Daher finde ich es wichtig auf für einen Trauerfall vorbereitet zu sein. Das ist eine besondere Ausnahmesituation, in der wir selbst alles andere als gelassen sind.

Bildquellen:
getstencil.com
123.rf

Wie deine Angst die Trauer deines Kindes beeinflusst

Eltern können es gar nicht verhindern, dass ihre eigenen Ängst, sie in ihrem Erziehungsverhalten beeinflussen. Mütter wollen ihre Kinder nicht auf Bäume klettern lassen, weil sie Angst vor Verletzungen haben. Väter machen Stunk, wenn die Tochter fortgehen will, weil sie Angst haben, ihrem kleinen Mädchen könnte etwas zustoßen. Die Liste ist unendlich.

Wenn es um Krankheit, Verlust, Tod und Trauer geht, dann werden wir alle mit unseren Ängsten konfrontiert. Stellen diesen Themen doch die Tabus unserer Gesellschaft dar. Das merkst du schnell, wenn du selbst erkrankst und sich Menschen vor dir zurückziehen, weil sie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Geht es darum, diese Themen Kindern zu vermitteln oder gemeinsam mit ihnen aufzuarbeiten, dann stoßen viele Erwachsene an ihre Grenzen.

Ich stelle dir hier die drei wichtigsten Ängste von Erwachsenen in Bezug auf Kindertrauer vor. Sie gehen mit den Ängsten der Kinder einher, verursachen sie oder verstärken sie. Je nach Temperament des Kindes.

Hier kannst du die Folge anhören:

Hier kannst du die Episode herunterladen. (Einfach auf den link klicken, danach die rechte Maustaste klicken und „Audio speichern unter“ wählen)

Weiter unten kannst du einen Blogbeitrag zu diesem Thema lesen.

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Umgangssprachlich verfügen Menschen über fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten.

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