Schulnoten abgschaffen

Schulnoten abschaffen – klingt gut! Aber ist das die Lösung?

Letzte Nacht hatte ich einen Traum.

Schulnoten abschaffen? - Ist das die Lösung?

Einen Traum von meiner Schulzeit


Ich stellte mir im Traum die Frage, ob es sinnvoll wäre, die Schulnoten abzuschaffen. – Das fand ich beim Aufwachen sehr spannend.
Tatsächlich habe ich eine sehr angenehme Schulzeit verbracht, ich hatte viele angenehme Lehrer und klarerweise auch ein paar nicht so tolle.

Pünktlich zu den Semesterferien geistert dieses Thema auch wieder durch die Medien. Eine Vorarlberger Schule lehnt sich gegen den Notenzwang auf und will die Schulnoten abschaffen und durch eine mündliche Beurtielung ersetzen. Das findet die Montessori-Pädagogin in mir gut. Denn Zwänge sind immer schlecht für die Entwicklung. Ich weiß aber auch, dass eine gute verbale Beurteilung sehr aufwändig ist.

Es ist zu kurz gegriffen, die ganze Diskussion um die Schulmisere nur an den Noten aufzuhängen.

(persönliche Meinung)

Ich war grundsätzlich eine gute Schülerin mit einem Einbruch in der 11. Schulstufe (7. Klasse Gymnasium). Dieser Einbruch war der Pubertät geschuldet.

Dennoch gibt es zwei Gegenstände, die mich immer noch manchmal bis in meine Träume verfolgen: Turnen und – jetzt lach nicht – Mathematik. Und das obwohl ich in Mathe gut war und nie Schwierigkeiten hatte. Im Gegenteil; ich mag Mathe wirklich gern.

Warum also verfolgen mich ausgerechnet Turnen und Mathe bis in meine Träume?

Nun das ist relativ einfach zu erklären

Im Ball spielen war ich eine Niete. Ich hatte einfach Panik vor dem Ball. Nachdem unsere Turnprofessorin viel Wert auf Ballspiele legte, war turnen für mich ein ungeliebtes Fach.

Ich hielt mich sogar für unsportlich. Und das obwohl ich jahrelang Jazz-Dance gemacht habe. Aber das war in meinen Augen ja auch Tanz und kein Sport.
Ich ging Schi fahren (machte damals jeder), fuhr gern und oft mit dem Rad (das war unser beliebtestes Fortbewegungsmittel) liebte es zu schwimmen und hasste es dabei den Kopf unter Wasser zu tauchen. Das mit dem Kopf-nicht-unter-Wasser-tauchen-wollen war in den Augen unserer Turnprofessorin ein weiterer Minuspunkt. Du hast es sicher schon geahnt.

Wäre ich ohne Noten besser dran gewesen?

Nach meinem Traum fragte ich mich also, ob es sinnvoll wäre die Schulnoten abzuschaffen. Wäre ich ohne Schulnoten besser dran gewesen?

Im ersten Ansatz kam es mir ziemlich verlockend vor zu sagen: „Ja, klar!“

Bei Turnen hätte es vielleicht auch gestimmt. Ich hätte nicht das Gefühl vermittelt bekommen total unsportlich zu sein. Wirklich? – Nein. Denn wenn der Fokus auf Ballspielen gelegen hat, dann wäre es auch ohne Noten nicht besser gewesen. Ich hatte an Ballspielen einfach keinen Spaß. Ich hatte eine tiefe Abneigung gegenüber dem fliegenden Objekt.

Wenn ich also ehrlich zu mir selbst bin, dann hätte ich von einer Abschaffung der Schulnoten in Turnen nicht profitiert. Ich hätte mich genauso unsportlich gefühlt, wie mit Noten.

Wie war das eigentlich in den anderen Gegenständen?

Somit grub ich weiter in meinem Gedächtnis. Wie war das in den anderen Gegenständen. Hätten sie mir ohne Noten mehr Spaß gemacht?

Auch da kann ich ganz ehrlich sagen: Nein!

Wenn ich an einem Gegenstand keinen Spaß hatte, dann lag das nicht an den Noten. Es gab Gegenstände, die ich trotz ausgezeichneter Leistungen nicht wirklich mochte und andere, die ich geliebt habe, obwohl meine Leistungen nicht hervorragend waren.

Es lag nicht einmal an einer besonders fortschrittlichen und modernen Art des Unterrichts. Gelungener Unterricht hatte ganz andere Gründe.

Ein Deutschlehrer der alten Schule

Als ich ins Gymnasium kam, hatten wir einen Deutschlehrer der alten Schule. Seine Unterrichtsmethoden würden jedem modernen Pädagogen die Haare zu Berge stehen lassen.

Wir hatten wöchentliche Diktate, führen ein Grammatikheft und mussten die Regeln auswendig lernen, wir hatten als Hausübung Wort- und Satzanalysen, deklinierten und konjugierten was das Zeug hält. Scheinbar das Grauen jedes Schülers.

Aber jetzt kommt es: Wir haben diesen Lehrer geliebt. Er brannte für sein Fach und konnte uns seine Begeisterung vermitteln. Dieser besondere Mensch schaffte es sogar, uns klar zu machen, warum er seine scheinbar sinnlosen Aufgaben für wichtig erachtete.

Unser alter Deutschprofessor zeichnete sich durch eine große Liebe für uns Schüler und Schülerinnen aus. Stets hatte er ein Lächeln im Gesicht und er wirkte aufgrund einer Kriegsverletzung eher großväterlich.

Wenn er bemerkte, dass wir einmal nicht so aufnahmefähig waren, erzählte er zwischendurch Geschichten von früher und ließ uns so  Zeitgeschichte lebendig werden. Trotzdem ist er nie von seinen Anforderungen an uns abgewichen.

Nach der 6. Schulstufe (2. Klasse Gymnasium) hat er uns verlassen und wurde pensioniert. Sein Nachfolger hatte es echt schwer mit uns. Er war ein ausgezeichneter junger Lehrer, aber er musste uns erst einmal beweisen, dass er es genauso gut meinte, wie sein Vorgänger. Schließlich schaffte er das auch. Er konnte auf dem guten Fundament in Grammatik und Rechtschreibung des Vorgängers aufbauen und stellte selbst hohe Anforderungen in Literaturgeschichte und Literatur.

Übrigens war neben ihm auch der alte Deutschlehrer bis zu seinem Tod bei jedem unserer Klassen- und Maturanten Treffen eingeladen und dabei.

Eine Französischlehrerin, die alles durchgehe ließ und eine strenge mit Engagement

Meine Eltern waren durchaus als frankophil zu bezeichnen und wenn sie sich eine Privatschule hätten leisten können, wäre ich am Sacre Coeur gelandet. Somit war mir ein grundsätzliches Interesse für Französisch in die Wiege gelegt.

In der 9. Schulstufe freute ich mich auf Französisch. Wir bekamen leider eine junge Lehrerin ohne Erfahrung, der mehr an einem freundschaftlichen Verhältnis zu den Lernenden, als an Leistung gelegen war. Wir hatten also jede Menge Spaß mit ihr, kochten französische Gerichte und gingen Eis essen. Sie machte uns aber nicht klar, wie wichtig die Grundlagen einer Sprache sind. Vokabel lernen? – Das wird schon irgendwann. Grammatik? Naja, das versteht halt nicht jeder!

Im Jahr danach bekamen wir die Lehrerin, die den Ruf hatte, die strengste der ganzen Schule zu sein. Schnell stellte sich heraus, dass die ganze Klasse große Lücken in den Grundlagen der französischen Sprache hatte. Die erste Schularbeit des Jahres war eine Katastrophe. Was machte also besagte Lehrerin über die immer wieder gelästert wurde, weil sie so streng war?

Sie lud die ganze Klasse an einem Freitagnachmittag zu sich nach Hause ein und arbeitete mit uns die Grundlagen noch einmal durch. Sie machte uns klar, dass Vokabel in einer Fremdsprache das um und auf beim Sprachen lernen sind und sie bestand auf regelmäßigen Vokabelabfragen.

Was meinst du bei welcher Lehrerin wir mehr Spaß und Erfolgserlebnis hatten?

Richtig – bei der strengen, obwohl unsere Noten erst einmal alle um mindestens einen Notengrad sanken. Aber sie konnte uns auch motivieren und uns vermitteln, dass diese Durststrecke bald überwunden sein würde. Meine war es übrigens nie ganz. Ich war zwar mündlich eine der besten, aber für die Abstimmung der Adjektive an die Person war ich schlicht zu schlampig. Da konnte ich die fehlenden Grundlagen schriftlich nur schwer aufholen. Ich hatte es einfach von Anfang an schlecht eingeübt und schleppte diese Fehler mit. Aber ich lernte eine weitgehend akzentfreie Aussprache, die ich leider aufgrund mangelnder Übung nicht mehr beherrsche.

Ein Englisch- und Turnlehrer, der mit Kreide schoss

Unser Klassenvorstand war gleichzeitig unser Englischlehrer und der Turnlehrer der Jungs. Er war ein typischer Turnlehrer, athletisch und braun gebrannt. Wenn es einen Schikurs an der Schule gab, dann war er ziemlich oft der Leiter.

Wenn wir in Englisch schwätzten, dann konnte es schon sein, dass ein Stück Kreide knapp neben unseren Ohren vorbeiflog. – Nach heutigen Maßstäben hochpädagogisch *ironioff*.

Trotzdem hatte er immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und nahm uns als Klassenvorstand nach außen immer in Schutz und verteidigte uns. Das Donnerwetter gab es dann im Klassenrahmen. Er hatte allerdings auch viel Verständnis und zweite uns, dass er zwar unzufrieden mit unserem Verhalten war, aber uns auch verstehen konnte.

Hatte er mit den organisatorischen Aufgaben des Klassenvorstands zu tun und wir wurden zu laut, dann sagte er einfach nur: „Aufstehen!“, war es dann wieder ruhig folgte ein „Setzen!“ – Auch das wird heute als pädagogisch höchst fragwürdig angesehen. Ehrlicherweise kann ich aber sagen, er hat mit dieser stillen, beherrschten Art eher erreicht als andere mit drohen, donnern oder ungerechter Benotung.

Die andere Seite dieses Mannes war eine sehr väterliche. Wir fuhren an Schulwandertagen mit dem Rad an sein privates Seegrundstück und waren dort schwimmen und grillen. Wir fühlten also, dass er es gut mit uns meinte.

Die Maturareise ging in die Türkei an genau den Campingplatz an dem er mit seiner Familie seit Jahren Urlaub machte. Alle die damals mitgefahren sind, waren quasi ins Familienleben integriert.

Ein Matheprofessor mit einem Selbstwertproblem

So nun kommen wir zu Mathematik. Mit diesem Gegenstand hatte ich meine Schwierigkeiten, obwohl ich ganz gut war. Dieses „gut sein“ verdanke ich dem mathematischen Verständnis meines Vaters. Wann immer ich in der Schule nicht kapiert hatte, was zu tun war, ließ er mich abends in einer Einzelsitzung selbst draufkommen.

Besagter Matheprof schickt uns mit halb gerechneten Beispielen nach Hausübung lösen. Sehr witzig!

Wenn er sich gegen die Klasse nicht durchsetzen konnte, drohte er, fing an zu brüllen oder schickte einzelne Schüler zum Direktor.

Was soll ich sagen: Mathe mochte ich nie!

Wenn er merkte, dass er mit seiner Brüllerei übertrieben hatte, dann unterhielt er uns mit den ewig gleichen Geschichten, in denen er sich selbst möglich interessant darstellte. Manchmal schwadronierte er so lange, bis die Stunde vorbei war. Wir Schüler und Schülerinnen fanden das zwar auf der einen Seite angenehm und versuchten ihn auch noch in seinem Erzählfluss zu unterstützen.

Instinktiv fühlten wir aber auch, dass er nur um einen schlechten Ausgleich für sein vorheriges Brüllen bemüht war. Wir nahmen ihn also nicht sehr ernst. Außerdem wussten wir genau, dass wir den Stoff, den er uns nicht beibrachte trotzdem können mussten. Oft hat uns unser Physiklehrer – der auch Mathe unterrichtet hat – vor der Schularbeit gerettet, indem er uns schwierige Beispiele noch einmal kurz erklärt hat.

Ich hätte also auch ohne Schulnoten stets gewusst, dass ich wichtige Bereiche der Mathematik im Unterricht nicht verstanden habe. Dank meines Vaters und meines Physiklehrers wusste ich auch, dass es nicht an meinem mangelndem Verständnis liegt. Ich wäre also auch hier ohne Schulnoten nicht glücklicher gewesen.

Ein Geschichtelehrer der das alte Ägypten und die alten Griechen liebte versus einen mit einem rot-blau unterstrichenen Buch

Geschichte wurde im ersten Jahr vom damaligen Direktor unterrichtet. Auch ihm eilte der Ruf voraus besonders streng zu sein.

Er liebte jedoch sein Fach und er verstand es die Geschichten des Altertums so ausführlich zu schildern, dass sie buchstäblich vor unseren Augen lebendig wurden. Er sah die geschichtlichen Ereignisse in ihrer Gesamtheit und lehrte uns in Ursache und Wirkung zu denken. Sämtliche Konflikte der alten Griechen untersuchten wir auf Ursache des Konfliktes und dem Anlass des Kriegsausbruches.

Im nächsten Jahr bekamen wir einen anderen Geschichtsprofessor. Er hatte in seinem Buch alle wichtigen Stellen rot und blau unterstrichen und liebte Jahreszahlen, Zusammenhänge und Ereignisketten waren ihm egal. Schnell begriffen wir, dass wir nur herausfinden mussten, welche Stellen in seinem Buch rot oder blau unterstrichen waren, um bei den Prüfungen zu bestehen.

Was meinst du bei wem wir mehr gelernt haben?

Mein Fazit

Ich traue mich hier für die gesamte ehemalige Klasse zu sprechen. Das was für uns einen Unterricht interessant machte war die Lehrkraft. Schulnoten abschaffen allein ist sicher keine Lösung.

Ob wir einen Gegenstand mochten und interessant fanden oder nicht hatte ganz andere Gründe:

  1. Wir hatten grundsätzliches Interesse an dem Gegenstand.
  2. Die lehrende Person verstand es, die Inhalte gut aufzubereiten und zu vermitteln.
  3. Die lehrende Person war selbst begeistert von ihrem Fach und verstand es, diese Begeisterung weiter zu tragen.
  4. Die Haltung des Lehrers oder der Lehrerin strahlte aus, dass sie die Lernenden mochte und respektierte.
  5. Die Lehrperson tat alles, um die Lernenden in ihrem Lernprozess zu unterstützen.

Daher glaube ich, dass eine Abschaffung der Noten viel zu kurz gegriffen ist, die Ursachen liegen viel tiefer. Wir haben kein Problem mit den Noten. Wir haben auch nicht unbedingt nur ein Schulproblem. Wir haben auch ein gesellschaftliches Problem!

Über die verschiedenen Ursachen, Studien und Statistiken werde ich in den nächsten Wochen noch mehr schreiben.

Was meinst du zu diesem Thema?
Schreib mir deine Meinung gerne in die Kommentare.

Ansonsten gilt wie immer: Bleib gelassen!
Deine

P.S.: Wenn du kurz mal sehen willst, was derzeitige Teenager über ihre Lieblingslehrer und ihre Eigenschaften sagen, dann schau dir dieses Video an.

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Ist mein Kind Schulreif

Ist Mein Kind schulreif? – Die Frage vieler Eltern von Vorschulkindern

Mädchen am Tisch schreibend, Ist dein Kind schulreif

Ist mein Kind schulreif? Kaum eine Frage beschäftigt Eltern mit Kindern im Vorschulalter mehr. Die 5-jährigen können einerseits so viel und ihnen ist im Kindergarten oft langweilig. Andererseits erscheinen sie oft noch kindlich und wecken das elterliche Schutzbedürfnis.

Ab 2020 ist in Österreich ein standardisiertes Testverfahren im Einsatz. Vorerst einmal freiwillig. Für 2021 ist dann der flächendeckende Einsatz einer App geplant, die helfen soll zu beurteilen, ob ein Kind ohne zusätzliche Unterstützung dem Unterricht folgen kann.

Bisher gab es kein standardisiertes Verfahren und keine Richtlinien, was Vorschulkinder können sollen. Die Einschätzung ob ein Kind schulreich ist, war dem/der Schuldirektor*in vorbehalten.

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basteln macht fit für die Schule

Basteln macht Spaß und fit für die Schule

Im Basteln sind viele Fähigkeiten versteckt, die dein Kind fit für die Schule machen.
Die meisten Kinder basteln gerne – wenn man sie lässt und ihnen nicht bestimmte Vorstellungen aufzwingt. Darum halte ich es für eine großartige spielerische Vorbereitung auf die Schule. Ebenso wie das Singen. Was dein Kind beim Singen lernt, kannst du hier nachlesen.

Was basteln für die Schulreife tun kann

Wichtig dabei ist es, dass du deinem Kind wirklich die Möglichkeit gibst, seine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen und umzusetzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du das fertige Werk schön findest. Dein Kind erwirbt auch dann Kompetenzen, wenn du das Gefühl hast: „Das schaut aber jetzt komisch aus. Ich habe keine Ahnung, was das sein soll.“

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14-gruende-zu-singen

14 wirklich überzeugende Gründe mit deinem Vorschulkind zu singen

14-gruende-mit-deinem-vorschulkind-zu-singen

Während ich hier sitze und diesen Blogartikel schreibe habe ich das Programm brain.fm laufen. Brain.fm ist ein Programm für Musikhintermalung. Du kannst dort Musikstücke wählen, um dich zu konzentrieren, zu entspannen oder zu meditieren.
Es ist mein erster Versuch und ich finde es bemerkenswert, dass ich gerade heute auf diese Idee gekommen bin. Denn gerade heute möchte ich dir mehr über die Wichtigkeit von Musik und Singen für die Entwicklung deines Kindes erzählen.

Leider bemerke ich, dass immer weniger gesungen wird:

  • In der Gesellschaft ganz allgemein
  • In Familien
  • In Kindergärten und
  • In Schulen

Aber ich kann doch gar nicht singen!

Immer wieder höre ich von Eltern, das Argument, sie können nicht singen. Leute, das ist Quatsch. Jeder kann singen. Bei manchen Menschen klingt es vielleicht ein wenig besser, als bei anderen. Aber eine Stimme richtig zu bilden braucht Zeit, Übung und Training. Selbst jemand, der eine schöne Singstimme hat, braucht Übung, damit die Stimme klar und rein bleibt.

Für den positiven Effekt, den das Singen auf die Entwicklung deines Kindes hat, brauchst du aber keine ausgebildete Stimme. Summen oder Brummen reicht für den Anfang schon.

Schulprobleme unserer Kinder – und warum singen ein Ansatz ist, diese zu lösen

Viele Kinder haben bei Schuleintritt Probleme. Sie sind nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet. Daher haben diese Kinder Schwierigkeiten ruhig zu sitzen, sich ausreichend zu konzentrieren, gerade zu sitzen und den Stift richtig zu halten. Viele Kinder haben eine schlechte Handschrift. Das führt nicht nur dazu, dass die Lehrkräfte das Geschriebene nicht lesen können. Diese Kinder haben zudem oft auch noch Schwierigkeiten beim Lernen.

Was hat das jetzt aber alles mit dem Singen zu tun?

Singen hat eine Menge positiver Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Die Auswirkungen sind so zahlreich und es gibt so viele Studien dazu, dass man sich tatsächlich fragt, warum gerade Zeichnen, Musik und Turnen in den Lehrplänen eine so untergeordnete Rolle spielen. (Zur leichteren Orientierung in diesem Artikel gliedere ich die positiven Auswirkungen vom Singen in körperliche, kognitive und soziale Aspekte. Die Nummerierung der einzelnen Auswirkungen läuft durch.)

Die körperlichen Auswirkungen vom Singen

Fangen wir mit den körperlichen Auswirkungen an. Die springen ja als erstes ins Auge. Ich schildere alle am Beispiel eines singenden Kindes.

1. Singen fördert die Haltung

Um wirklich singen zu können und den Klangraum voll zu nutzen, brauchen Singende eine aufrechte Haltung. Um einen guten Klangraum zu erzeugen braucht die Lunge Platz. Dies erreichen Singende, indem sie den Brustkorb entspannen und sich aufrichten. Diese aufrechte Haltung stärkt die Rückenmuskulatur. Sie hat aber auch noch einen anderen Nebeneffekt. Eine aufrechte Haltung beeinflusst die Stimmung positiv.
Durch die aufrechte Haltung fühlt sich das Kind selbstbewusst. Es wirkt nach außen hin aktiv und kraftvoll.

2. Singen beeinflusst die Atmung positiv

Beim Singen lernt dein Kind die Bauchatmung. Es atmet also ganz tief in den unteren Teil der Lunge. Dabei senkt sich das Zwerchfell und der untere Teil der Lunge wird mit Luft befüllt. Dies führt zu einer besseren Sauerstoffversorgung im Blut und der Kreislauf wird angekurbelt. Dadurch entsteht ein Sog, der das Herz bei seiner Arbeit unterstützt. Blut wird aus den Beinen zurück gepumpt.
Beim Singen halten wir oft lange Töne. Dabei verschiebt sich ganz automatisch der Atemrhythmus. Die Ausatmung wird länger als sonst.

Der Körper wird also gut mit Sauerstoff versorgt und kann durch die lange Ausatmung Kohlendioxid freisetzen. Die Bauchatmung wirkt an sich beruhigend. Das weißt du vielleicht noch aus den Atemübungen in der Schwangerschaft.

3. Singen stärkt das Nervenkostüm

Singen harmonisiert das vegetative Nervensystem. Das vegetative Nervensystem ist für die automatischen Abläufe im Körper verantwortlich. Wir können es also bewusst nicht steuern. Das vegetative Nervensystem hat zwei Gegenspieler: den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus ist aktiv, wenn wir unter Druck stehen – also Stress haben. Der Parasympathikus sorgt für Beruhigung und Entspannung. Gut geht es uns dann, wenn die beiden im Gleichgewicht sind.
Das tiefe Atmen beim Singen hilft uns, zu entspannen und aktiviert den Parasympathikus.

4. Singen stärkt das Immunsystem

Bei einer Studie des Instituts für Musikpädagogik der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main untersuchte Prof. Dr. Gunter Kreutz zusammen mit Psychologen und Medizinern die Speichelproben von Kirchenchormitgliedern. Nach der Chorprobe war die Anzahl der Immunglobuline A (igA) stark gestiegen. Immunglobuline A sind Eiweiße. Sie gehören zum Immunsystem des Körpers. Du findest sie auch auf jedem Blutbefund ;-)
Sie bilden an den Schleimhäuten einen Schutz gegen Krankheitserreger.

Spannenderweise wurde dieser Anstieg nur verzeichnet, wenn die Menschen selbst gesungen haben. Hatten sie nur der Musik zugehört, blieb der Anstieg aus.

5. Singen macht glücklich und schützt vor Depression

Beim Singen werden die Glückhormone Endorphin, Serotonin und Dopamin freigesetzt. Gleichzeitig werden die Stresshormone Cortisol und Adrenalin abgebaut.

Ob das der Grund für Marschlieder ist?

Auf alle Fälle ist es die wissenschaftliche Begründung dafür, dass viele Menschen singen, wenn ihnen etwas unheimlich ist. Z. B. auf dem Weg in den dunklen Keller.

6. Singen stärkt die Körperwahrnehmung und Selbstkontrolle

Beim Singen lernt dein Kind mithilfe seiner Stimmbandmuskulatur seine Stimmritzen so zu verändern, dass es verschiedenen Töne und Klänge erzeugt. Dabei ist sein Gehör die beste Fehlerkontrolle.

Dein Kind lernt also einerseits wahrzunehmen, wenn ein Ton nicht so klingt, wie es das möchte, andererseits lernt es selbst so lange Korrekturen an seiner Stimmbandmuskulatur vorzunehmen, bis es sich richtig anhört.

Genau das ist Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit. Dein Kind lernt, dass es selbst in der Lage ist, an dem erzeugten Ton etwas zu ändern, indem es seine Muskulatur richtig gebraucht.

Singen und Gehirnentwicklung

Zu singen wird auch oft getanzt oder der Gesang wird mit bestimmten Bewegungen begleitet. Bewegungen übers Kreuz stärken die Verbindung beider Hirnhälften. Das Zusammenspiel zwischen den Gehirnhälften ist wichtig für spätere Denkvorgänge wie z. G. das Lesen und Rechnen.

7. Gehörschulung

Kinder lernen durch das Zuhören und durch das Singen verschiedene Tonhöhen zu unterscheiden. Sie verwenden im Normalfall die Begriffe hell und dunkel und erst später die Begriffe hoch und tief.

8. Die positiven Auswirkungen auf die Sprache und die Motorik

Sprache hat für das Kind dient dem Kind einerseits seine individuelle Befindlichkeit und seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, andererseits ermöglicht Sprache Kommunikation mit anderen.

Kinder kommen mit der Fähigkeit zur Welt, alle Sprachen zu erlernen. Erst ab ungefähr dem zwölften Lebensmonat verlieren sie die Fähigkeit Laute wahrzunehmen und unterscheiden, die in der Muttersprache nicht vorkommen. Dadurch wird das Erlernen der Muttersprache erleichtert und vorangetrieben.

Singen wird von Kindern mit emotionaler Zuwendung gleichgesetzt. Über die vielen positiven Auswirkungen von Kniereitern auf die Entwicklung von Kleinkindern habe ich hier schon geschrieben. Bei den meisten Kniereitern wird ja auch gesungen.

Schon zweijährige Kinder erfinden Melodien und summen vor sich hin. Damit drücken sie ihr Befinden aus.

Das Sprachzentrum und das Motorikzentrum der Hand liegen im Gehirn ganz nah beieinander. Im Motorikzentrum der Hand nimmt der Daumen einen ganz besonderen Stellenwert ein. Er ermöglicht das Zugreifen. Darum wird bei Fingerspielen dem Daumen viel Platz eingeräumt. Dieses Begreifen hilft dem Kind seine Welt wahrzunehmen und zu erfassen. Es hat also auch etwas mit der Entwicklung der Intelligenz zu tun.

9. Greifen und Schreiben

Über Umwege fördert singen also auch die Fähigkeit zu greifen und die Geschicklichkeit der Hand. Nicht umsonst setzen Logopädinnen auf Übungen mit der Hand, um Kindern mit Schluckbeschwerden zu helfen.

Jetzthaben wir also wieder den Bogen zur Schrift geschlagen. Denn um wirklich leserlich schreiben zu können, braucht dein Kind eine gut geschulte Hand.

Die Hand muss

  • Gut zugreifen können
  • Kräftig genug sein, einen Stift längere Zeit zu halten
  • Beweglich genug um runde Buchstaben schön zu schreiben
  • Und empfindlich genug, um den Stift nicht zu fest am Papier aufzusetzen und zu fest aufzudrücken.

Das ist ein ganz schön komplexer Vorgang und die Hand wird schon lange vor dem Schuleintritt vorbereitet.

10. Singen und Schulreife

Eine spannende Studie von Adamek und Blank (2001 mit 500 Kindergartenkindern) belegt, dass Kinder unabhängig von ihrer sozialen Schichtzugehörigkeit besser entwickeln, wenn sie singen.

Viel singende Kinder sind häufiger ihrem Alter entsprechend regelschulfähig als weniger singende Kinder. Der Unterschied ist wirklich auffällig.

Die viel singenden Kinder waren zu 88,9 % regelschulfähig, bei den wenig singenden Kinder waren es nur 44,1 %.

Adamek und Blank stellten folgende These auf: Singen, spielerisch und jenseits von Leistungsdruck fördert die physische, psychische und soziale Entwicklung von Kindergartenkindern.

Auch eine Studie der Universität Münster „Singen in der Kinderzeit“ zeigt, dass Kindergartenkinder, die täglich eine halbe Stunde singen bei der Einschulung besser abschneiden, als Kinder die nicht oder nur selten singen.

Sozialen Auswirkungen vom Singen

11. Selbstbeobachtung

Dein Kind lernt sich selbst zu beobachten. Es hört sich selbst und kann selbst korrigierend eingreifen. Es erfährt, dass es selbst ermächtigt ist, am Ergebnis etwas zu ändern. Somit wirkt Singen nicht nur auf die Selbstbewobachtung, sondern stärkt auch die Selbstwirksamkeit.

12. Empathie

Musik weckt Emotionen und hilft Gefühle auszudrücken. Kinder, die einem Musikstück eine Stimmung zuordnen können, merken auch an der Stimme anderer Personen, welches Gefühl ausgedrückt wird.

13. Aufeinander eingehen

Um gemeinsam zu singen, müssen alle gut aufeinander hören. D. h. nicht nur der eigene Stimmklang, sondern auch der der anderen ist wichtig. Die Klänge und Töne sollen auch noch zusammenpassen. Das schult das Ohr. Außerdem können Sänger leichter die Stimmung von anderen Menschen über die Stimme erahnen.

14. Gemeinschaftserlebnis

Wenn gemeinsam gesungen wird, dann gibt es einen Rahmen. Entweder in der Familie als Ritual (Gute-Nacht-Lied, Adventsingen, Geburtstagslied). Oder aber es wird im Rahmen einer Gruppe gesunden. Das kann im Chor sein, im Sommerlager am Lagerfeuer, in der Kirche, im Kindergarten beim Laternenumzug. All das sind Gemeinschaftserlebnisse die Geborgenheit schaffen. Sie vermitteln aber auch Respekt und Wertschätzung, weil klar wird, dass jeder etwas beitragen kann. Gemeinsam wird etwas geschaffen.

Außerdem ermöglicht Musik die Verständigung mit anderen Menschen über kulturelle Grenzen hinweg. Musik ist gibt es überall auf der Welt.

Fazit

Du siehst, es gibt jede Menge Gründe mit deinem Kind zu singen.

Wichtig ist nicht, ob alles super klingt, oder ob ihr richtig singt. Wichtig sind der Weg und der Versuch.

Gemeinschaftserlebnisse entstehen auch wenn der Opa nur mitbrummt. Er trägt seinen Teil bei.

Welche Familien-Rituale du schaffen kannst, wo auch gesungen wird, erfährst du in meinem nächsten Blogartikel.

Bleib gelassen!

Anregungen für einen Advent mit Musik erhältst du in unserer Adventaktion.

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Advent mit kleinen Kindern

Advent – die stillste Zeit im Jahr

Mitnichten! Also: zumindest nicht, als ich den Advent mit kleinen Kindern verbringen wollte. Dabei wollte ich ihnen so gerne die schönen Adventerlebnisse bieten, die ich als Kind hatte. Ich stellte mir alles so schön vor. Wir würden gemütlich auf der Couch sitzen und bei Kerzenschein Bücher lesen, miteinander singen. Ab und zu würden wir kleine Geschenke für die Verwandten basteln. Alles wäre sehr gemütlich und besinnlich.

Advent-mit-kleinen-Kindern

Soweit mein Idealbild von einer besinnlichen Vorweihnachtszeit

Schon bald merkte ich, dass meine Erinnerung mit unserem Leben nur geringe Berührungspunkte hatte. Das lag einerseits daran, dass mein Mann und ich beide berufstätig waren. Wir hatten also ohnehin schon weniger Zeit, als meine Mama damals. Andererseits sind wir beide sehr aktive Menschen und haben einen großen Freundeskreis.
Auch unsere Kinder hatten von klein auf viele Interessen: Schwimmverein, Jiu-Jitsu, Musikunterricht ergänzten schon im Kindergartenalter das Programm.

In Wirklichkeit gab es viele Termine; Jahresendstress pur

Dementsprechend gab es auch jede Menge vorweihnachtliche Veranstaltungen. Hier ein Adventsingen der Musikschule, dort ein Flötenkonzert am Weihnachtsmarkt, diverse Weihnachtsfeiern in sämtlichen Vereinen.
Trafen wir Freude bei Besorgungen in der Stadt fiel immer wieder der Satz: „Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Wir sollten uns unbedingt heuer noch einmal treffen.“ Da der Advent bekannter Weise höchstens vier Wochenenden hat, konnte sich das niemals ausgehen. Wie wir das gelöst haben, kannst du in diesem Blogartikel nachlesen und auch hier findest du gute Tipps.

Wie bringe ich das als Mama unter einen Hut?

Trotz diesen vielen Verpflichtungen wollte ich meinem Ideal vom gemütlichen Advent möglichst nahe kommen. Also wälzte ich an den Abenden oft Bastelbücher, stöberte in Adventgeschichten und sah Liederbücher durch.

Wollten wir am Wochenende basteln, musste ich das oft verschieben, weil irgendein benötigtes Material nicht zu Hause war.

Mit der Zeit und den Jahren habe ich aber eine gewisse Routine entwickelt. Bastelbücher wurden schon im November gewälzt. So konnte ich das Material fristgerecht besorgen. Und unsere Kinder haben mit den Jahren ein Faible für bestimmte Rezepte, Spiele, Gedichte, Lieder und besinnliche Stilleübungen entwickelt. So entstand ein gutes Basisprogramm. Dieses wurde alljährlich mit einigen Neuerungen ergänzt. Noch heute lieben wir alle diese Geschichten, Gedichte und Lieder – und das obwohl unsere Kinder bereits 22 und 25 Jahre alt sind.

Vielen Eltern geht es so

Geht es dir auch so?

Du wünscht dir eine ruhige Adventzeit.

Dann gibt es aber doch immer wieder Ereignisse, die das Leben durcheinanderbringen.

Dann bist du nicht allein!

Im Gespräch mit Eltern merke ich immer wieder, dass dieses Problem bei jungen Familien häufiger auftaucht. Wunsch und Wirklichkeit klaffen einfach auseinander.
Die Kinder sollen schöne Erinnerungen erhalten, von denen sie später zehren können. Allerdings müssen sich alle nach der Decke strecken und können nur einen Teil der Wünsche verwirklichen.

Da muss es doch eine Lösung geben

Neulich sprach ich mit meiner lieben Kollegin Dina. Sie hat selbst drei Kinder. Ihre Kinder sind noch im Kindergarten- und Schulalter. Auch sie kannte diesen Zwiespalt.
Außerdem waren sich Dina und ich noch in einer anderen Sache einig. In diesen Adventtätigkeiten steckt so viel an Kompetenzen für die Kinder. Diese Zeit ist also nicht nur besinnlich, sondern auch höchst wertvoll für die Kinder. Aber: Die Mütter brauchen Entlastung!

Eine Idee war begann zu reifen

Wie wäre es, wenn du einen Teil der Arbeit abgeben könntest?

Was wäre, wenn du nicht lange nach Bastelanleitungen suchen müsstest?

Wäre es nicht fein, wenn du Kind-erprobte Rezepte zur Verfügung hättest?

Und all das mit einer vorgefertigten Materialliste, damit du genau weißt, was du brauchst?

Der etwas andere Adventkalender war geboren – Das rundum-sorglos Paket für den Advent mit kleinen Kindern

Durch diesen Adventkalender wirst du entlastet und kannst trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – den Advent mit deinen Lieben genießen.

Und damit die Motivation hoch bleibt, gibt es in unseren E-Mails auch Hintergrundinformationen. Du erfährst, welche Kompetenzen dein Kind dabei übt.

Hier findest du dieses kostenlose Angebot.

Trag dich gleich dafür ein und du bekommst eine Materialliste vor dem Advent und vor jedem Adventwochenende eine E-Mail mit verschiedenen erprobten Vorschlägen.

Bleib gelassen,

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