wie lernen Kinder richtig lernen

Lerntypen – Welcher Lerntyp ist mein Kind?

Im zweiten Teil der Serie Lernen lernen geht es jetzt ans Eingemachte. Wir schauen, was dein Kind tun kann, um gehirngerecht zu lernen.

Vorher möchte ich allerdings noch einige Dinge klären.

Lerntypen, Welcher Lerntyp ist mein Kind

Lerntypen – Gibt es die wirklich?

Nachdem die Menschen wissen wollten wie lernen funktioniert, haben sie natürlich auch versucht, eine Einteilung zu finden. Wir Menschen streben nach Ordnung und Struktur und alles, was eine Struktur hat, ist erstens leichter zu lernen und zweitens gibt es uns das Gefühl der Sicherheit. Es gibt uns die Illusion des Beherrschbaren. Daher gibt es natürlich auch Einteilungen in Lerntypen. Du merkst ich spreche nicht von einer Einteilung, sondern von Einteilungen. Denn ganz so einfach ist die Sache mit den Schubladen doch nicht.

Ich finde zwei Einteilungen ganz nützlich um sich zu orientieren.

1. Lerntypen nach VAKOG

VAKOG ist ein Akronym – ein Wort, das sich aus den Anfangsbuchstaben der Begriffe visuell-auditiv-kinästhetisch-olfaktorisch und gustatorisch zusammensetzt.

Es handelt sie um unsere Sinneskanäle: sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken.

Alles was um dich herum passiert, nimmst du mit deinen Sinnen auf. Deine Sinne sind also auch am Lernen beteiligt.
Wobei es beim Lernen drei Hauptkanäle gibt: sehen, hören und fühlen.

Demnach werden die Lerntypen folgendermaßen eingeteilt:

Visueller Lerntyp

Das sind Menschen, die sich Sachverhalte besonders gut merken, wenn sie diese sehen. Sie merken sich oft genau, auf welcher Seite eines Buches sie bestimmte Fakten gelesen haben. Wenn sie sich an etwas erinnern, dann läuft vor ihrem geistigen Auge ein Film ab oder es entsteht ein Bild.

Auditiver Lerntyp

Diese Menschen merken sich besonders gut Dinge, die sie hören. Für sie ist es sehr wichtig, ob Lehrende eine angenehme Stimme haben, ob sie moduliert und akzentuiert sprechen. Auch die Sprachmelodie spielt eine Rolle. Sie hören gerne Podcasts und Hörspiele und können diese Inhalte oft wortgetreu wiedergeben.

Kinästhetischer Lerntyp

Dieser Typ muss Dinge fühlen, spüren, ausprobieren und selbst machen. Es geht also sowohl um die Berührung durch die Finger, also auch um Emotionen.

Der Geschmacks- und der Geruchssinn spielen beim Lernen eine untergeordnete Rolle. Du solltest diese Sinne aber nicht vernachlässigen. Vor allem bei der Gestaltung der Lernumgebung können sie hilfreich sein.

Beim Lernen gibt es allerdings noch 2 Sondertypen.

Auditiv-digitaler Typ

Diese Menschen brauchen viel Struktur und sie merken sich am besten Zahlen, Daten und Fakten. Sie lieben Charts und Tabellen und gehen sehr analytisch vor.

Kommunikativer Typ

Diese Menschen lernen am besten in Gruppen und im Dialog bzw. im Gespräch.


Ich halte es aber für falsch zu sagen: „Ich bin Lerntyp xy!“, und nur mehr nach diesem Lerntyp zu lernen.
Erstens gibt es kaum reine Typen. Die meisten Menschen sind Mischtypen.
Hier findest du übrigens einen schönen Artikel von Geolino zu dem Thema.

Das sollte allein durch die Beschreibung des auditiv-digitalen und des kommunikativen Typs klar geworden sein. Denn Kommunikation und Gespräch hilft fast allen Menschen beim Lernen. Allein schon deshalb, weil Beziehung entsteht und durch die Beziehung Emotionen entstehen. Wie wir bereits im Teil 1 dieser Serie gesehen haben, sind Emotionen ganz wichtig für das Gehirn, um eine Lernbereitschaft herzustellen.

Zweitens sollte es dein Ziel sein, auch andere Sinneskanäle und Typologien zu bedienen, wenn du leicht und einfach lernen willst.

Je mehr Aufnahmekanäle du nützt, desto leichter ist es für dein Gehirn die Informationen abzulegen und zu verknüpfen und danach auch wieder abzurufen.

Ilse Lechner

Psst, in unserem Sommer-Ferien-Kurs Vor-Sprung – Fit für den Übertritt lernt dein Kind gehirngerecht zu lernen. Es erfährt welcher Lerntyp es ist und welche Lernmethoden am besten zu ihm passen. Wir zeigen ihm auch, wie es sein Spektrum erweitern kann, sodass es alle Sinneskanäle nützt.

2. Lerntypen nach den Fragen, die sie stellen (4-Mat-System)

Man kann die Lerntypen auch nach den Fragen, die sie stellen, einteilen.

Dieses Modell stammt von David Kolb und Bernice McCarthy und baut auf der Typologie von C.G. Jung auf. Es gibt also die Typen Denken, Fühlen, Empfinden und Intuieren und von allen Typen jeweils eine introvertierte und eine extravertierte Variante.

Die vier Typen des 4-Mat-Systems

Warum-Typ

Dieser Typ ist ein Entscheider, seine Motivation ist der Sinn. Er trachtet also hinter allem was er tut einen Sinn zu erkennen. Vom Lerntyp her ist er ein reflektiver Beobachter. Es interessiert ihn immer das Warum.
Warum soll ich mich mit einem Thema beschäftigen?
Warum ist es gerade jetzt interessant?
Diesem Typ geht es um die Brisanz der Information. Er möchte das, was er lernt, in Bezug zu seinem aktuellen Leben bringen.

Was-Typ

Das ist der Typ des klassischen Wissenschaftlers. Definitionen sind sein Ding. Diese Typen sind Denkende, denen es um Informationen geht. Sie brauchen Definitionen, Fakten und Daten. Ohne den Was-Typ wäre die Einteilung der Arten in Gattungen, Arten, Klassen und Unterklassen nie passiert. Das ist ihr Reich.

Der Wie-Typ

Dieser Typ ist ein Entdecker und Improvisierer. Wie-Typen lieben es zu experimentieren. Sie wollen immer wissen, WIE etwas geht/funktioniert. Wie-Typen wollen selbst machen, ausprobieren. Sie brauchen Handlungsanleitungen, die sie nachvollziehen können. Bares Wissen ohne Umsetzung scheint ihnen wertlos. Alles dreht sich um Problemlösungen und Anwendungsmöglichkeiten.

Wozu (noch)-Typ

Dieser Typ denkt weiter. Er legt seine Erfahrungen um und versucht sie in anderen Gebieten anzuwenden. Es sind die Visionäre, die an den Möglichkeiten interessiert sind; Praktiker, die Chancen nützen wollen. Sie wägen auch Chancen gegen Risiken ab und denken bei allem: Wozu kann ich das noch benutzen. Wenn du jemanden siehst, der aus einem Kleiderbügel einen Kochbuchhalter macht, dann ist das sicher ein Wozu (noch)-Typ.

Auch hier gilt wieder:Es gibt kaum Typen in reiner Form. Das ist auch gut so, denn so können wir einander besser verstehen und gut aufeinander eingehen. Klick um zu Tweeten

Außerdem – du ahnst es schon – bauen sich die Typen nach den Fragen mit der Entwicklung erst langsam auf. Fast alle Kinder haben rund um das 4. Lebensjahr das Warum-Alter. Diese Phase ist für Eltern unheimlich anstrengend, aber auch sehr wichtig. Kinder dieses Alters haben einen großen Forschergeist und je ausführlicher und geduldiger ihre Fragen beantwortet werden, desto besser können sie sich entwickeln. Ich weiß, es ist an manchen Tagen lästig, aber mit der geduldigen Beantwortung der Fragen hältst du die Neugier und die Lernbereitschaft deines Kindes lebendig.

Wie dein Kind zum Lernprofi wird – Der Ferienkurs Vor-Sprung macht fit!

Vor-Sprung

Im Ferienkurs Vor-Sprung

finden mein Sohn Samuel und ich gemeinsam mit deinem Kind heraus, welcher Lerntyp es ist und mit welchem Sinneskanal es Lernstoff besonders leicht und schnell aufnimmt. Natürlich lernt dein Kind auch, welche Methoden genau für seinen Lerntyp besonders geeignet sind. Samuel ist Jugendbetreuer und Jugendreferent. Er studiert technische Mathematik und wurde 2021 von den Kindern begeistert als Referent aufgenommen.

Dein Kind erfährt wie es sich selbst strukturieren und organsieren kann. Wir zeigen wie es mit einfachen Tricks seine Leistung optimiert. Nebenbei schulen wir spielerisch Arbeitsgedächtnis, Konzentration und Merktechniken. So wird dein Kind fit für das selbständige Arbeiten, das für die weiterführende Schule erforderlich ist.

Übrigens:
Eltern müssen nicht allwissend sein. Es ist in Ordnung, wenn du einmal sagen musst: „Das weiß ich selbst nicht.“ In diesem Bekenntnis liegt die große Chance, dass ihr euch gemeinsam auf die Suche nach der Lösung oder den Fakten macht. Auch so lernt dein Kind ganz wichtige Dinge für sein Leben:
Menschen müssen nicht unfehlbar sein.
Wie suche ich nach Informationen.

Dabei wird es feststellen, dass es Spaß macht, sich gemeinsam auf Forschungsreise zu begeben.

Bleib gesund und gelassen!

Mehr Artikel zu den Themen Vorschule, Schulvorbereitung, Schulübertritt und Ferienkurse findest du hier.
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wie lernen Kinder richtig lernen

Lernen lernen

„Wie lernt mein Kind richtig lernen?“

Das ist ein Stoßseufzer vieler Eltern.
Erwachsene erwarten von Kindern, dass sie lernen. Das können die meisten Kinder auch gut, so lange sie klein sind und einfach nur ihren Interessen nachgehen dürfen. Sie machen das, was sie wollen und werden darin besser. Dabei ist es egal, ob es sich um das Trinken aus einem Glas, das Gehen lernen, Fahrrad fahren, malen oder etwas Anderes handelt.

Sicher hast du aber bemerkt, dass dein Kind bei all diesen Dingen etwas tun darf. Es ist aktiv. Es macht Bewegungen, übt sie ein und lernt dabei. Dein Kind macht genau das, was es gerade interessant findet. In diesem Alter lernen Kinder scheinbar mühelos und von selbst.

lernen lernen, 2 Kinder mit globus und lernmaterial

Dann kommt die Schule und mit ihr Wissenserwerb. Die meisten Kinder lernen in Volks- und Grundschule noch sehr gut. Sie freuen sich auf die Buchstaben, wollen das erste Buch lesen und freuen sich, dass sie rechnen können. Aber schon hier tauchen bei manchen Kindern Schwierigkeiten auf. Sie mühen sich ab und plagen sich.

Sie erkennen, dass sie aktiv üben müssen. Weil von ihnen aber erwartet wird, dass sie etwas üben, das im Moment alle machen und was sie vielleicht im Moment gar nicht interessiert, wird es mühsam. Daher sollten Kinder spätestens jetzt Unterstützung bekommen und lernen, wie sie richtig selbst lernen.

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Lernen mit Kindern zu Hause

Lernen mit Kindern zu Hause

Eltern waren in den letzten drei Wochen ganz schön gefordert. Schul- und Kindergartenschließungen aufgrund der Covid19-Krise. Neben Home-office kam auch oft noch unfreiwilliges Home-schooling unter erschwerten Bedingungen und der Lagerkoller dazu.

Lernen mit Kindern zu Hause

Die Betonung liegt auf unfreiwillig und unter erschwerten Bedingungen

Da du beziehungsweise ihr die Situation noch eine ganze Weile durchhalten müsst, solltet ihr euch diese Tatsache immer vor Augen halten.

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Meine liebsten Motivationskicks

Manchmal kommt es vor, dass wir Aufgaben vor uns haben, die uns im Moment absolut nicht freuen. Viel lieber würden wir etwas anderes machen.

Es geht nicht nur uns Erwachsenen so. Kindern geht es auch so!

Meine liebsten Motivationskicks, Motivationstricks, Selbstmotivation, Kinder motivieren

Bei Kindern bemühen wir uns meist, ihnen die Aufgaben so schmackhaft wie möglich zu machen, bzw. in ein Spiel einzubinden.
Diesbezüglich habe ich gemeinsam mit meinen Kindern viel über Selbst- und Fremdmotivation gelernt. Mein oberstes Bestreben war immer, meinen Kindern die Arbeit leicht und freudvoll zu gestalten. Ich selbst bin von Haus aus zwar ein eher fauler (ja, ich stehe dazu), aber organisierter und disziplinierter Mensch. Meine oberste Prämisse ist es, die Dinge so schnell als möglich zu erledigen, dann habe ich sie hinter mir und auch aus dem Kopf.

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Schulnoten abgschaffen

Schulnoten abschaffen – klingt gut! Aber ist das die Lösung?

Letzte Nacht hatte ich einen Traum.

Schulnoten abschaffen? - Ist das die Lösung?

Einen Traum von meiner Schulzeit


Ich stellte mir im Traum die Frage, ob es sinnvoll wäre, die Schulnoten abzuschaffen. – Das fand ich beim Aufwachen sehr spannend.
Tatsächlich habe ich eine sehr angenehme Schulzeit verbracht, ich hatte viele angenehme Lehrer und klarerweise auch ein paar nicht so tolle.

Pünktlich zu den Semesterferien geistert dieses Thema auch wieder durch die Medien. Eine Vorarlberger Schule lehnt sich gegen den Notenzwang auf und will die Schulnoten abschaffen und durch eine mündliche Beurtielung ersetzen. Das findet die Montessori-Pädagogin in mir gut. Denn Zwänge sind immer schlecht für die Entwicklung. Ich weiß aber auch, dass eine gute verbale Beurteilung sehr aufwändig ist.

Es ist zu kurz gegriffen, die ganze Diskussion um die Schulmisere nur an den Noten aufzuhängen.

(persönliche Meinung)

Ich war grundsätzlich eine gute Schülerin mit einem Einbruch in der 11. Schulstufe (7. Klasse Gymnasium). Dieser Einbruch war der Pubertät geschuldet.

Dennoch gibt es zwei Gegenstände, die mich immer noch manchmal bis in meine Träume verfolgen: Turnen und – jetzt lach nicht – Mathematik. Und das obwohl ich in Mathe gut war und nie Schwierigkeiten hatte. Im Gegenteil; ich mag Mathe wirklich gern.

Warum also verfolgen mich ausgerechnet Turnen und Mathe bis in meine Träume?

Nun das ist relativ einfach zu erklären

Im Ball spielen war ich eine Niete. Ich hatte einfach Panik vor dem Ball. Nachdem unsere Turnprofessorin viel Wert auf Ballspiele legte, war turnen für mich ein ungeliebtes Fach.

Ich hielt mich sogar für unsportlich. Und das obwohl ich jahrelang Jazz-Dance gemacht habe. Aber das war in meinen Augen ja auch Tanz und kein Sport.
Ich ging Schi fahren (machte damals jeder), fuhr gern und oft mit dem Rad (das war unser beliebtestes Fortbewegungsmittel) liebte es zu schwimmen und hasste es dabei den Kopf unter Wasser zu tauchen. Das mit dem Kopf-nicht-unter-Wasser-tauchen-wollen war in den Augen unserer Turnprofessorin ein weiterer Minuspunkt. Du hast es sicher schon geahnt.

Wäre ich ohne Noten besser dran gewesen?

Nach meinem Traum fragte ich mich also, ob es sinnvoll wäre die Schulnoten abzuschaffen. Wäre ich ohne Schulnoten besser dran gewesen?

Im ersten Ansatz kam es mir ziemlich verlockend vor zu sagen: „Ja, klar!“

Bei Turnen hätte es vielleicht auch gestimmt. Ich hätte nicht das Gefühl vermittelt bekommen total unsportlich zu sein. Wirklich? – Nein. Denn wenn der Fokus auf Ballspielen gelegen hat, dann wäre es auch ohne Noten nicht besser gewesen. Ich hatte an Ballspielen einfach keinen Spaß. Ich hatte eine tiefe Abneigung gegenüber dem fliegenden Objekt.

Wenn ich also ehrlich zu mir selbst bin, dann hätte ich von einer Abschaffung der Schulnoten in Turnen nicht profitiert. Ich hätte mich genauso unsportlich gefühlt, wie mit Noten.

Wie war das eigentlich in den anderen Gegenständen?

Somit grub ich weiter in meinem Gedächtnis. Wie war das in den anderen Gegenständen. Hätten sie mir ohne Noten mehr Spaß gemacht?

Auch da kann ich ganz ehrlich sagen: Nein!

Wenn ich an einem Gegenstand keinen Spaß hatte, dann lag das nicht an den Noten. Es gab Gegenstände, die ich trotz ausgezeichneter Leistungen nicht wirklich mochte und andere, die ich geliebt habe, obwohl meine Leistungen nicht hervorragend waren.

Es lag nicht einmal an einer besonders fortschrittlichen und modernen Art des Unterrichts. Gelungener Unterricht hatte ganz andere Gründe.

Ein Deutschlehrer der alten Schule

Als ich ins Gymnasium kam, hatten wir einen Deutschlehrer der alten Schule. Seine Unterrichtsmethoden würden jedem modernen Pädagogen die Haare zu Berge stehen lassen.

Wir hatten wöchentliche Diktate, führen ein Grammatikheft und mussten die Regeln auswendig lernen, wir hatten als Hausübung Wort- und Satzanalysen, deklinierten und konjugierten was das Zeug hält. Scheinbar das Grauen jedes Schülers.

Aber jetzt kommt es: Wir haben diesen Lehrer geliebt. Er brannte für sein Fach und konnte uns seine Begeisterung vermitteln. Dieser besondere Mensch schaffte es sogar, uns klar zu machen, warum er seine scheinbar sinnlosen Aufgaben für wichtig erachtete.

Unser alter Deutschprofessor zeichnete sich durch eine große Liebe für uns Schüler und Schülerinnen aus. Stets hatte er ein Lächeln im Gesicht und er wirkte aufgrund einer Kriegsverletzung eher großväterlich.

Wenn er bemerkte, dass wir einmal nicht so aufnahmefähig waren, erzählte er zwischendurch Geschichten von früher und ließ uns so  Zeitgeschichte lebendig werden. Trotzdem ist er nie von seinen Anforderungen an uns abgewichen.

Nach der 6. Schulstufe (2. Klasse Gymnasium) hat er uns verlassen und wurde pensioniert. Sein Nachfolger hatte es echt schwer mit uns. Er war ein ausgezeichneter junger Lehrer, aber er musste uns erst einmal beweisen, dass er es genauso gut meinte, wie sein Vorgänger. Schließlich schaffte er das auch. Er konnte auf dem guten Fundament in Grammatik und Rechtschreibung des Vorgängers aufbauen und stellte selbst hohe Anforderungen in Literaturgeschichte und Literatur.

Übrigens war neben ihm auch der alte Deutschlehrer bis zu seinem Tod bei jedem unserer Klassen- und Maturanten Treffen eingeladen und dabei.

Eine Französischlehrerin, die alles durchgehen ließ und eine strenge mit Engagement

Meine Eltern waren durchaus als frankophil zu bezeichnen und wenn sie sich eine Privatschule hätten leisten können, wäre ich am Sacre Coeur gelandet. Somit war mir ein grundsätzliches Interesse für Französisch in die Wiege gelegt.

In der 9. Schulstufe freute ich mich auf Französisch. Wir bekamen leider eine junge Lehrerin ohne Erfahrung, der mehr an einem freundschaftlichen Verhältnis zu den Lernenden, als an Leistung gelegen war. Wir hatten also jede Menge Spaß mit ihr, kochten französische Gerichte und gingen Eis essen. Sie machte uns aber nicht klar, wie wichtig die Grundlagen einer Sprache sind. Vokabel lernen? – Das wird schon irgendwann. Grammatik? Naja, das versteht halt nicht jeder!

Im Jahr danach bekamen wir die Lehrerin, die den Ruf hatte, die strengste der ganzen Schule zu sein. Schnell stellte sich heraus, dass die ganze Klasse große Lücken in den Grundlagen der französischen Sprache hatte. Die erste Schularbeit des Jahres war eine Katastrophe. Was machte also besagte Lehrerin über die immer wieder gelästert wurde, weil sie so streng war?

Sie lud die ganze Klasse an einem Freitagnachmittag zu sich nach Hause ein und arbeitete mit uns die Grundlagen noch einmal durch. Sie machte uns klar, dass Vokabel in einer Fremdsprache das um und auf beim Sprachen lernen sind und sie bestand auf regelmäßigen Vokabelabfragen.

Was meinst du bei welcher Lehrerin wir mehr Spaß und Erfolgserlebnis hatten?

Richtig – bei der strengen, obwohl unsere Noten erst einmal alle um mindestens einen Notengrad sanken. Aber sie konnte uns auch motivieren und uns vermitteln, dass diese Durststrecke bald überwunden sein würde. Meine war es übrigens nie ganz. Ich war zwar mündlich eine der Besten, aber für die Abstimmung der Adjektive an die Person war ich schlicht zu schlampig. Da konnte ich die fehlenden Grundlagen schriftlich nur schwer aufholen. Ich hatte es einfach von Anfang an schlecht eingeübt und schleppte diese Fehler mit. Aber ich lernte eine weitgehend akzentfreie Aussprache, die ich leider aufgrund mangelnder Übung nicht mehr beherrsche.

Ein Englisch- und Turnlehrer, der mit Kreide schoss

Unser Klassenvorstand war gleichzeitig unser Englischlehrer und der Turnlehrer der Jungs. Er war ein typischer Turnlehrer, athletisch und braun gebrannt. Wenn es einen Schikurs an der Schule gab, dann war er ziemlich oft der Leiter.

Wenn wir in Englisch schwätzten, dann konnte es schon sein, dass ein Stück Kreide knapp neben unseren Ohren vorbeiflog. – Nach heutigen Maßstäben hochpädagogisch *ironioff*.

Trotzdem hatte er immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und nahm uns als Klassenvorstand nach außen immer in Schutz und verteidigte uns. Das Donnerwetter gab es dann im Klassenrahmen. Er hatte allerdings auch viel Verständnis und zeigte uns, dass er zwar unzufrieden mit unserem Verhalten war, aber uns auch verstehen konnte.

Hatte er mit den organisatorischen Aufgaben des Klassenvorstands zu tun und wir wurden zu laut, dann sagte er einfach nur: „Aufstehen!“, war es dann wieder ruhig folgte ein „Setzen!“ – Auch das wird heute als pädagogisch höchst fragwürdig angesehen. Ehrlicherweise kann ich aber sagen, er hat mit dieser stillen, beherrschten Art eher erreicht als andere mit drohen, donnern oder ungerechter Benotung.

Die andere Seite dieses Mannes war eine sehr väterliche. Wir fuhren an Schulwandertagen mit dem Rad an sein privates Seegrundstück und waren dort schwimmen und grillen. Wir fühlten also, dass er es gut mit uns meinte.

Die Maturareise ging in die Türkei an genau den Campingplatz an dem er mit seiner Familie seit Jahren Urlaub machte. Alle die damals mitgefahren sind, waren quasi ins Familienleben integriert.

Ein Matheprofessor mit einem Selbstwertproblem

So nun kommen wir zu Mathematik. Mit diesem Gegenstand hatte ich meine Schwierigkeiten, obwohl ich ganz gut war. Dieses „gut sein“ verdanke ich dem mathematischen Verständnis meines Vaters. Wann immer ich in der Schule nicht kapiert hatte, was zu tun war, ließ er mich abends in einer Einzelsitzung selbst draufkommen.

Besagter Matheprof schickt uns mit halb gerechneten Beispielen nach Hausübung lösen. Sehr witzig!

Wenn er sich gegen die Klasse nicht durchsetzen konnte, drohte er, fing an zu brüllen oder schickte einzelne Schüler zum Direktor.

Was soll ich sagen: Mathe mochte ich nie!

Wenn er merkte, dass er mit seiner Brüllerei übertrieben hatte, dann unterhielt er uns mit den ewig gleichen Geschichten, in denen er sich selbst möglich interessant darstellte. Manchmal schwadronierte er so lange, bis die Stunde vorbei war. Wir Schüler und Schülerinnen fanden das zwar auf der einen Seite angenehm und versuchten ihn auch noch in seinem Erzählfluss zu unterstützen.

Instinktiv fühlten wir aber auch, dass er nur um einen schlechten Ausgleich für sein vorheriges Brüllen bemüht war. Wir nahmen ihn also nicht sehr ernst. Außerdem wussten wir genau, dass wir den Stoff, den er uns nicht beibrachte trotzdem können mussten. Oft hat uns unser Physiklehrer – der auch Mathe unterrichtet hat – vor der Schularbeit gerettet, indem er uns schwierige Beispiele noch einmal kurz erklärt hat.

Ich hätte also auch ohne Schulnoten stets gewusst, dass ich wichtige Bereiche der Mathematik im Unterricht nicht verstanden habe. Dank meines Vaters und meines Physiklehrers wusste ich auch, dass es nicht an meinem mangelndem Verständnis liegt. Ich wäre also auch hier ohne Schulnoten nicht glücklicher gewesen.

Ein Geschichtelehrer der das alte Ägypten und die alten Griechen liebte versus einen mit einem rot-blau unterstrichenen Buch

Geschichte wurde im ersten Jahr vom damaligen Direktor unterrichtet. Auch ihm eilte der Ruf voraus besonders streng zu sein.

Er liebte jedoch sein Fach und er verstand es die Geschichten des Altertums so ausführlich zu schildern, dass sie buchstäblich vor unseren Augen lebendig wurden. Er sah die geschichtlichen Ereignisse in ihrer Gesamtheit und lehrte uns in Ursache und Wirkung zu denken. Sämtliche Konflikte der alten Griechen untersuchten wir auf Ursache des Konfliktes und dem Anlass des Kriegsausbruches.

Im nächsten Jahr bekamen wir einen anderen Geschichtsprofessor. Er hatte in seinem Buch alle wichtigen Stellen rot und blau unterstrichen und liebte Jahreszahlen, Zusammenhänge und Ereignisketten waren ihm egal. Schnell begriffen wir, dass wir nur herausfinden mussten, welche Stellen in seinem Buch rot oder blau unterstrichen waren, um bei den Prüfungen zu bestehen.

Was meinst du bei wem wir mehr gelernt haben?

Mein Fazit

Ich traue mich hier für die gesamte ehemalige Klasse zu sprechen. Das was für uns einen Unterricht interessant machte war die Lehrkraft. Schulnoten abschaffen allein ist sicher keine Lösung.

Ob wir einen Gegenstand mochten und interessant fanden oder nicht hatte ganz andere Gründe:

  1. Wir hatten grundsätzliches Interesse an dem Gegenstand.
  2. Die lehrende Person verstand es, die Inhalte gut aufzubereiten und zu vermitteln.
  3. Die lehrende Person war selbst begeistert von ihrem Fach und verstand es, diese Begeisterung weiter zu tragen.
  4. Die Haltung des Lehrers oder der Lehrerin strahlte aus, dass sie die Lernenden mochte und respektierte.
  5. Die Lehrperson tat alles, um die Lernenden in ihrem Lernprozess zu unterstützen.

Daher glaube ich, dass eine Abschaffung der Noten viel zu kurz gegriffen ist, die Ursachen liegen viel tiefer. Wir haben kein Problem mit den Noten. Wir haben auch nicht unbedingt nur ein Schulproblem. Wir haben auch ein gesellschaftliches Problem!

Über die verschiedenen Ursachen, Studien und Statistiken werde ich in den nächsten Wochen noch mehr schreiben.

Was meinst du zu diesem Thema?
Schreib mir deine Meinung gerne in die Kommentare.

Ansonsten gilt wie immer: Bleib gelassen!
Deine

P.S.: Wenn du kurz mal sehen willst, was derzeitige Teenager über ihre Lieblingslehrer und ihre Eigenschaften sagen, dann schau dir dieses Video an.

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