Wenn Eltern mit dem Wort Erziehung Probleme haben, dann höre ich oft: „Ach, ich mache das nach Bauchgefühl!“

Das klingt erstmal ganz einleuchtend und gleichzeitig kann es Probleme verursachen.

Du willst wissen warum? Dann lies einfach weiter.

Erziehung nach Bauchgefühl

Erziehung nach Bauchgefühl ist ein Mythos

Hartnäckig hält sich das Schlagwort „Erziehung nach Bauchgefühl“. Aber mit dem Bauchgefühl ist es so eine Sache. Es kommt nicht aus sich selbst heraus.

Dein Bauchgefühl beruht auf:

  • Deiner eigenen Erziehung.
    Wenn du als Kind nicht besonders viel Zuwendung erfahren hast, dann setzt sich bei dir vielleicht der Gedanke fest, dass man Kinder ja nicht verwöhnen soll.
  • Den Erfahrungen, die du im Laufe deines Lebens gemacht hast.
    Musstest du als Kinder mit einer lieblosen Kindergartenpädagogin zurechtkommen, dann lebst du vielleicht nach dem Grundsatz: „Was uns nicht umbringt, macht uns härter.“
  • Instinktiven Verhaltensweisen
    Menschen sprechen mit Säuglingen in einer höheren Stimmlage.
  • Dem Austausch mit deinem Umfeld.
    Deine Freunde erzählen dir fortwährend, wie gut die Schule xy ist. Dann wird dir dein Bauchgefühl wohl dazu raten, dein Kind auch in diese Schule zu geben. Auch dann, wenn dein Kind vielleicht an einer anderen Schule besser aufgehoben wäre.
  • Bauchgefühl ist stimmungsabhängig
    Du hattest am Vormittag eine Arbeitssitzung, wo deine Meinung nicht gehört wurde. Am Nachmittag räumt das Kind trotz mehrmaliger Aufforderung den Tisch nicht ab. Dein Bauchgefühl signalisiert dir: „Alle tanzen mit auf der Nase herum, das darf ich mir nicht gefallen lassen.“ – Und schon schimpfst du mit deinem Kind.

Das Bauchgefühl entsteht also aufgrund von langer Beschäftigung mit einem Thema. Diese Beschäftigung kann unbemerkt und unbewusst ablaufen. Allerdings ist dieses Bauchgefühl immer geprägt von dem was du weißt, was du selbst erfahren hast und was dir beigebracht wurde.

Du kannst also erkennen, dass dein Bauchgefühl in für dich neuen Situationen oder in einem neuen Umfeld nicht vertrauenswürdig ist.

Dein Bauchgefühl ist in einer neuen Situation oder in einem fremdem Umfeld nicht unbedingt ein guter Ratgeber. Klick um zu Tweeten

Ich bringe dir ein Beispiel:

Stell dir vor du bist auf Reisen. Du kommst in ein eher südliches Land. Eine Person spricht dich an und kommt dir nahe. Du weichst unwillkürlich zurück. Die Person nähert sich wieder. Du fühlst dich unbehaglich. Dein Bauchgefühl signalisiert dir, dass diese Person übergriffig ist. Die Person versteht dein Signal nicht und rückt nach, weil es in ihrer Kultur liegt. Das empfindest du vom Bauchgefühl her als unhöflich.

Wenn du allerdings weißt, dass die intime Distanz kulturabhängig ist, dann sieht es anders aus. Im D-A-CH-Bereich haben wir einen persönlichen Abstand von ca. 20 – 60 cm um die Person herum. Im skandinavischen Bereich ist diese Distanz – die sogenannte intime Zone etwas größer. Im südamerikanischen Raum ist diese Zone geringer. Im arabischen Raum ist diese Intime Zone vor allem bei Männern untereinander wesentlich geringer als im D-A-CH-Raum.

Erziehung nach Bauchgefühl ist nicht prinzipiell schlecht

Es gibt ein sogenanntes intuitives Elternprogramm. Das sind bestimmte Verhaltensweisen, die Erwachsene im Umgang mit Babys und Kleinkindern an den Tag legen. Die meisten Erwachsenen nähern sich einem Säugling auf 40 – 50 cm. Das ist genau die Distanz, wo das Baby gut sehen kann.

Menschen sprechen mit Babys langsamer und in einer höheren Stimmlage. Das stimmt mit dem Kommunikationsbedürfnis von Säuglingen überein.

Viele Menschen begeben sich in die Hocke, wenn sie mit jungen Kindern sprechen. Somit befinden sie sich auf Augenhöhe des Kindes.

Bauchgefühl allein reicht nicht

Bauchgefühl allein reicht nicht, um Kinder gut zu begleiten. Das Leben verändert sich rasend schnell. Junge Eltern stehen vor Herausforderungen, mit denen vorhergehende Generationen nichts zu tun hatten. Früher gab es keine 24 Stunden-Erreichbarkeit, es gab nicht so viele Bildschirmgeräte, die Ablenkungen für Kinder waren nicht endlos. Für all das fehlt es an Vorbildern und Rollenmodellen.

Neue Situationen fordern also nach neuem Wissen und neuen Informationen. Erst damit kann wieder ein neues Bauchgefühl entstehen.

Ilse Maria Lechner

Sobald du zweifelst, ist das Bauchgefühl kein guter Ratgeber

Wenn du dich fragst, ob deine Entscheidung richtig ist, dann ist das Bauchgefühl kein guter Ratgeber. Dir fehlt es wahrscheinlich an Wissen, um eine gute und sichere Entscheidung zu treffen.

Wenn du dich innerlich zerrissen fühlst und nicht mehr weißt, was du tun sollst, dann ist das Bauchgefühl kein guter Ratgeber, sonst wärst du felsenfest überzeugt die richtige Entscheidung zu treffen. Du könntest sie schnell treffen.

Wenn du eine Entscheidung triffst oder Maßnahmen setzt und sie führen nicht zum gewünschten Erfolg, dann haben dich deine Instinkte wahrscheinlich getrogen. Schau dir mal an, wie es andere machen, damit sie zum erwünschten Ergebnis kommen.

Vor allem dann, wenn du etwas anders machen willst, als du es selbst erfahren und gelernt hast, ist das Bauchgefühl kein guter Ratgeber.

Du hast selbst Belohnung und Bestrafung erlebt und möchtest dein Kind anders begleiten? Dann brauchst du erst einmal neue Rollenmodelle und Leitbilder. Die findest du am ehesten in Menschen, die sich intensiv mit Erziehung und Entwicklung beschäftigen. Wenn du solche Menschen nicht in deinem Umfeld hast, dann können Bücher eine gute Hilfe sein.

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Hole Kopf und Bauch ins Boot

Zuerst einmal: Wissen

Eigne dir Wissen an. Frage Fachpersonen, lese Bücher und befrage Freunde und Bekannte. Frage dich dabei aber immer auch: Woher kommen diese Menschen? Was haben sie erlebt? Wie wurden sie geprägt?

Schnell wirst du dann feststellen, ob deine Werte bezüglich Erziehung mit den Werten dieser Personen übereinstimmen.

Ich bin selbst – für die damalige Zeit – sehr tolerant, offen und liebevoll aufgewachsen. Trotzdem war mir klar, dass ich Vieles anders machen wollte, als meine Eltern. Für mich war es z. B. undenkbar mein Baby an bestimmte Stillzeiten zu gewöhnen oder es schreien zu lassen.

Mein Weg zu meiner heutigen Erziehungseinstellung war ein langer und steiniger. Ich bin einige Umwege gegangen. Nicht jedes Buch, das ich gelesen habe, würde ich heute weiter empfehlen. Dennoch haben mir auch Bücher, die ich heute nicht mehr uneingeschränkt empfehlen würde, weitergeholfen und interessante Denkanregungen gebracht.

Folgende Autoren kann ich wirklich empfehlen:
Remo Largo, Nora Imlau, Inke Hummel, Herbert Renz-Polster und Heidi Maier-Hauser.

Gute Dienste im Fachbereich haben mir auch die Bücher von Manfred Döpfner, Michael Schulte-Markwort, Haim Omer, Jesper Juul, Thomas Gordon und Gary Chapman geleistet. Nicht alle sind für den Hausgebrauch geeignet. Manche der genannten Autoren schreiben für Kinder mit ADHS oder Angststörungen. Bei manchen habe ich mir wertvolle Denkanstöße geholt. Diese Bücher finde ich sinnvoll, um Zusammenhänge zu verstehen. Ich habe sie genützt, um dieses Wissen in meine eigene Arbeitsweise einzugliedern.

Kinder ins Leben zu begleiten ist eine wunderschöne aber auch sehr herausfordernde Aufgabe.

Daher lohnt es sich, jede Ressource zu verwenden, die du zur Verfügung hast.

Kopfmenschen setzten sich oft sehr mit pro und kontra auseinander. Sie fassen einen Entschluss und setzen ihn um. Das kann von Vorteil sein. Denn sie sind in der Lage auf Regeln und Strukturen zu achten.

Beispiel:
Du stellst gemeinsam mit den Kindern Regeln für die Nutzung von Bildschirmgeräten auf und achtest darauf, dass diese Regeln auch eingehalten werden. Das machst du auch dann, wenn du selbst gerade mal keine Lust hast, den Buhmann zu spielen.

Es kann aber auch sein, dass diese Kopfmenschen die selbst aufgestellten Regeln sehr streng befolgen und selbst daran zerbrechen.

Ein Beispiel:

Gesundes Essen ist dir wichtig. Also bereitest du alle Mahlzeiten frisch zu. Das ist toll. Wenn du aber in Stresssituationen nicht in der Lage bist, von diesem Verhalten abzuweichen, dann wirst du damit noch mehr Stress produzieren. Ab und zu eine Pizza bestellen kann für dich als Mama erholsam sein und die Kinder werden es lieben.

Ohne Empathie kein Bauchgefühl

Mit dem Buachgefühl ist das so eine Sache. Es gibt uns eine klare Information. Weiter oben konntest du lesen, dass diese Information auf Erfahrung beruht. Aber auf wessen Erfahrungen greift diese Information zurück?- Auf deine!
Welche Bedürfnisse werden damit abgedeckt? Deine oder die des Kindes?

Stell dir vor, dein Kind steht im Supermarkt und tobt. Du hast ihm versprochen, dass es sich eine Sache aussuchen darf. Dein Kind ist aber von der Auswahl komplett überfordert und weiß nicht, wie es sich entscheiden soll. Aus Frust heraus tobt es. Wie würdest du nach deinem Bauchgefühl handeln?

Gerade in solchen Situationen ist das Bauchgefühl meistens ein schlechter Ratgeber.

Schnell kommen dir Sätze in den Sinn wie:

  • Mein Kind will mich erpressen.
  • Das macht es absichtlich, um mich in Verlegenheit zu bringen.
  • Es sollte doch schon längst überlegt haben, was es gerne möchte.

Es kann natürlich sein, dass du über Erfahrungen verfügst, die der derzeitigen Situation deines Kindes entsprechen. Vielleicht bist du selbst einmal in einem Kaufhaus gestanden und hast getobt, weil du dir etwas aussuchen durftest und dich nicht entscheiden konntest. Die Überforderung hat sich Luft gemacht. Dann wirst du aus dem Bauchgefühl heraus dein Kind gut unterstützen.

Wenn du aber selbst diese Erfahrungnicht gemacht hast, dann hilft nur Einfühlungsvermögen, genaues Zuhören und Beobachten. Was hat zum Tobeanfall geführt? Wie könntest du dein Kind jetzt gut begleiten? Was braucht es?

Du siehst, um ein Kind zu begleiten braucht es nicht nur Buachgefühl, sondern auch Wissen, Information, Einfühlungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe. Vor allem solltest du gelernt haben deine Beobachtungen von Bewertungen zu trennen.

Bleib gesund und gelassen!

Deine Mütterversteherin,

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Bereits sehr junge Kinder bringen sehr deutlich zum Ausdruck, was sie wollen und was sie nicht wollen. Sie zeigen durch ein Lächeln, was ihnen angenehm ist und durch weinen oder das Wegdrehen des Kopfes, was sie nicht mögen.

Allerdings ist so ein Menschenkind ein sehr unfertiges Wesen, wenn es zur Welt kommt. Es ist abhängig von der Liebe und Fürsorge der erwachsenen Bezugspersonen. Im Gegenzug dazu sind die Erwachsen für das Wohlergehen verantwortlich. Die Kindheit steht als Entwicklungsphase unter stattlichem Schutz. Erwachsene sind verpflichtet die Kinderrechte zu beachten und umzusetzen.

Beim Recht nach Fürsorge ist das noch relativ einfach.

Aber wie steht es um das Recht nach Beteiligung und Mitbestimmung? Wie kann das umgesetzt werden? Und vor allem: Ab welchem Alter?

Diese Fragen stellen sich viele junge Familien, die engagiert dafür eintreten, dass ihre Kinder unbelastet aufwachsen und ihre Persönlichkeit wirklich entfalten dürfen.

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Pubertät als Chance

Die Pubertät wird oft als eine unangenehme Zeit gesehen, in der Kinder schwierig sind und unüberlegt reagieren.

All diese Verhaltensweisen sind den körperlichen und geistigen Veränderungen geschuldet, denen die Teenager unterworfen sind.

Was dabei aber oft übersehen wird:

Pubertät als Chance

Die Pubertät ist eine gewaltige Chance!

Pubertät als Chance zum Nachholen von Lernerfahrungen

Genau deshalb, weil das Gehirn komplett umgebaut wird, bietet diese Zeit auch die Chance versäumtes nachzuholen und Neues zu erlernen.

Jetzt, wo das Gehirn ohnehin mit Aussiebe-Prozessen beschäftigt ist, wird auch das sogenannte Entlernen leichter. Unter Entlernen versteht man das Ablegen von Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die sich als nicht zielführend erwiesen haben, oder die einfach falsch sind.

In den Jahren vor der Pubertät wächst die sogenannte graue Substanz des Gehirns massiv an, weil immer neue Kontaktstellen  – die sogenannten Synapsen – entstehen. Die graue Substanz liegt in der Großhirnrinde und ist vollgepackt mit Nervenzellen. In der Pubertät ist die graue Substanz so groß wie nie zuvor.

Dann setzt ein Prozess ein, den man mit dem Zurückschneiden von Rosenbüschen vergleichen kann. Wenig verwendete Synapsen werden abgebaut, oft verwendetet werden verstärkt und zahllose neue werden gebildet.

Gleichzeitig wächst die weiße Substanz des Gehirns, die unter der grauen liegt. In ihr befinden sich die Axone – die Fortsätze der Nervenzellen, die Signale extrem schnell weiterleiten können.

Indem die Synapsen reduziert werden und die Axone mehr werden, steigt die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Die Kommunikation zwischen den Nervenzellen läuft schneller ab.

Dieser Umbau beginnt zunächst in den hinteren Hirnarelalen. Sie sind für die urtümlichen Funktionen wie Sehsinn und Gehör zuständig. Die hormonelle Umstellung, die mit der körperlichen Umstellung und dem Gehirnumbau einhergeht, ist verantwortlich, dass die Teenager die Nacht zum Tag machen.

Jetzt entscheidet sich welche Fähigkeiten langfristig ausgebaut werden. Das sind genau die Hirnareale für jene Tätigkeiten, die die Jugendlichen regelmäßig nutzen.
Alles, womit sich dein Kind jetzt beschäftigt, wird langfristig gestärkt. Egal, ob es sich um Musik, Sport, Gedächtnisleistung oder Bewegungsabläufe handelt.
Daher können in dieser Zeit auch gut versäumte Entwicklungsprozesse „nachgenährt“ werden.

Jetzt ist es z. B. möglich das Gleichgewicht noch einmal gut zu schulen, falls das im Kleinkindalter nicht geglückt ist. Jetzt ist es möglich künstlerische Fähigkeiten zu erwerben und zu fördern, falls das im Schulalter zu kurz gekommen ist.

Nie wieder ist das Gehirn so leistungsfähig wie zu dieser Zeit!
Ja, wir wissen mittlerweile, das Gehirn formt sich ein Leben lang um. Aber in der Pubertät ist alles auf diese Umformung ausgerichtet. Das heißt jetzt kann der natürliche Prozess genutzt werden, um Fähigkeiten zu stärken oder auszubauen.

Damit das gelingt ist aber eines ganz wichtig. Die beständige Beschäftigung mit diesen Fähigkeiten. Denn wie schon oben erwähnt: Ungenutztes wird ausgeschieden.

Pubertät als Chance, die Welt zu verändern

Allerdings bietet die Pubertät noch eine andere große Chance, die sowohl Eltern als auch anderen Erwachsenen in der Umgebung der Pubertierenden nicht bewusst ist.

Wenn sie Pubertät hören, dann denken viele Eltern oft an Aufmüpfigkeit und Fehlentscheidungen. Aber Teenager haben auch das Potenzial zu Glanzleistungen. Zu diesen kommt es allerdings nur, wenn du deinem Teenager verständnisvoll begegnest und ihm auch etwas zutraust.

Pubertierende sind originell, kreativ und oft sehr idealistisch. Sie sind gerade auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und sind bereit ihre Werte viel kompromissloser durchzusetzen. Sie lieben es zu diskutieren und debattieren. Damit sind sie geradezu ideal passend, um neue Lösungen für politische, wirtschaftliche oder ökonomische Probleme zu finden.

Der Neurobiologe Ralph Dawirs vom Universitätsklinikum Erlangen forscht über die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Er meint dazu: Bereits vor zwei Millionen Jahren wären Pubertierende die wahren Helden gewesen. Denn mit dem Einsetzen der Pubertät waren sie bereit sich in Gefahr zu begeben und Neues auszuprobieren. Innovation und Fortschritt wäre ohne anders denkende Jugendliche nicht möglich gewesen.

Heute würden diese Erfolgsmerkmale wie erhöhte Risikobereitschaft und Idealismus „kriminalisiert und pathologisiert“ meint Dawirs.

Zusätzlich hat sich in den letzten Jahrzehnten ein „Jugendkult“ entwickelt. 60-jährige sind heute fitter und aktiver als 50-jährige zur Zeit meiner Großmutter oder Urgroßmutter. Das ist einerseits schön so! Denn die Menschen werden gesund älter. Andererseits nimmt es den Jugendlichen aber ihre „Vormachtstellung“ weg. Das Abgrenzen wird immer schwieriger.

Es gibt keinen echten Generationswechsel mehr. Dawirs nennt das den „Prinz-Charles-Effekt“. Die junge Generation will mitmachen und darf aber nicht, weil ältere nicht ihren Platz räumen.

So schlimm ist es meiner Meinung nach nicht.

Aber an dem Gedanken ist etwas dran. Stehen doch im Jahr 2021  – allein in Österreich – den 15 – 19-jährigen mehr als 5 Mal so viele Menschen 60+ gegenüber.  Was für eine Übermacht!

(Wenn du einen Überblick in  Zahlen möchtest, dann sind es 435249 Jugendliche im Alter von 15 – 19 Jahren und 2.0.517 Menschen 60+. Zahlen von Statistik Austria.)

Bedenkt man dann noch, dass Jugendliche erst ab 16 Jahren wählen dürfen, dann sieht man gleich, wie sehr sie in ihrem Drang zur Veränderung beschränkt sind. Tatsächlich bestimmen Menschen die Geschicke unseres Landes, die mit den langfristigen Folgen nicht mehr leben müssen. Das macht Jugendliche oft wütend.
Dieser ohnehin bestehende Konflikt wurde während der letzten beiden Jahre noch angeheizt.

Gerade weil die Zahl der alten Menschen immer mehr zunimmt können wir es uns gar nicht leisten, die Jungen zu übergehen. Sie wollen Verantwortung übernehmen!

Aus meinem persönlichen Alltag kann ich dir versichern, dass Jugendliche sehr verantwortungsvoll sein können, wenn ihnen die Eltern etwas zutrauen. Klar, sie müssen hineinwachsen und brauchen anfangs noch ein Sicherheitsnetz. Aber wenn wir alle diese jungen Menschen ernst nehmen und ihnen zugestehen unsere Gesellschaft mitzugestalten, dann ist das aus meiner Sicht nur fair. Schließlich müssen sie viel länger mit den Folgen der Entscheidungen leben, die jetzt getroffen werden.

Die Jugendlichen wollen etwas verändern. Das kann man auch gut daran erkennen, wie sie sich bei Maßnahmen für die Allgemeinheit einsetzen. Sie gehen dabei sehr idealistisch vor und setzen sich vorbehaltslos für das Allgemeinwohl ein.

Pubertät als Chance die Welt zu verändern

Es beginnt im Kleinen

Ich erzähle dir jetzt eine Geschichte auf deren Anfang ich nicht besonders stolz bin. Allerdings konnte ich – mithilfe meiner Söhne – rechtzeitig einen Haken schlagen.

Vor einigen Jahren hatte ich mit meinen Söhnen eine Grundsatzdiskussion. Es ging darum, wieviel Platz sie in den allgemein zugänglichen Räumen wie Wohnzimmer, Küche, Vorzimmer etc. brauchen und wie ihr Bild von Ordnung dort ist. Dabei ist mir der Satz herausgerutscht: „Es ist mein Haus.“

Das ist der Teil für den ich mich aus heutiger Sicht schäme. Rein rechtlich stimmt dieser Satz. Aber ideell?

Die Antwort meines jüngeren Sohnes kam prompt: „Es ist auch unser Haus, wir leben auch hier.“

Das saß! So hatte ich es doch gar nicht gemeint. Ich wollte meinen Söhnen doch nicht das Wohnrecht absprechen. Klar ist es unser Haus. Ideell haben mein Mann und die Kinder das gleiche Recht in diesem Haus zu wohnen. Es ist auch ihr Zuhause und damit auch ihr Haus. Basta!

Was wollte ich also mit dem Satz bewirken?

Ich wollte meine Ordnungsstandards durchsetzen und meiner Forderung Gewicht verleihen.

Ich begann nachzudenken. Hätte ich je zu meinem Mann einen derartigen Satz gesagt, weil sich sein Sinn für Ordnung von meinem unterscheidet?

Ich kann aus vollem Herzen sagen: „Nein, das hätte ich niemals getan!“

Warum sagte ich also einen derartigen Satz zu meinen Kindern?

Es geht hier gar nicht darum, ob ich mit meinem Platz- und Ordnungsgefühl Recht hatte. Es geht vielmehr darum, wie und mit welcher Vehemenz ich meinen Standpunkt vertrat.

Ich habe in diesem Moment ein Machtgefälle hergestellt, gegen das sich unsere Söhne – Gott sei Dank – aufgelehnt haben. Auch sie kannten mich so nicht.

Selbst wenn ein Gast mit seinen Schuhen permanent an meiner frisch gestrichenen Wand streifen würde, wäre mein Ton ein anderer. Auch hier wäre mein Einwand berechtigt. Allerdings würde ich wahrscheinlich etwas sagen wie: „Die Wände sind frisch gestrichen. Sei so nett und achte darauf, dass du nicht mit den Schuhsohlen daran streifst. Danke!“

Ich achte seit diesem Gespräch noch mehr auf meine Sprache. Somit war für mich die Pubertät meiner Söhne eine Chance. Eine Chance, noch besser auch meine Sprache zu achten und noch achtsamer mit meinen Lieben umzugehen.

Was ich dir mit diesem Beispiel aber zeigen möchte:

Wir sind oft gedankenlos und schließen die jungen Menschen aus. Das machen wir nicht absichtlich. Meistens kommen da ganz alte, tradierte Meinungen durch. Oft entsprechen sie gar nicht unseren eigentlichen Idealen und Werten.

Solange wir aber nicht reflektiert handeln und kommunizieren, kann es sein, dass wir zwar denken, wir beziehen die Jugend mit ein und wir trauen ihr etwas zu.

Unsere Sprache und unser Handeln sagt aber etwas Anderes.

Teenager fühlen sich oft wahnsinnig erwachsen. Aus Elternsicht sind sie oft noch Kinder. In Wahrheit ist die Pubertät eine Art Zwischenwelt. Diese Zeit ist für Kinder und Eltern gleichermaßen schwierig.

Oft ist es so, dass Erwachsene sich bei 11-jährigen voll entwickelten Mädchen täuschen lassen und zu viel erwarten. Zu viel an geistiger Reife.

Bei den 16 – 19-jährigen ist es dann oft umgekehrt. Sie sind schon (fast) erwachsen und sehr reif. Dennoch werden sie von Eltern noch klein gehalten.

Der US-Verhaltensforscher Robert Epstein plädiert dafür die Kompetenzen jedes Jugendlichen zu prüfen und ihm dann Rechte zur Gestaltung an der Gesellschaft zu übertragen. So wie z. B. kontrolliert wird, ob jemand einen Führerschein erhält, oder eine berufliche Befähigung nachweisen kann.

Er hat einen Test entwickelt mit dem Titel „Wie erwachsen bist du?“. Dieser ist im Internet veröffentlicht. Jugendliche können anhand von 140 Fragen herausfinden, wie reif sie sind.

Epstein fordert, dass Jugendliche, die eine erforderliche Anzahl von Punkten erreichen, alle Rechte haben die Erwachsene auch haben: Wählen, Verträge unterzeichnen, allein wohnen, Unternehmen gründen.

Das ist eine sehr radikale Idee.

Auch wenn sie nicht verwirklicht wird, können Familien dafür sorgen, dass mehr Demokratie und Mitbestimmung gelebt wird.

Aus meiner Sicht war die Pubertät eine der spannendsten Entwicklungszeiten meiner Söhne. Wir haben diskutiert, gekämpft, gekabbelt, gelacht, gespielt wie nie zuvor.

Versuche also offen und neugierig zu sein, was die Pubertät deiner Kinder für dich bereithält.

Bleib gesund und gelassen!

Deine Mütterversteherin

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Pubertät ist der Wechsel des Betriebssystems bei voller Nutzung.

Quelle leider unbekannt

Dieser Spruch ist mir unlängst untergekommen und er ist so passend.

Stell dir vor du hättest einen Computer. Der vorhandene Speicherplatz ist gut gefüllt. Und jetzt sollst du zu allem Übel noch das Betriebssystem wechseln.

Sicher würdest du erst eine Sicherung der Daten machen. Erst danach würdest du dich ans Werk machen und ein neues Betriebssystem aufsetzen. An diesem Tag wärst du wahrscheinlich gut beschäftigt. Denn nach so einem grundsätzlichen Wechsel des Fundaments (Betriebssystems) müsstest du wahrscheinlich auch noch einige Anpassungen vornehmen, damit wieder alles reibungslos funktioniert. Es würde etliche Programm-Updates nach sich ziehen, da die vorhandenen Programme nicht kompatibel wären. Du müsstest dich an die neue Oberfläche gewöhnen.

Ein Horror? – Finde ich auch!

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Wenn Gleichaltrige schulen und helfen

In meinem letzten Blogartikel habe ich über Peergroups geschrieben.

Eltern haben vor allem vor dem schlechten Einfluss der Peergroups Angst. Zu diesem kommt es nur dann, wenn schlechtes Verhalten von der Peergroup gebilligt und unterstützt wird.

Nicht jede Peer-group ist eine Gefahr. Geschlecht, Schulbildung, Ausbildung und der gesellschaftliche Hintergrund spielen eine Rolle. Z. B. zeigen fahren Jungs häufiger alkoholisiert mit dem Mofa als Mädchen. Es verunglücken mehr Jugendliche aus Sonderschulen und Hauptschulen, als Gymnasiasten bei Mutproben wie Auto-Surfen, Überqueren belebter Straßen vor herannahenden Autos ec.

So kamen Forscher auf die Idee Präventionsarbeit dort zu leisten, wo die Betroffenen zu finden sind: in Schulen, Jugendclubs, Lokalen und bei dieser Arbeit auch geschulte Jugendlichen einzusetzen. Denn Jugendliche lernen gerne von anderen Jugendlichen.

Das Ganze nennt sich dann Peer-Education.

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