Die Faszination von Türen

Die Faszination von Türen

Die Faszination von Türen

Kiwi Pfingsten hat Anfang des Jahres zu einer Blogparade aufgerufen, dich mich sofort angesprochen hat – und das gleich aus mehreren Gründen.

Die Möglichkeiten von Türen

Ich mag Türen und ich mache sehr gerne Fotos von Türen, weil … (und da kommen wir schon zum zweiten Punkt) sie haben eine große Symbolkraft und genau das macht für mich die Faszination von Türen aus. Auch bei Kiwis Leitfragen ist sofort der Funke übergesprungen.

Türen können sperrangelweit offen sein, andere sind angelehnt und wieder andere scheinen auf den ersten Blick fest verschlossen. Jede dieser Türen hat ihre eigenen, ganz speziellen Herausforderungen.

Bei den verschlossenen Türen fällt mir immer auch Kafkas Türhüterparabel aus „der Prozess“ ein. Oft sind es ja genau diese scheinbar verschlossenen Türen, die genau für uns bestimmt sind. Wir finden nur einfach nicht den Schlüssel dazu. Sie machen den Eindruck, sie seien zu schwer oder sie klemmen.

Auch offene Türen können mutlos machen. Sie bieten vielleicht so viele Möglichkeiten, deren Ausgang noch gar nicht abschätzbar ist.

Meine persönlichen Türen

1Eine Tür, die für mich von Anfang an weit offen war und durch die ich förmlich diffundiert bin, war die Beziehung zu meinem Mann. Wir waren noch sehr jung, als wir uns kennen lernten und so ernteten wir von Seiten der Eltern und Freunde nicht immer nur Verständnis. Klar, die Besorgnis war groß.

Es war für mich allerdings damals keine Option mir eine andere Türe zu suchen. Natürlich war es nicht immer leicht. Wenn du so jung eine feste Beziehung eingehst, dann bedeutet das auch, dass du dich nebeneinander entwickelst und nebeneinander und aneinander wächst. Das passiert aber nicht immer im gleichen Tempo und so hat so eine Beziehung hohes Konfliktpotential. Oft habe ich mich selbst gefragt, ob es nicht leichter gewesen wäre, wir hätten uns erst später getroffen. Aber ist war nun einmal anders und mittlerweile sind wir seit fast 33 Jahren zusammen und 24 davon glücklich verheiratet. Zumindest mit dieser Entscheidung haben wir uns damals lange Zeit gelassen und ich habe auch noch einmal einen kurzen Krebsgang durch die offene Tür gemacht, bevor es so weit war. Kiwi würde das wohl als Sog bezeichnen. (Ja, ich habe den Beitrag gelesen.)

Als unsere Kinder klein waren, traf ich nach der Teilzeitkarenz bewusst die Entscheidung eine Tür zu schließen. Ich habe bei meinem damaligen Arbeitgeber gekündigt. Ich habe das aus Überzeugung getan. Unter anderem auch deshalb, weil diese Tür immer wieder von innen zugezogen wurde und ich manchmal eher außen stand.

Diese Entscheidung habe ich Jahre später oft in Frage gestellt, als ich wieder auf Arbeitssuche war und überall nur abschlägige Antworten bekam. Abschlägig mit den Worten: „Sie sind überqualifiziert!“ Ich habe nie verstanden, warum Arbeitgeber willigen Arbeitnehmern die Tür vor der Nase zuschlagen, weil sie überqualifiziert sind. Ich hatte diese Entscheidung damals sehr bewusst getroffen. Meine Kinder waren klein, ich wollte arbeiten und ich wollte eine Anstellung, der ich leicht gerecht werden kann. Zu dieser Zeit hatte ich keine gedanklichen Kapazitäten frei für einen anspruchsvollen Job.

Genau dadurch tat sich aber eine andere Tür auf. Die Tür zur Selbständigkeit. Ich kann rückblickend sagen, dass das die Türe war, vor der ich am meisten gebockt habe. Ich versuchte durch den Türspalt zu linsen, was mich erwartet und konnte doch immer nur einen kleinen Ausschnitt sehen. Das hat mich immens verunsichert. Was dazu führte, dass ich lange Zeit buchstäblich im Türrahmen stehen blieb. Auf die Art und Weise wollte ich mir den Rückweg freihalten. Was ich dabei vergaß, war die Tatsache, dass das zwar eine sichere Position war (schließlich stellst du dich auch bei Erdbeben und en Türsturz der tragenden Mauer), ich aber auch nicht vorwärts kam.

Türen geben Rätsel auf

Nach einiger Zeit wurde ich mir dieser Tatsache bewusst, ich war aber trotzdem wie gelähmt und fühlte mich außer Stande wirklich durch die Tür zu gehen und sie auch hinter mir zu schließen.
Und dann gibt es noch diese großen offenen Durchgänge, die von zwei Sphingen bewacht werden, die dir ein Rätsel aufgeben, bevor du durchgehen darfst. Auch im Leben stehen wir vor so manchem Rätsel, das wir erst lösen müssen, bevor wir weitergehen können.

Irgendwann im Herbst des Vorjahres begann mir zu dämmern, dass es mit der Selbständigkeit so eine Sache ist. Du musst dich ganz dafür entscheiden. Es ist sinnvoll, diese Tür hinter dir zu schließen und einfach vorwärts zu gehen. In dem Vertrauen, dass du auch bei schwierigen Situationen auch eine Türe finden wirst, die dich wieder aus dem Dilemma heraus führt. Und wenn es keine Tür ist, dann findest du ein Fenster :-)

Spannenderweise liefen mir genau zu diesem Zeitpunkt noch schnell zwei Jobangebote über den Weg, für die ich perfekt qualifiziert wäre. Ich hörte in mich hinein und stellte fest: Keine Option! Das half mir dann auch die Tür hinter mir zu schließen. Ich hatte das mir gestellte Rätsel gelöst.

Geh durch und entdecke das Geheimnis der Türe

Es gehört Mut dazu den Türsturz zu verlassen und die Tür hinter dir zu schließen. Dafür wirst du dann auch belohnt. Denn erst dann siehst du den neuen Raum in seiner ganzen Pracht. Weil die Tür zu ist, hört auch der Luftzug auf, der dich die ganze Zeit belastet hat und du wirst in diesem neuen Raum heimisch.2

Manchmal fühlst du den Zauber eines Raumes erst, wenn du mitten drin stehst. Du gehst durch den Raum und begegnest anderen Menschen, die du vorher von deiner Position nicht wahrnehmen konntest.

Vielleicht ist diese Tür auch die Pforte zu einer neuen Welt, die sich auftut.

Ob die Entscheidung durch eine Tür zu gehen gut war, stellt sich immer erst im Nachhinein heraus. Mit dem Durchschreiten der Tür nimmst du jedoch die Herausforderung an und trägst auch die Konsequenzen. Wenn du genug Vertrauen hast, wirst du immer eine Möglichkeit finden, damit umzugehen.

Was ich dir für deine Türen mitgeben möchte

Mut, Vertrauen und Zuversicht und das Bewusstsein, dass es immer wieder neue Türen geben wird in deinem Leben. Im Leben gibt es nur Räume mit zumindest 2 Türen und einem Fenster. Du kannst also den gewählten Raum immer wieder verlassen und woanders hin gehen.

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7 Kommentare
  1. Christine Novotny sagte:

    Liebe Ilse, dein Beitrag ließ mich staunen und ihn mit offenem Mund ein zweites Mal lesen. Es gibt nur ein Wort dafür:
    Großartig!
    Ich hab mich selber durch einige deiner Türen gehen sehen und kenne auch das Gefühl von Zweifel betr. einer Eintscheidung. Eines jedenfalls ist mir im Laufe der Jahre deutlich klar geworden:
    Wenn sich eine Tür schließt – ganz gleich, ob ich es selber getan habe oder jemand anderer – hat sich immer eine andere Tür geöffnet. Manchmal nicht sofort. Da war durchaus der Schlüssel des Vertrauens gefragt, doch sobald der im Schloss der nächsten Tür war und umgedreht wurde, öffnete sie sich… und es war immer genau das Richtige hinter dieser Tür.
    Danke für diesen inspirierenden Beitrag!
    Liebe Grüße
    Christine

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Christine,

      herzlichen Dank. Ich freue mich, dass dich mein Artikel inspirieren konnte und ganz besonders hat mir deine letzte Feststellung gefallen: „es war immer genau das Richtige hinter dieser Tür.“

      Alles Liebe
      Ilse

      Antworten
  2. Birgit Terletzki sagte:

    Liebe Ilse,

    als ich den Titel des Blogbeitrages gelesen habe, stutzte ich im ersten Moment. Doch beim lesen dachte ich wow, was für eine Betrachtungsweise und ja, sie ist so naheliegend, so stimmig, so wahr.

    Und ich habe beim Lesen viele Türen aus meinem bisherigen Leben gesehen, die wie bei Dir offen standen, halb angelehnt waren, immer nur mit Widerstand zu öffnen waren aber auch solche, die ganz verschlossen blieben. Und ich habe durch jede Tür eine Erfahrung mehr sammeln dürfen.

    Danke für diesen interessanten Blickwinkel.

    Liebe Grüße
    Birgit

    Antworten
  3. Barbara J. Schoenfeld sagte:

    Was für ein schöner Artikel, liebe Ilse,

    dankeschön. Du hast das wirklich ganz toll ausgedrückt. Besonders gefallen hat mir der Ausspruch, dass wir einfach den Schlüssel manchmal nicht finden, obwohl diese Tür für uns bestimmt ist….

    Herzliche Grüße
    Barbara

    Antworten
  4. Kiwi sagte:

    Liebe Ilse!

    Ich freue mich sehr, dass ich dich inspirieren konnte und du mit diesem wunderschönen Beitrag dabei bist! Ich merke schon, dass ich bei dir genau ‚den Nerv getroffen habe‘, der mir selbst auch im Kopf war, als ich diese Blogparade ins Leben gerufen habe. :)

    Vielen Dank, dass du mitgemacht hast!

    Herzliche Grüße,

    Kiwi

    Antworten

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