Die Marie ist weiblich!

Die Marie ist weiblich - Geld - Blogparade - Frauentag

Wieviel Geld steht Frauen wirklich zu?

Ja, das ist eine absolut ernst gemeinte Frage, mit der ich mich anlässlich der Blogparade des womanandworkblog beschäftige.

Heute ist ja Welt-Frauentag und daher ist auch gestern ein Bericht durch die österreichischen Medien gegeistert, wonach Frauen bereits jetzt (das Jahr ist gerade etwas mehr als 2 Monate alt) 1 Monat länger gearbeitet haben, als Männer.

Wie kommen die bloß auf diese Zahl, wirst du dich jetzt vielleicht fragen. Ganz einfach es sind Durchschnittszahlen. Die durchschnittliche bezahlte Arbeitszeit und die durchschnittliche unbezahlte Arbeitszeit werden addiert. Statistisch gesehen arbeiten Frauen also 45,7 Stunden pro Woche, Männer hingegen 41,7 Stunden. Betrachtet man die Anzahl der bezahlten Arbeitsstunden, so wird der Unterschied noch größer. Frauen arbeiten 18,7 Stunden bezahlt, Männer 30,7. Dafür bekommen Frauen im Gegenzug 39 % weniger Gehalt. *ironieon* Das ist doch wirklich eine tolle Entschädigung *ironioff*

Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass Frauen zu 47 % teilzeitbeschäftigt sind, Männer hingegen in verschwindend geringen Zahlen. Aber auch bei vollzeitbeschäftigten Frauen liegen die Einkommen um 18 % unter jenen der Männer.

Das ist unter anderem einer der Gründe, warum Frauen nicht in der Lage sind, ihren Lebensstandard allein zu sichern.

Nachdem ich das gehört hatte, ist in mir die Schnüffelhündin erwacht und der heutige Frauentag hat mir die Suche extrem erleichtert.

Wie ist die Situation in Südtirol, das ja bekanntlich in Italien liegt: Der Haushalt ist dort immer noch Frauensache. Männer beteiligen sich weniger als 10 Stunden an der Hausarbeit.
Trotz steigender Erwerbstätigkeit investieren Frauen 22,2 Stunden in der Woche für die Hausarbeit. Das heißt, auch in Südtirol arbeiten die Frauen pro Woche fast 3 Stunden mehr. Das sind 12,99 Stunden im Monat und 155,88 Stunden im Jahr. Das heißt Frauen arbeiten pro Jahr 3,9 Wochen mehr als Männer.

In Deutschland sind die Unterschiede in der Arbeitszeit nicht ganz so groß. Frauen sind dort rund 1 Wochenstunde mehr mit Haushalt, Kinder, Job und Ehrenamt beschäftigt. Insgesamt kommen sie auf 45,5 Arbeitsstunden. Jedoch leisten Frauen zwei Drittel (!) dieser Arbeitszeit unbezahlt.

Wie gesagt, alles nur Statistik! Und doch spiegelt sich darin wieder, vor welche Herausforderungen Frauen in punkto Geld verdienen gestellt werden. Dass ich mit dem Begriff „verdienen“ so meine Schwierigkeiten habe, habe ich in einem anderen Blogartikel bereits geschrieben.

Nun habe ich neulich mit einigen Freundinnen diskutiert, warum es vielen Menschen – und im Speziellen Frauen – oft so schwer fällt, das zu verlangen, was sie wert sind.

Sprichwörter zum Thema Geld

Viele Sprichworte beschäftigen sich mit dem Thema Geld. Ich glaube, dass diese Sprüche auch unsere Einstellung wiederspiegeln.

Erst einmal die Sprichwörter des deutschen Sprachraumes

Morgenstund´ hat Gold im Mund. – Sei nur fleißig, dann verdienst du auch etwas.

Wer den Groschen/Pfennig/Heller nicht ehrt ist den Schilling/die Mark/den Taler nicht wert. – Geld verdienen und zusammenhalten ist eine mühsame Sache.

Geld regiert die Welt. – Wer das Geld hat, hat die Macht.

Zeit ist Geld. – Kann den Wert der Zeit bezeichnen und auch, dass ich mir um Geld, jede Dienstleistung kaufen kann.

Geld allein macht nicht glücklich. – Die rühmliche Ausnahme. Oh weise Erkenntnis! ;-)

Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. – Das würde bedeuten, dass ohne Geld kein Glück möglich ist. Wollen wir unser glück wirklcih vom Vorhandensein des Geldes abhängig machen?

Geld stinkt nicht. – Es ist egal, womit du dein Geld verdienst. Wenn die Bezahlung gut genug ist, wird jede Arbeit erledigt.

Sonder Geld ist besser, als sonder Freund. – Der Wert der Freundschaft ist Gott sei Dank immer noch höher.

Alt Geld, macht neuen Adel. – Alles ist käuflich – auch Titel.

Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles. – Jeder möchte gerne Geld haben.

Der Geiz wächst mit dem Gelde. – Hier wieder mehrere Bedeutungen: Viel Geld macht vorsichtig. Nur wer sein Geld zusammenhält wird reich. Wer Geld hat, will es nicht hergeben.

Er hat Geld wie Heu. – Unermesslicher und unzählbarer Reichtum.

Geld führt den Krieg. – Man braucht Geld, um Krieg zu führen. Kriege werden um des Geldes willen geführt.

Internationale Sprichwörter

Als ich noch Geld hatte, nannte mich jeder Bruder. (polnisches Sprichwort) – deutsches Pendant: Geld macht Freunde.

Wer alles bloß des Geldes wegen tut, wird bald des Geldes wegen alles tun. (aus Italien) – Geld verdirbt den Charakter.

Zitate

Man muss Geld ausgeben, um Geld zu verdienen. (Plautus) – Da ist was dran. Oft ist eine gewisse Risikobereitschaft nötig, um Gewinn zu machen.

Wenn es um Geld geht, hat jeder die gleiche Religion. (Voltaire) – Jaja, der Tanz um das goldene Kalb.

Diese Sammlung erhebt bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe noch viel mehr gefunden, aber das würde den Rahmen sprengen.
Den meisten dieser Sprüche ist gemeinsam, dass Geld schwer zu verdienen und noch schwerer zusammenzuhalten ist und viele davon implizieren, dass Geld den Charakter verdirbt.

Das zeigt schon, welche Glaubenssätze mit diesem Thema verknüpft sind. Dabei liegt es doch in unserem Ermessen, was wir mit unserem Geld tun, wie wir es anlegen und wofür wir es ausgeben.

Bezeichnungen für Geld

Im Zuge unseres Gespräches sind wir aber auch noch einer anderen Sache nachgegangen; den Bezeichnungen für Geld.

  • Bares
  • Knete
  • Zaster
  • Knödel
  • Kies
  • Kohle
  • Kröten
  • Mäuse
  • Moneten
  • Moos
  • Peseten
  • Piepen
  • Scheine
  • Pinkepinke
  • Batzen
  • Blech
  • Dukaten
  • Flieder
  • Flocken
  • Gerstel
  • Heu
  • Pulver
  • Rubel

Auch hier gibt es noch eine Menge anderer Ausdrücke. Doch der – für diesen Artikel wichtigste kommt erst.

Dann sagte meine Freundin Klara

„Die Marie ist weiblich.“

Der Satz hat mich bis ins Mark getroffen. So sehr, dass sich mein Gehirn anfänglich gewehrt hat, ihn so zu verstehen, wie sie es beabsichtigt hatte. Ich sah sie an: „Wie? Die Marie ist weiblich. Na klar ist die weiblich.“ Bis mir auf einmal aufging, dass sie einen anderen Ausdruck für Geld hingeworfen hatte.

Und schon setzte sie nach: „Die Marie ist weiblich und wurde jahrhundertelang vom männlichen Finanzsystem missbraucht.“

Ich weiß nicht, wie es dir jetzt geht, aber mich hat dieser Satz tief berührt. Er hat etwas in mir zum Schwingen gebracht und ich weiß, dass viele meiner Klientinnen ähnlich denken.

Das Tabu

Damit sind wir schon bei einer der nächsten Quellen weiblicher Glaubenssätze. Vor allem Frauen im Dienstleistungsbereich stehen immer noch vor einer Herausforderung, wenn sie ihr Honorar nennen sollen. Schließlich haben sie keine tangible Ware anzubieten. Und somit schwebt im Hinterkopf oft der Gedanke, dass sie sich selbst verkaufen. – Damit stoßen sie auf ein großes Tabu. Denn sich selbst zu verkaufen … Das ist einerseits sehr großes und tief wirkendes Tabu, andererseits ein weiterer Beweis der Ausbeutung der Frauen.

Jetzt wirst du vielleicht sagen: „Mit mir hat das alles nichts zu tun. Das sind überkommene Bilder, mit denen ich mich nicht identifizieren kann.“

Das mag sein. Viele Frauen können sich damit nicht identifizieren, leben selbständig und wissen, was ihre Arbeitsleistung wert ist. Und doch verdienen sie nie das, was sie wert sind. (Womit wir wieder beim ver-dienen wären.) Sie machen nicht den Gewinn, der ihnen zusteht :-(

Zeit für Veränderung?

Vielleicht ist es an der Zeit, der Wirtschaft einen weiblichen Stempel aufzudrücken und weibliche Werte mit dem Gewinn zu vereinbaren. Warum darf der Zufluss von Geld nicht mit der Leichtigkeit gehen, mit der wir Frauen es schaffen für unsere Familien ein liebevolles zu Hause zu gestalten?

Vielleicht ist es an der Zeit sich in Erinnerung zu rufen: „Die Marie ist weiblich!“ –  und sie zu unserer Verbündeteten zu machen.
Wir Frauen sind es gewohnt, etwas zu machen. Machen wir doch Geld, wie die Italiener
Wir lieben es zu gewinnen. Gewinnen wir Geld, wie die Franzosen und Spanier.
Wir wissen, wie man Dinge nährt und ihnen beim Wachsen zusieht. Ernten wir doch unser Geld, wie die Engländer.
Wir Frauen lieben Leichtigkeit. Warum lassen wir uns nicht auch das Geld zufliegen, wie die Serben.

Wir müssen dem Geld nicht dienen und es nicht verdienen. Lassen wir doch zu, dass es uns dient und wir es sinnvoll verwenden.

Möglicherweise ist es auch Zeit für neue Sprichwörter zum Thema Geld? Was meinst du?

 

 

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