Die Sprache des Geldes

Die Sprache des Geldes

Die Sprache des GeldesIch bin über die Blogparade von Petra Schwehm „Geld und Glaubenssätze“ gestolpert ;-)
– und so rein zufällig *hihi* hab ich ein einem Buch eine Zusammenfassung eines Vortrages eines Philosophen gelesen, der mehrsprachig aufgewachsen ist. Er beschreibt in diesem Vortrag, dass sein Gemütszustand ein anderer ist, je nachdem in welcher Sprache er gerade spricht. Die Sprache beeinflusst also direkt seine Gefühle und seine Wahrnehmung der Welt. Einer der Schlüsselsätze in meinen Coachingausbildungen war: „Sprache schafft Bewusstsein.

Ich dachte damals, es ginge darum Bewusstsein für wichtige Fragen zu schaffen, indem wir sie klar benennen und achtsam in der Wortwahl sind. Seit meiner NLP-Ausbildung weiß ich, dass Sprache tatsächlich unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmung beeinflusst. Das Thema Geld brachte mich jedoch dazu, diesen Satz ganz anders zu betrachten.

Sprache schafft Bewusstsein

Seit längerer Zeit stört mich der Ausdruck „Geld verdienen„. Dieser Ausdruck war für mich in Ordnung, solange ich angestellt tätig war. Da hat er gestimmt. Ich habe meiner Firma gedient und dafür Geld erhalten. Ich habe mir mein Geld verdient. Punkt.

Als ich selbständig wurde, habe ich mich, wie die meisten Unternehmer erst einmal mit meinen Glaubenssätzen rund ums Geld befasst. Natürlich hab ich die üblichen Verdächtigen gefunden. Du musst hart arbeiten. Wer über Nacht erfolgreich wird ist nicht ehrlich. (Schmarrn. Ehrlich, wer wird schon über Nacht erfolgreich?)
Am meisten aber stört mich der Ausdruck „Geld verdienen“. Der tut mir richtig weh.
Schließlich sehe ich jetzt meine Leistung ganz anders. Ich schaffe Verbindungen, unterstütze bei Projekten, verhelfe zu mehr Klarheit …
Ich sehe es eher so, dass ich meine Saat ausstreue und darauf warte, bis sie Früchte trägt. Naja und dann kam mir unlängst die Erkenntnis, dass es in anderen Sprachen anders ist.

Geld verdienen in verschiedenen Sprachen

Im englischen Sprachraum wird Geld erworben, erwirtschaftet und eingebrachtyou earn money. Das gefällt mir schon weit besser. Du säst und bringst deine Ernte ein.
In Frankreich wird Geld gewonnengagner de l`argent. Das ist doch auch schön. Du strengst dich gar nicht an. Du gewinnst es einfach … und Silber noch dazu ;-)
Die Italiener machen Geldfare cassa. Ob das auch einer der Gründe ist, das manche Menschen glauben, sie könnten ihr Geld selbst machen? Oder stammt es noch aus venezianischer Zeit, als Geld noch ein Kreditbrief war?
Auch Spanier gewinnen ihr Geldgañar dinero. Das ist doch fein, oder?
Wenn ich es richtig recherchiert habe, dann suchen die Ungarn Geld – pénzt keres. Das ist jetzt auch nicht unbedingt die Möglichkeit, die ich mir wünsche. Nur weil ich es suche, heißt es noch lange nicht, dass ich es auch finde :-(

Ich persönlich werde in Zukunft mein Geld ernten, einbringen und gewinnen. Das scheint mir stimmig, denn schließlich erbringe ich ja auch eine Leistung davor.

Natürlich werden all diese Ausdrücke im deutschen mit Geld verdienen übersetzt. In der jeweiligen Landesprache schwingt aber immer auch die andere Bedeutung des Wortes mit. So wie im Deutschen eben auch.

Glaubenssätze und Sprichwörter

Könnte es also sein, dass unsere jeweiligen Glaubenssätze zum Thema Geld, etwas mit unserer Mutterprache und den verwendeten Ausdrücken zu tun haben?
Definitiv werden die Glaubenssätze rund ums Geld stark von den Sprichwörtern beeinflusst.

  • Geld stinkt nicht.
  • Geld allein macht nicht glücklich.
  • Geld regiert die Welt.
  • Geld aus dem Fenster werfen.
  • Geld wie Heu haben.
  • Geld zum Schornstein hinausjagen.
  • Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
  • Zeit ist Geld.

Komisch nicht ein einziges dieser Sprichwörter ist positiv besetzt. – Und dann wundern wir uns, dass wir ein gestörtes Verhältnis zu Geld haben? Also ich wundere mich nicht mehr. Manche dieser Sprichwörter haben wir der Einfachheit halber gleich als Glaubenssätze übernommen.

Nachdem ich nur einige Sprachen so weit beherrsche, dass ich die Ausdrücke rund ums Geld wirklich analysieren kann, bin ich auch auf deine Hilfe angewiesen. Welche Sprache sprichst du und wie ist die Beziehung zum Geld in dieser Sprache? Ich freue mich, wenn du die Liste über die Einstellung zum Geld in den Kommentaren fortsetzt.

 

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16 Kommentare
  1. Petr Dvorak sagte:

    es ist eine schöne und auch treffende Beschreibung wie man in verschiedenen Sprachen anders denkt und das in allen Bereichen des Lebens. Ich kann das nur bestätigen. Zufügen kann ich die Tschechiche „geld verdienen“
    klingt vedeutsch „geld machen“, ähnlich dem Amerikanischen make money.
    Der Deitsche Termin „verdienen“, ver-dienen, eigentlich dem geld dienen, für das geld zu dienen?
    Eine servile Einstellung. Das geld zu erntnen oder gewinnen klingt viel besser. Auch ist es angeblich Schwedisch interessant.
    Jedenfalls danke für dein Beitrag.
    Petr Dvorak

    Antworten
  2. Isabella Farkasch sagte:

    Ein Kollege serbischer Abstammung hat mir vor einem Jahr genau diese Vergleiche erzählt und dann mit dem Abschlusssatz gekrönt: „… und den Serben fliegt es zu!“ Ob es dann auch wirklich funktioniert, hängt wohl doch von der inneren Einstellung ab.
    Mir fällt dazu noch mehr ein, z.B. „schnöder Mammon“ – wer bekommt da schon Lust darauf? Die Amerikaner machen es übrigens auch „make money“ – vielleicht der Einfluss der italienischen Community?
    Sagen die Schweizer eigentlich auch „verdienen“?
    Dazu habe ich folgendes gefunden: „In der Schweiz gehe es viel zu oft nur um die Verteilung von Geld, führte Hayek aus. «Dabei müssen wir wieder darüber reden, wie wir das Geld verdienen.» “
    Aber es gibt auch andere Varianten im Deutschen, z.B. Geld einnehmen, scheffeln,.. s.http://www.pauker.at/pauker/DE_DE/SC/wb/%C3%BCberleben/?modus=&suche=Geld+verdienen&page=1#
    Na dann, scheffeln – hm, das ist eigentlich auch mit Arbeit verbunden, detto Geld einsacken. Aber Geld einnehmen find ich schon ganz gut. Was meint ihr?
    Wünsch uns allen, dass es uns zufließt.
    Isabella

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    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Isabella,

      danke für diese tollen Ergänzungen. Die Betrachtungen in den diversen Sprachen finde ich wirklich spannend
      Geld einnehmen finde ich gut, damit kann ich mich identifizieren. Am ernten gefällt mir, dass ich zuerst etwas investiert und gesät haben muss, damit ich auch ernten kann :-)

      Alles Liebe und guten Geldfluss
      Ilse

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  3. David Goebel sagte:

    Hui, ich mag Deine Idee, sich von verschiedenen Sprachen aus zu nähern. Ausser im Englischen wußte ich da nicht Bescheid.
    Mit „Geld verdienen“ habe ich keine Problem. Denn es drückt für mich aus, dass ich es verdient habe. Und in ihm spiegelt sich das Wort dienen wieder. Also habe ich einen Dienst erbracht. Und das war doch auch meine Absicht.

    Viele Grüße,
    David

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  4. Birgit Geistbeck sagte:

    Eine interessante, andere Sichtweise. Die Sprache beeinflusst da sicherlich. Interessant wäre, zu wissen, ob die Engländer z.B. mit ihrem „Geld ernten“ auch nicht zurecht kommen.

    Beim „Geld verdienen“ ist mir noch ein anderer Gedanke gekommen. Wenn ich Geld verdiene, dann bedeutet das für mich auch, dass ich meine Leistung auch wertschätze und eben das Geld verdiene. Da käme dann wieder einer der berühmten Glaubenssätze zum Vorschein. Meine Leistung oder vielleicht sogar ich bin es nicht wert, Geld zu verdienen. Ich habe es nicht verdient.

    „Geld ernten“ finde ich übrigens auch gut.

    Lieben Gruß
    Birgit

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  5. Petra Schwehm sagte:

    Liebe Ilse,

    ein total amüsanter Beitrag von dir! Ich habe mich schief gelacht, als ich gelesen habe, dass die Ungarn vermutlich „Geld suchen“ und die Italiener „Geld machen“.

    Dein Beitrag ist sehr lebendig geschrieben und mit Augenzwinkern. Und das entspannt ungemein und bringt Leichtigkeit in das Thema, wie ich finde.

    Und natürlich neue Erkenntnisse: Ich werde ab jetzt bewusster auf meine Worte achten. „Geld zu ernten und zu gewinnen“ gefällt mir SEHR GUT.

    Herzlichen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade!
    Petra

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Petra,

      ich danke dir nochmals herzlich für den Anstoß, den du mit deiner Blogparade gegeben hast. Ich beschäftige mich schon länger mit diesem Thema und es wollte genau jetzt in Buchstaben gegossen werden.

      Alles Liebe
      Ilse

      Antworten
  6. Helga sagte:

    Dein Artikel gefällt mir sehr. Passt unglaublich gut (zu dir :) )
    Ich werde nachfragen wie das kroatisch klingt und es dir dann erzählen :)
    Liebe Grüße
    Helga

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Wie gesagt, alles nur Statistik! Und doch spiegelt sich darin wieder, vor welche Herausforderungen Frauen in punkto Geld verdienen gestellt werden. Dass ich mit dem Begriff „verdienen“ so meine Schwierigkeiten habe, habe ich in einem anderen Blogartikel bereits geschrieben. […]

  2. […] Es könnte sein, dass die Emanzipationsbewegung und der Kampf um das Frauenwahlrecht nicht von ungefähr von den englischsprachigen Ländern ausgegangen ist. Schließlich gibt es in diesen Ländern nur einen Artikel und es lässt sich nur aus dem Artikel nicht herauslesen, ob es sich um Mann oder Frau handelt. Schon in meinem Artikel über Geld, habe ich darauf hingewiesen, dass Sprache Bewusstsein schafft. […]

  3. Gefunden im Dezember 2014 - midesign sagt:

    […] Zu Weihnachten klingeln ja bekanntlich Glocken und Kassen. Aber wer weiß, in welcher Sprache Geld spricht? Ilse Lechner vom Entfaltungsblog hat sich dazu interessante Gedanken gemacht: Die Sprache des Geldes […]

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