Familienleben auf Augenhöhe

Durch Birgit von Entspannt wohnen bin ich auf die Blogparade von Chaos² aufmerksam geworden.
Die Idee entstand, weil sich Papa online vor einiger Zeit mit einem offenen Brief an alle Frauen gewandt hat. Da dieses Thema in Zusammenhang mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht, bin ich natürlich dabei.

Familienleben auf Augenhöhe

Der Brief

Männer können kein Multitasking

„Ich muss zu meiner Verteidigung sagen, ich habe es wirklich nicht mitbekommen. Ich war nicht auf helfen gepolt sondern auf Pause und habe das irgendwie ausgeblendet. Aber, wenn sie doch solche Schwierigkeiten hatte, warum hat sie mich nicht einfach zur Hilfe gerufen?“

Stimmt, wieso hat sie nicht um Hilfe gerufen? – Meine Frage ist, lieber Andreas: „Hättest du den Hilferuf wahrgenommen?“

Männer können kein Multitastking und wir Frauen auch nicht. Wir könnten es nur gerne.
Genau aus diesem Grund können wir auch nicht immer gleich um Hilfe rufen während wir eine Rasselbande bändigen. Wir haben genug damit zu tun Kind 1 beim Anziehen zu helfen und Kind 2 daran zu hindern, dem Baby die Bausteine zu zeigen. Was so aussieht, dass Kind 2, das noch nicht in den Kinderwagen sieht und gerade mal so hinauflangen kann, die Bausteine irgendwie in den Kinderwagen hineinplumpsen lässt. Das ist zwar gut gemeint, entrüstet aber das schlafende Baby enorm, weil es gerade von einem auf seinen Kopf plumpsenden Baustein geweckt wurde. Fazit: Baby weint und will beruhigt werden, Kind 2 ist irritiert, denn es wollte nur spielen und Kind 1 zieht sich wieder aus, weil es noch schnell vor dem Einkauf auf die Toilette muss.

Übrigens: Ich kenne auch Frauen, die nichts hören, wenn sie auf eine Sache konzentriert sind.

Was wir jedoch definitiv können, ist anderen zuhören und uns für das Wohl der Gruppe/Familie verantwortlich zu fühlen. Diese Eigenschaft wird bei Frauen von klein auf unterstützt. Wir wünschen uns ein Familienleben auf Augenhöhe und boykottieren es gleichzeitig mit Harmoniesucht und Drumherumgerede.

Männer sind einfach so

„Ihr seid wirklich sehr beschäftigt und habt einen stressigen Job. Wir wissen das und wir haben allergrößten Respekt davor, was Ihr leistet. Nur sagen wir das nicht so oft, wie Ihr es gerne hören würdet. So sind wir.“

Seid ihr so? Schade!
Wenn ihr Männer wisst, dass wir das gerne hören würde, sagt es uns! Euch bricht kein Zacken aus der Krone und es ist einfach schön zu hören, dass ihr es bemerkt ;-)
Wir bemühen uns im Gegenzug in unseren Aufforderungen nicht so kryptisch wie Sybille oder das Orakel von Delphi zu sein. Versprochen!

Das muss genetisch sein

„Wie wir nicht sind: notorisch faul. Besonders wenn es um Aufgaben im Haushalt oder um Hilfe mit den Kindern geht. Natürlich wollen wir helfen und Euch entlasten. Nur leider gibt es da ein kleines Problem mit der Kommunikation. Ihr erwartet, dass wir sehen wo Hilfe benötigt wird und wartet darauf, dass wir von uns aus das tun, was Ihr für selbstverständlich haltet.
Achtung: wir sehen das nicht. Wir haben bei vielen Dingen eine ganz andere Hemmschwelle als Frauen. Das muss genetisch sein.“

Genetisch ist es definitiv nicht.

Es hat erstens mit dem Blickfeld zu tun, das bei Männern enger ist. Aber Vorsicht meine Herren, bevor jetzt die Ausreden kommen: Du kannst lernen dein Blickfeld aufzuspannen. Wie das geht, kannst du hier lesen.

Zweitens liegt es an der Erziehung. Männer haben eine andere Hemmschwelle und viele haben nie gelernt, sich für den Haushalt zuständig zu fühlen.
Die meisten Männer, die ich kenne, waren nie allein für einen Haushalt zuständig. Immer war da jemand, der die finale Verantwortung dafür übernommen hat, dass alles eingekauft wird und alles an seinem Platz ist.

Drittens handelt es sich hier um eines der sogenannten Metaprogramme. Metaprogramme sind zutiefst unbewusste Filter unserer Wahrnehmung. Sie steuern, welche Informationen aus der unbewussten Wahrnehmung den Weg in unser Bewusstsein finden. Diese Metaprogramme beeinflussen das, was wir wahrnehmen und auch das worauf wir reagieren und wie wir darauf reagieren.
Wenn jemand sagt: „Ich bin durstig.“, kannst du das als reine Information ansehen und dir denken „Aha, diese Person ist durstig“. Oder du empfindest es als Aufforderung zum Handeln und bringst dieser Person ein Glas Wasser.

Womit wir bei der klaren Ausdrucksweise wären ;-)

„Es wäre schön, wenn wir uns in Euch hineindenken könnten – das würde einiges erleichtern. Solange wir dafür noch keine Maschine gebaut haben (Maschinen bauen können wir nämlich sehr gut), sagt uns bitte was Ihr wollt.“

Hierarchie versus Heterarchie auch in der Sprache

In unserem Kulturkreis bilden Burschen schon früh Hierarchen und wählen im Kindergarten den Chef der „Bande“. Der Chef der Bande sagt natürlich „Hier geht´s lang.“ Und „Alle mir nach.“ Er kommt gar nicht auf die Idee zu sagen: „Wer will, kann jetzt mit mir mitkommen!“

Frauen verhalten sich hingegen eher heterarchisch. Sie sind von klein auf darauf gepolt, nirgends anzuecken und bescheiden zu sein und sich gut in eine Gruppe einzufügen. Darum haben sie eine unklare Sprache. „Jemand müsste den Müll hinaus bringen.“, ist keine klare Aufforderung. Und „Hast du Lust, das Geschirr abzuwaschen?“ schon gar nicht. Spannenderweise begünstigt genau diese Unklarheit ein Familienleben auf Augenhöhe nicht.

Frauen sind so – Männer sind so?

Ich glaube nicht, dass Frauen generell eher auf andere schauen und sich mehr am außen orientieren.
Ich glaube auch nicht, dass Frauen generell sofort helfend zu Seite springen, wenn jemand sagt, er sei durstig.

Ich glaube nicht, dass Männer generell immer auf sich bedacht sind und nur nach innen orientiert sind.
Ich glaube auch nicht, dass Männer generell jede Information wörtlich nehmen.
Ich kenne Männer, die sofort fragen: „Was möchtest du trinken?, wenn ich sage, ich hätte Durst ;-)

Wie gesagt, all das ist eine Frage der Erziehung und des Kulturkreises, in dem ein Kind aufwächst. Das dumme daran ist, dass Kinder dieses Metaprogramm auch unbewusst übernehmen, wenn ihre Vorbilder (in diesem Fall die Mutter) inkongruent sind.
Inkongruenzen gibt es immer dann, wenn jemand anders handelt, als er sagt, oder denkt.

Meine Mutter war zum Beispiel immer berufstätig und das in einer Zeit, wo sie anfänglich streng genommen noch die Zustimmung des Ehemannes gebraucht hätte, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Trotzdem hat sie sich immer für Haushalt und Familie verantwortlich gefühlt. Bis ins Detail. Sie hat sämtliche Familientermine ausgemacht und koordiniert, hat die Finanzen verwaltet und war Sekretariat, Köchin und Zimmermädchen in Personalunion. Wir Kinder wurden immer zur Mithilfe angehalten. Mein Vater hat gewisse Tätigkeiten übernommen, seine Ergebnisse waren aber nie gut genug ;-)

So habe ich das Bild übernommen: Eine Frau muss für die Familie da sein und ist für alles in der Familie verantwortlich (Auch wenn sie arbeitet, oder gerade dann, denn dann muss sie ja beweisen, dass niemand unter ihrer „Selbstverwirklichung“ leidet.). Ich habe einige Jahre und viele Ausbildungen gebraucht, um mich davon frei zu strampeln.

Was könnt ihr tun, um solche Situationen zu vermeiden?

  1. Klärt was in der Familie und im Haushalt zu tun ist.
  2. Legt gemeinsam Mindestanforderungen für die zu erledigenden Arbeiten fest.
  3. Bestimmt die Zuständigkeiten.
  4. Wenn jemand eine Arbeit übernimmt, dann lasst es ihn auf seine Weise tun und akzeptiere das Ergebnis.
    (Egal ob er das Kind wickelt oder kocht, oder ob sie ein Bild an die Wand hängt oder die Reifen wechselt.)
  5. Sage klar und deutlich, was du dir wünschst und was du erwartest.
  6. Scheue dich nicht, um Hilfe zu bitten. Mach es rechtzeitig!
  7. Beziehe deine Kinder in die Hausarbeit ein.

Ich glaube das die Einzelpersonen was die Gleichstellung von Mann und Frau betrifft, schon sehr weit sind. Ich beobachte aber auch, dass die Gesellschaft und die Medien noch immer die Unterschiede betonen.
Wie wäre es, gemeinsam und einvernehmlich eine Basis zu finden, die so tragfähig ist, dass Haushalt und Familie gelassen gemeistert werden können. Es geht um gegenseitiges Verständnis und darum herauszufinden, wie der andere die Welt sieht. Wenn wir das wissen, wird ein Familienleben auf Augenhöhe möglich.

Ganz gespannt bin ich schon, wie die Männer unter meinen Lesenden die Lage beurteilen. Schreib doch deine Meinung in die Kommentare.

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Werte

Kinder verändern alles

Kinder_WErteIch kann mich noch gut erinnern – es ist schon eine Weile her – als ich nach meiner Karenzzeit ins Büro zurückkam. Am ersten Tag überwog die Freude, wieder etwas Abwechslung zu haben und geistig wieder gefordert zu sein. Und es gab ja so viel zu erzählen …
In den nächsten Tagen schlich es sich ein: ein merkwürdiges Gefühl der Fremdheit. Am Anfang konnte ich es nicht mal benennen. Es war nur – anders; anders als vor der Geburt meines Sohnes.

Äußerlich war scheinbar alles wie vorher. Trotzdem nervten mich manche Kleinigkeiten, die mir vorher nie aufgefallen waren und andere Dinge, über die sich meine Bürokolleginnen beschwerten schienen mir nichtig und unbedeutend.

Nach der Geburt ist alles anders

Das ist eine Erfahrung, die viele Eltern machen. Nicht nur im Beruf auch innerhalb der Familie verschieben sich die Prioritäten von der Herkunftsfamilie (also den Großeltern, Eltern und Geschwistern) hin zur Kernfamilie (du, dein Partner und das Kind/die Kinder), die sich jetzt neu bildet.
Plötzlich kommt es zu Konflikten mit Menschen, mit denen du dich bisher wunderbar verstanden hast.

Was war passiert?

Ganz einfach: In meinem Fall hatten sich die Prioritäten und Werte durch die Geburt meines Sohnes verschoben.
Einige dieser Werte stimmten mit den Unternehmenswerten – die vorher für mich vollkommen in Ordnung waren – nicht überein. So kam ich in einen Wertekonflikt und daher fühlte sich die Situation für mich nicht mehr stimmig an.

Meine Werte hatten sich verändert

Werte sind die Dinge, die uns im Leben oder einem Lebensbereich wichtig sind. Werte sind die Triebkraft für unsere Motivation und Handlungen. Sie sind abhängig von unserem Umfeld, von der Kultur in der wir aufwachsen und der Situation, in der wir uns befinden. Die Quellen unserer Werte sind die Familie, die Freunde, die Kirche bzw. Religion und die Schule und Ausbildung.

Die meisten unserer Werte werden in unserer Kindheit und Jugend gebildet. Einige von ihnen, unserer Kernwerte, behalten wir (fast) unser ganzes Leben bei.
Werte dienen uns auch, um unsere Handlungen nachträglich zu bewerten. Wir urteilen mit ihrer Hilfe darüber, ob etwas richtig oder falsch, gut oder böse ist und ob wir mit einer Sache oder Situation zufrieden oder unzufrieden sind.

Wir ordnen unsere Werte zu einem bestimmten Lebensbereich, z. B. Familie, in Hierarchien. Die Stellung eines Wertes innerhalb der Wertehierarchie ist dafür verantwortlich, wie wir reagieren, wenn jemand, gegen diesen Wert verstößt.

Wir ordnen unsere Werte zu einem bestimmten Lebensbereich in Hierarchien.
(Diesen Satz twittern.)

Wie kommt es zur Veränderung von Werten?

Unsere Werte sind einem ständigen Wandel unterworfen. Eine Veränderung der Lebenssituation (z. B. die Geburt eines Kindes, eine neue Partnerschaft, ein Berufswechsel) kann zur Veränderung der Werte in den Bereichen, die durch dieses Ereignis betroffen sind, führen.

Du kannst dir das ungefähr so vorstellen:

Ein Raucher wechselt seine Arbeitsstelle und kommt in ein Nichtraucherbüro. Die Arbeit gefällt ihm und die Kollegen sind nett. Natürlich versucht er sich an die Bedingungen anzupassen und raucht im Büro nicht. Auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen werden Nichtraucherlokale gewählt. Seine Rauchpausen verbringt er einsam in einem dafür vorgesehenen Raucherkammerl.
Mit der Zeit beginnt er seine rauchfreien Mahlzeiten zu genießen. Das Essen schmeckt, in der guten Gesellschaft gleich nochmal so gut und so ergibt es sich, dass unser Raucher immer weniger Lust auf eine Zigarette verspürt. Gleichzeitig wird er von seinem Umfeld unaufdringlich mit Argumenten gegen das Rauchen versorgt. Eines Tages beschließt er zu Rauchen aufzuhören und findet dafür eine Menge vernünftig klingender Argumente: Gesundheit, mehr Geschmack beim Essen, Rücksichtnahme auf andere, gute Luft, Sportlichkeit etc.
Genau das sind die Werte, die sich in der Hierarchie nach oben verschoben oder neu entwickelt haben.

Unsere Werte werden also auch beeinflusst durch unser Umfeld, die Medien, die Wirtschaftslage, die Wissenschaft u.s.w.

Und so kommt es, dass du auf einmal mit deinen Eltern stundenlang über Erziehungsfragen diskutieren kannst. Dabei stellst du überrascht fest, dass du plötzlich ganz andere Ansichten vertrittst, obwohl du doch von deinen Eltern erzogen wurdest und sie dir eine Menge deiner Werte mitgegeben haben. Wenn du in dich hineinhörst, entdeckst du, dass sich hier neue Werte entwickelt haben. In der Erziehung drücken sie sich oft durch das Gefühl aus: Ich mache das bei meinem Kind anders ;-)

Genau das führt oft dazu, dass sich Eltern nach der Elternzeit in ihrem Beruf nicht mehr richtig wohl fühlen. Plötzlich sind andere Dinge wichtig und haben höhere Priorität. Werte wie Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeitgestaltung, verlässliche Urlaubsplanung gewinnen an Bedeutung.
Andere Dinge rücken dafür in den Hintergrund.

Wie erging es dir beim Wiedereinstieg in deinen Beruf?
Ich freue mich, wenn du deine Erlebnisse mit meinen Leserinnen und mir teilst.

 

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Beziehung

Vor einiger Zeit hab ich den Artikel von Mara Stix „Sieben wichtige Lektionen, die du aus meinen größten Mißerfolgen lernen kannst“ gelesen.
Mara beschreibt darin, dass sie beruflich immer erfolgreich ist und privat ihr Glück bis jetzt noch nicht gefunden hat.

Warum du deine Beziehung nie vergleichen solltestSofort fiel mir auf: Bei mir ist es umgekehrt. Privat lief es immer so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich war auch immer in der Lage, die gesteckten Ziele zu verwirklichen. Egal, ob es sich um Partner, Kinder oder Haus handelte. Beruflich verlief mein Weg lange Zeit eher holprig. Weiterlesen

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Der_kleine_UnterschiedUnd es gibt ihn doch, den Unterschied ;-)

Ich kenne keinen Mann, der es als sein Privatvergüngen ansieht, wenn er den Rasen mäht, oder das Auto wäscht. (Ich bleibe hier absichtlich bei Plattitüden :-) )
Auch wenn es ihm Spaß macht, ist er sich doch bewusst, dass er etwas erledigt hat.
Ebenso kenne ich wenige Männer, die sich Gedanken machen, wie es den anderen Familienmitgliedern geht, wenn sie nach der Arbeit noch trainieren gehen. Oder ob der Sohn vorher eventuell noch schnell zum Fußballtraining gebracht werden sollte. Das Training ist einfach Teil ihres Tagesablaufs. Punkt. Da lassen diese Männer nichts dazwischentreten.

Ich kenne allerdings viele Frauen, die sich überlegen, ob alle gut versorgt sind und ob eventuell noch jemand einen Taxidienst benötigt, bevor sie selbst zum Arzt (!) gehen.

Frauen, die auf einen Kuraufenthalt fahren

  • kochen für 3 Wochen vor
  • schreiben seitenlange Listen, damit keiner etwas vergisst
  • legen fest, welche Freundin wann welches Kind zur Klavierstunde, zum Training, etc. bringt
  • heften Zettel mit Notfallnummern auf den Kühlschrank

Männer packen ihren Koffer und fahren auf Dienstreise. Weg sind sie. Zu Hause wird schon alles weiterlaufen.

Natürlich, jetzt kannst du einwenden, dass das einfach so abgesprochen ist. Ist es nicht trotzdem eigenartig?
Ich finde es wäre zu kurz gedacht, wenn wir das nur als Egoismus der Männer sehen würden. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Männer im Allgemeinen beruflich schneller erfolgreich sind. Sie konzentrieren sich auf das, was sie tun.

Ein Schlüsselerlebnis

Könnten wir Frauen davon nicht etwas lernen? Normalerweise ist es so, dass erst dann jemand eine Aufgabe übernimmt, wenn er eine Notwendigkeit dafür sieht. Wenn also die Hausfrau und Mutter sich um alles kümmert, wieso soll dann jemand anderer aktiv werden? Nehmen wir den Familienmitgliedern vielleicht sogar die Chance etwas dazuzulernen, wenn wir so proaktiv alle Aufgaben an uns reißen?

Ich hatte ein Schlüsselerlebnis mit meinen Kindern. Mein Mann war nicht zu Hause, ich war in Wien unterwegs und es war Winter. Aus diesem Grund hatte ich meine Kinder auch in der früh gebeten darauf zu achten, dass die Gehsteige geräumt sind. Am Abend kam ich nach Hause um festzustellen, dass der Gehsteig nicht geräumt war.
Mein erster Weg führte ins Vorzimmer und mit Kommandostimme rief ich: „Schneeräumen. Jetzt!“ – und sofort trabten meine beiden herunter, um mir beim Schnee räumen zu helfen.

Als wir fertig waren hielt ich ihnen einen Vortrag über Verantwortung und Selbständigkeit und schloss mit der Frage: „Ich weiß genau, dass ihr das alles könnt, wenn ich mal eine Woche weg bin, funtkioniert es doch auch. Ihr seid alt genug, dass ihr schon allein wohnen könntet. (O.K. das war etwas übertrieben ;-) ) Warum habt ihr euch nicht drum gekümmert?“
Die schlüssige Antwort meines Sohnes lautete: „Wir haben gewusst, dass du kommst und dich wieder um alles kümmerst. Du bist ja hier.“

Genau das ist es: Wenn die Mutter im Haus ist, dann verlassen sich oft die selbständigsten Kinder darauf, dass es ein Back-up gibt. Ein kostenloses Erinnerungsservice!

Was kannst du daraus lernen?

Aufteilen_von_AufgabenWenn du eine Aufgabe abgibst, dann gib auch die Verantwortung dafür ab. Lebe damit, auch wenn du das Gefühl hast, du hättest diese Aufgabe besser oder routinierter erledigt. Jeder hat seine eigene Art, etwas zu erledigen und es gibt kein grundsätzliches richtig oder falsch. Zumindest nicht bei der Hausarbeit.
Meine Mutter hat z. B. das Bettzeug immer mit der rechten Seite nach außen zusammengelegt, meine Schwiegermutter macht es andersrum. Ich fand das anfänglich unordentlich. Diese Methode hat aber einen riesigen Vorteil: Wenn du mit den Händen in den Bettüberzug greifst kannst du die Ecken der Decke nehmen und den Überzug einfach drüberstülpen. Das ist wirklich praktisch. Seitdem ich den Nutzen erknnt habe, mache ich es auch so.

Erledigt jemand eine Aufgabe anders als du, dann überleg dir zuerst, wo der Nutzen ist – und entscheide dann, ob du so weitermachen willst, wie bisher oder vielleicht die nue Variante probieren möchtest. Wenn diese Person diese Aufgabe übernommen hat, dann lass sie einfach machen, wie sie will. Solange das Ergebnis stimmt.

Eventuell könnten wir Frauen ja auch von dem Männern lernen. Wir müssen deshalb nicht gleich männlich auftreten oder rüpelhaft sein. In vielen Fällen reicht es schon, wenn wir uns weniger Sorgen machen. Wir müssen nicht alle Eventualitäten für die anderen bedenken. Wir dürfen darauf vertrauen, dass auch die anderen in der Lage sind Probleme zu lösen.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine schöne Woche! Ich bin diese Woche Co-Trainerin bei der Hypnosetrainer-Ausbildung und komme jeden Abend erst um ca. 19:00 Uhr nach Hause, danach habe ich noch Vorbereitungen zu machen und das Tagesgeschäft will auch erledigt werden. Für Hausarbeit bleibt also keine Zeit, das müssen diese Woche die anderen machen! Jeder hat seine aufgaben und wird sie neben Schule, Studium und Arbeit erledigen … und ich übe mich im Liegenlassen :-)

Wie geht es dir? Gibst du mit der Arbeit auch die Verantwortung ab?
Oder unterliegst du dem Kontrollwahn?

 

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Prioritäten

Sternstunde der SelbsterkenntnisGestern durfte ich eine Sternstunde erleben: Es kam nach langer Zeit wieder mal zu einem richtigen Familienausflug.
Du meinst, das wäre für eine Familie nicht weiter ungewöhnlich?
Unsere Kinder sind schon Teenager und haben auch sehr viel eigenes Programm. Der Sohn studiert und die Tochter maturiert im nächsten Jahr. Naja und dann ist ja auch noch mein Mann beruflich sehr viel unterwegs.

Jetzt steht wieder so eine längere Auslandsreise meines Mannes an. Da liegen dann meine Prioritäten anders. Ich möchte noch möglichst viel Zeit mit ihm verbringen und lasse auch vieles liegen. Das kann ich dann erledigen, wenn er nicht da ist. So kamen wir auf die Idee, den Sonntag nachmittag und abend in der Therme zu verbringen. Wir fragten auch die jugenlichen Mitbewohner, ob sie mitwollten und sie haben spontan zu gesagt. Wir hatten gar nicht damit gerechnet. Unverhofft kommt oft ;-) Da hatten wohl alle die gleichen Prioritäten.

Es war so ein richtig gemütlicher Familiennachmittag mit viel Spaß und Blödeleien. Dabei hab ich festgestellt, dass mein Mutterherz immer noch hüpft, wenn alle zusammen sind und dass ich mich wohl weniger von meinen Großen gelöst habe, als ich bisher gedacht hatte. Da hab ich noch Arbeit vor mir.

Sternstunde der Selbsterkenntnis

Was hat das jetzt alles mit dir zu tun?
Nun, manchmal lässt uns das Leben wundervolle Ekenntnisse zuteil werden. Auf eine Art, die gar nicht weh tut, die uns aber gerade deswegen sehr viel weiter bringt. Das war eine wirkliche Sternstunde der Selbsterkenntnis.

Ich hab mich für eine Mutter gehalten, die sich leicht von ihren Kindern löst. Gestern kam dann die Erkenntnis: Nun, so leicht doch nicht. Da ist noch viel Luft nach oben.
Es hat mich aber gar nicht gestört. Ich lasse den jugendlichen Mitbewohnern viele Freiheiten. Sie planen ihren Tagesablauf und beziehen mich kaum in die Planung ein. Wie das halt so ist, in diesem Alter. Das ist für mich auch in Ordung so. Ich werde mich in den nächsten Jahren Schritt für Schritt weiter aktiv abnabeln. Die Kunst ist es, auf dem schmalen Grat zu bleiben, der Unterstützung bietet, wenn sie gewünscht wird und sonst die Freiheit lässt, die notwendig ist für eine gute Entwicklung.

Selbstcoaching

Was tun, wenn plötzlich so ein Thema auftaucht? Was fange ich mit meiner Selbsterkenntnis an? Für mich ist nun Selbstcoaching angesagt. Eine Möglichkeit ist es, die Situation zu beschreiben, und ein Ziel herauszuarbeiten. Dann stellst du die passenden Fragen. Schließlich willst du nicht nur wissen, wie du bist, sondern du willst sich auch weiterentwickeln :-)

Ich finde es schön, mit meinen Kindern verbunden zu sein, so lange ich sie nicht an ihrem Wachstum hindere. Mein Ziel ist es also, meine Kinder in ihrem Wachstum zu fördern.

Meine Hauptfragen sind:

  • Gibt es Situationen, wo ich die Kinder am Wachstum hindere?
  • Gibt es Situationen, wo ich ihnen nicht auf Augenhöhe begegne?
  • Halte ich sie irgendwo klein?
  • Erzwinge ich gemeinsame Unternehmungen?

Ich kann ruhigen Gewissens alle diese Fragen mit „nein“ beantworten. Somit ist es für mich in Ordnung, wenn mein Mutterherz hüpft, wenn es sich zufällig ergibt, dass alle beinander sind. Ich kann es dann sogar genießen.

Du hast jetzt vielleicht schon eine Idee, wie deine Fragen aussehen können.

Feed-back

Wann immer du kannst, hol dir feed-back von außen. Wir alle haben den sogenannten blinden Fleck, das sind Dinge, die wir selbst nicht sehen, die andere aber durchaus wahrnehmen.

Um ganz sicher zu sein, werde ich mich demnächst mit den Teens zusammensetzen und mir feed-back holen. Ich bin schon gespannt, wie sie die Situation beurteilen.
Schließlich kann es sein, dass ihre Wahrnehmung ganz anders ist als meine.

Auf diese Art habe ich meine Sternstuunde der Selbsterkenntnis am besten genützt.

Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten sich selbst zu coachen. Ich habe z. B. schon beschrieben, wie du mit deiner Familie den Traumurlaub oder Traumweihnachten verbringen kannst, wie du deine beruflichen Stärken findest oder wie du positiv in den Tag startest. Einige dieser Methoden lassen sich gut auf andere Themen übertragen.

  • Wie sieht es bei dir aus?
  • Hat dich schon manchmal eine Erkenntnis ganz plötzlich und ungefragt überfallen?
  • Wie gehst du damit um?

Ich freue mich schon auf dein feed-back in den Kommentaren.

 

 

 

 

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