Ferienmodus

Mit dem Ferienmodus ist das so eine Sache.

Nachdem die Ferien fast überall im deutschsprachigen Raum schon zu Ende sind, habe ich die Ferienzeit unserer Kinder Revue passieren lassen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass sich diese Zeit bei uns in drei Varianten einteilen lässt.

Ich entscheide zwischen dem:

  • Chill-Modus – das ist der wenn alle Familienmitglieder frei haben und die Zeit außerhalb des eigenen Heims verbracht wird
  • gebremsten Modus – der wird gefahren, wenn die Kinder und/oder der Mann zu Hause sind und ich außerhalb arbeiten kann
  • und dann gibt es noch den absoluten Chaos-Ferienmodus – der passiert immer dann, wenn Kinder und/oder Mann zu Hause sind und ich zu Hause arbeiten möchte
Sommer am Teich

Der Chill-Modus

Nun, hier braucht es keine weiteren Erklärungen. Den genießen alle Familienmitglieder und wir haben Spaß. Meistens lege ich Termine so, dass ein halber Tag frei bleibt oder ich habe auch Urlaub.

Der gebremste Modus

Dieser Modus ist für alle erholsam. Egal, ob sie arbeiten oder nicht.
Der Nachteil: Es kommt einfach kein Rhythmus in den Tag.
Wenn ich aber außer Haus arbeiten kann, dann stört mich das nicht. Ich kann dann auch großzügig über diverse Bastelarbeiten drübersteigen, die sich während des Tages wie Maulwurfshügel in unserem Wohnzimmer erhoben haben. Als Gegenleistung dafür erwartet mich meist schon eine warme Mahlzeit in gemütlicher Atmosphäre.
Dann fühle ich mich auch wieder dazu in der Lage die Familienmitglieder zusammenzutrommeln und zur gemeinschaftlichen Aufräumaktion zu rufen.

Der Chaos-Ferienmodus

Hier herrscht Alarmstufe rot.
Wenn ich zu Hause arbeite fühlen sich meist auch ein oder zwei andere Familienmitglieder dazu berufen zu arbeiten.
Das ist prinzipiell auch gut so und geschieht  mit meinem Einverständnis.
Nur meistens läuft die Sache irgendwie aus dem Ruder.
Du weißt schon: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne.“
Und die fallen dann reichlich. Entweder in Form von gröberen Handwerkerarbeiten oder in Form von wie auch immer gearteten Notfällen.

Und so kann so ein Chaos-Ferienmodus aussehen:

  • Ich sitze an einem Seminarkonzept und plötzlich ertönt ein verzweifelter Hilferuf: „Mama!!!“
    Herbeigeeilt bietet sich mir folgendes Bild:
    Der erwachsene Sohn steht vor dem Spiegel und zieht sein Augenlid an den Wimpern hoch.
    „Kannst du mir mal ins Auge schauen? Mir ist beim Stemmen ein Verputzkörnchen ins Auge gefallen. Ich finde es nicht und die anderen (Vater und Schwester) finden es auch nicht.“ Als besorgte Mutter mache ich mich also ans Werk und nach gefühlten 20 Minuten und 4 Ampullen Augenspüllösung ist das Körnchen auch gefunden.
  • Nachmittags habe ich dann doch einen Außentermin. Wie schön!
    Auf der Heimfahrt erreicht mich ein Anruf. „Kannst du bitte beim Baumarkt vorbeischauen, wir bauchen noch einen Meissel.“
    Ich kann. Auf dem Weg vom Baumarkt nach Hause frage ich mich allerdings, ob es so viel schwieriger gewesen wäre selbst  ins Auto zu steigen.
    Zu Hause angekommen verstehe ich den Grund. Vater und Sohn sehen aus wie die Schneemänner; so sehr sind sie von Staub bedeckt. Selbst um in den Baumarkt zu fahren wäre eine Grobreinigung von Nöten gewesen.
  • Am nächsten Tag werde ich aufgefordert doch bitte in den Baumarkt mitzufahren, um Fliesen auszusuchen. Kein Problem, mache ich gerne.
  • Am Nachmittag läutet jedoch das Telefon: Meine Mutter wurde ins Krankenhaus eingeliefert, es geht ihr nicht gut. Natürlich kann ich mich in ihre Lage versetzen. Ich würde mich auch über einen Besuch freuen. Also steige ich ins Auto, fahre 1 Stunde ins Spital. Trotz grauenhafter Straßenverhältnisse, bleibe mit meiner Tochter 1 einhalb Stunden am Krankenbett sitzen und mache mich wieder auf den Weg nach Hause. Vorteil des Ganzen: Ich konnte mich selbst überzeugen, wie es meiner Mutter geht und ich habe Zeit, mich mit meiner Tochter ungestört zu unterhalten.
  • Am nächsten Tag ist geplant, dass Vater und Tochter ins Schwimmbad gehen. Super, ein ruhiger Tag zum Arbeiten. Es stellt sich aber heraus, dass aus dem geplanten Ausflug nichts wird …

Tja und nach solchen Tagen habe ich dann das Gefühl ständig in Bewegung gewesen zu sein, viel gearbeitet zu haben und trotzdem ist meine To-Do-Liste nicht kürzer geworden. Ich hatte also nicht richtig frei – erledigt ist aber auch nichts!

Ich bin dann richtig froh, wenn alles wieder seinen geregelten Gang geht. Ich liebe Abwechslung, aber um wirklich produktiv arbeiten zu können, brauche ich meine Routinen.

Wirklich schlimm ist das alles nicht. Wie alles im Leben ist es eine Sache der Einstellung. Ich weiß, dass meine Routinen durchbrochen werden, wenn meine Lieben zu Hause sind. Ich weiß auch, dass sie mich in Ruhe arbeiten lassen, wenn es wirklich brennt. Zu allen anderen Zeiten finde ich mich einfach damit ab, dass nicht alles nach meinem Kopf läuft, wenn die ganze Familie zu Hause ist. Auch das ist ein gutes Training.

Wenn mit etwas wirklich wichtig ist, brauche ich einen Plan und ich bin aufgefordert mich durchzusetzen. Dann klappt es auch.

Für die nächste Zeit habe ich mir übrigens vorgenommen, meine Routinen immer wieder mal zu durchbrechen, damit ich flexibel bleibe.

Kennst du diese Situationen? Wenn ja, dann freue ich mich über Erfahrungsberichte in der Kommentarfunktion.

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