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Kinder verändern alles

Kinder_WErteIch kann mich noch gut erinnern – es ist schon eine Weile her – als ich nach meiner Karenzzeit ins Büro zurückkam. Am ersten Tag überwog die Freude, wieder etwas Abwechslung zu haben und geistig wieder gefordert zu sein. Und es gab ja so viel zu erzählen …
In den nächsten Tagen schlich es sich ein: ein merkwürdiges Gefühl der Fremdheit. Am Anfang konnte ich es nicht mal benennen. Es war nur – anders; anders als vor der Geburt meines Sohnes.

Äußerlich war scheinbar alles wie vorher. Trotzdem nervten mich manche Kleinigkeiten, die mir vorher nie aufgefallen waren und andere Dinge, über die sich meine Bürokolleginnen beschwerten schienen mir nichtig und unbedeutend.

Nach der Geburt ist alles anders

Das ist eine Erfahrung, die viele Eltern machen. Nicht nur im Beruf auch innerhalb der Familie verschieben sich die Prioritäten von der Herkunftsfamilie (also den Großeltern, Eltern und Geschwistern) hin zur Kernfamilie (du, dein Partner und das Kind/die Kinder), die sich jetzt neu bildet.
Plötzlich kommt es zu Konflikten mit Menschen, mit denen du dich bisher wunderbar verstanden hast.

Was war passiert?

Ganz einfach: In meinem Fall hatten sich die Prioritäten und Werte durch die Geburt meines Sohnes verschoben.
Einige dieser Werte stimmten mit den Unternehmenswerten – die vorher für mich vollkommen in Ordnung waren – nicht überein. So kam ich in einen Wertekonflikt und daher fühlte sich die Situation für mich nicht mehr stimmig an.

Meine Werte hatten sich verändert

Werte sind die Dinge, die uns im Leben oder einem Lebensbereich wichtig sind. Werte sind die Triebkraft für unsere Motivation und Handlungen. Sie sind abhängig von unserem Umfeld, von der Kultur in der wir aufwachsen und der Situation, in der wir uns befinden. Die Quellen unserer Werte sind die Familie, die Freunde, die Kirche bzw. Religion und die Schule und Ausbildung.

Die meisten unserer Werte werden in unserer Kindheit und Jugend gebildet. Einige von ihnen, unserer Kernwerte, behalten wir (fast) unser ganzes Leben bei.
Werte dienen uns auch, um unsere Handlungen nachträglich zu bewerten. Wir urteilen mit ihrer Hilfe darüber, ob etwas richtig oder falsch, gut oder böse ist und ob wir mit einer Sache oder Situation zufrieden oder unzufrieden sind.

Wir ordnen unsere Werte zu einem bestimmten Lebensbereich, z. B. Familie, in Hierarchien. Die Stellung eines Wertes innerhalb der Wertehierarchie ist dafür verantwortlich, wie wir reagieren, wenn jemand, gegen diesen Wert verstößt.

Wir ordnen unsere Werte zu einem bestimmten Lebensbereich in Hierarchien.
(Diesen Satz twittern.)

Wie kommt es zur Veränderung von Werten?

Unsere Werte sind einem ständigen Wandel unterworfen. Eine Veränderung der Lebenssituation (z. B. die Geburt eines Kindes, eine neue Partnerschaft, ein Berufswechsel) kann zur Veränderung der Werte in den Bereichen, die durch dieses Ereignis betroffen sind, führen.

Du kannst dir das ungefähr so vorstellen:

Ein Raucher wechselt seine Arbeitsstelle und kommt in ein Nichtraucherbüro. Die Arbeit gefällt ihm und die Kollegen sind nett. Natürlich versucht er sich an die Bedingungen anzupassen und raucht im Büro nicht. Auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen werden Nichtraucherlokale gewählt. Seine Rauchpausen verbringt er einsam in einem dafür vorgesehenen Raucherkammerl.
Mit der Zeit beginnt er seine rauchfreien Mahlzeiten zu genießen. Das Essen schmeckt, in der guten Gesellschaft gleich nochmal so gut und so ergibt es sich, dass unser Raucher immer weniger Lust auf eine Zigarette verspürt. Gleichzeitig wird er von seinem Umfeld unaufdringlich mit Argumenten gegen das Rauchen versorgt. Eines Tages beschließt er zu Rauchen aufzuhören und findet dafür eine Menge vernünftig klingender Argumente: Gesundheit, mehr Geschmack beim Essen, Rücksichtnahme auf andere, gute Luft, Sportlichkeit etc.
Genau das sind die Werte, die sich in der Hierarchie nach oben verschoben oder neu entwickelt haben.

Unsere Werte werden also auch beeinflusst durch unser Umfeld, die Medien, die Wirtschaftslage, die Wissenschaft u.s.w.

Und so kommt es, dass du auf einmal mit deinen Eltern stundenlang über Erziehungsfragen diskutieren kannst. Dabei stellst du überrascht fest, dass du plötzlich ganz andere Ansichten vertrittst, obwohl du doch von deinen Eltern erzogen wurdest und sie dir eine Menge deiner Werte mitgegeben haben. Wenn du in dich hineinhörst, entdeckst du, dass sich hier neue Werte entwickelt haben. In der Erziehung drücken sie sich oft durch das Gefühl aus: Ich mache das bei meinem Kind anders ;-)

Genau das führt oft dazu, dass sich Eltern nach der Elternzeit in ihrem Beruf nicht mehr richtig wohl fühlen. Plötzlich sind andere Dinge wichtig und haben höhere Priorität. Werte wie Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeitgestaltung, verlässliche Urlaubsplanung gewinnen an Bedeutung.
Andere Dinge rücken dafür in den Hintergrund.

Wie erging es dir beim Wiedereinstieg in deinen Beruf?
Ich freue mich, wenn du deine Erlebnisse mit meinen Leserinnen und mir teilst.

 

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Wiedereinstieg Petra Kaltenböck

WiedereinstiegMittlerweile weißt du ja schon, dass ich eine Vorliebe habe, für Lebensgeschichten. Das hat einen einfachen Grund: Die Themen werden persönlich.
Es fällt auch dir viel leichter, dich mit deinen Herausforderungen, Ängsten und Sorgen wieder zu finden. Und du siehst, wie andere mit diesen Herausforderungen umgegangen sind. Vielleicht bieten dir diese Geschichten ja Anregungen für dein eigenes, ganz persönliches Thema.
Wenn nicht, dann setze dich doch einfach mit mir in Verbindung und wir arbeiten gemeinsam an deiner Herausforderung. (Du merkst schon, ich drücke mich hier vor dem Wort Problem. Das hat einen einfachen Grund: Ich mag es nicht besonders. Mich macht ein Problem mutlos. Eine Herausforderung stachelt mich an, nach einer Lösung zu suchen :-) )

Heute erzählt Petra Kaltenböck sehr persönlich von ihrer Vorbereitung auf den beruflichen Wiedereinstieg. Ich bin ihr für diesen Bericht sehr dankbar, weil sie von vielen Nöten und Fragen erzählt, die in dieser Phase auftauchen.

Vorbereitung auf den beruflichen Wiedereinstieg

Ein Erfahrungsbericht von Petra Kaltenböck

Schon vor der Geburt meines Sohnes war für mich klar, dass ich in den ersten Lebensjahren meines Kindes so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen will und die Kinderbetreuung nicht aus der Hand geben möchte. Die Karenzzeit wurde auf zwei Jahre mit meiner Firma fixiert und über mehr habe ich mir bis zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken gemacht.

Die ersten Monate vergingen wie im Flug und schon bald feierte mein Sohn seinen ersten Geburtstag. Ab diesem Zeitpunkt begann ich auch wieder schrittweise mit meiner selbständigen Tätigkeit in meiner Praxis, die gut mit den Bürozeiten meines Mannes zu vereinbaren war. Aber ich merkte schon bald, dass ich mir das alles leichter vorgestellt hatte, als es dann tatsächlich war. Immer wieder hörte ich von anderen Müttern rundherum, dass sie wieder Vollzeit arbeiten und dass das alles problemlos wäre, wenn es nur gut organisiert ist.

Die Zeit ab dem ersten Geburtstag meines Sohnes machte ich mir ständig Gedanken, wie ich ab seinem zweiten Geburtstag die Zeit bis zum Kindergarten Wiedereinstieg Petra Kaltenböckorganisieren könnte, dass ich Teilzeit in der Firma arbeiten kann, meiner selbständigen Arbeit nachgehen kann, den Haushalt auf die Reihe bekomme, meinen Sohn gut betreut weiß ohne allzu große finanzielle Belastung, und – natürlich – auch noch genug Zeit mit ihm verbringen kann. Irgendwie erschien mit das bei mir nicht so problemlos wie bei anderen, und anstatt mir meiner Möglichkeiten bewusst zu werden, schaute ich ständig darauf, wie es bei anderen geht und bei mir aber nicht möglich ist, da das familiäre Umfeld anders ist. Ein Teufelskreis, weil man schnell in eine Opferrolle kommt und sich im Kreis dreht.

Irgendwann war dann der Punkt da, an dem ich begonnen habe mich wirklich mit meiner Familie und anderen Eltern auszutauschen, offen über meine Sorgen und Ängste zu reden. Es war erstaunlich wie viele Ideen so auf den Tisch gekommen sind, an die ich nie gedacht hätte.

Wichtig war für mich in dieser Phase, mich tatsächlich hinzusetzen und alle Möglichkeiten konkret aufzuschreiben und durchzudenken. Ansonsten wäre es wohl immer bei „ich könnte…“, „hmmm, ja vielleicht…“, „nein, so geht’s gar nicht…“ geblieben. Beruflich war das nie ein Thema mich hinzusetzen und mir bei Neugestaltungen alle Optionen durchzudenken, Varianten abzuwägen und mich auf Gespräche gut vorzubereiten. Irgendwie habe ich lange gebraucht zu verstehen, dass es auch in dieser Lebensphase, in der viele Veränderungen anstehen, auch wichtig ist, genauso an die Thematik heranzugehen, wie ich es im Beruf machen würde. Ich dachte immer diese Entscheidungen treffe ich dann einfach situationsbedingt aus dem Bauch heraus und es wird sich schon der richtige Weg weisen. Klar, auf das Bauchgefühl zu hören ist sehr wichtig, vor allem wenn es um das eigene Kind geht, aber was ist falsch daran die Sache strukturiert anzugehen?

Also habe ich mich hingesetzt, teilweise alleine, teilweise mit meiner Familie, und habe aufgeschrieben, was mir so an Varianten durch den Kopf gegangen ist, welche Vor- und Nachteile sie haben. In meinem Kopf habe ich mir alle Situationen ausgemalt, auch darauf gehört, wenn sich Sorgen und Ängste gemeldet haben und diese nicht weg geschoben. Und ich habe versucht Lösungen für Probleme zu finden. Auch die finanziellen Veränderungen habe ich miteinbezogen.
Meine Mutter hat nun die Möglichkeit bis mein Sohn in den Kindergarten kommt einen Tag weniger zu arbeiten und ich somit einen vollen Tag, um in der Firma zu arbeiten. Da meine Kunden in meiner Praxis meist abends und am Wochenende Zeit haben, lässt sich hier die Kinderbetreuung auch gut mit meinem Mann organisieren. Und, viel wichtiger, es bleibt noch genug Zeit für meinen Sohn.

Das einzige, was es jetzt noch abzuklären galt, war ob meine Firma für diese Option ihr okay gibt, da es so eine Teilzeit Lösung noch nicht gegeben hat. Auch hier war meine Vorbereitung auf das Gespräch mit meiner Vorgesetzten wichtig. Wieder habe ich mich bewusst damit auseinandergesetzt, was ich der Firma bieten kann mit dieser Lösung, wo eventuell Hindernisse wären und ob es dafür Lösungsvorschläge gäbe. Das Gespräch verlief sehr gut und ich bin mir sicher, dass der ausschlaggebende Grund dafür war, dass ich vorher wusste, was ich wollte, welche Möglichkeiten zur Verfügung standen und ich mir auch aller Nachteile bewusst war.

Die Erkenntnis aus diesen letzten Monaten war für mich, wie wertvoll es ist ehrlich zu sein, zu sich selbst und zu seinem Umfeld und dass es vor allem in solchen tiefgreifenden Lebensphasen gut ist sich Rat zu holen, von Freunden, der Familie, aber auch – wie in meinem Fall bei Ilse– von einem Coach.

Wichtig ist es offen und kreativ zu sein für seine eigenen ganz persönlichen Möglichkeiten und nicht daran zu verzweifeln, wenn es nicht so klappt, wie man es sich vorgestellt hat. Jede Lebens- und Familiensituation ist anders und es gibt keine Pauschallösungen.

Meine Eckdaten:
Mag. (FH) Petra Kaltenböck
Verheiratet, Sohn Tobias 20 Monate alt
Selbständig als systemisch-ontologische Praktikerin, „Praxis zur Begleitung Mensch & Tier“
Tätig im Controlling seit 7 Jahren

 

Danke, liebe Petra! Du hast den Weg zum beruflichen Wiedereinstieg wirklich sehr gut beschrieben. Den letzten Satz finde ich besonders wichtig.

Jede Lebens- und Familiensituation ist anders und es gibt keine Pauschallösungen!

Jetzt interessiert mich folgendes:

Wie hast du deinen beruflichen Wiedereinstieg vorbereitet?
Welche Ängste hattest du dabei?

Oder bist du vielleicht gerade dabei deinen Wiedereinstieg vorzubereiten?
Mit welchen Herausforderungen bist du gerade konfrontiert?

Ich bin wirklich gespannt auf deine Antwort. Deine Antwort hilft sicher auch vielen anderen Müttern, die in einer ähnlichen Situation sind.

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