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An den eigenen Erwartungen und den Ängsten der anderen scheitern

An den eigenen Erwartungen und den Ängsten der anderen scheitern

Gelassenheit und Ausgeglichenheit im Familienalltag ist mein Thema. Ein Thema, das ich mir nicht ausgesucht habe, sondern ein Thema, das sich mich ausgesucht hat. Dieses Thema hat mich nicht überfallen, sondern es hat sich langsam und bedächtig in mein Leben geschlichen. Fast kam es durch die Hintertür herein. Das hat auch mit meiner Geschichte als Mutter zu tun.

Dieser Blogartikel ist sicher derjenige, der für mich am emotional schwersten ist. Noch nie hatte ich innerlich so viele Barrieren zu überwinden. Denn heute lasse ich dich wirklich sehr genau in mein Leben schauen.

Ich schätze Isabel und ihre Arbeit sehr und ich bin überzeugt, dass das Thema Mutterschaft sehr wichtig ist. Kaum ein Lebensabschnitt im Frauenleben ist mit so vielen Erwartungen und Missverständnissen verbunden. Kaum ein Lebensabschnitt ruft so widersprüchliche Gefühle hervor. Genau darum mache ich bei dieser Blogparade mit. Weiterlesen

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Werte

Kinder verändern alles

Kinder_WErteIch kann mich noch gut erinnern – es ist schon eine Weile her – als ich nach meiner Karenzzeit ins Büro zurückkam. Am ersten Tag überwog die Freude, wieder etwas Abwechslung zu haben und geistig wieder gefordert zu sein. Und es gab ja so viel zu erzählen …
In den nächsten Tagen schlich es sich ein: ein merkwürdiges Gefühl der Fremdheit. Am Anfang konnte ich es nicht mal benennen. Es war nur – anders; anders als vor der Geburt meines Sohnes.

Äußerlich war scheinbar alles wie vorher. Trotzdem nervten mich manche Kleinigkeiten, die mir vorher nie aufgefallen waren und andere Dinge, über die sich meine Bürokolleginnen beschwerten schienen mir nichtig und unbedeutend.

Nach der Geburt ist alles anders

Das ist eine Erfahrung, die viele Eltern machen. Nicht nur im Beruf auch innerhalb der Familie verschieben sich die Prioritäten von der Herkunftsfamilie (also den Großeltern, Eltern und Geschwistern) hin zur Kernfamilie (du, dein Partner und das Kind/die Kinder), die sich jetzt neu bildet.
Plötzlich kommt es zu Konflikten mit Menschen, mit denen du dich bisher wunderbar verstanden hast.

Was war passiert?

Ganz einfach: In meinem Fall hatten sich die Prioritäten und Werte durch die Geburt meines Sohnes verschoben.
Einige dieser Werte stimmten mit den Unternehmenswerten – die vorher für mich vollkommen in Ordnung waren – nicht überein. So kam ich in einen Wertekonflikt und daher fühlte sich die Situation für mich nicht mehr stimmig an.

Meine Werte hatten sich verändert

Werte sind die Dinge, die uns im Leben oder einem Lebensbereich wichtig sind. Werte sind die Triebkraft für unsere Motivation und Handlungen. Sie sind abhängig von unserem Umfeld, von der Kultur in der wir aufwachsen und der Situation, in der wir uns befinden. Die Quellen unserer Werte sind die Familie, die Freunde, die Kirche bzw. Religion und die Schule und Ausbildung.

Die meisten unserer Werte werden in unserer Kindheit und Jugend gebildet. Einige von ihnen, unserer Kernwerte, behalten wir (fast) unser ganzes Leben bei.
Werte dienen uns auch, um unsere Handlungen nachträglich zu bewerten. Wir urteilen mit ihrer Hilfe darüber, ob etwas richtig oder falsch, gut oder böse ist und ob wir mit einer Sache oder Situation zufrieden oder unzufrieden sind.

Wir ordnen unsere Werte zu einem bestimmten Lebensbereich, z. B. Familie, in Hierarchien. Die Stellung eines Wertes innerhalb der Wertehierarchie ist dafür verantwortlich, wie wir reagieren, wenn jemand, gegen diesen Wert verstößt.

Wir ordnen unsere Werte zu einem bestimmten Lebensbereich in Hierarchien.
(Diesen Satz twittern.)

Wie kommt es zur Veränderung von Werten?

Unsere Werte sind einem ständigen Wandel unterworfen. Eine Veränderung der Lebenssituation (z. B. die Geburt eines Kindes, eine neue Partnerschaft, ein Berufswechsel) kann zur Veränderung der Werte in den Bereichen, die durch dieses Ereignis betroffen sind, führen.

Du kannst dir das ungefähr so vorstellen:

Ein Raucher wechselt seine Arbeitsstelle und kommt in ein Nichtraucherbüro. Die Arbeit gefällt ihm und die Kollegen sind nett. Natürlich versucht er sich an die Bedingungen anzupassen und raucht im Büro nicht. Auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten mit den Kollegen werden Nichtraucherlokale gewählt. Seine Rauchpausen verbringt er einsam in einem dafür vorgesehenen Raucherkammerl.
Mit der Zeit beginnt er seine rauchfreien Mahlzeiten zu genießen. Das Essen schmeckt, in der guten Gesellschaft gleich nochmal so gut und so ergibt es sich, dass unser Raucher immer weniger Lust auf eine Zigarette verspürt. Gleichzeitig wird er von seinem Umfeld unaufdringlich mit Argumenten gegen das Rauchen versorgt. Eines Tages beschließt er zu Rauchen aufzuhören und findet dafür eine Menge vernünftig klingender Argumente: Gesundheit, mehr Geschmack beim Essen, Rücksichtnahme auf andere, gute Luft, Sportlichkeit etc.
Genau das sind die Werte, die sich in der Hierarchie nach oben verschoben oder neu entwickelt haben.

Unsere Werte werden also auch beeinflusst durch unser Umfeld, die Medien, die Wirtschaftslage, die Wissenschaft u.s.w.

Und so kommt es, dass du auf einmal mit deinen Eltern stundenlang über Erziehungsfragen diskutieren kannst. Dabei stellst du überrascht fest, dass du plötzlich ganz andere Ansichten vertrittst, obwohl du doch von deinen Eltern erzogen wurdest und sie dir eine Menge deiner Werte mitgegeben haben. Wenn du in dich hineinhörst, entdeckst du, dass sich hier neue Werte entwickelt haben. In der Erziehung drücken sie sich oft durch das Gefühl aus: Ich mache das bei meinem Kind anders ;-)

Genau das führt oft dazu, dass sich Eltern nach der Elternzeit in ihrem Beruf nicht mehr richtig wohl fühlen. Plötzlich sind andere Dinge wichtig und haben höhere Priorität. Werte wie Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeitgestaltung, verlässliche Urlaubsplanung gewinnen an Bedeutung.
Andere Dinge rücken dafür in den Hintergrund.

Wie erging es dir beim Wiedereinstieg in deinen Beruf?
Ich freue mich, wenn du deine Erlebnisse mit meinen Leserinnen und mir teilst.

 

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