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Aus-gelassen leben

Kindern einen Rahmen geben

Werde dir deiner Werte bewusst und gib deinen Kindern einen Rahmen

Anja Riemer-Grobe ist Expertin für Beziehungsfragen. Als ihre Kinder klein waren verschob sich der Schwerpunkt von der Paarbeziehung zur Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Sie ist überzeugt: Nur, wenn du deine Werte kennst, kannst du deinen Kindern einen Rahmen geben.

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Was werden die Leute sagen?

Was werden die Leute sagen?

Am liebsten würde ich dir jetzt den Song „Lass die Leute reden …“ entgegenschmettern.

Ich weiß, dass sich Frauen und vor allem Mütter oft bemühen Ansprüchen von außen gerecht zu werden. Schließlich bekommen Mädchen von Anfang an gesagt, was sie tun sollen und wie sie sich verhalten sollen. Und das viel öfter als Jungs.

Ein und dasselbe Verhalten wird bei Burschen anders bewertet, als bei Mädchen – meist positiv. Auch wenn ich mich bemüht habe, nicht in diese Falle zu tappen, bin ich doch manchmal drin gelandet und habe meiner Tochter erklärt, dass sie doch Rücksicht nehmen soll. Zum Glück war meine Tochter ein sehr unabhängiger Geist und hat nicht alles angenommen, was ich im Laufe ihres Aufwachsens so verzapft habe. Sie ist zu einer sehr sozialen und durchsetzungsfreudigen jungen Dame herangewachsen.

So ging es vielen Frauen und manche haben wirklich noch heute damit zu kämpfen. Sie versuchen in allen möglichen Bereichen den Ansprüchen von außen gerecht zu werden.

Schließlich braucht es ja gar nicht viel:

  • Mit täglich nur 5 Minuten Pflege kannst du strahlend aussehen, behaupten den Frauenzeitschriften.
  • Wenn du nur willst und täglich Sport betreibst, dann bist du fit und durchtrainiert, sagen die Fitnessblätter.
  • Du musst bloß an dich glauben, dann stellt sich der Erfolg auch ein, behaupten die Coaches und Berater.
  • Es ist ganz leicht, sich gegen Männer durchzusetzen. Frauen haben ohnehin die bessere Ausbildung. – Das steht in jeder Tageszeitung.
  • Jedes Kind kann schlafen lernen. – So heißt ein Buch für Eltern.

Diese Liste könnte ich endlos lang weiterführen. Tue ich aber nicht!
Sie lässt uns glauben, wenn wir als Frauen und Mütter nur die richtigen Zutaten verwenden und das passende Kochrezept anwenden, dann schaffen wir alles.

So ist es aber nicht!
Dem Leben ist mit keinem Kochrezept beizukommen und die Lösungen für diese Herausforderungen gibt es auch nicht als Fertiggericht.

Diese Vereinfachung führt nur dazu, dass sich viele Frauen und Mütter unzulänglich vorkommen.

  • Weil sie ihren Mann nicht halten konnten.
  • Weil sie ihre Kinder allein erziehen und den Vater nicht ersetzen können.
  • Weil ihr Kind gerade in einer Phase ist, wo es beißt, kratzt und haut und die Mutter glaubt, sie könne daran etwas ändern, wenn sie nur das richtige Rezept findet.
  • Weil sie nicht schlank und immer lächelnd ist.
  • Weil sie abends müde ist und daher ungeduldig wird.

Auch diese Liste kann ich weiterführen bis zum Erbrechen. Ich bin sicher, auch dir fallen noch einige Beispiele ein.

Und wenn dann wieder mal etwas nicht klappt, z. B. wenn die Tochter mit blauen Haaren nach Hause kommt, oder der Sohn eine Tätowierung möchte, dann kommt auch noch der Killersatz: „Was werden die Leute sagen?“. Gerne auch abgewandelt „Wie wird meine Mutter darauf reagieren?“

Wenn du ihn nicht sagst, so denkst du zumindest ganz leise drüber nach. Schließlich willst du ja dein Kind mit all diesen Fragen und Ängsten nicht belasten. Du weißt ja, es sind deine eigenen und du solltest damit fertig werden. Oft genug hast du gehört, dass sich diese Sätze in Kinderseelen eingraben und später als negative Glaubenssätze wieder hochkommen. Diese negativen Glaubenssätze kennst du gut und genau die möchtest du deinem Kind ersparen. So hältst du deine Gedanken so gut es geht von deinem Kind fern.

Du spürst aber auch, dass dein Kind mit dir verbunden ist und deine inneren Kämpfe ohnehin mitbekommt.

Patentlösungen gibt es keine

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass du nur herausfinden musst, was dir wirklich wichtig ist. Schon wieder so ein nur. Und schon wieder so ein Muss!

Also lass es mich umformulieren. Wenn es dir gelingt herauszufinden, was dir wirklich wichtig ist, dann kannst du es auch gut vertreten. Sowohl gegenüber deinem Kind, als auch gegenüber den „Leuten“. Wer immer diese Leute auch sind. Und genau das willst du doch, oder?

Finde heraus, was dir wichtig ist!

Wie du das herausfindest kannst du hier nachlesen. Wenn du meinen Newsletter abonnierst, dann bekommst du auch Zugang zu meinen Freebies und damit auch zum Mini-E-Book „Finde heraus, was du wirklich willst!“

Wenn du herausfindest, was du wirklich willst, hast du die Basis für eine gute Argumentation und deine Gelassenheit geschaffen.

Vertrau auf dein Gefühl

Als mein Schwiegervater erkrankt war, war mein Sohn 5 Jahre. Ich entschloss mich mit ihm über die Erkrankung meines Schwiegervaters zu sprechen. Ich hatte einfach das Gefühl, das wäre die einzig richtige Lösung. Ich wollte mein Kind nicht belügen müssen.

Natürlich durfte ich mir anhören, dass ich das Kind nicht damit belasten solle. Es wäre viel zu klein. Blablabla …

Ich setzte mich eines Tages mit meinem Sohn zusammen und fragte ihn, ob er wisse, warum sein Opa oft nicht da sei. Er verneinte und ich erklärte ihm, er wäre im Krankenhaus, weil es ihm nicht gut gehe. Und dann passierte etwas Unvorhergesehenes. Mein Sohn kam auf mich zu: „Mama stimmt´s, der hat Krebs?“ Als ich bejahte begann er zu weinen und meinte: „Ich bin so froh, dass du es mir erzählt hast, jetzt darf ich endlich traurig sein!“ Er hatte die ganze Zeit gespürt, dass etwas nicht stimmte und konnte es einfach nicht einordnen. Mit meinen Worten hatte er aber auch gleichzeitig ein Ventil gefunden. Er konnte weinen und seine unbestimmte Trauer herauslassen.

Finde deinen Weg

Auch wenn dein Weg ungewöhnlich ist, gehe ihn, wenn du ihn für richtig hältst. Du kennst deine Familie, wie kein anderer. Kein Mensch kann von außen beurteilen, wie du eine Herausforderung anpacken sollst.

Halte dich also nicht nach dem, was die Leute sagen, sondern vertrau auf dein Gefühl und auf deine Intuition.

… und wenn du Fehler machst?

Natürlich kann es sein, dass du Fehler machst und falsche Entscheidungen triffst. Dafür wirst du die Konsequenzen tragen.

Du erlaubst deinem Teenager sich ein Piercing stechen zu lassen. Die Stelle entzündet sich. Du bist als Mutter live dabei und stehst all das mit deinem Kind durch.

Du verbietest deiner Tochter bei ihrer Freundin zu übernachten weil sie am nächsten Tag Schularbeit hat und du weißt, dass sie bei ihrer Freundin nicht genug Schlaf bekommt. Deine Tochter ist so sauer, dass sie drei Tage nicht mit dir spricht. Du trägst die Konsequenz deiner Entscheidung.

Egal, ob du deinen Werten und deinem Gewissen folgst, oder dem, was andere für richtig erachten. Du trägst die Konsequenz der Entscheidung. Es wird dir aber viel leichter fallen, mit den Auswirkungen von Entscheidungen umzugehen, die du selbst getroffen hast und von denen du überzeugt warst. Denn hinter diesen Entscheidungen kannst du stehen.

Lebe dein Leben nach deinen eigenen Grundsätzen

Es ist nicht in allen Bereichen unseres Lebens möglich nach unseren eigenen Grundsätzen zu leben. Oder sagen wir so: Wir sind nicht in allen Bereichen unseres Lebens mutig genug mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen zu leben.

Aber es lohnt sich alle Dinge, die wir uns zutrauen und wo wir über genügend Informationen verfügen, so zu entscheiden, wie wir es für richtig erachten.

In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder ein starker Satz aus „Jenseits von Afrika“ ein.

Ich möchte nicht am Ende meines Lebens feststellen, dass ich das Leben eines anderen geführt habe.

Lebe dein Leben, so wie du es willst und wie es für dich und deine Lieben passt!

Bleib gelassen!

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Aus-gelassen leben

Warum sich Ideale wandeln

 

Warum Ideale sich wandeln?

Wir alle haben Ideale. Sie sind unsere Vorbilder und Leitsterne. Sie dienen uns also zu unserer Orientierung und Weiterentwicklung.

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Ich beschäftige mich ja jetzt schon eine ganze Weile mit dem Thema Grenzen und Selbst-Beschränkung. Das ist ein wirklich spannendes Thema, das viel Potential hat. Je länger ich daran arbeite, desto mehr wird mir bewusst, wie viele Fragen rund um das Thema auftauchen.

Eine sehr spannende wurde mir unlängst in einer Facebook-Gruppe gestellt.
„Wie kann ich auch einmal Fünf gerade sein lassen, das Ganze etwas lockerer sehen und wo sind Grenzen angesagt?“ Weiterlesen

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Familienalltag vereinfachen

Warum Selbst-beschränkung für dein Kind wichtig ist

Selbst-beschränkung - Vereinfachung - Beschränkung

In meinem letzten Podcast habe ich mich damit beschäftigt, dass Kinder, die in einer Überflussgesellschaft leben, dieselben Verhaltensweisen zeigen, wie Kinder die vom Krieg traumatisiert sind.

Außerdem habe ich auch auf weitere Artikel im Netz hingewiesen, wo es um Grenzen und Freiheit geht. Ich habe gesagt, dass ich überzeugt bin, dass diese drei Themen eng miteinander verbunden sind und dass ich glaube, dass man sie nicht unabhängig voneinander betrachten kann.

Im heutigen Blogartikel sollte es ursprünglich darum gehen, warum Grenzen für dein Kind wichtig sind. Bei der Ausarbeitung dieses Themas habe ich aber festgestellt, dass es dabei nicht nur um Grenzen im Verhalten geht sondern auch um die Begrenzung von Besitztümern und Gütern. Beides sind Grenzen. Um aber die Unterscheidung zu wahren und dem Thema wirklich gerecht zu werden, möchte ich auch die Begriffe klar trennen.

Wenn ich also von Grenzen spreche, so meine ich die Grenzen des Verhaltens und der persönlichen Freiheit.

Die Begrenzung von Besitztümern, Gütern und Informationen ist für mich eher mit dem Begriff der Selbstbeschränkung verbunden.

Selbst-beschränkung

Selbstbeschränkung ist eine persönliche Entscheidung mit dem Ziel die vorhandenen Mittel so effizient zu nutzen, dass der Mitteleinsatz möglichst klein gehalten wird.

Dazu dienen drei prinzipielle Fragen:

  • Was ist not-wendig? – Also: Was dient dem Überleben.
  • Was brauche ich? – Was ermöglicht mir ein angenehmes Leben?
  • Was hätte ich gerne? – Was dient meinem persönlichen Luxus.

Daran siehst du schon, dass das eine sehr persönliche Entscheidung ist. Was für den einen ein Luxusgut ist, kann für den anderen zum angenehmen Leben dazugehören.
Ich spreche hier ausdrücklich nicht davon, was ich möchte und mir nicht leisten kann. Ich meine wirklich Selbstbeschränkung; freiwilligen Verzicht auf alles, was nicht nötig ist.

Das soll kein Plädoyer für Minimalismus werden, obwohl ich dieser Lebensart durchaus einiges abgewinnen kann. Ich möchte dir heute zeigen, welche Auswirkungen (Selbst-)beschränkung auf dein Kind hat und was es dabei für das Leben lernt.

Selbst-beschränkung bewirkt Freiheit

Freiheit - Selbst-beschränkung

Durch Selbstbeschränkung erwirbt dein Kind Freiheit. Das hört sich im ersten Augenblick vielleicht komisch an, denn vielleicht glaubst du, Freiheit bedeutet alles haben zu können. Und damit hast du vollkommen Recht. Freiheit bedeutet, etwas haben zu können, aber es nicht unbedingt haben zu müssen. Die endgültige Entscheidung liegt bei dir. Und genau das verschafft Freiheit.

Selbst-beschränkung bedeutet Unabhängigkeit

Am besten gebe ich dir ein kleines Beispiel: Du hast Lust auf eine Süßigkeit und entscheidest dich aus Überzeugung dagegen, jetzt sofort etwas zu kaufen und zu essen.

  • Das macht dich einerseits unabhängig von deinen eigenen Gelüsten.
  • Du bist unabhängig von der Verfügbarkeit.
  • Du bist unabhängig von den angebotenen Waren. Denn du kannst dich entscheiden zu warten, bis du an etwas gesünderem vorbei kommst.

Selbst-beschränkung steht in engem Zusammenhang mit Selbstbestimmung

Du bestimmst, ob du einem plötzlichen Gefühl, einem momentanen Gusto oder einem spontan auftretenden Bedürfnis nachgibst oder eben nicht. Du hast die Wahl und nimmst diese Möglichkeit der Wahl auch in Anspruch.

Das bedeutet gleichzeitig, dass du die Verantwortung übernimmst und dich nicht getrieben fühlst.

Ich hatte heute ein Gespräch mit einer Freundin, die seit einigen Wochen auf jegliche Süßigkeiten verzichtet. Dazu möchte ich bemerken, dass sie einen extrem „süßen Zahn“ hat. Bisher konnte sie Süßigkeiten kaum widerstehen. Weder beim Einkauf, noch wenn sie ihr irgendwo angeboten wurden.

Heute hat sie mir freudestrahlend mitgeteilt, dass sie jetzt ein ganz neues Gefühl der Freiheit und der Selbstbestimmung habe, weil sie viel bewusster einkaufen geht und völlig ohne Drang an die Süßigkeiten vorbeigehen kann.

Dasselbe gilt auch für dein Kind, wenn du ihm das vorlebst.

Selbstkontrolle

Das bedeutet, sie kann sich jetzt selbst kontrollieren. Diese Selbstkontrolle gibt ihr wiederum ein Gefühl der Unabhängigkeit.

Es entfällt das Gefühl etwas unbedingt haben zu müssen.
Du kennst das sicher, dass dein Kind unbedingt ein neues Spielzeug haben will, weil es im moment in ist und es jeder hat. Bereits nach kurzer Zeit wird dieses Spielzeug uninteressant. Das Herz deines Kindes hängt nicht an der Sache.

Wenn du deinem Kind alles kaufst, was es möchte, dann wird es sich von klein auf an das kurzfristige Glücksgefühl beim Kauf von neuen Dingen gewöhnen.

Selbst-beschränkung bedeutet Einfachheit

Mein Mann lebt zur Zeit in Tunis. Er hat dort eine möblierte Wohnung gemietet. Die Wohnung ist einfach und funktionell eingerichtet. Es gibt keinen unnötigen Schnick-Schnack. Es gibt nur das, was wirklich gebraucht wird – und das ist erstaunlich wenig.

Natürlich wünsche ich mir manchmal verschiedene Gerätschaften in der Küche, wenn ich dort bin. Das Erstaunlich ist: Ich habe bisher immer noch alles kochen können, was ich mir vorgenommen hatte. Ich musste oft anders vorgehen, als gewohnt und mir mit den vorhandenen Mitteln behelfen und doch hat es immer geklappt.

Selbst-beschränkung macht kreativ

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären. Selbst-beschränkung macht kreativ.
Das ist auch bei Kindern so. Wenn sie nicht viele Spielsachen haben, dann entwickeln sie eine benahe unglaubliche Kreativität. Plötzlich wird jeder Gegenstand zum Spielzeug unfunktioniert. Kochlöffel und Kochtopfdeckel werden zur Trommel, ein leerer Karton zum Haus oder zum Auto, eine Decke über dem Tisch zu Höhle. Das fördert die Phantasie und auch die Sprache. Die Kinder müssen sich gegenseitig erklären, was sie sich dabei gedacht haben.

Es kommt der berühmte Satz: „Stell dir vor das ist …“ „Wir tun jetzt so als ob …“

Das ermöglicht den Kindern auch einen Einstieg ins Schauspiel und ins Rollenspiel und das wiederum hilft ihnen sich in andere einzufühlen.

Selbst-beschränkung bedeutet Zeitersparnis

Wenn du weniger Besitz hast, dann bedeutet das automatisch weniger Pflege.

Wenn dein Kind also weniger Spielsachen hat, dann ist es schneller fertig mit aufräumen. Es hat nicht so viel Aufwand mit der Pflege seiner Besitztümer.

Überblick

Gleichzeitig hat es einen guten Überblick über das, was vorhanden ist.

Viele Kinder wissen gar nicht, welche Spielsachen sie haben. Es ist einfach zu viel.

Bücherregal für Kinder - Selbst-beschränkung

Gerade bei Büchern bedeutet weniger am Anfang mehr. Kinder sind meistens nicht in der Lage ein Buch auszuwählen, von dem sie nur dem Buchrücken sehen. Es ist also sinnvoll, die Bücher mit der Vorderseite des Covers gut sichtbar ins Regal zu stellen. Dann kann dein Kind sein Lieblingsbuch jederzeit finden und auswählen. Diese Art, die Bücher aufzubewahren erfordert auch mehr Platz. Es gehen also wenige Bücher ins Regal, die sind dafür aber gut sichtbar.

Selbst-beschränkung bedeutet warten lernen

Wenn die finanzielle Lage der Eltern angespannt ist, lernen Kinder meist ganz von selbst zu warten. Bestimmte Anschaffungen werden auf den Geburtstag oder auf Weihnachten aufgeschoben. Wenn Kinder also einen bestimmten Wunsch haben, so müssen sie warten.

Bei mir war das als Kind so und ich habe dabei etwas Wichtiges gelernt. Manche Wünsche sind nicht so wichtig. Es ist nicht wert, auf die Erfüllung zu warten und es drängt sich ein anderer Wunsch vor.

Geduld

Bei diesem Warten lernen Kinder auch Geduld.

Genau auf dieses Warten lernen und das Thema Geduld ging Walter Mischel in den 1970-er Jahren mit dem Marshmallow-Experiment ein. Er gab Kindern ein Marshmallow und stellte sie vor die Wahl es entweder gleich zu essen, oder zu warten und ein zweites als Belohnung zu erhalten. Die Wartezeit betrug 6 – 15 Minuten. Für Kinder eine unglaublich lange Zeit, wenn sie vor der begehrten Süßigkeit sitzen.

In den Nachfolgestudien in den 1980-er Jahren fand er heraus, dass die Kinder, die länger gewartet hatten und damit eine zweite Süßigkeit verdient hatte, später schulisch erfolgreicher waren und eine tendenziell höhere Lernbereitschaft hatten. Außerdem konnten sie besser mit Frustration und Stress umgehen, als andere.

Wert-schätzung

Selbst-beschränkung fördert die Wertschätzung. Einerseits gewinnt eine Sache an Wert, wenn ich lange darauf warten muss oder wenn ich darauf hinarbeite. Andererseits gewinnt sich auch an Wert, wenn sie nicht eine unter vielen ist.

Ich habe vor einiger Zeit einmal ein Zitat gelesen, wo es um den Besitz von Büchern ging. Da ich eine bekennende Leseratte bin, hat es mich tief beeindruckt.

Der Sinn des Zitates war folgender:
Es ist besser nur ein Buch zu besitzen und sich damit intensiv auseinander zu setzen, als viele Bücher, die nur oberflächlich gelesen wurden.

Ich könnte mir nicht vorstellen nur ein Buch zu besetzen, aber die Idee hinter dieser Aussage fasziniert mich!

Achtsamkeit

Wenn dein Kind nur wenige Dinge besitzt, dann lohnt es sich diese Dinge in guter Qualität anzuschaffen.

Das ist auch ein Grundsatz, dem Maria Montessori immer wieder herausgekehrt hat. Sie forderte, dass die Arbeitsmaterialien der Kinder von hoher Qualität sein sollten.

Sie war der Meinung, dass die Kinder diese Qualität durchaus schätzen würden und dadurch auch mit den Materialien vorsichtiger und achtsamer umgehen würden.

Ich konnte das selbst in meinen Eltern-Kind-Spielgruppen beobachten. Getreu diesem Grundsatz habe ich für die 2 -3 jährigen kleine Teller aus Porzellan und kleine, kindgerechte Gläser angeschafft. In den 2 Jahren, wo ich diese Eltern-Kind Gruppen geleitet habe ist kein Stück zu Bruch gegangen, obwohl die Kinder bei der Zubereitung der Jause halfen und selbst den Tisch deckten und abräumten. Zusätzlich befand sich zwischen Küche und Gruppenraum eine Stufe. Die Kinder überwanden dieses Hindernis mit äußerster Vorsicht und waren sich immer bewusst, dass das Geschirr zerbrechlich ist.

Spannend war es auch zu beobachten, wie jedes Kind seinen individuellen Weg fand, mit der Stufe umzugehen. Es gab Kinder, die das Geschirr auf den Boden stellten, die Stufen hinunterkletterten und das Geschirr wieder aufnahmen. Andere hielten das Geschirr vorsichtig in der Hand, setzten sich auf die Stufe, ließen die Beine hinabbaumeln und stellten sich wieder auf. Und wieder andere übergaben auf der Stufe das Geschirr den begleitenden Eltern und nahmen es nachher wieder auf.

Liebe zum Detail

Wenn wenig vorhanden ist, dann kann dein Kind, die Liebe zum Detail entwickeln, weil das Auge und der Geist nicht abgelenkt ist.

Kinder fangen oft an, ihr Zimmer zu verschönern, wenn es ausgemistet wird. Plötzlich haben sie Ideen, wie sie den Arbeitsplatz bequemer und funktioneller gestalten können.

Du kennst das sicher auch von dir. Du wirst keine Lust haben, einen Strauß Blumen auf einen überfüllten Tisch zu stellen. Auf einem leeren Tisch hingegen kann er wirken.

Überschaubarkeit gibt Geborgenheit

Diese Überschaubarkeit gibt auch Geborgenheit. Sie vermittelt deinem Kind das Gefühl, seine Umgebung wirklich gut zu kennen.

Wenn nur wenig da ist, dann hat alles seinen Platz. Das bietet Struktur und gibt Sicherheit und trägt somit zur Geborgenheit bei.

Fazit: Verzicht lohnt sich durchaus

Es lohnt sich durchaus auf manche Dinge zu verzichten und auf andere vielleicht etwas länger zu warten. Du eröffnest deinem Kind dadurch eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten.

Deine

Ilse Maria_Signatur

 

 

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