Trennungsschmerz kann jeden einholen

Lange blieb ich davon verschont. Aber ich musst erkennen: Trennungsschmerz kann jeden einholen.

Ja heute wird es persönlich!
Lange habe ich mich gewundert, wenn mir andere Mütter ihre Trennungsängste geschildert hatten. Ich konnte zwar Mitgefühl empfinden, selbst war mir das Thema aber fremd.

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Abstillen – kein Thema

Für viele Frauen ist ja das Abstillen die erste große Trennungserfahrung. Ich habe beide Söhne gestillt. Den ersten 9 Monate, den zweiten 8 Monate. Unsere Jungs sind ziemlich genau 3 Jahre auseinander.

Nachdem unser Erstgeborener ein Säugling war, der nur an der Brust trinken konnte, war ich ehrlich gesagt fast befreit, als er sich mit 9 Monaten abgestillt hat. Endlich konnte ich mich wieder frei bewegen. Bis dahin hatte ich ihn überall mit: beim Einkaufen, beim Friseur. Mein Tagesplan war von den Stillbedürfnissen des Sohnes abhängig. Das Abstillen war für mich also Freiheit.

Beim zweiten Sohn war ich etwas wehmütiger. Denn er nahm von Anfang an das Fläschchen. Wenn ich Milch abpumpte konnte mein Mann die Fütterung übernehmen. Somit war mein Freiheitsdrang nicht so groß. Außerdem war es das zweite Kind und ich hatte es nicht mehr so eilig. Mir war bewusst, dass es Momente gibt, die nie wieder kommen.

Kindergarten – Juhu

Unsere beiden Söhne freuten sich auf den Kindergarten. Der erste fühlte sich schon groß und der zweite wollte seinem Bruder sobald als möglich nacheifern. Da ich halbtags berufstätig war fehlte mir wahrscheinlich schlicht die Zeit so etwas wie Trennungsschmerz zu empfinden. Ich merkte, dass unsere Söhne Spaß hatten im Kindergarten und am Nachmittag gehörte die Zeit uns. Auch bei Kindern war mit Trennungsschmerz unbekannt.

Volksschuleintritt ohne Probleme

Unser großer wollte vom ersten Schultag an allein in die Schule gehen. Nachdem er nur die Straße vor unserer Haustür überqueren musste, war das kein Problem. Ich verabschiedete ihn an der Haustüre, beobachtete wie er über die Straße ging und den Rest des Weges ging er alleine. Ich wunderte mich über die Mütter, die mich ansprachen, ob ich denn gar nicht traurig wäre, weil mein Kind schon so selbständig sei. Sie hätten Problem damit, dass ihr Kind schon so groß ist.

Auch beim zweiten Sohn lief alles wie geschmiert. Ich begann schon zu glauben, dass ich gegen Trennungsangst immun wäre.

Ich muss dazu sagen, dass unsere Kinder immer ein enges Verhältnis zu mir hatten und wir sehr viel gemeinsam unternommen haben. Somit konnte ich stolz sein auf meine selbständigen Söhne. Ich wusste ja, dass sie abends ihre streichelweiche Kuschelseite zeigten. Da konnten wir alle unsere Bindungstanks auffüllen.

Trennungsschmerz war für mich kein Thema – bis unserer älterer Sohn in die AHS kam

Dann erfuhr ich: Trennungsschmerz kann jeden einholen

Der Trennungsschmerz schlug mit voller Wucht zu.

Auch hier bestand unser Großer, dass er vom ersten Tag an selbst mit dem Bus zur Schule in die nächstgrößere Stadt fahren wollte. Wir übten das in den Ferien und ich traute ihm das auch wirklich zu.

Zur Sicherheit bekam er mit Eintritt ins Gymnasium sein erstes Handy. Ich wollte, dass er mich in Notfällen immer erreichen konnte und ich ihn ebenso.

Mir war schon mulmig. Jetzt begann die Zeit gefühlt zu laufen. Unser Großer war plötzlich wirklich groß und machte noch einmal einen riesigen Entwicklungsschub.

Der zweite Schultag

Bereits am zweiten Schultag kam es zu einem Zwischenfall. Klassenkameraden hatten meinem Sohn in der Garderobe einen Schuh versteckt. Er rief mich verzweifelt an und bat um Hilfe. Leider war es mir nicht möglich sofort zu ihm zu fahren. Aber es gelang mir, ihn zu beruhigen und auch einen brauchbaren Lösungsvorschlag zu präsentieren.

Doch womit ich nicht mehr gerechnet hatte, passierte: Die Trennungsangst erwischte mich kalt. Mein Großer brauchte meine Hilfe und ich konnte im Moment nicht wirklich etwas für ihn tun. Mein Mama-Herz blutete. Obwohl mir natürlich klar war, dass er lernen musste, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Ich hatte auch Vertrauen zu ihm, denn das hatte er ja bisher auch immer getan. Trotzdem war diese Situation schwierig für mich. Ich litt und war froh, als er wohlbehalten von der Schule nach Hause kam.

3 Tage später

Mein Sohn hatte um 13:00 Uhr aus und hätte um 14:00 zu Hause sein sollen. Ich hatte das Essen vorbereitet, der Tisch war gedeckt. Der jüngere Sohn machte seine Aufgabe. Wer nicht kam, war unser Gymnasiast.

Nachdem ich selbst mit dem Bus zu Schule gefahren war, wusste ich natürlich, dass es auch zu Busverspätungen kommen kann. Aber auch 15 Minuten später war der Junge noch nicht da!

Ich wurde unruhig. Aber kein Problem, er hatte ja ein Handy. Also rief ich an. Keiner ging ran.

„Ok“, sagte ich mir, „vielleicht braucht er eine Weile, bis er das Handy aus der Schultasche genommen hat.“ Ich versuchte also noch ein paar Mal anzurufen. Keine Reaktion.

Jetzt machte ich mir ernsthaft Gedanken.

Zufällig war meine Mutter gerade zu Besuch. Sie schmunzelte, als sie sah, wie ich zunehmend nervöser wurde. „Mach dir keine Sorgen, es ist ihm sicher nichts passiert. So kenne ich dich gar nicht.“
Danke Mama, das hilft!

Gerade als ich mich angezogen hatte und beschloss mit dem Auto die Strecke der Buslinie abzufahren läutete es. Mein Sohn stand erschöpft und glücklich vor der Türe.

Erfreut zog ich ihn in die Arme.

„Wo warst du denn so lange?“

Er gestand mir, dass er zwei Busstationen zu früh ausgestiegen sei. Da er den Weg kannte, sei er eben zu Fuß gegangen. Zwei Stationen zu früh bedeutet in der Nachbarortschaft und ein Fußmarsch von 2,5 km.

„Und warum hast du nicht angerufen?“

„Aber Mama, ich wollte das Problem allein lösen!“

„OK, und warum hast du nicht abgenommen, als ich dich angerufen habe?“

Es stellte sich heraus, dass er das Handy in der Schultasche nicht gehört hatte, weil er mit einem Freund geplaudert hatte.

Warum ich über dieses Erlebnis froh bin

Heute bin ich froh, über dieses Erlebnis; so unangenehm es für mich war. Es hilft mir noch besser Mütter mit Trennungsangst zu verstehen.

Vor allem habe ich erkannt, dass Trennungsangst bei mir persönlich auch etwas mit Kontrollverlust zu tun hat. Bei mir tritt Trennungsangst immer dann auf, wenn ich weiß, dass meine Kinder in Schwierigkeiten sind und ich nichts tun kann.

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Was du daraus lernen kannst

Trennungsangst hat nicht unbedingt nur mit dem Alter deines Kindes zu tun. Sie kann auch bestimmte Situationen betreffen und sie kann dich auch relativ spät einholen: z. B. kann es sein, dass du kein Problem hast, dein Kind bei deiner Mutter zu lassen, aber dass du Trennungsangst hast, wenn du dein Kind zur Tagesmutter gibst.

Wenn das der Fall ist, dann solltest du dir deine Beziehung zur Tagesmutter noch einmal genau ansehen. Vertraust du dieser Person? Ist sie die beste Option für dein Kind, oder hast du andere Möglichkeiten?

Vielleicht ist deine Trennungsangst aber auch auf einer gewissen Schwermut begründet, weil du spürst, dass dein Kind groß und selbständig wird. Du weißt, die Zeit der engen Bindung ist vorbei.

Wenn das der Fall ist, dann freue dich: Denn die Bindung bleibt – sie verändert sich nur.

Hast du unter der Abnabelung deines Kindes gelitten? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar.

Bleib  gesund und gelassen!

Deine Mütterversteherin

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