Die einen machen Urlaub … die anderen sind auf der Flucht

Diese Woche sollte sich im Entfaltungsparadies alles um das Thema Urlaub drehen. Ich denke wir alle haben uns etwas Erholung und Ruhe verdient. Anlass für viele auf Urlaub zu fahren und fremde Länder zu besuchen. Neue Kulturen kennen zu lernen und den Horizont zu erweitern.

Sollte … denn

Was dein Urlaubsverhalten mit Flucht zu

an der Überschrift hast du schon gesehen: Für mich ist es an der Zeit, mich mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen.

In den letzten Tagen habe ich beobachtet, dass es auf Facebook tendenziell ruhiger wird, weil viele Menschen nicht da sind. Gleichzeitig fallen mir  immer mehr Posts von Menschen auf, die unbesehen und unkritisch Dinge weiterleiten.
Auch bezüglich der Flüchtlingsfrage werden viele fragwürdige Informationen weiterverbreitet.

was mich besonders erschüttert ist der Ausländerhass, der mir entgegenschlägt.

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.
Karl Valentin

Ja, wir haben ein Flüchtlingsproblem. Dafür können die Flüchtlinge selbst aber gar nichts. Sie wenden meist das letzte Geld der gesamten Familie auf – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Es ist eine Investition in einen Einzelnen. Ganze Großfamilien oder Clans zahlen zusammen, um einem von ihnen – meist dem best ausgebildetem – die Flucht zu finanzieren. Da jungen, kräftigen Männern die besten Erfolgschancen eingeräumt werden, wird meist ihnen die Flucht ermöglicht.

Ich möchte mich hier gar nicht auf eine Grundsatzdiskussion einlassen, ob es sich um Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Der eine wurde wahrscheinlich an Leib und Leben bedroht und möglicherweise misshandelt und gefoltert, der andere hatte wahrscheinlich zu wenig zum Leben und fühlte sich in seiner Existenz bedroht. Letztendlich macht es keinen Unterschied. Diese Menschen flüchten sicherlich nicht leichtfertig und nehmen lange, anstrengende Wege durch verschiedene Staaten auf sich. So eine Flucht dauert oft monate- oder jahrelang und endet in der letzten Etappe auf überfüllten Schlauchbooten oder ausgesetzt auf einer Autobahn.

Dazu muss vorher schon eine gehörige Portion Leidensdruck da sein, um das Risiko einzugehen. Die Angst vor dem Leben zu Hause muss größer sein, als die Angst vor Flucht und Überfahrt und die Angst vor dem Risiko nicht anzukommen. Die Hoffnung auf ein besseres Leben muss sehr groß sein.

Es machen sich also Menschen auf den Weg in eine bessere Zukunft. Daran ist nichts Verwerfliches. Das haben Menschen schon immer getan. Zwei Kontinente, Amerika und Australien wurden auf diese Art und Weise in Besitz genommen. Die Menschen, die sich dort eine bessere Zukunft erhofften haben die ansässige Urbevölkerung bekämpft und fast ausgerottet. Das ist verwerflich.

Ganz ehrlich! Würdest du dich auf einem Schlauchboot auf den Weg über das Mittelmeer machen?

Welchen Eindruck erweckt das Urlaubsverhalten

Gerade im Urlaub sollten wir uns fragen, welches Bild wir in den Ländern Afrikas und Asiens abgeben. Egal wo, die Afrikaner lernen uns Europäer meist nur im Urlaub kennen. Meist nicht als Individualreisende, die das Land bereisen und sich mit den Menschen unterhalten. Nein, sie sehen uns in großen Hotelanlagen, die meist umzäunt und bewacht werden. Die wenigen, die hinter diese Mauern kommen gehören zum Hotelpersonal und sie tragen ihr Wissen an die Verwandten außerhalb der Mauern weiter.

Was sehen diese Hotelangestellten?

Sie sehen Menschen, die den ganzen Tag faul herumliegen und sich von hinten bis vorne bedienen lassen. Sie wissen nicht, dass diese „Faulpelze“ das ganze Jahr hart arbeiten und sparen, um sich diese ein, zwei Wochen leisten zu können. Viele dieser Angestellten verrichten Hilfstätigkeiten und haben nur eine einfach Bildung. Aus ihrem Wissen heraus machen sie sich ein Bild von den Europäern und Europa.

Sie wissen nicht, dass bei uns jede Supermarktkassiererin, die ein afrikanisches Tempo vorlegt, sofort entlassen würde, weil sich endlos lange Schlangen von ihrer Kasse bilden. Sie wissen nicht, dass bei uns an allen Ecken und Enden Personal gespart wird und der Druck auf die verbleibenden Mitarbeiter immer höher wird.

Sie sehen Menschen, die sich bedienen lassen. Menschen, die über die Stränge schlagen, die bei den Buffets Nahrungsmittel auf ihre Teller auftürmen, nur um danach mehr als 2/3 stehen zu lassen, weil es nicht so schmeckt „wie zu Hause“. Sie sehen Menschen die in All-inklusive-Clubs jede Menge Softdrinks und Cocktails in sich hineinschütten. – Und das in Ländern, wo viele nicht mal Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Was für einen Eindruck sollen diese Leute also von uns bekommen?

Und dann kommen sie im erhofften Schlaraffenland Europa an. Wo nach ihrer Meinung die gebratenen Vögel von den Bäumen fallen. Wo alle Menschen reich sind und Bedienstete haben. Sie erhoffen sich hier Arbeit als Bedienstete. So wie in den Hotels. Sie machen sich also auf den Weg in eine bessere Zukunft.
Bis sie mit der Realität konfrontiert werden.

Das ist dann der nächste Schock!

Sie stellen fest, es ist alles nicht so, wie erwartet. Was sollen sie tun? Umkehrn ist keine Option. Sie schämen sich, ihr Scheitern zuzugeben. Sie können nur weitergehen. Oft sind die letzten finanziellen Ressourcen aufgebraucht und sie haben keine Möglichkeit, um umzukehren. Zu Hause warten Familien, die entweder nachgeholt werden wollen, oder die sich erwarten, dass ihre Investition Früchte trägt. Sie warten, dass regelmäßig Geld geschickt wird.

Es ist möglich:

Ich habe Flüchtlinge erlebt, die es geschafft haben, den Flüchtlingsstatus und ihre Ausbildung anerkannt zu bekommen. Flüchtlinge, die einen guten Job haben und gutes Geld verdienen. Trotzdem sind sie ärmlich gekleidet und laufen mit Schuhen mit löchrigen Sohlen herum.

Die Schattenseite

Eine dieser Damen sprach mein Vater einmal ganz im Vertrauen an und er erklärte ihr, dass bei ihrem Job und ihrem Gehalt ein gewisses Auftreten erwartet würde. Diese Frau brach in dem Café, in dem sie das Gespräch hatten, förmlich zusammen. Sie wusste das, aber sie versendete jeden Monat mehr als 2/3 ihres Gehalts in die Heimat. Sie ernährte dort ihre gesamte Großfamilie. Sie fühlte sich verpflichtet, da ihr diese Menschen ein Leben in Europa ermöglicht hatten und auch einen Zuwachs ihrer Investition erwarteten. Sie schämte sich, ihnen gegenüber zuzugeben, dass das Leben in Europa bei weitem nicht so leicht und einfach war, wie erhofft. Und sie schämte sich hier, nicht so aufzutreten, wie es von ihr erwartet wurde. Sie versuchte verzweifelt zwei Kulturen gerecht zu werden und wurde dabei fast zerrissen.

Mit diesem Hintergrund macht es mich wütend und traurig, wenn ich dann sehe, dass auf Facebook Informationen über Begrüßungsgelder und Flüchtlingseinkommen gepostet werden. Wir leben in der Welt des Internet. Die Informationen sind frei zugänglich. Ist es wirklich so viel leichter zu glauben, was jemand postet und mich darüber aufzuregen statt es zu überprüfen? Mimikama hilft auch hier weiter.

Ja, wir haben ein Flüchtlingsproblem und wir sollten schleunigst schauen, wie wir damit umgehen. Helfen wir diesen Menschen sich zu integrieren und sorgen wir dafür, dass es in ihren Herkunftsländern friedlich wird. Hilfe zur Selbsthilfe ist gefragt. Diese Menschen müssen lernen zu Hause wirtschaftlich unabhängig zu werden. Sie sind so in ihren Familienstrukturen verwurzelt, dass sie gerne zu Hause blieben, wenn es die Situation erlaubt.

Ich danke dir, dass du meinen Gedanken bis hierher gefolgt bist. Dein Urlaubsverhalten macht einen Unterschied! Vielleicht kann ich dich dazu ermuntern im Urlaub auf die Menschen zuzugehen und ihnen zuzuhören. Das schafft Beziehungen und erweitert den Horizont :-)

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!
6 Kommentare
  1. Andreas Reinkemeier sagte:

    Guter Vergleich (Amerika und Australien) Kleiner Unterschied: In Amerika und Australien waren die Einwanderer erheblich mächtiger gegenüber den Einwohnern als die angeblich soo gefährlichen „Asylanten“ und Flüchtlinge die hier hin flüchten.

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Der Vergleich hinkt ein wenig. Viele der Menschen, die nach Amerika und Australien ausgewandert sind taten es mehr oder weniger freiwillig. Sie waren einerseits das, was wir heute als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen würden. Andererseits erhofften sie sich durch den Aufbruch in die „neue Welt“ Strafen zu entgehen.

      Die Flüchtlinge, mit denen wir hier konfrontiert sind flüchten vor Kriegen und Bürgerkriegen.

      Gemeinsam haben sie mit den Auswanderern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

      Ich hoffe, Europa wird einen Weg finden mit dieser Melange an Kulturen umzugehen. Hier ist unser Verständnis und unsere Toleranz gefragt. Es ist eine riesen Herausforderung, die da auf uns zukommt. Mit Patentrezepten können wir hier nicht arbeiten. Wir werden neue Wege gehen müssen, wenn wir diese Herausforderung meistern und den Menschen gerecht werden wollen.

      Antworten

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