Wie bleibe ich im Umgang mit meinen eigenen Erziehungsansprüchen entspannt?

eigene Erziehungsgrundsätze

Kleiner Schiläufer – großer Frust

Peter will seinem Sohn das Schi laufen beibringen. Peter ist ein guter Schifahrer. Es weiß nicht nur, wie es technisch geht, er hat auch Erfahrung damit, anderen etwas beizubringen.

Sein Sohn Niklas steht im Schnee. Er findet es unfair, dass er zuerst einmal den Hang hochstapfen soll. Peter erklärt: „Das macht man am Anfang so. Außerdem bist du schon aufgewärmt, wenn wir oben sind. Das hilft dir, Verletzungen zu vermeiden.“
Niklas ist sauer. Alle anderen dürfen mit dem Lift fahren.

Als sie endlich oben sind, zeigt ihm Peter den Stemmbogen. Niklas findet, das wäre etwas für Babys. Er ist schon 5 Jahre alt. Er ist schon groß. Er will genau so toll Schi fahren, wie Benni Raich. Der ist toll! Bei dem sieht alles so einfach aus.

Nachdem Peter drauf besteht, versucht er den Stemmbogen. – Und findet heraus, dass das nicht so einfach ist. Niklas wir wütend, weil er genau weiß, was er machen soll und es körperlich nicht schafft.

Zuerst redet ihm Peter noch gut zu. „Niklas du musst Geduld haben. Wenn du fleißig übst, dann wirst du bald ein toller Schifahrer.
Neuer Versuch. Es klappt schon besser. Plötzlich stürzt Niklas. Peter nimmt es locker, geht zu ihm hin, hilft ihm auf und klopft ihm den Schnee ab. Niklas friert. Er nimmt einen neuen Anlauf. Nun kommt er ganz gut nach unten. Aber jetzt soll er den Anfängerhügel wieder hinaufstapfen. Er will nicht und bekommt einen Wutanfall. Schließlich ist er ja schon einmal herunter gefahren. Es wäre wirklich Zeit für den Lift. Peter ist unnachgiebig. Er weiß, dass Niklas noch Übung braucht. Stapfen macht müde. Niklas Beine sind an die Anstrengung noch nicht gewöhnt und er kann die Bewegungen nicht richtig ausführen. Peter korrigiert. Niklas schreit ihn an: „Papa ich mach das doch schon so!“ Peter zeigt nochmal vor. Niklas wird zornig. „Genau so mache ich es. Bei mir geht das nicht.“

Jetzt verliert Peter die Geduld: „Du machst gar nichts so, wie ich es sage. Sonst würdest du genau so den Hang hinunterfahren. Schau mir noch mal zu und stell dich nicht so an!“ Niklas reagiert mit einem harschen: „Ich bin ohnehin zu blöd dafür. Das schaffe ich nie!“

Jetzt ist Peter frustriert. Normalerweise besitzt er eine Engelsgeduld. Er hat schon einigen Erwachsenen und auch vielen Kindern Schi fahren beigebracht. Bei seinem eigenen Sohn versagt er. Dabei wollte er es besonders gut machen. Er weiß, wie sensibel Niklas ist. Er ist überzeugt davon, dass sein Sohn sportlich ist. Warum hört er nur nicht auf ihn? Es bringt ihn auf die Palme, wenn Niklas so stur ist.

Ungeduld mit Kindern

In meinem Artikel Von Eulen und Lerchen habe ich auch eine Situation beschrieben, wo Ines, die Mutter von zwei Mädchen frustriert war, weil sie ihre eigenen Ansprüche an eine gute Erziehung nicht gerecht werden konnte.

Warum werden Eltern ihren Ansprüchen nicht gerecht

Eltern wollen das Beste für ihre Kinder

Dazu zählt auch eine gute Erziehung. Sie soll natürlich ganz anders sein, als die eigene. Geprägt von Liebe und Verständnis. Geduldig wollen sie sein und den Kindern alles erklären.

Und dann werden sie vom Alltag eingeholt. Sie merken, dass sie sich in vielen Dingen so verhalten, wie sie es immer vermeiden wollten. Schlimmer gar, sie erkennen Verhaltensweise der eigenen Eltern wieder. So wollten sie nie sein!

Warum gelingt es nicht?

Alle Eltern haben eine eigene Geschichte und diese kommt im Umgang mit den Kindern oft hoch. Durch Erlebnisse oder einzelne Sätze wird sie angetriggert und schon befinden wir uns auf einer Zeitreise. Natürlich nicht wirklich. Ein Teil von uns, unser Körper, bleibt im hier und jetzt und erwachsen, aber ein anderer Teil – unsere Gefühle – wird in eine andere Zeit katapultiert. Wir sind aufeinmal wieder klein, unbeholfen und ausgeliefert. Jetzt prallen wir mit unserem Kindergefühl auf das Gefühl unseres Kindes – und PENG!, der schönste Knatsch ist fertig.

Wie gehe ich mit meinem eigenen Frust um?

Den eigenen Glaubenssätzen auf der Spur

Welche Sätze gehen dir durch den Kopf?

Hörst du innerlich Sätze wie:

  • Nie machst du es richtig.
  • Du kannst dich noch so bemühen, das wird doch nichts.
  • Jetzt hast du es schon wieder verbockt.

Ja? Dann bist du deinen eigenen Glaubenssätzen auf der Spur. Vielleicht sind das auch genau die Sätze, die du in ähnlichen Situationen in deiner Kindheit gehört hast. Und genau dieses Programm fängt jetzt zu laufen an.

Schleudert dir dein Kind vielleicht genau diese Sätze entgegen

Vielleicht schleudert dir dein Kind noch dazu genau einen dieser Sätze entgegen. Dann prallt Glaubenssatz auf Glaubenssatz. Der reife Teil in dir erkennt jetzt, dass deine eigenen Glaubenssätze auf dein Kind überspringen. Die Folge ist oft ein schlechtes Gewissen.

Du fühlst dich innerlich zerrissen. Einerseits fühlst du dich selbst in deinen Gefühlen verletzt und fällst in ein altes Versagensgefühl, andererseits willst du dein Kind zu einem positiven Menschen erziehen und ein gutes Vorbild sein.

Was kann ich in solchen Situationen tun?

Bleib gelassen

Zuerst einmal: Bleib gelassen! Allein die Tatsache, dass du dir deiner Fehler bewusst bist, hilft dir dich weiter zu entwickeln. So kannst du daran arbeiten, es das nächste Mal besser zu machen. Das ist doch erfreulich :-)

Geh aus der Situation

Wann immer du kannst, verlasse die Situation. Atme tief durch und spüre in dich hinein. Was ist es genau, was dich so frustriert? Was brauchst du im Moment, um wieder ruhig zu werden.

Atmen hilft

Atme ein paar Mal tief durch. Das hört sich an, wie eine Binsenweisheit. Wenn du dich aber bewusst auf deinen Atem konzentrierst, dann ist in deinem Gehirn im Moment kein Platz für andere Gedanken. Das Gedankenkarussell kann sich beruhigen. Du kannst wieder klar denken und neue Entscheidungen treffen.

Warte ab

Auch dein Kind braucht eine Zeit, um sich zu beruhigen.

Wenn es euch beiden besser geht, sprich die Situation an. Du kannst erklären, dass dir dein Verhalten leid tut. Kinder können gut mit den Fehlern der Erwachsenen umgehen, wenn sie merken, dass sie ehrlich sind.

Humor

Bewahre dir deinen Humor. Er hilft dir, die Komik in der Situation zu sehen und auch deinem Kind mit einer humorvollen Bemerkung über die Situation hinwegzuhelfen. Achte dabei aber auf einen freundlichen, liebevollen Ton. Sonst kann eine humorvoll gemeinte Bemerkung zynisch ankommen.

Erinnere dich, wie es dir gegangen ist

Als Peter nachdenkt erinnert er sich an eine Szene, wo er seine Schi erbost von sich geschleudert hat, weil sie nicht „so gut fahren, wie die vom Hermann Maier.“
Mit dieser Erinnerung fühlt er sich seinem Sohn gleich ganz nah und kann ihn in seinem Frust gut verstehen.

Nicht alles selbst machen

Gerade wenn es darum geht, Kindern Sportarten beizubringen, ist es oft für beide Seiten leichter, wenn das Kind einen Kurs besucht. Erstens sieht es im Gruppenunterricht, dass andere auch Fehler machen und nicht gleich erfolgreich sind. Es merkt, dass Übung dazu gehört. Andererseits ist ein professioneller Trainer nicht gefühlsmäßig verstrickt und kann so sachlich reagieren.
Kinder können auch oft Anweisungen von anderen leichter akzeptieren.

Auch dein Kind möchte vielleicht vor dir besonders gut dastehen und hat mit sich daher wenig Geduld. Schließlich will es genau so toll sein, wie Papa oder Mama.

Die eigenen Glaubenssätze bearbeiten und auflösen

Es ist gut, die eigenen Glaubenssätze zu bearbeiten und aufzulösen, um sie nicht an die Kinder weiter zu geben. Wenn einige deiner Glaubenssätze wegfallen, wirst du in gewissen Situationen gelassen und ruhig reagieren können.

Wenn du dabei Hilfe brauchst, so wende dich an einen Coach. Alle Coaches verfügen über Techniken, die dabei helfen Glaubenssätze aufzulösen.

Auch im Online-Workshop Hotel Mama schließt gibt es einige Übungen, wo aktiv an deinen persönlichen Bremsen und Glaubenssätzen arbeitest. Hier hast du die Möglichkeit dich anzumelden. KLICK

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