Das Super-Mama-Image bröckelt

Das Super-Mum-Image auf dem Prüfstand

In den letzten Wochen scrolle ich mich morgens immer wieder durch meinen Social Media Feed auf Facebook und Twitter. Immer wieder bin ich erstaunt, wie sich der Ton auf den beiden Medien unterscheidet.

Das Super-Mum-Image auf dem Prüfstand

Während auf Facebook nach wie vor Bilder von all den tollen Dingen gezeigt werden, die Eltern – vor allem Mütter – mit ihren Kindern gebastelt, gebacken und erlebt haben, zeigt sich auf Twitter ein ganz anderes Bild.

Auf Twitter spüre ich täglich mehr die Verzweiflung der Eltern, dass sie der Situation mit Homeoffice und Kindern zu Hause nicht mehr lange ertragen können.

Und bevor jemand einwirft, dass das doch andere Leute seien. Nein, ich folge den meisten auf beiden Kanälen.

Auf Facebook wird zwar gejammert, aber das Super-Mum-Image wird noch als Fassade aufrechterhalten. Wer genau hinsieht merkt, dass es sich schon um Potemkin´sche Dörfer handelt.

Auf Twitter schlägt bei vielen schon die Verzweiflung durch. Es wird weniger gejammert, sondern teilweise in humorvoll-zynischer Weise Widerstand geleistet. Wer nicht weiß, was ich meine möge dort einmal die Hashtags #Leopoldina #connycorona, #coronaeltern #coronaeltergeld #CoronaElternRechnenAb

Allerdings finde ich es auch erschreckend wie viel Unverständnis den Eltern entgegenschlägt.

Allerdings finde ich es auch erschreckend wie viel Unverständnis den Eltern entgegenschlägt. Klick um zu Tweeten

Das Super-Mum-Image …

Jeder kennt es dieses Bild, das sowohl Werbung als auch Social Media verbreiten. Die Super-Mum, die alles schafft. Sie wird allen Anforderungen gerecht, ist für alle gleichermaßen da, hat stets ein offenes Ohr und für alles und alle Verständnis. Natürlich ist sie auch gepflegt, hat eine gute Figur, achte auf eine gesunde Ernährung und kocht ausschließlich selbst. Dabei lächelt sie auch noch, wird nie müde und ist auch noch für alle anderen da, die Hilfe und Unterstützung brauchen.

War es vor Corona schon schwer dieses Image aufrecht zu erhalten, so ist es mancher Mutter gelungen. Schließlich waren die Kinder ja vormittags in Kindergarten und Schule. Immer wieder erzählten mir junge Mütter, dass sie es als Erholung betrachten arbeiten gehen zu dürfen.

„Wenn ich arbeiten gehe, dann weiß ich genau, was von mir erwartet wird. Ich beherrsche meinen Job und kann mich darauf einstellen. Am Ende meines Arbeitstages habe ich etwas geschafft. Ich weiß auch, dass mich in dieser Zeit niemand bei meinen Gedankengängen unterbricht. Meine Kleidung bleibt sauber, außer ich bekleckere mich selbst mit Kaffee. All das gibt mir ein gutes Gefühl! Es ist fast so wie Urlaub.“

(Zitat von Müttern)

Das ist ein Zitat, dass ich auch vielen Erzählungen von verschiedenen Müttern zusammengebastelt habe. Es sagt ziemlich gut aus, dass Mütter bei einer außerhäuslichen Arbeit die sogenannte mentale Last nicht so schlimm empfinden und sich daher fast ausruhen.

Außerdem gab es da noch die kleinen Helferlein wie Haushaltshilfen, Tagesmütter, Babysitter, Großeltern und Co.

Plötzlich sind all diese tollen Frauen aus ihrem Leben geworfen.
Sie haben vorher schon viel getragen und für etliche Familienmitglieder mitgedacht. Sie haben koordiniert und Taxi gespielt.

Aber es gab diese kleinen Momente im Büro, beim Friseur, beim Spazieren gehen mit dem Hund, die nur ihnen gehör haben.

All das war von einem Tag auf den anderen und ganz ohne Vorbereitung vorbei.

Plötzlich können all diese Frauen ihre eigenen Anforderungen nicht mehr erfüllen. Sie koordinieren nicht nur. Sie sind plötzlich auch für alles zuständig. Homeoffice klingt super und das wollten auch viele dieser Frauen, aber nicht in der Zeit von 04:00 – 08:30 Uhr und von 20:30 – 23:00 Uhr. Schon gar nicht, wenn sie um 08:30 Uhr nahtlos in die Rolle der Lernbetreuerin oder Hauslehrerin schlüpfen sollen, die um 11:30 zur Köchin mutiert, damit mittags alle eine warme Mahlzeit haben. Nachmittags spielt sie mit den Kindern, liest vor, beruhigt und erklärt, warum keine Freunde zu Besuch kommen dürfen. Sie geht mit den Kindern spazieren, damit sie sich kurz austoben können. Nach dem Abendessen „darf“ sie sich wieder ihrer Arbeit widmen.

Und dann sieht diese Mutter wenn sie sich kurz verzweifelt auf der Toilette eingesperrt hat damit sie endlich ihre Ruhe hat auf den Social Media Bilder von Menschen, die Brot und Kuchen backen und fröhlich im Garten sitzen und über Corona-frei sinnieren.

Oder sie liest von anderen, die meinen: „Wenn Eltern nicht mit ihren Kindern zurechtkommen, dann hätten sie sich vorher überlegen sollen, was es bedeutet, Kinder zu haben.“ Wobei das noch eine der netteren Meldungen ist, mit denen sich diese Mütter herumschlagen müssen.

Die Eltern wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen

Diese Eltern wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen. Was sie allerdings auch wollen, ist eine gesicherte Existenz. Sie sind nicht faul. Sie wollen arbeiten. Doch die Situation lässt einen vernünftigen Arbeitsmodus leider nicht zu.
Einige dieser Eltern sind in Kurzarbeit und Home-office. Die haben es noch relativ besser getroffen, weil das Einkommen zwar reduziert ist, aber weiter fließt.
Andere Eltern sind selbständig und können aufgrund der Situation nicht mehr in vollem Umfang arbeiten. Sie versuchen verzweifelt Haushalt, Kinderbetreuung, Home-schooling und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Eine Zeit lang können diese Menschen die Erwerbsarbeit auf die Nachtstunden verlegen. Das tun sie auch. Aber das ist keine Dauerlösung. Wenn die Erschöpfung zu groß ist, dann geht das nicht mehr.

Wenn die Erschöpfung zu groß wird und die Existenzsorgen zunehmen, dann leiden langfristig auch die Kinder. Das Nervenkostüm wird dünn und Situationen, die normalerweise kein Problem darstellen, werden zum Kraftakt.

Dabei rede ich noch gar nicht von den vielen Alleinerziehenden, die ohnehin tagtäglich schon am Rande ihres Energielevels balancieren.

Sie wollen allerdings auch, dass Care-Arbeit bezahlt wird

Es zeigt sich jetzt ganz deutlich, dass es einfach nicht geht dutzende Rollen unter einen Hut zu bringen. Der Tag hat nur 24 Stunden und die können nicht endlos gefüllt werden.

Der Tag hat nur 24 Stunden und die können nicht endlos gefüllt werden. Auch Mütter schaffen das nicht! Klick um zu Tweeten

Daher fordern einige dieser Eltern, dass die Betreuungsarbeit, die sie leisten bezahlt wird. Nicht weil sie nicht arbeiten wollen. Auch nicht, weil sie keine Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Sondern weil es einfach nicht geht, die Kinder zu unterrichten, kleinere Geschwister zu betreuen, das Klima zu Hause auszubalancieren und dann auch noch zu arbeiten.

Abstriche müssen gemacht werden

Es versteht sich von selbst, dass in dieser Situation nicht mehr alles perfekt sein kann.

Nora Imlau hat ganz am Anfang der Krise einen wichtigen Satz getweetet:

Stretch the rules, not your boundaries.

Es gilt die Regeln aufzuweichen, um die eigenen Grenzen wahren zu können und die eigene Kraft zu schonen.

Also Nudeln mit Soße, statt einem aufwändigen selbstgekochten Essen.
Ausnahmsweise fernsehen für die Kids, damit die Eltern ein paar wichtige Telefonate führen können.
usw.

Inzwischen reichen diese Maßnahmen für gestresste Eltern schon lange nicht mehr. Sie können die Regeln nicht viel weiter aufweichen.

Hol dir Hilfe!

Diesen Satz würde ich verzweifelten Eltern gerne zurufen. Ich bin da! Hier kannst du dir einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch aussuchen.

Ich weiß aber, dass er ungehört verhallen wird.

  • Weil die Eltern momentan keine Zeit übrig haben.
  • Weil die Mamas im Reservemodus laufen und das Warnlicht auf der Energietankanzeige schon lange aufleuchtet.
  • Weil die Eltern jede freie Minute für sich brauchen, um zu schlafen oder einfach nur ins Leere zu starren.

Ich kenne diese Situationen. Been there, done that!
Aus anderen Gründen. Aber ich verstehe so gut, dass die Energie einfach nicht reicht, um jetzt Unterstützung zu holen. Jeder Funke Energie wird gebraucht, um weiter zu machen. Weil es sein muss!

Aber ich hoffe, dass sich all diese Familien dann Hilfe holen, wenn es wieder etwas leichter wird. Um all diese Erlebnisse aufzuarbeiten. Vielleicht auch, um für die nächste Krise besser gerüstet zu sein.

Und dann bin ich immer noch da!

Es wird Zeit für ein neues Mama-Image

Genau daran arbeite ich mit meinen Klientinnen schon seit Jahren. Mit Erfolg!
Aber die Welt braucht mehr Mütter, die sich nicht mehr die Last der ganzen Gesellschaft auf ihre Schultern packen lassen. Vielleicht magst auch du so eine Mutter sein.

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