wenn du Hotel Mama schließen willst

deine Familie ins Boot holen - Hotel Mama schließt - Mitarbeit im Haushalt

Du fühlst dich überlastet?

Die einzige Person, die das ändern kann bist du selbst. Das wird aber sicher zu Änderungen im gesamten Familienleben führen. Bevor du dich da heran wagst, solltest du deine Familie ins Boot holen.

Schließlich betrifft gerade bei uns Frauen jede Veränderung in unseren Verantwortlichkeiten und auch Strukturen nicht nur uns selbst, sondern die ganze Familie.

Was meine ich damit Hotel Mama zu schließen

Ich verstehe darunter, jedem Familienmitglied die Verantwortung zu übertragen, der es gewachsen ist. Es geht mir nicht darum, Jugendliche aus dem Haus zu bekommen oder zum Auszug zu bewegen.
Als Montessoripädagogin bin ich überzeugt, dass der Grundstein zu einem gesunden Loslösungsprozess schon viel früher gelegt wird.

Wann? Genau dann, wenn sich dein Kind zum ersten Mal für bestimmte Hausarbeiten interessiert, oder wenn es „mithelfen“ will. Das passiert meistens ziemlich früh. So ungefähr im Alter von 2 – 3 Jahren. Genau dann sind diese Arbeiten für Kinder interessant.

Leider trauen viele Eltern ihrem Kind genau in diesem Alter eine „vernünftige“ Mithilfe noch nicht zu. Manchen fehlt auch die Zeit und die Geduld, ihr Kind in diesem Lernprozess angemessen zu begleiten.

Genau hier möchte ich ansetzen. Wenn du jetzt ein wenig Zeit investierst, dann wirst du schon bald erste Erfolge feiern können. Du bekommst zum Lohn dafür ein strahlendes, zufriedenes Kind. Dieses Kind wird Mithilfe im Haushalt als etwas Selbstverständliches ansehen und du bekommst die  investierte Zeit vielfach zurück.

Und wenn der Groschen erst später fällt ;-)

Meistens erwarten Eltern ab dem Schuleintritt, dass ihre Kinder beginnen auch im Haushalt mitzuhelfen.

Wenn du in dieser Lage bist und genau jetzt damit anfangen willst, dann ist es ganz wichtig, dass du deinen Partner und deine Kinder mit ins Boot holst. Schließlich hast du bis jetzt für ein rundum-sorglos-Paket gesorgt. Für die anderen ist es sicher nicht gleich einsichtig, warum sich daran etwas ändern soll. Schließlich ist doch alles sehr bequem.

Was kannst du tun, dass alle an einem Strang ziehen

Fang bei dir selbst an

Sei dir klar, was du ändern möchtest. Die Veränderung wird möglicherweise Kraft kosten und anfänglich nicht ohne Motzen und Querelen abgehen. Wenn du das weißt, wird es dir leicht fallen, deinen Standpunkt klar zu vertreten und dabei zu bleiben.

Je sicherer du in deiner Entscheidung bist, desto leichter wird es gehen. Kinder merken sofort, wenn du hinter deinen Entscheidungen stehst. Bist du zaghaft, so werden sie alles daran setzen, dich auszutesten und die Grenzen auszuloten. Macht nichts! Jetzt weißt du es. Und du weißt auch, dass jeder Test gleichzeitig ein Test für dich ist, wie ernst dir die ganze Sache ist.

Informiere deine Familie

Mach deiner Familie im Vorfeld klar, dass du etwas verändern willst. Sorge dafür, dass dein Partner hinter dir steht und deine Veränderungswünsche unterstützt.

Du kannst ja einen ruhigen Moment abwarten, indem du seine volle Aufmerksamkeit hast und ihm mitteilen, dass du ab jetzt möchtest, dass alle Familienmitglieder einen Teil der Hausarbeiten übernehmen.
Für dieses Gespräch ist es gut, einen Überblick zu haben, was du alles erledigst und welche Arbeiten du übernommen hast.

Familiengespräch

Bereite deine Familie vor

Sag klipp und klar, dass die Umstellungszeit für alle herausfordernd wird. Neue Gewohnheiten brauchen Zeit, um sich zu etablieren. Erzähle, dass du weißt, dass nicht alles auf Anhieb klappen wird.

Erkläre deine Situation

Danach setzt euch als Familie zusammen und sag auch den Kindern, dass du ab jetzt mehr Mitarbeit im Haushalt erwartest. Mach ihnen klar, dass es Kraft kostet, immer für alle da zu sein. (In kindgerechten Worten)

Regeln festsetzen

Legt gemeinsam Regeln fest, wie die Arbeit aufgeteilt wird und wer was übernimmt. Macht diese Aufgaben sichtbar. (Für Kinder ist es oft nicht ersichtlich, wie viel Erwachsene „nebenbei“ erledigen).
Formuliert konkret, was von jedem Familienmitglied erwartet wird.

Höre dir die Bedenken an

Spätestens jetzt werden die anderen Familienmitglieder Bedenken haben, wenn sie sehen dass es dir wirklich ernst ist. Höre dir diese Bedenken an und fasse sie klar zusammen. So lange, bis du von jedem Familienmitglied ein klares „ja“ hast. Ein „ja“ im Sinne von: Ich fühle mich von dir verstanden.

Zeige klar die Vorteile davon, wenn sie einzelne Aufgaben übernehmen:

  • Du hast mehr Zeit mit den Kindern
  • Du bist weniger gestresst
  • Du bist ausgeglichen und geduldig
  • Die Kinder haben einen eigenen Verantwortungsbereich
  • Sie werden selbständiger

So machst du ihnen die Veränderung schmackhaft. Schließlich bedeutet jede Übernahme von Verantwortung auch ein Stück persönlicher Freiheit. Wenn du weißt, dass du dich auf dein Kind verlassen kannst, dann wirst du auch dort Freiheiten gewähren, wo es deinem Kind wichtig ist.

Wo kannst du bei dir selbst ansetzen

Jede Übergabe von Verantwortung und jede übertragenen Aufgabe bedeutet gleichzeitig sein „kleines Baby“ ein Stück loszulassen. Das kann – vor allem am Anfang – herausfordernd sein. Schließlich willst du das Beste für dein Kind und hast es jahrelang bemuttert und versorgt.

Jetzt überlässt du ihm ein Stück Freiheit und diese Freiheit führt zu Selbständigkeit und Selbstbewusstsein. Du wirst merken, wie sich manche Kinder freuen, wenn sie endlich etwas geschafft haben. Dieser Kinderstolz wird dich ein wenig entschädigen ;-)

Lass deinen Perfektionismus los.

Wenn du deinem Kind eine Aufgabe überträgst, dann sei dir bewusst, dass dein Kind noch übt. Erinnere dich, wie dein Bett ausgesehen hat, als du es das erste Mal gemacht hast. Sicher nicht perfekt! Jetzt hast du jahrelange Übung. Dein Kind lernt noch. Lass ihm also die Freude am Erfolg und zupfe nicht jedes Mal nach, um alle Falten zu beseitigen.

Erkläre langsam und in einfachen Worten

Wenn du etwas erklärst, dann tu es möglichst einfach. Verwende kurze Sätze und mach dazwischen Pausen. Damit gibst du deinem Kind Zeit, das Gesagte zu verarbeiten.

Zeige genau

Zeige jede Tätigkeit genau vor. Arbeite dabei langsam, damit dein Kind all deinen Bewegungen folgen kann. Sprich beim Vorzeigen so wenig, wie möglich. So kann sich dein Kind auf den Arbeitsvorgang konzentrieren und wird nicht durch das Gespräch abgelenkt.

Wenn du es schaffst, deine Familie von Anfang an miteinzubeziehen, dann hast du schon gewonnen. Sie werden verstehen, warum dir die Aufteilung der Hausarbeit wichtig ist.

 

 

 

 

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1 Kommentar
  1. Petra sagte:

    Genialer Artikel liebe Ilse, danke dir dafür!
    Das werde ich bald umsetzen „müssen“, wenn ich ab September halbtags für meine Selbständigkeit arbeiten werde!
    Der Artikel hat mich echt positiv gestimmt, dass ich das hinbekommen werde :-)
    LG
    Petra

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