Delegieren und Gelassenheit

 

Delegieren und Gelassenheit

Michaela hat es satt! Sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder, pflegt den Garten und hat – so ganz nebenbei – auch noch einen Halbtagsjob. Jetzt stehen wieder mal die halbjährlichen Kontrolltermine beim Zahnarzt an. Verzweifelt versuche sie einen Termin zu finden, an dem sie Zeit hat und an dem sowohl die Zahnarztordination geöffnet hat, als auch die beiden Kinder keinen Nachmittagsunterricht haben.

Der Zahnarzt ordiniert am Dienstag und Donnerstag nachmittags von 14:00 – 18:00 Uhr. Der ältere Sohn hat am Dienstag Nachmittagsunterricht bis 17:00 Uhr und die Tochter hat Donnerstag nachmittags bis 15:00 Uhr Schule. Michaela hat jeden Donnerstag abends um 18:00 Uhr einen Fixtermin. Nachdem der Weg von der Schulde des Sohnes bis zum Zahnarzt 20 min. in Anspruch nimmt und von der Schule der Tochter 15 Min., bleibt am Dienstag ein Terminloch von 30 Min. und am Donnerstag eines von etwas mehr als 2 Stunden. Gar nicht einfach! Mal ist der Zahnarzt nicht erreichbar, mal hat sie keine Zeit zum Telefonieren, dann ist wieder keine Ordination. Es will einfach nicht klappen!

Kennst du solche Situationen? Wie wäre es mit delegieren? Das kann deinen Alltag wirklich entlasten und zu deiner Gelassenheit beitragen.

Richtiges Delegieren bedeutet:

  • Mehr Zeit für dich
  • Weniger Stress
  • Zeit für Dinge, die dir wichtiger sind
  • Zeit für Dinge, wo deine Qualitäten gefragt sind

Ziele des Delegierens

1. Entlastung

Der erste und wichtigste Punkt ist deine Entlastung. Das erreichst du am besten dann, wenn du Aufgaben voll und ganz abgibst. Wenn du mit der Aufgabe gleichzeitig die Verantwortung übertragen kannst, weil du der Person voll und ganz vertraust, dann ist das umso besser.
Michaela kann die Terminkoordination für den Zahnarzt ihrem Mann übergeben. Wenn er es dann noch schafft, sich die Zeit zu nehmen und mit den Kindern gemeinsam zum Zahnarzt zu fahren, dann ist sie diese Aufgabe los.

2. Verlagerung von Aufgaben

Andererseits erzielst du mit dem Delegieren eine Verlagerung der Aufgaben. Du machst die Aufgaben nicht mehr selbst, sondern unterteilst sie in Teilaufgaben, die du übergibst und bleibst für das Gesamtergebnis verantwortlich.
Michaela kann aber auch ihre Mutter oder Freundin bitten beim Zahnarzt einen Termin in den genau vereinbarten Zeitfenstern auszumachen. So spart sie sich die Telefonate. Ihre Mutter hat vormittags bequem Zeit und hat viel mehr Möglichkeiten die Sprechstundenhilfe des Zahnarztes direkt zu erreichen.

3. Beteiligung am Geschehen

Die dritte Möglichkeit ist die Beteiligung von anderen durch das Delegieren. Wenn die Kinder alt genug sind, kann Michaela auch den Kindern die Terminvereinbarung überlassen. Schließlich geht es um die Termine der Kinder.
Gerade bei Kindern ist Beteiligung immer eine gute Möglichkeit, denn sie werden durch die Übertragung von kleinen Aufgaben schrittweise auf das Leben vorbereitet.

Jede Aufteilung von Hausarbeiten zielt auf Beteiligung ab.

Delegieren bedeutet loslassen

Am meisten bist du dann entlastet, wenn du mit dem Delegieren auch die Verantwortung abgibst. Bei der ersten der genannten Varianten ist das ganz einfach. Schließlich vertraust du dieser Person. Du traust ihr zu, die Aufgabe zu meistern.

Bei der zweiten Variante hast du die Kontrolle und auch die Endverantwortung.

Im dritten Fall kann es für dich zur Herausforderung werden die Verantwortung abzugeben. Aber gerade da ist es besonders sinnvoll. Wenn du zum Beispiel deiner 6-jährigen das Bett machen überträgst, dann ist es wichtig, dass du ihr zuerst einmal zeigst, wie es gemacht wird und worauf sie genau achten soll. Wenn sie es das erste Mal macht, dann zupf bitte nicht gleich am Ergebnis herum, weil das Leintuch nicht ganz richtig gespannt ist, oder die Decke eine Falte hat. Nimm das Ergebnis erst einmal so hin. Merke dir aber, wo Verbesserungsbedarf herrscht und erkläre genau das ein anderes Mal noch genauer.

Damit stellst du sicher, dass du dein Kind nicht in seiner Begeisterung bremst und das ist doch viel wichtiger, als ein 100 % faltenfreies Bett, nicht wahr?

Wie delegierst du am besten?

  • Überlege dir zuerst, WER WAS WANN machen soll.
  • Zerlege große Aufgaben in kleine, gut überschaubare Teilaufgaben, die leicht zu verstehen und gut zu kontrollieren sind.
  • Sie konkret. Lege genau fest, welches Ergebnis du dir wünschst und bis wann du es erwartest.
    Sag also z. B.: „Peter bring bitte im Laufe des Nachmittags das Altpapier zum Container. Wenn ich abends nach Hause kommen, soll das erledigt sein.“
  • Oder: „Klara putz bitte die Schuhe, damit wir morgen früh alle geputzte Schuhe haben.“
    In diesem Fall ist es auch noch wichtig, dass du deinem Kind alle Arbeitsmaterialien die es braucht zur Verfügung stellst. Beim ersten Mal solltest du unbedingt genau erklären, wie das Schuhe putzen vor sich geht. Wir erwarten oft, dass unsere Kinder ohnehin sehen, wie wir das immer machen. Solange sie aber nicht selbst dafür verantwortlich sind, ist es aber für sie nicht wichtig und sie achten nicht darauf.Es kann also hilfreich sein, wenn du gleich alle benötigten Tücher, Bürsten und Pasten bereitlegst und eventuell auch darauf aufmerksam machst, dass es sinnvoll ist, den Boden mit Zeitungspapier abzudecken, damit er geschont bleibt.
  • Du kannst durchaus die Unterstützung, die du durch diese Tätigkeit erfährst noch einmal herausstreichen.
    „Danke, dass du das übernimmst. Du entlastest mich damit und wir können dadurch kann ich schon das Essen vorbereiten und wir können früher zu Abendessen und haben eine ruhige Mahlzeit gemeinsam.“Dies unterstützt gleichzeitig die Motivation dir zu helfen. Denn dadurch sehen deine Kinder, welchen Sinn es hat dir zu helfen.

Was kannst du (im Familienalltag) gut delegieren

  1. Hausarbeiten an andere Familienmitglieder
  2. Terminvereinbarungen
  3. Putz- und Bügelarbeiten an eine Haushaltshilfe
  4. Gartenarbeiten
  5. Einkäufe

Was bringt es deinen Kindern?

Selbstwirksamkeit

Du bindest deine Kinder ins Alltagesgeschehen ein und sie erfahren dadurch, dass sie auch etwas bewirken und beitragen können. Das erhöht das Selbstbewusstsein und fördert die Selbstwirksamkeit.

Freiheit

Delegieren ermöglicht dir Freiheit. Es heißt aber auch, dass du den anderen die Freiheit zugestehst, sich selbst zu entwickeln und einzubringen. Daran solltest du vor allem dann denken, wenn sie für bestimmte Aufgaben ihren eigenen Weg finden, der von deinem abweicht.

Eigenverantwortung

Mit den Aufgaben überträgst du deinen Kindern auch ein Stück der Verantwortung. Das heißt aber auch, dass es ein gut genug gibt. Respektiere ihren Weg und traue ihnen zu, selbst herauszufinden, wenn er nicht ideal ist. Sei tolerant gegenüber ihren Fehlern und lass sie auch Mal etwas Neues ausprobieren. Natürlich hast du die Kontrolle und die Endverantwortung. Wenn du deinen Kindern aber Mitspracherechte (im Rahmen) zugestehst, werden sie sich lieber einbringen. Sonst läufst du in Gefahr, dass sie das Gefühl bekommen, sie machen ohnehin nie etwas gut genug und daher verweigern oder zu bloßen Befehls- oder Aufforderungsempfängern werden und selbst nicht mitdenken.

Du siehst es kann dir einige Freiräume und damit Gelassenheit verschaffen, wenn du Aufgaben innerhalb der Familie delegierst. Es bedeutet aber auch, dass du mit der nötigen Gelassenheit und mit einem gewissen Vertrauensvorschuss delegieren solltest.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, Aufgaben auszulagern und abzugeben.

Bleib gelassen!

Ilse Maria_Signatur

 

 

 

 

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