Frau-Sein

Wie groß ist der Einfluss der Sprache?

Frau-Sein

Ich frage mich, wie sehr die Einstellung zur Frau und zum Frau-Sein von Muttersprache und Kultur abhängt.

Es könnte sein, dass die Emanzipationsbewegung und der Kampf um das Frauenwahlrecht nicht von ungefähr von den englischsprachigen Ländern ausgegangen ist. Schließlich gibt es in diesen Ländern nur einen Artikel und es lässt sich nur aus dem Artikel nicht herauslesen, ob es sich um Mann oder Frau handelt. Schon in meinem Artikel über Geld, habe ich darauf hingewiesen, dass Sprache Bewusstsein schafft.

Ein wundervolles Beispiel dafür ist dieses Rätsel, das ich in Originalsprache wiedergebe, da sonst die Pointe verloren geht.

One beautiful day a man and his son are driving in a car, when they get into a fatal accident. The man is killed instantly. The boy is knocked unconscious, but he is still alive. He is rushed to hospital, and will need immediate surgery. The doctor enters the emergency room, looks at the boy, and says…
„I can’t operate this boy, he is my son.“

(Des Rätsels Lösung: Der Arzt ist eine Frau.)

Unterschiede wertschätzen und nicht überbewerten

Es gibt natürliche Unterschiede zwischen Mann und Frau – und das ist gut so! Wir neigen jedoch dazu in Schubladen und Kategorien zu denken. Die Gender-Forschung besagt, dass es zwar ein natürliches Geschlecht und damit klare und simple biologische Unterschiede gibt, jedoch aufgrund sozialer Prägungen andere Verhalten, Chancen, Rechte und Möglichkeiten erwachsen. Genau dieser Entwicklung soll entgegengewirkt werden.

Eine Entwicklungsgeschichte

Ich bin selbst Mutter einer Tochter. Meine Erfahrung ist folgende: Meine Tochter war bis zum Alter von drei Jahren weitgehend unbeeinflusst von diesem typischen Rollenbild.

Bis 3 Jahre

Mit Eintritt in den Kindergarten wollte sie jedoch dazu gehören und passte sich automatisch etwas an die Umgebung an. Sie trug begeistert Kleider, liebte auf einmal Mädchenspielzeug und legte auf einmal richtiges Mädchenverhalten an den Tag.

Ab 11 Jahre

Im Alter von 11 Jahren begann sich die Eigenständigkeit wieder durchzusetzen. Sie trug auf einmal nur mehr bequeme Kleidung, meistens Hosen und wurde der Kumpel zum Pferde stehlen.

Ihr Zugeständnis an die peer-group war ihr langes, hellbraunes Haar.

Mit 16 Jahren

Vor einem Jahr fiel auch diese letzte Bastion. Sie trägt einen pfiffigen Kurzhaarschnitt und ist glücklich. Sie stellte fest, dass sie genau so akzeptiert und gemocht wird, wie sie ist. Sie ist sportlich, technisch interessiert und auf dem besten Weg den Traum von einem Architekturstudium zu verwirklichen.

Meine Irritation

Ich unterstütze sie in ihrem Bedürfnis, bemerke aber, dass mich ihr betont androgyner Stil manchmal irritiert. Sie ist ein hübsches Mädchen und ich ertappe mich, sie mir manchmal in richtigen Mädchenklamotten vorzustellen :-)

Kommt es darauf an?

Ist sie aufgrund ihres Stils weniger Frau? Äußerlich vielleicht; innerlich ist sie warmherzig, mitfühlend und empathisch. Sind das typisch weibliche Eigenschaften?
Sie hat aber auch gute Führungsqualitäten, kann sich hervorragend durchsetzen und hat einen guten Überblick über Gruppen. Und sind das typisch männliche Eigenschaften?

So gesehen ist es uns geglückt unsere Tochter zu einem freien, unabhängigen Menschen zu erziehen, der sich selbst Gedanken macht und Wert darauf legt sich ein eigenes Bild von den Dingen zu machen.

Hoffnung für die Zukunft

Vielleicht schafft es die Generation dieser jungen Menschen wirklich frei von Gender-Etiketten zu sein und das Ideal von Gemeinsamkeit und Gleichstellung zu verwirklichen.

Wie sind deine Gedanken zu diesem Thema?
Glaubst du, dass das Aussehen etwas über Weiblichkeit oder Männlichkeit aussagt?

Teile diesen Beitrag und hilf mit den Familienalltag gelassen zu machen!
2 Kommentare
  1. Erika sagte:

    Ich finde die in diesem Artikel aufgeworfenen Gedanken sehr wichtig. Dabei muss ich immer an Simone de Beauvoir denken, die in ihren Werken ja oft die Grundaussage vertritt, dass man nicht als Frau zur Welt kommt, sondern vielmehr von der Welt erst zu einer Frau gemacht wird. Wie ich dazu stehen soll, darüber bin ich mir nicht ganz im Klaren, auf jeden Fall ist es ein interessanter Gedanke, der ja im Fall deiner Tochter, so wie du ihn geschildert hast, Bestätigung findet. Tatsächlich gibt es heutzutage eine deutlich zunehmende Zahl an Menschen, die sich kritisch und umfassend mit dem Themenkomplex der Geschlechter und Geschlechterverhältnisse auseinandersetzen, bzw. die tradierte Vorstellungen kritisch hinterfragen. Ich merke das immer, wenn ich mir unseren KosmetikerInnenkurs ansehe – früher war das ja ein reiner Frauenberuf, heute haben wir zumindet 1/4- 1/3 männliche Teilnehmer. Das Schöne daran ist, dass sich keiner etwas Negatives dabei denkt.

    Trotzdem bin ich der Ansicht, dass man nicht der Illusion anheim fallen sollte, die Gesellschaft würde nun plötzlich Riesensprünge machen. Gerade was das Äußere angeht, finde ich, dass das Androyne oft mehr einfach eine Modeerscheinung ist, als wirklich Sinnbild eines Paradigmenwechsels in der Gesellschaft. Das sieht man sehr gut anhand der „Retro“-Bewegung, die gerade Hochkonjunktur hat. Optisch mögen sich Mann und Frau ja oftmals anzunähern, aber trotzdem geht man wieder Marmelade einkochen und auch der Trend zum alleinigen Beruf Hausfrau ( gerade, wenn Kinder da sind) hat sich meiner Ansicht nach wieder verstärkt.

    Wie gesagt – echte Gleichheit der Geschlechter wäre zwar wünschenswert, aber ob wir (bzw. die Generation unserer Kinder ) schon dort angelangt sind, ist die Frage…

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Hallo Erika,
      danke für deinen ausführlichen Beitrag zu diesem Thema. Ich finde deine Argumente sehr wichtig. Auch ich glaube nicht, dass die äußere Erscheinung und das androgyne Auftreten allein schon echte Gleichheit ausmacht.
      Ich kenne jedoch aus vielen Diskussionen auch das Gedankengut meiner Tochter. Sie ist auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass sie sich diese Einstellung behalten kann und nicht in den nächsten Jahren vom Leben desillusiniert wird.
      Änderungen in Bereichen die echtes gesellschaftliches Umdenken erfordern vollziehen sich langsam und jede Generation leistet ihren kleinen Beitrag dazu.

      Antworten

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