Gelassen bleiben, wenn der Partner hektisch ist

Dier Artikel wurde im Mai 2016 zum ersten Mal veröffentlich und am 23. September 2019 überarbeitet.

Gelassen bleiben, wenn der Partner hektisch ist

Vor einiger Zeit fragte ich in einer Gruppe nach, was die größten Probleme zum Thema Gelassenheit sind. Eine Frage scheint viele Frauen zu beschäftigen: „Wie schaffe ich es ruhig und gelassen zu bleiben, wenn der Partner es gerade nicht ist?“

Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich bin mit meinem Mann mehr als 26 Jahre verheiratet und in jungen Jahren ging es mir auch so.

Im Grunde genommen bin ich der aktive Part in der Beziehung. Ich hab Hummeln im Hintern. Mein Mann ist nach außen die Ruhe in Person. Was viel aber nicht sehen: Er regt sich viel leichter auf, als ich.

Dabei kann es sich um Kleinigkeiten handeln:

  • Staus, denen er ohnehin nicht ausweichen kann.
  • Eine Schraube, die nicht so in der Wand halten will, wie er das möchte.
  • Ein Glas, das durch Unachtsamkeit zu Boden fällt.
  • Eine bekleckerte Krawatte.

Das dumme dran ist, dass er sich nicht nur kurzfristig und blitzartig aufregt. Das bin ich von meinem Vater gewohnt. Damit kann ich umgehen. Nein, das nagt an ihm noch eine ganze Weile. Er brütet, grantelt und verpestet energetisch die Luft. (Mein Schatz, ich liebe dich, wie du bist <3)

Dein Mann brütet, grantelt und verpestet die Luft? Hier findest du 10 Tipps, um damit umzugehen. Klick um zu Tweeten

Lange Zeit hat mich das sehr belastet und dazu geführt, dass ich auch meine gute Laune verloren habe und ebenfalls unruhig und nervös wurde. Ichließ mich von seiner Laune anstecken.

Mit den Jahren haben wir jedoch gelernt, damit umzugehen.

10 Strategien, um gelassen zu bleiben, wenn der Partner hektisch ist

Folgende Strategien haben sich bei uns bewährt. Bestimmt findest du auch einige Punkte, die dir weiter helfen.

1. Achtsamkeit

Jaja, ich weiß. Jetzt kommt sie schon wieder mit der Achtsamkeit daher.
Achtsamkeit ist die Basis dafür, dass du bemerkst, was in dir vorgeht. Du merkst, was die Situation in dir auslöst. Sie hilft dir, unbewusste Prozesse ins Bewusstsein zu bringen. Nur so kannst du auch bewusst gegensteuern.

2. Raus aus der Situation

Dein Mann regt sich gerade über irgendetwas entsetzlich auf und du merkst, wie sein Ärger auf dich übergreift? Dann entziehe dich der Situation. Geh aus dem Zimmer. (Wenn du keinen anderen ruhigen Ort findest, geh auf die Toilette.)

Das hilft dir deine eigenen Gefühle von den fremden Gefühlen zu trennen und dir darüber klar zu werden, was die Situation in dir auslöst.

3. Du musst nicht auf alles reagieren

Du darfst ruhig und gelassen bleiben, wenn um dich ein Orkan tobt. Du darfst auch ärgerliche Bemerkungen ignorieren, wenn es dir hilft gelassen zu bleiben. Denk daran: Gelassenheit sorgt dafür, dass du handlungsfähig bleibst.

Gelassenheit sorgt dafür, dass du handlungsfähig bleibst. Klick um zu Tweeten

4. Schweige

Versuche nicht deinen Mann durch gutes Zureden wieder zu beruhigen. In den meisten Fällen funktioniert das nicht. Sag erst einmal gar nichts.

In einer so aufgeladenen Atmosphäre ist niemand einem vernünftigen Argument zugänglich. Hätte die Person, die unruhig oder ärgerlich ist Zugang zur Vernunft, dann käme es gar nicht so weit. Meist ist diese Person aber von ihren Gefühlen überschwemmt und überwältigt. Dasselbe gilt übrigens auch für wütende Kinder. Wenn du gerade ein Kind in der Wackelzahnpubertät hast, weißt du wovon ich spreche.

5. Mach dir klar, dass der Ärger nichts mit dir zu tun hat

Aus meiner eigenen Erfahrung und auch dem Coaching weiß ich, dass wir uns meistens über uns selbst am meisten ärgern. Und dann ärgern wir uns darüber, dass wir uns ärgern und für schlechte Stimmung sorgen. Ein Teufelskreis.

Mach dir also klar, dass der Ärger oder die Unruhe deines Mannes nichts mit dir zu tun hat.

Wenn du den Anlass kennst, dann weißt du es ja. Trotzdem kann da so ein kleines Gefühl der Machlosigkeit bleiben, weil du den geliebten Menschen nicht beruhigen kannst.

Mir hilft da der Satz:

Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen.

Manche Dinge müssen wir eben allein durchturnen.

6. Sei einfach da

Wenn du das Gefühl hast, dass sich dein Mann beruhigt, wenn du da bist und du mit der seelischen Explosion umgehen kannst, dann bleib einfach still da.

Zeige, dass du zu ihm stehst und bereit bist ihn zu unterstützen, sobald er es zulassen kann.

7. Sorge gut für dich

Achte, was du brauchst, um ruhig zu bleiben und dich nicht hineinziehen zu lassen.

Das können Kleinigkeiten sein. Ein Glas Wasser oder ein geöffnetes Fenster für mehr Frischluft. Sorge für dich!

8. Vertrauen

Hab Vertrauen, dass dein Partner in der Lage ist, seine Themen selbst zu lösen und dass er auch wieder Kontakt zu dir aufnimmt. Diese Unruhe oder dieser Grant bedeutet nicht, dass die Liebe zwischen euch verloren gegangen ist. Sie bildet im Moment nur einen Mauer, so dass ihr sie vielleicht nicht sehen oder fühlen könnt.

Diesen Punkt erachte ich für ganz wichtig. Denn oft haben Paare im Sog des Alltags das Gefühl, dass die Liebe abhanden gekommen ist.

9. Lass ihm Zeit

Gib deinem Partner die Zeit, die er braucht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Mann nach einiger Zeit von sich aus erzählt, was ihn beschäftigt hat oder warum er sich so unendlich geärgert hat. Meisten ist diese Kleinigkeit ja nur der Auslöser, die Ursache liegt woanders.

Mein Mann gehört zu den Menschen, die zuerst mit sich selbst im Reinen sein müssen, bevor sie kommunizieren. Vielleicht ist das bei deinem Partner genauso. Das heißt aber auch, dass du durch bohrende Fragen die Unruhe nur vergrößern wirst.

10. Redet in Ruhe

Nehmt euch Zeit alles zu besprechen – falls es etwas zu besprechen gibt – wenn sich die Lage wieder entspannt hat. Manchmal ist der Ärger wirklich nur einer Kleinigkeit geschuldet und wenn die behoben ist, ist alles vorüber. Das ist so bei jedem Ärger, der mit handwerklichen Tätigkeiten zu tun hat. Ist eine passende Lösung gefunden, ist auch der Ärger vorbei.

Und deine Lösungsansätze?

Nachdem dieses Thema viele Frauen beschäftigt, gibt es sicher auch ganz viele Lösungsansätze. Je nach Charakter und Temperament werden auch andere Wege zum Ziel führen.

Ich bin neugierig, welche Strategien du für dich entwickelt hast. Teil sie uns doch in den Kommentaren mit. So sorgen wir gemeinsam dafür, dass Gelassenheit und Ausgeglichenheit in den Familienalltag einzieht.

Du wünscht dir Unterstützung?

Dann nimm die Möglichkeit des kostenfreien, 30-minütigen Kennenlern-Gespräches in Anspruch. Du schilderst mir deine Herausforderung und ich zeige dir einen Lösungsweg.

Bleib gelassen!

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3 Kommentare
  1. Christine sagte:

    Liebe Ilse,
    ich kenn das ebenfalls (wer eigentlich nicht?). Mein Schatz ist manchmal von 0 auf 100 in Sekundenbruchteilen… und ich hab keine Ahnung, warum eigentlich. Früher hab ich das meist auf mich bezogen, den Auslöser bei mir gesucht (Frauenkrankheit). Ich hab viele Stunden gebraucht, bis ICH mich wieder beruhigt hatte. Bei ihm war schon kurz danach wieder alles vorbei! Mittlerweile gelingt es mir ziemlich gut, ruhig zu bleiben und wir lachen meist kurze Zeit danach drüber.Die Punkte 2 bis 5 und der 10. sind aus meiner Sicht sehr wichtig.
    Danke für diesen tollen Beitrag. Er ist jedenfalls eine große Hilfe, weil für jeden was dabei ist, was ihm/ihr helfen kann.
    Liebe Grüße
    Christine

    Antworten
  2. Gabriele Valerius-Szöke sagte:

    Liebe Ilse,
    oh das kenne ich auch sehr gut aus der Vergangenheit. Ich habe stets alles auf mich bezogen und das machte es dann noch schlimmer.
    Gott sei Dank, habe ich das Thema aufgearbeitet und gebe dir recht, am besten den Raum verlassen und denken, das ist nicht meine Baustelle!
    Liebe Grüße
    Gabi

    Antworten

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