Werden Kinder durch Lob und Belohnung motiviert?

Dieser Artikel wurde am 26.05.2015 erstmals veröffentlicht und im Februar 2020 komplett überarbeitet.

Lob und Belohnung

Wenn du versuchst dein Kind zu motivieren, dann kannst du sehr leicht in Versuchung kommen Lob und Belohnungen anzuwenden.

In Ausnahmefällen ist das sicher eine gute Möglichkeit. Meistens halte ich Lob und Belohnung jedoch für kontraproduktiv. Warum, das erkläre ich ein wenig weiter unten.

Die beste Motivation ist eine intrinsische Motivation, also ein Drang, der von innen kommt, ein innerer Wunsch, der nach Erfüllung strebt. Da geht es den Kindern genau so, wie uns Erwachsenen. Wenn ein tiefes inneres Bedürfnis befriedigt wird, dann sind sie bereit, diesem Ziel Vieles unterzuordnen und auch Durststrecken und Rückschläge in Kauf zu nehmen, um unser großes Ziel zu erreichen.

Warum du sparsam mit Lob und Belohnung sein solltest?

Was ist Lob?

Lob motiviert, es schenkt uns ein Gefühl der Zugehörigkeit und gibt uns den EindruckIch habe alles richtig gemacht.
Gleichzeitig schafft es auch Abhängigkeit. Wir laufen in Gefahr, etwas nur deshalb zu tun, dass wir gelobt und geschätzt werden. Lob unterstützt uns in unserem Drang anerkannt und geliebt zu werden. Auf der anderen Seite verschafft es uns auch den Eindruck, dass wir nur dann etwas wert sind, wenn wir der allgemeinen Norm entsprechen.

Was bewirkt Belohnung?

Die gleiche Gefahr geht von Belohnungen aus. Kinder haben schnell heraus, wann und wofür sie eine Belohnung erhalten. Wenn es sich bei der Belohnung um ein begehrtes Gut handelt, dann kann es sein, dass Kinder etwas nicht deshalb tun, weil sie den Sinn der Sache einsehen, sondern nur, um die Belohnung zu erhalten. Kinder gewöhnen sich schnell an Belohnungen und erachten sie als selbstverständlich. Sie verknüpfen sie mit den vorangehenden Handlungen. So ist es ganz verständlich, dass sie bald denken: „Immer wenn ich xy tue, bekomme ich ein Eis.

Das führt schnell zu einer Spirale. Wenn du dein Kind durch Belohnungen motivieren willst, dann werden die Belohnungen mit der Zeit genauso wie die daran geknüpften Leistungen wachsen.

Es ist wie ein Spiel mit Angebot und Nachfrage. Wenn ich eine Zwei schreibe, dann ist das € 5,– wert. Eine Eins ist demnach € 10,– wert.

Nicht nur, dass du mit diesem Handeln die Prinzipien unserer Leistungsgesellschaft unterstützt. Es kann auch sein, dass du dein Kind dadurch in der Entdeckung seiner wahren Leidenschaften hemmst.

Die Unterscheidung zwischen Lob und Ermutigung

Kennzeichen von Lob

Log ist sehr allgemein gehalten. Das sind etwa Sätze wie:

  • Du bist super.
  • Eric ist so ein toller Bursche.
  • Du bist so schlau!
  • Fiona ist so ein liebes Mädchen.
  • Das hast du schön gemacht.

Alle diese Sätze haben eines gemeinsam. Sie sind sehr wertend und geben kein wirkliches Feed-back. Die Person, die diese Sätze hört, weiß nur: „Ich habe eine Erwartung erfüllt!“ Es geht immer darum, ob wie die Person ist, oder ob sie ein bestimmtes Ziel erreicht hat. Über die Person selbst, über ihre Einstellung, ihre Anstrengungen und Bemühungen sagen diese Sätze gar nichts aus. Was so ein „Gießkannen-Lob“ mit Kindern macht, ist in diesem Artikel ganz gut beschrieben.

Da Kinder geliebt werden wollen, werden sie alles tun, um diese Erwartungen zu erfüllen. Das führt zu einem Abhängigkeitsverhältnis.

Kennzeichen von Ermutigung

Genau aus diesem Grund verwende ich gerne einen zweiten Begriff zur Unterscheidung. Die Ermutigung.

Ermutigung ist beobachtend und fördert die Selbsteinschätzung. Sie ist eher beschreibend. Dein Kind sollte sich selbst besser einschätzen können, wenn du eine Ermutigung aussprichst.

Ermutigung kann aber auch ganz wortlos erfolgen. Durch eine aufmunternde Berührung, ein Lächeln, ein Zwinkern oder einen zustimmenden Laut. Auch wenn du dich mit deinem Kind über seinen Erfolg mitfreust ist das Ermutigung.

Ermutigung können z. B. Sätze wie diese sein:

  • Du hast bei diesem Bild viele Farben verwendet. Magst du mir erzählen, welche Farbe dir besonders gut gefällt.
  • Heute bist du ganz schön lange an deiner Aufgabe gesessen, aber du hast trotzdem durchgehalten.
  • Ah, du bist auf den Baum geklettert. Jetzt freust du dich.
  • Das war jetzt ganz schön anstrengend. Ich habe gemerkt, wie du dich geplagt hast. Du hast durchgehalten und jetzt hast du es geschafft.
  • (Lächeln) Es ist dir gelungen, ganz genau auf der Zeile zu schreiben.

Sätze wie diese fördern die Selbsteinschätzung. Sie sind handlungsorientiert und auch wenn dein Kind einmal einen Misserfolg verkraften muss, kannst du den Weg und die Anstrengung respektieren. Dein Kind merkt: „Ah, wenn ich es so mache, dann führt das zu meinem Erfolg!“, oder „Oh, da ist jemand an meiner Meinung und meinen Gedanken interessiert.“

Intrinsische Motivation

Wenn ich etwas wirklich erreichen will, dann brauche ich keine Motivation von außen. Mein Erfolg ist das Ergebnis. Das ist Belohnung genug! Ich weiß, was ich erreichen möchte und wie mein Ziel aussieht.

Wenn ich mein Ziel erreiche, brauche ich kein Lob und keine Belohnung. Die Freude über das Erreichte ist groß genug.
Wenn ich es nicht erreiche oder nicht so erreiche, wie ich es mir vorstelle, dann werde ich es selbst als Misserfolg oder Rückschlag empfinden, egal, ob ich Lob von außen bekomme. Jedes Lob wird einen schalen Nachgeschmack enthalten. Ich werde selbst wissen, dass ich nicht am Ziel bin.

Gleichzeitig stellt sich bei intrinsischer Motivation die Frage nach dem Sinn gar nicht. Er liegt buchstäblich in uns. Das gibt uns Ausdauer und Kraft.

Kleine Kinder, die gehen lernen, sind intrinsisch motiviert. Sie lernen am Modell, wollen so sein, wie der von ihnen so bewunderte Erwachsene.

Auch im Eltern-Support mit Ilse gehe ich auf Lob, Anerkennung, Ermutigung und Belohnung ein.

Bewunderung

Womit wir schon bei einem weiteren Punkt wären. Kinder wollen zugehörig sein und ihren Eltern gefallen. Sie orientieren sich automatisch an den Erwachsenen.

Das ist gut so, nimmt uns aber auch in die Verantwortung. Es erlegt uns die Verantwortung auf, ein gutes Beispiel abzugeben und uns vorbildlich zu verhalten.

Kinder gehen sehr weit, in ihrem Wunsch, den Erwachsenen zu entsprechen. Sie ahmen uns in Sprache, Ausdruck, Körperhalten und Benehmen nach. Wir können ihre Interessen beeinflussen und wecken.

Wir können gar nicht anders, als zu beeinflussen, einfach indem wir da sind. Genau darum erachte ich es für sehr wichtig, dass wir den Kindern signalisieren, dass es in Ordnung ist, wenn sie nicht in allen Dingen mit uns übereinstimmen und dass sie sich eine eigene Meinung bilden sollen.

Eigenständiges Denken

Es ist wichtig, die Kinder anzuregen selbst zu denken und nicht alles ungefragt hinzunehmen. Ich meine damit nicht, dass wir den Kindern beibringen sollen uns prinzipiell zu widersprechen. Aber wir sollten sie auch nicht von unserer oder der Meinung anderer abhängig machen.

Als unser jüngerer Sohn ungefähr 3 Jahre alt war malte er ein Bild. Die erste Frage war natürlich: „Mama, gefällt dir das Bild?“ Ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, was es darstellen sollte. Ich hätte jetzt natürlich nachfragen können. Er hätte gemerkt, dass ich keine Ahnung habe, was er da gezeichnet hatte. Damit hätte ich ihm vermittelt:

„Die Erwachsenen verstehen nie etwas von selbst. Alles muss man ihnen erklären.“ (Zitat aus „Der kleine Prinz“)

Ich entschloss mich daher anders vorzugehen. Ich sagte statt dessen: „Es ist unbedeutend, ob mir dein Bild gefällt. Gefällt es dir? Bist du damit zufrieden?“

Er warf einen kritischen Blick auf ihr Werk und meinte: „Ja, ich hab es gemacht, so gut ich kann.“

Mit meiner Frage hatte ich ihn zum Denken angeregt und ihr gezeigt, dass er auf sein eigenes Urteil vertrauen soll. Er hat über sich selbst nachgedacht und war mit sich zufrieden. Ganz ohne Lob und Belohnung. Ich habe dadurch aber noch etwas viel Bedeutenderes gelernt:

„Ich hab es gemacht, so gut ich kann.“

Diesen Satz habe ich mir hinter die Ohren geschrieben. Er drückt für mich aus: „Ich habe mein Bestes gegeben. Ich weiß aber auch, dass ich mich steigern kann und werde. Morgen sieht es vielleicht schon ganz anders aus.“

Somit hatten wir beide ein AHA-Erlebnis.

Eine gute Abgrenzung zwischen den Begriffen Lob, Wertschätzung und Anerkennung findest du hier.

Wie gehst du mit dem Thema Lob um? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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