Aus-gelassen leben

Papa-Interview mit Christian Gursky

Papa-Interview mit Christian Gursky

In diesem Papa-Interview mit Christian Gursky erfährst du etwas über den Menschen hinter dem Marketingexperten. Christian erzählt von seinem Vater-Sein und den Herausforderungen, die es mit sich bringt. Weiter unten findest du das Transkript zu diesem Interview mit Christian Gursky.

Hier kannst du dir die Folge anhören:

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Shownotes:

Papa-Interview mit Christian Gursky-Christian Gursky

Christians Webseite findest du hier!

Mehr über die im Interview erwähnte Studie kannst du hier hören/lesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hier kannst du den Inhalt des Podcasts auch lesen, wenn dir das lieber ist.

Das ist ein wörtliches Transkript. Ich habe mir jedoch die Freiheit genommen, Wörter, die doppelt genannt wurden oder Satzanfänge, die dann in der Luft hängen geblieben sind zu streichen, damit die Lesbarkeit erhalten bleibt.

Papa-Interview mit Christian Gursky (Transkript)

Ilse:              Hallo, schön, dass du wieder dabei bist und heute begrüße ich dich zum Papa-Interview mit Christian Gursky, der dir hilft, dein Marketing zu automatisieren und einfach neue Kunden zu gewinnen. Aber heute ist Christian in einer ganz anderen Rolle da. Nämlich in seiner Rolle als Papa!

Christian, magst du uns gleich ein bisschen etwas über dich erzählen?

Christian:   Gerne Ilse, danke für die Einladung, ich freue mich hier sein zu können. Was interessiert deich näher?

Ilse:              Ja, mir geht es in erster Linie um die Rolle der Väter. Ich denke mir, Väter stehen vor ganz anderen Herausforderungen als Mütter und du hattest ja ziemlich bald nach dem dein Kind auf der Welt war eine tolle Idee, nämlich dieses Papa-Preneur Projekt. Du hast es aber dann wieder aufgegeben, weil das dann doch nicht deine Zielgruppe war – hast du mir erzählt.  Aber ich denke mir, dieses Thema beschäftigt dich grundsätzlich, sonst wärst du ja gar nicht auf diese tolle Idee gekommen.

Christian:   Ja, das stimmt. Also mir geht es grundsätzlich darum, nicht das Geldverdienen in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich möchte ich gerne gutes Geld verdienen und auch gut leben. Ich sag immer: Ich möchte kein Millionär sein, aber wie einer leben!, und das bedeutet für mich übersetzt auf mein Familienleben, dass ich gerne selbst bestimmen möchte, wann ich mit meiner Familie zusammen bin und wann ich arbeite, um dabei möglichst viel Zeit mit meinem Sohn zu verbringen. Weil mir das eine besondere Herzensangelegenheit ist, ihn aufwachsen zu sehen und ihm zu helfen, ins Leben zu finden.

Ilse:              Mhm, jetzt hast du mir ja erzählt du bist auch sehr bedacht auf die Privatsphäre deines Kindes – was ich grundsätzlich immer unterstütze – ich darf dich aber trotzdem fragen, wie alt dein Sohn ist.

Christian:   Gerne, unser Sohn ist inzwischen zweieinhalb Jahre alt.

Ilse:              OK und wie habt ihr euch Haushalt und Erziehungsaufgaben aufgeteilt. Gibt es da eine Aufteilung, oder macht jeder das, was anfällt? Wie kann man sich das vorstellen?

Christian:   Also im praktischen Leben ist es ja immer so, dass es oft schneller ist, das mal zu erledigen, anstatt, den Partner darauf hinzuweisen, dass das ja eigentlich sein Job ist. Ich denke, das kennt jeder. Wir haben eine rudimentäre Morgen- und Abendroutine, wo wir uns klar die Aufgaben verteilt habe, die sich eben um das Kind drehen, weil es aus unserer Sicht nötig ist, dem Kind einen möglichst festen Ablauf zu präsentieren, bzw. ihn in einen für ihn erkennbaren festen Ablauf einzubinden, damit er sich orientieren kann und Halt hat. Ansonsten abseits dessen, was wir für das Kind tun müssen, rufen wir uns die Dinge gerne auch zu, und das klappt ganz gut.

Ilse:              Das heißt, ihr seid also so ein richtig eingespieltes Team?

Christian:   Ja mir den Jahren ist das gekommen. Das kann man glaube ich so sagen. (lacht)

Ilse:              (lacht) Ja genau. Und welche Erziehungsgrundsätze sind für euch so ganz bestimmend? Weil das finde ich ja immer ein wichtiges Thema, dass die Eltern sich in den Grundsätzen einig sind. Ganz einig ist man sich ja nie … aber so grundsätzlich sollte man seine Werte ja aufeinander abgestimmt habe, bezüglich Erziehung, weil dann haben es die Kinder ja auch leichter.

Christian:   Ja das stimmt. Wir haben jetzt keine Liste von Werten, die man irgendwo ablesen könnte, sondern wir haben über die Zeit einfach festgestellt -schon bevor wir uns entschieden haben, eine Familie zu gründen- dass wir ähnlich Ansichten zum Leben haben. Und ich denke, dann ist es immer leichter, weil man schon vorne herein weiß, dass man dem Kind sukzessive Werte und Einstellungen, die man teilt, mit übergeben kann und vorleben kann. Ich glaube das Entscheidende ist einfach einen realistischen Ansatz  zu wählen, einfach auch, was die Aufnahmefähigkeit des Kindes für diese Dinge anbelangt. Unser Sohn ist noch weit davon entfernt, Dinge rationalisieren zu können oder verstehen zu können. Vieles ist Impuls- und Instinkthandlung und ich denke, da ist es ganz besonders wichtig, einfach ihm möglichst viele Freiheiten zu gewähren, im Rahmen eines klar abgesteckten … ja Rahmens einfach. Dinge, die er nicht darf, da weiß er, dass er sie nicht darf und er weiß auch, dass er etwas tut, dass dann … ich sag mal … väterlich oder mütterlich geahndet wird, wenn er dagegen verstößt. Also zum Beispiel, vor dem Frühstück Kekse zu fordern, weiß er, dass das nicht von Erfolg geprägt sein wird. Er versucht es trotzdem. Mit den wachsenden Möglichkeiten auch sprachlichen Möglichkeiten immer weiter, an seine Kekse zu kommen gleich nach dem Aufstehen. Das darf er natürlich nicht, das ist klar. Und es ist einfach wichtig, die Mittel so zu wählen, dass man dem Kind freundlich aber bestimmt mitteilen kann, dass er weiß, dass das außerhalb des Regelwerkes oder des Rahmens ist, in dem wir ihn erziehen.

Andere Dinge z. B. auf dem Weg zur KITA mal vorlaufen bis zur Ampel sollte man – aus meiner Sicht jedenfalls – schon mal gewähren, weil ich hab meinem Kind bei den Spaziergängen zur KITA so erzogen, dass ich zu 100 % weiß, dass er begreift, wie es funktioniert und auch immer an der Ampel auf mich wartet.

Und da muss man auch dem Kind das Signal geben, finde ich, dass es spürt, dass man ihm vertraut.

Ilse:              Mhm, da hast du zwei ganz wichtige Dinge angesprochen. Ich finde nämlich, dass Grenzen den Kindern gleichzeitig die Freiheit geben, sich in dem gesteckten Rahmen frei zu bewegen. Sie geben ihnen auch diesen Halt und diese Sicherheit.

Und auf der anderen Seite dürfen wir als Erwachsene – glaube ich – das schon akzeptieren, es ist ja durchaus legitim, dass ein Kind erproben will, seine Grenzen auszudehnen. D. h. die Kekse vor dem Frühstück zu fordern, ist ja jetzt einmal im Prinzip keine negative Sache. Nur müssen sie halt begreifen: Ok, bei uns gibt es das nicht.

Christian:   Das stimmt, genau … richtig. Das hast du schön zusammengefasst.

Ilse:             Jetzt interessiert mich noch etwas ganz anderes. Du hast ja einen Sohn. Und ich weiß jetzt von meinem Mutter sein; wir sind ja geprägt, von dem was wir als Kinder gelernt haben. Und wir machen es meistens entweder ganz anders, oder doch sehr ähnlich, oder wir beobachten uns, wie wir in dieselben Muster verfallen, wie unsere Eltern. Jetzt interessiert miChristian: Was machst du anders, als du es von deinem Vater erfahren hast und welches Vaterbild möchtest du deinem Sohn weitergeben?

Christian:   Oh, das sind ja gleich zwei Fragen auf einmal …

Ilse:              mHmm, … (lacht)

Christian:   Lass uns da mal sortieren. Es sind ja auch keine ganz einfachen Fragen.
Ich hab über Jahre schon, bevor ich selbst Vater sind durfte, überlegt, wo ich selbst anders bin als meine Eltern und ich denke ich merke schon auch dann – vielleicht nicht immer in dem Moment – aber schon auch dann beim Reflektieren danach, wenn ich in eines der Verhaltensmuster gefallen bin, die ich bei meinen Eltern kritisieren würde oder kritisiere. So geht das meiner Partnerin auch. Wir reden dann darüber, wo wir beide ja praktisch unsere gegenseitigen Schwiegereltern gut kennen, reden wir schon auch darüber … wo der Partner dann einfach merkt, dass man Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat, die man eigentlich nie an den Tag legen wollte und dann versucht man es einfach Trial and Error-mäßig beim nächsten Mal zu vermeiden. Ich versuche einfach auch auf die Gefühle zu hören, die dann in mir hochkommen. Die sind dann auch nicht immer positiv, wenn ein Kind was tut, was es nicht soll. Da ist glaube ich der Hebel zu sagen: Ok, wie kann man dieses Gefühl auch umdeuten in einen spielerischen Ansatz, weil das Kind meint es ja per se nicht böse. Es handelt halt vor allem instinkt- oder impulslastig und nicht, wie wir Erwachsenen, einfach durchdacht oder reflektiert. Und da muss man einfach … die Sache ist sich selbst vor allen Dingen nicht so ernst zu nehmen, dann kommt man auch sicherlich dahin zu sagen: Ja, ich weiß, das ist Prägung, ja, ich weiß, ich bin so erzogen und ja, es wird noch ein langer Weg werden, anders zu handeln, als man´s im Moment tut, aber der Wille muss einfach da sein, zu sagen: Ich lerne das mit der Zeit, so zu handeln, wie ich handeln will und nicht, wie ich selbst geprägt bin.

Ilse:              Und der zweite Punkt, so bezüglich väterliches Vorbild?

Christian:   Ja, also ich hab keine große Definition, wie mein Sohn mich sehen soll. Ich möchte einfach mit den Jahren vom Vater, der ein Vorbild oder sagen wir mal eine Blaupause ist, an dem man lernt, wie Dinge gehen, hin zu einem gleichberechtigten Freund werden. Also ich habe schon die Hoffnung, dass, wenn wir dann mal durch die Teenagerjahre durch sind, und mein Sohne ein eigenes Leben – vielleicht auch mit eigener Familie – führt, dass ich dann auch in der freundschaftlichen Ansprechpartnerrolle bleiben kann. Aber im Moment ist es ganz klar, dass man ja auch erkennen kann, wie das Kind schaut und beobachtet und einfach nachmacht. Und auch unreflektiert nachmacht und da ist es einfach wichtig, klar abzugrenzen und zu sagen: Ich bin jetzt mal derjenige, der es vorzumachen hat, weil das meine natürliche Rolle im Moment ist und den Jahren, hoffe ich, das dann auch umswitchen zu können.

Ilse:              Ja ich finde das ja auch so berührend, weil Kinder in diesem Alter ja die Eltern schon auch ein bisserl auf ein Podest stellen. Also die haben schon wirklich den Eindruck, Eltern können alles und das gibt uns ja gleichzeitig eine große Verantwortung. Ich hab da so ein Erlebnis von meinem Sohn im Hinterkopf. Der kam ungefähr in dem altern, in dem dein Sohn jetzt ist ständig mit irgendetwas „Papa hepahieren.“ … egal ob das jetzt ein Auto war, dem ein Rad gefehlt hat, oder was weiß ich was. Und irgendwann waren wir dann auswärts essen und er hat von einer Papierserviette ein Stück abgerissen und kam genauso treuherzig schauend Papa hepahieren! Und das ging also dann nicht mehr. Und da hat man dann gemerkt, das war das erste Mal, wo der Papa so ein Stückerl vom Stockerl gestoßen worden ist (lacht) … wo er ein bisserl in der Realität angekommen ist.

Christian:   Ja … (lacht)

Ilse:              Ja, jetzt wollte ich dich fragen, gibt es irgendein Erlebnis, wo du sagst, das hat mich als Vater jetzt wirklich berührt?

Christian:   Was mich als Vater berührt hat, ein Erlebnis mit meinem Sohn?

Ilse:              Mhm

Christian:   Ja das sind ganz ganz viele. Ich hab schon mehr Erlebnisse, die mich berührt haben, wieder vergessen, einfach, weil es so viele sind.

Eins der Erlebnisse, die ich wirklich noch in Erinnerung habe – ich hatte zum Glück auch in dem Moment auch mit meinem Handy gefilmt, war der Versuch meines Sohnes auf eigenen Füßen zu stehen. Er hat sich in der KITA am Zaun hochgezogen und ist dann immer auf seinen Popo geplumpst. Und ich weiß noch genau, als er es da versucht hat, hat er es dann in der Spitze drei Sekunden lang gehalten und ist dann praktisch ungebremst auf die Windel gefallen, auf den Popo … und ich fand einfach, es hat mich total berührt, wie er sich selbst über seine Fähigkeit, wenigsten für 3 Sekunden das Gleichgewicht zu halten, gefreut hat und auch angespornt war das immer und immer wieder zu probieren.

Das ist so eines der großen Dinge, die ich hoffentlich auch nie vergessen werde und ich bin froh, dass ich das Video habe. Einfach der Moment, wo er das erste Mal versucht hat auf eigenen zwei Füßen zu stehen, ohne sich festzuhalten.  Ja das ist sicherlich eines der bewegendsten Dinge, die ich noch in Erinnerung habe.

Ilse:              Das ist aber auch gleichzeitig so ein schönes Bild. Ich bring das auch dauernd im Coaching Aspekt, wenn wir so der Meinung sind, das geht nicht schnell genug, oder das kann ich nicht, oder so. Wo ich sage: Ja, ein Kind, das gehen lernt, das macht sich überhaupt keine Gedanken, ob das jetzt schnell geht, oder nicht, oder ob es das jetzt kann oder nicht und ob es 15 Mal oder 30 Mal auf den Popo plumpst, es tut einfach. Und irgendwann einmal funktioniert es.  Und ich glaube, da können wir uns von den Kindern schon ganz, ganz viel abschauen, dass wir nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen, und wirklich einfach weiter machen.

Christian:   Also es ist schon so, dass sich jedes Kind individuell entwickeln können sollte und es ist schon so, dass sich jedes Kind in unzähligen Dingen schneller entwickelt, als seine Alterskohorte, aber in vielen, vielen Dingen auch langsamer entwickelt, als seine Alterskohorte. Das ist per se nicht schlimm. Ich denke, man muss halt nur mit der Zeit ein Auge dafür entwickeln, wo sich das Kind nicht aus eigener Kraft in einem Bereich weiter entwickeln kann. Z. B. gibt es in der KITA meines Sohnes Kinder, gut man muss dazu sagen, die haben Eltern aus einem anderen Kulturkreis, dementsprechend zu Hause auch die fremde Muttersprache ständig und in der KITA nur die deutsche Sprache, aber die entwickeln sich also im deutschen Sprachgebrauch sehr, sehr viel langsamer. Und ich habe den Wunsch eigentlich als Vater zu erkennen, wenn mein Kind sich nicht aus eigener Kraft in einem bestimmten Bereich weiterentwickelt, wo es sich weiterentwickeln muss. Mir ist es egal, wie schnell das geht, aber die Entwicklung muss da sein. Ansonsten muss man einfach auch so selbst kritisch sein zu sagen, vielleicht fehlt es mir an den elterlichen Fähigkeiten die Entwicklung anzustoßen. Da muss man einfach dem Kind die Perspektive und die Entfaltungsmöglichkeit einräumen, zu sagen, vielleicht bin ich da auch derjenige, der mit seinem Latein am Ende ist.

Entwicklung sollte schon in allen Bereichen da sein. Z.B. gibt e ja auch Entwicklungen, die z. B. krankheitsgehemmt sind, bei Krankheiten, die man nicht erkennen kann bei Kindern. Einfach Fehlentwicklungen und da muss man einfach klar sagen als Eltern: Mensch, es ist nicht schlimm, dass das Kind sich langsam entwickelt, aber es sollte sich auf jeden Fall entwickeln. In allen Bereichen.

Ich denke das muss man – ich weiß nicht, ob das für dich ein Thema ist – aber schon klar unterscheiden. Na, dass Entwicklung ein individuellen Tempo haben sollte, aber man muss schon nicht alles kleinreden und sagen: „Das kommt noch, das kommt noch!“
Es gibt Dinge, die müssen sich entwickeln in einem bestimmten Alter. Und das muss man als Eltern auch kennen.

Ilse:              Äh, ja, das war aber gar nicht der Punkt auf den ich eingehen wollte, sondern…

Christian:   Entschuldigung

Ilse:              … ich hab eigentlich gemeint: „Wir Erwachsenen könnten uns manchmal ein Beispiel nehmen, an dieser Unermüdlichkeit der Kinder, wenn sie etwas lernen wollen. Dass sie sich einfach nicht entmutigen lassen, dass sie einfach immer weiter machen und sich überhaupt keine Gedenken machen, funktioniert das jetzt nach dem 5., nach dem 10. Oder nach dem 15. Mal.

Christian:   Ja da hast du 100 % Recht und ich hatte gehofft, dass das allen schon so weit klar ist. Ich hab das gar nicht … also das ist für mich so eine große Selbstverständlichkeit, dass ich mir gar nicht hab ausmalen können, dass du glauben würdest, ich hätte da eine andere Meinung. Ne, ne, das ist natürlich selbstverständlich. Die Gelassenheit der Kinder ist natürlich echt ein Geschenk.

Ilse:             Aber, was du da ansprichst, mit der altersgemäßen Entwicklung, da stimme ich dir 100 %-ig zu. Ich bin ja auch Montessoripädagogin und hab auch eine Zusatzausbildung für sensorische Integration. Und es gibt einfach Dinge, die man schwer erkennt, und manche äußern sich auf sehr eigenartige Art und Weise. Es gibt Kinder, die z. B. gewisse Speisen nicht mögen, aber das ist gar nicht so sehr, weil sie ihnen nicht schmecken, sondern weil sie Schwierigkeiten haben, mit der Konsistenz dieser Speisen. Also die mögen z. B. keine krümeligen Sachen.

Christian:   Mhm, das verstehe ich.

Ilse:              Und das ist dann z. B. ein Hinweis darauf … oder sagen wir das KANN ein Hinweis sein, dass dieses Kind, ein Thema hat mit der Verarbeitung von Reizen. Es muss nicht so sein, aber es kann so sein.

Und wenn ein Kind permanent nicht hört, dann kann das natürlich auch ein Hinweis darauf sein, dass es simpel und einfach schlecht hört. Und nicht dass es ungezogen ist, oder dass es aufsässig ist.

Insofern stimme ich dir absolut zu, dass man da dahinter schauen sollte. Was steht hinter dem Verhalten des Kindes und gibt es vielleicht auch eine körperliche Ursache?

Christian:   mhm genau, ja.

Ilse:              Weil das war nämlich, glaube ich, das, was du ausdrücken wolltest.

Christian:   Das wollte ich. Mit langen Worten habe ich das ausgedrückt, was du jetzt im Kurzen gesagt hat, ja.

Ilse:              Genau. Ja, nachdem dein Sohn noch nicht so alt ist, wird es wahrscheinlich noch nicht viel geben, was du mit dem heutigen Wissen vielleicht anders machen würdest. Oder gibt es da so eine Begebenheit, die du heute anders lösen würdest?

Christian:   Ja also das ist ganz praktischer Natur. Ich würde mein Kind heute viel früher in Bauchlage schlafen und auch spielen lassen, weil ich einfach gesehen habe, wie intensiv sich die Rücken- und Nackenmuskulatur dann entwickelt. Unser Sohn wollte immer auf dem Rücken liegen und hatte kein Interesse daran und wir haben ihn auf dem Rücken liegen lassen. Ich würde heute viel früher anfangen, ihn auch in die Bauchlage … ja ich will nicht sagen zu zwingen, aber schon zu zwingen, damit er damit umgehen lernt. Da hat er sich ein bisschen langsam entwickelt und ich weiß heute, dass das etwas ist, was nicht schlimm gewesen wäre, wenn wir ihn früher in die Situation gebracht hätten. Damals haben wir gedacht, es ist vielleicht auch nicht gut für die Rückenmuskulatur etc., man hat ja do so immer seine Sorgen, aber heute aus der Praxis, denke ich das hätten wir einfach ein wenig früher anstoßen können, diese Entwicklung.

Ilse:              Das ist ein guter Hinweis und vor allem glaube ich, dass man das gar nicht mit Zwang machen muss. Sondern einfach das Kind auf den Bauch legen und dann einfach einen roten Ball oder irgendein interessantes Objekt vor das Kind legt, weil damit ist es ja spannend.

Christian:   Genau! Also nicht jede Unwohlseins Äußerung des Kindes, so nach dem Motto „Papa, ich hab da keine Lust zu!“ muss sofort zu elterlichen Reaktionen führen, sondern da kann man ihnen doch auch ein paar Sekunden – es muss ja jetzt nicht eine viertel Stunde sein – aber auch ein paar Sekunden bis hin zu wenigen Minuten in diese unangenehme Situation bringen, damit er lernt, dass es diese Dinge gibt, die er selbst lösen kann.

Ilse:              Ja, das ist aber auch so ein Kennzeichen von Vätern, das du jetzt ansprichst. Das heißt, nach Studien ist es einfach so, dass Väter viel eher so diese Impulsgeber sind, Kinder zu etwas anzuleiten, womit sie vielleicht im Moment so ein bisserl Schwierigkeiten haben, das sie herausfordernd empfinden oder wo sie so ein leichtes Unwohlsein empfinden. Würdest du da übereinstimmen? Beobachtest du das auch so? Weil im Prinzip ist es ja so, dass man dann sagt, die Frauen sind halt eher so die Behütenden und die Väter sind halt die, die die Kinder so ein bisserl in die Welt hinaus stupsen.

Christian:   Ja, also das zeigt sich in meinem Freundeskreis, aber auch in unserer Familie schon als Grundtendenz, dass es da eher sagen wir mal die Bereitschaft der Männer gibt, zu sagen „Kind, du bist jetzt mal für einen ganz, ganz kurze Zeit mal einer Situation ausgesetzt, die dich fordert und es ist nicht alles nur inneres Blumen pflücken.“ Das ist schon so, dass man da als Vater eher einfach auch pusht, als das die Mütter tun. Ich denke, das ist auch biologisch so gewollt. Da bin ich kein Experte auf dem Gebiet. Da kann ich nix dazu sagen. Mein Eindruck ist einfach, dass das ganz natürlich ist, dass das so verteilt ist.

Ilse:              Ich denke auch, dass das ganz natürlich ist, weil einfach die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind geprägt ist durch diese Unzertrennlichkeit der Schwangerschaft und wir ja den ersten Loslösungsprozess schon mit der Geburt haben und das Thema Loslassen ist glaube ich für eine Mutter, ja, ich sage jetzt einmal bis die Kinder aus dem Haus sind, ein Thema, weil ständig irgendwelche Loslass-Prozesse da sind. Wie siehst du das mit dem Loslassen für Väter? Erkennst du da Unterschiede, oder wie ist das für dich?

Christian:   Also, du sagst ja selbst, dass es schon ganz anders losgeht, deswegen muss es ja Unterschiede bei den Vätern geben. Für mich ist … ich glaube, dass ich da nicht der typische Vater bin, ich war da schon relativ ängstlich an das Zusammenleben mit dem Kind herangegangen. Also ich lag auch oft lange wach und hab auf den Atem im Babyphon gehört, ich war auch schnell am Bett des Kindes, wenn es dann mal geschrien hat nachts. Ich denke da war ich ängstlicher, als andere Väter das sind und musste da einfach selber lernen, dass das Kind eben nicht so schnell kaputt geht – um das jetzt mal so formulieren zu dürfen – wie man sich das ausmalt. Und das ist auch ein ständiger Loslass-Prozess. Mir fällt es natürlich immer noch schwer, wenn mein Kind morgens gut drauf ist, wenn es dann eben auf die vierspurige Straße zuläuft und ich nur hoffen kann, dass es wie immer an der Ampel stehen bleibt, ich aber genauso gleichzeitig weiß, dass ich ihn nicht durch ein übertriebenes Angstsignal einfach in seiner Entwicklung hemmen darf. Und da muss man dann einfach auch dieses Vertrauen haben, dass so ein Kind eben die Gefahren auch altersgerecht einschätzen kann. Also lange Rede kurzer Sinn, ja natürlich gibt es einen Loslass-Prozess als Vater und ob ich den jetzt anders erlebe, als meine Partnerin das tut, das kann ich gar nicht so genau sagen.

Das ist auch nicht ohne Schmerzen, aber ich denke, das ist bei Frauen sicherlich doch noch intensiver. Das kann ich jedenfalls nachvollziehen, wenn du jetzt sagst, das ist bei Müttern intensiver, als bei Vätern.

Ilse:              Ich weiß nicht. Das maße ich mir gar nicht an, zu sagen, dass es intensiver ist, ich glaube, es ist einfach anders.

Christian:   Bestimmt, ja.

Ilse:              Was mir da noch so auffällt, ist diese Wichtigkeit der Vaterfiguren. Mein Mann war ja eine Zeit im Ausland dienstlich, da war mein Sohn acht Jahre alt. Ich hab damals sehr stark gemerkt, wie ihm diese männliche Identifikationsfigur abgegangen ist und wie er dann das bei seinen Großvätern sehr stark eingefordert hat, um das zu kompensieren. Hast du irgendetwas Ähnliches im Freundeskreis auch schon erlebt oder kennst du die Situation?

Christian:   Also wir haben wenig Kontakt zu allein erziehenden Müttern, wo man das ja vielleicht beobachten könnte. Das hat jetzt nix damit zu tun, dass wir etwas gegen allein erziehende Mütter hätten, sondern, …

Ilse:              … es hat sich einfach nicht ergeben …

Christian:   Ja es ist jetzt zufällig Mal so, dass ich da kein Kind beobachte über einen längeren Zeitraum, das ohne Vater aufwächst. Insofern kann ich da gar nicht viel zu sagen. Ich persönlich merke aber in Gesprächen mit anderen Vätern, dass sie sehr froh sind, dass heute mehr männliche Erzieher in den KITAS beschäftigt werden. Also es ist schon so, dass die Männer sich bewusst sind, dass dem Kind dann, egal ob Mädchen oder Jungen, mehr männliche Bezugspersonen einfach auch gegenüberstehen sollten, als das früher in unserer Generation z. B. war. In meiner KITA gab es keine männlichen Erzieher. Vielleicht wird so ein Schuh draus, dass die Väter auch realisiert haben, dass die männliche Bezugsperson wichtig ist.

Ilse:              Ja und das kann ich aus der Kindergartenerfahrung sage, das tut den Kindern richtig gut. Ich hab mein Praktikum in einer Montessorieinrichtung gemacht, wo wir einen jungen Erzieher hatten und der war fast umkämpft von den Kindern. Weil das einfach eine ganz andere Qualität hineinbringt. Der hat auch einen ganz anderen Umgang mit den Kindern gehabt. Schon sehr wertschätzend und behütend, aber halt auch schon mal das Wilde, mal dieses mehr Spielerische, nicht ganz so strukturiert, auf der anderen Seite dann aber doch wieder mit viel mehr Forderung. Und das war ganz spannend zu beobachten.

Christian:   Das kann ich mir gut vorstellen, ja. Heute ist es ja so, also zumindest in den KITAs, von denen ich weiß, in unserer eigenen, in die unser Sohn geht, aber eben auch dem Freundeskreis, da ist es fast schon ein Gleichverhältnis von männlichen und weiblichen Erziehern. Ich denke, die machen ganz andere Dinge durch. Ich denke, da ist es jetzt selbstverständlich, dass jetzt die männliche Bezugsperson da ist.

Aber damals zu der Zeit, vor den wenigen Jahren, du bist ja jetzt auch nicht so lange aus der Ausbildung raus, insofern ist da ja in den letzten 10 Jahren eine ganze Menge passiert und ich finde das nur positiv, dass das passiert.

Ilse:              Ja finde ich auch. Ja. … Ja, was möchtest du deinem Kind als Vorbereitung auf Leben mitgeben? Das ist so die Frage, mit der ich gerne abschließen möchte.

Christian:   Puh ja, auch ne Frage auf die man ja eigentlich gar nicht antworten kann, weil es ja so viele Dinge gibt, die man gerne einem Kind mitgeben möchte.

Ich denke einfach, dass in unserer Familiengeschichte es so ist, dass der Wert der Familie nicht hoch genug gehalten werden kann. Das ist mir wichtig. Der Bezug zur Religion, zur christlichen Religion ist sicherlich etwas, das ich ihm mitgeben möchte. Und ansonsten ist es mir besonders wichtig, dass ich ihn immer wieder darin bestärke, dass er in der Lage ist, alles selbst zu lösen.

Und wenn er merkt, dass er es nicht alleine lösen kann, dass es nicht schlimm ist, um Hilfe zu bitten. Ich denke, das ist etwas, das ich möchte, das er verinnerlicht, bevor ich nicht mehr da bin, um ihm das beizubringen. Also das ist sicherlich ein Urvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten und ein Urvertrauen darin, dass es nicht schlimm ist, zu fragen und um Hilfe zu bitten.

Ilse:              Das finde ich wunderschön, weil ich jetzt so an die Generation meines Vaters denke, dann war das ja ein Drama, wenn ein Mann um Hilfe bitten musste.

Christian:   Mhm. Ja die heutige Welt ist … Ich kann das nachvollziehen, dass das damals so war, aber die Welt ist heute sehr viel komplexer, als die Welt unserer Großväter. Insofern muss man da einfach realistischer sein in Bezug auf die eigene Leistung beziehungsweise man darf sich einfach nicht in allen Bereich gut auskennen wollen. Das klappt nicht.

Ilse:              Stimmt, ja.

Ja, dann danke ich dir ganz herzlich für das Gespräch. Danke für die tollen Einblicke, die du uns gewährt hast.

Christian:   Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich hoffe, ich hab ein paar Impulse zum Nachdenken geben können.

Ilse:              Da bin ich mir ganz sicher, dass sich meine Hörerinnen und Hörer etwas mitnehmen können und ich finde es eben ganz wichtig, dass wir auch als Frauen und Mütter die andere Seite kennen lernen und beleuchten, weil wir oft so in unserer Rolle verstrickt sind, dass wir gar nicht merken, was im anderen vorgeht.

Christian:   mhm

Ilse:              Gut herzlichen Dank!

Christian:   Ja, ich danke dir und weiterhin viel Erfolg für deinen tollen Podcast.

Ilse:              Danke!

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