Aus-gelassen leben

Papa-Interview mit Maik Pfingsten

Papa-Interview mit Maik Pfingsten

Maik Pfingsten ist Entrepreneur, Speaker, mehrfacher Podcaster und auch dreifacher Vater.

Seine beiden Töchter sind 9 und 6 Jahre alt, der Sohn ist drei. Er schildert in diesem Interview sehr feinfühlig und offen die Herausforderungen mit drei Kindern. Vor allem aber hat Maik einen direkten Vergleich. Bei seinen Töchtern konnte er im Kleinkindalter berufsbedingt nicht so aktiv am Leben der Kinder teilnehmen, wie er es gerne gewollt hätte. Durch sein Online-Business sieht das beim Sohn ganz anders aus und auch die Töchter profitieren davon, dass der Papa sich die Zeit jetzt gut selbst einteilen kann.

Weiter unten kannst du das Interview auch als Transkript lesen, wenn dir das lieber ist.

Hier kannst du dir die Folge anhören:

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Shownotes:

Maik Pfingsten

Maik ist hat mehrere Podcasts

PechaKucha

Lifestyle entrepreneur

Maik hat auch mal seine eigene Frau interviewt. Das kannst du dir hier anhören.

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Hier kannst du den Inhalt des Podcasts auch lesen, wenn dir das lieber ist.

Das ist ein wörtliches Transkript.

Transkript vom Papa-Interview mit Maik Pfingsten

Ilse:       Hallo und herzlich willkommen! Wie gesagt, ich bin heute schon ein bissel aufgeregt, weil ich habe heute Maik Pfingsten zu Gast. Maik Pfingsten ist ja selber Entrepreneur, Speaker, Mentor und natürlich auch Podcaster – und das gleich mehrfach. Hallo Maik!

Maik:    Hallo Ilse, schön, dass ich da sein darf.

Ilse:       Ja, und wir haben uns ja ausgemacht, wir sprechen heute so ein bissel über dein Vater-Sein.

Maik:    Mhm. Gerne.

Ilse:       Ja, magst du uns mal sagen, wie viele Kinder du hast und wie alt deine Kinder sind?

Maik:    Also insgesamt hab ich drei Kinder. Die älteste ist jetzt grad neun geworden, die Mittlere ist jetzt grad sechs und in der Schule und der Youngster ist drei und ist jetzt gerade in den Kindergarten gekommen.

Ilse:       Das ist ja eine bunte Mischung sozusagen.

Maik:    Ja.

Ilse:       Das finde ich spannend, weil bis jetzt hatte ich entweder Väter mit ganz jungen Kindern, oder Väter mit Teenagern.

Maik:    OK

Ilse:       Und du liegst jetzt mit der Altersspanne eigentlich genau dazwischen.

Maik:    lacht

Ilse:       Ja, erzähl einmal ein bisserl so aus euren Familienalltag. Wie ist das bei euch so? Habt ihr die Arbeiten aufgeteilt, oder habt ihr die Zuständigkeiten klar verteilt? Wie funktioniert das im Hause Pfingsten?

Maik:    Also bei uns – ich kann schwer sagen, ob es normal ist, wie wir es leben – mein Hintergrund ist ja der, dass ich im Grunde Stand 2016 elf Jahre unternehmerisch aktiv bin. Ich hab 2005 in die Selbständigkeit gestartet, als freiberuflicher Ingenieur, mehrere Unternehmen aufgebaut und erfolgreich verkauft und auch Insolvenz miterlebt und in dieser Zeit auch sind die Kinder dazugekommen. Also ich hab 2007, als die Älteste geboren worden ist, war ich in einer Situation – wir hatten eine GesmbH & Co KG mit insgesamt 15 Mitarbeitern – wir sind in die Automobil- und Wirtschaftskrise reingeschlittert und zu der Zeit ist die Älteste gekommen. Da war es so, dass natürlich viel von meiner Frau quasi übernommen worden ist, was so das Private mit den Kindern anging. Dann kam 2010 die Mittlere dazu. In der Zeit war ich gerade in einem Umbruch. Ich hatte mich mit einem ehemaligen Gesellschafter auf der Werteebene verstritten. Einer der Gesellschafter hatte mir Mitte 2009 ganz klar ins Gesicht gesagt, ich sollte mit meiner Frau reden, dass sie vielleicht für anderthalb bis zwei Jahre die Vaterrolle übernimmt, damit ich mich noch mehr um die Firma kümmern kann. Daraufhin hab ich ihm klar gesagt, das ist nicht mein Verständnis von Familie und Beruf und hab meine Anteile zum Verkauf gestellt und bin quasi Ende 2009 aus dem Unternehmen ausgeschieden und hab nochmal neu gestartet.

Ilse:       Mhm

Maik:    Wieder mit einem freiberuflichen Ingenieurbüro. Das heißt, ich war zu der Zeit, wo die Mittlere geboren worden ist auch wieder ziemlich eingespannt mit ich sag mal nach 5 Jahren wieder neu starten mit Business aufbauen. Das heißt da hat auch meine Frau relativ viel abgedeckt. Und was parallel auch noch dazu war – dieses freiberufliche Ingenieurbüro – ich bin zu der Zeit damals aktiv als Troubleshooter unterwegs gewesen, das heißt so eine Art Feuerwehrmännchenrolle im Projektmanagement. Ich hab viele Automobilentwicklungsprojekte damals gerettet. Das heißt ich war in der Welt unterwegs. Und das kam dann auch on Top dazu. Also diese beiden Kinder habe ich damals zu der Zeit – ja ich sag mal – fast ausschließlich am Wochenende oder im Urlaub gesehen.

Das hat sich sehr stark geändert jetzt mit dem Online-Business, das ich ja seit drei Jahren aufgebaut habe. Wo ich im Grunde alles umgebaut habe. Ich hab die aktive Troubleshooter-Tätigkeit an den Nagel gehangen. Das hat mich auch gelangweilt. Es war für mich normal internationale Projekte mit 150 Mitarbeitern wieder aufs Gleis zu stellen. Das war irgendwann auch nicht mehr so reizvoll.

Ja und ich hab mit Podcasten angefangen und daraus entstanden ist eben ein kompletter digitaler Business, was mich wahnsinnig fasziniert, was da gerade passiert. Und in diesen Zeitraum reingefallen ist eben unser Dritter, 2013, unser Youngster. Und da war es plötzlich anders. Da war ich zu Hause. Ich hab ja heute die luxuriöse Situation, dass ich unabhängig von Zeit und Ort arbeiten kann, dass ich die Freiheit habe, das zu tun und dementsprechend auch die Freiheit habe unseren Alltag zu gestalten.

Und jetzt ist es so, dass ich viel, viel mehr für die Kinder da sein kann. Ich hab die ganze Zeit – ja – von der Geburt und des Aufwachsens des Youngsters komplett miterlebt, das war bei den Mädchen nicht so.

Ilse:       Mhm.

Maik:    Da können wir vielleicht auch nochmal drüber reden, was das bedeutet. Auch für mich als Vater. Und heute organisieren wir vielleicht einen Alltag, der nicht so üblich ist in Deutschland, weil im Grunde bin ich zu Hause. Fast immer! Meine Frau arbeitet halbtags zwei Mal die Woche. Aber auch eigentlich mehr nur, weil sie ihren alten Beruf liebt und da noch ein bisschen etwas tun möchte.

Das heißt zwei Vormittage die Woche bin ich Papa oder Vater oder ich Hausmannstag, sag ich immer. Ich bin heute Hausmann. Das ist auch manchmal ungewöhnlich für die Nachbarschaft. Aber das ist etwas, wo ich mich mittlerweile sehr daran gewöhnt habe. Ich glaub die Kinder genießen es und merken diese Verfügbarkeit, oder die Präsenz, die dann möglich ist – im Vergleich zu klassischen angestellten arbeitenden Familienvätern.

Ilse:       Ja! Was natürlich abstrus ist, ist dass du genau durch dein Wertesystem – also dadurch, dass du ja für die Familie da sein wolltest – in diese Situation gekommen bist, dass du bei beim zweiten Kind quasi wieder nicht dabei sein konntest.

Maik:    Mhm.

Ilse:       Aber das geht vielen Männern so, weil spannenderweise die Zwänge ja ganz subtil vorhanden sind. Also ich kann es auch von meinem Mann sagen. Der ist im öffentlichen Dienst. Und der wollte bei beiden Kindern in Karenz gehen. Es war bei beiden Kindern schon genehmigt. Man hat ihm nur genau dann einen Karrieresprung angeboten.

Maik:    Mhm. Ja, ok … (beide lachen)

Ilse:       Also diese Rollenbilder werden schon noch sehr subtil unterstützt.

Maik:    Schmunzelt. Also ich hab zwar einen anderen Weg genommen, aber es ist eine ähnliche Situation gewesen. Mein Wunsch, mein Ziel – schon immer – auch seit jungen Jahren war Freiheit. Und ich pass da auch einfach nicht … Ich komm, geboren ursprünglich aus dem Ruhrpott, heute lebe ich in Köln. Das heißt ich bin zwischen Kohle und Stahl groß geworden. Und ich kannte das: Morgens um 7 zur Arbeit und Stechuhr, Stempeluhr und dann musstest du wie ein Doofer bis 16 Uhr an deinem Schreibtisch sitzen, auch wenn die Arbeit schon erledigt ist, weil dann erst darfst du ausstempeln. Und ich hab da nie reingepasst, in dieses System. Verbunden eben auch mit meiner Art und Weise Dinge zu hinterfragen und auch die Freiheit zu haben, eine Meinung zu haben und so zu leben wie ich Bock habe. Und daraus entstanden ist schon sehr früh eben bei mir dieser Wunsch, dieses Ziel – ja – unternehmerisch aktiv zu sein, selbständig zu sein, mein eigenes Ding zu machen.

Eben weil ich darüber auch das Ziel hatte: Ok, wenn ich das da jetzt so anschiebe – ja – nach einem Jahr, wenn es dann noch existiert, das Unternehmen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es nichtgrundsätzlich ganz total daneben war. Wenn du nach drei Jahren noch existierst, dann hast du ein Geschäftsmodell gefunden, was funktioniert. Und so war eigentlich so meine Überlegung, dann wird es ruhiger mit dem Business und dann hab ich auch die Freiheit, weil dann eben das Business unabhängig von mir funktioniert und ich habe viel mehr Zeit für die Kinder.

Und genau das ist ja nicht passiert. Bei mir jetzt natürlich historisch gesehen. Auf der einen Seite habe ich damals nicht verstanden, dass ich eben mit den anderen Gesellschaftern nicht zusammenpasse. Die haben ein anderes Wertesystem als ich …

Ilse:       Na und das merkt man auch manchmal erst während der Arbeit, nicht.

Maik:    Ja, klar. Natürlich, natürlich. Also ich stand da, wie vom Blitz getroffen, als der zu mir sagte: „Hey, rede mal mit deiner Frau, dass die zwei Jahre die Vaterrolle übernimmt.“ Das kommt ja fast einer Scheidung gleich, wenn ich das durchziehen würde. Und da hab ich gesagt: „Ne, das ist eigentlich nicht der Plan gewesen.“  Jetzt kam noch die Wirtschaftskrise oben drauf und, und, und.

So ist das eigentlich alles anders gelaufen, als ich das ursprünglich vorhatte und umso mehr genieße ich heute die Möglichkeit. Ja, ich hab heute Vormittag etwas gearbeitet, der Youngster war im Kindergarten. Und dann bin ich einfach um 12 mit der Mittleren zum Kindergarten spaziert. Sie hat sich gefreut ihren alten Kindergarten wieder einmal zu sehen und er hat sich gefreut, dass ich ihn abhole. Und das alles mittlerweile ohne Ritterrüstung – also ohne Schlips und Krawatte.

Ilse:       Ja – und – du hast natürlich durch diese spezielle Situation jetzt einen direkten Vergleich. Wie fühlt es sich so an und wie fühlt es sich so an, nicht.

Maik:    Ja!

Ilse:       Und was bedeutet es für dich als Vater da sein zu können, präsent zu sein oder eben nicht verfügbar zu sein und gewisse Dinge nicht mitzuerleben.

Maik:    (Holt tief Luft) … Also dadurch, dass ich jetzt schon beide Situationen lebe, erlebt habe, muss ich sagen, es ist – gerade diese Zeit, wenn die Kinder zwischen Null und drei Jahre alt sind – ist aus meiner Sicht die faszinierendste Zeit überhaupt. Weil sie fangen an die Welt zu entdecken, sie fangen an, mobil zu werden. Sie fangen an eigene Ideen zu haben, eigene Vorstellungen, eigene Meinungen … all das, was da halt dazu kommt. Wo man sich als Eltern auch oft einen Kopf macht und denkt, naja. Das gehört aber dazu. Und das hab ich im Grunde immer nur über die Erzählung meiner Frau erlebt.

Ilse:       Mhm.

Maik:    Bei den ersten beiden. Und das erlebe ich jetzt eben bei dem Youngster komplett mit. Eben all dieses himmelhoch Jauchzen, die Welt ist toll und ganz tottraurig, weil das liebste Kuscheltier ist nicht mehr auffindbar. All diese ganzen Sachen habe ich ja im Grunde so vorher nicht gehabt und das schätze ich wahnsinnig und vermisse ich ein Stück weit bei den beiden Mädchen. Dass ich das damals so nicht miterleben konnte. Ich merke aber, oder vielmehr meine Frau und ich merken es beide, wenn ich manchmal so Aussagen mache: „Ach, das ist ja toll. Haben das die Mädchen auch gemacht?“, und dann sagt meine Frau: „Selbstverständlich haben die das auch gemacht, in dem Alter.“

Und dann denke ich mir, hoh, jetzt habe ich es das erste Mal gesehen, dass er – was auch immer gemacht hat – einen neuen Entwicklungsschritt oder so. Da merke ich das und da schätze ich das.

Parallel natürlich auch, und das kommt dazu, durch diese Anwesenheit kann ich natürlich auch – ich sag mal meine Lebenseinstellung, meine Werte, das was mir wichtig ist  usw. – auf eine ganz andere Art und Weise weitergeben den Kindern. Weil, wenn ich nicht da bin als Vater, dann kann ich das nicht weitergeben. Dann kann ich das nur am Wochenende oder abends. Aber wenn ich jetzt so zurückdenke … ich hab ja 5 Jahre auch als Angestellter gearbeitet als Ingenieur, ich kenne ja, wie das ist … wenn du in einer Anstellung bist und du kommst dann Abends nach Hause. Dann ist der Tag durch, die Kinder sind müde, die Ehefrau ist müde. Eigentlich ist es abends nur noch Programm und dann ab ins Bett und das war es. Das heißt du hast am Abend ja gar keine Chance als Vater irgendetwas – ich sag mal im Sinne von Vorbild – weiterzuvermitteln. Dann ist das Wochenende, aber am Wochenende bist du selber froh, dass du die Füße mal hochlegen kannst.

Ich kenn das von meinem Vater, der war halt Außendienstler, angestellt als ich Kind war. Am Wochenende war der froh, wenn der Zeitunglesen konnte. Was ich verstehen kann, heute als Vater. Und das ist eben heute für mich anders.

Ich kann im Grunde meine Verfügbarkeit rauf- und runterfahren, wie ich es selber für sinnvoll halte und kann halt auch auf eine ganz andere Art und Weise Auszeiten nehmen, um Zeit für die Kinder zu haben. Und es gab einen Satz, der hat mich sehr geprägt. Schon zur Geburt unserer Ältesten 2007. Da hat ein anderer Vater mal zu mir gesagt: „Es gibt einen riesengroßen Unterschied zwischen Anwesenheit und Präsenz.“

Ilse:       Oh Ja!

Maik:    Ich sag mal, wenn ich jetzt ein arbeitsloser Harz IV Vater wäre, dann bin ich die ganze Zeit anwesend. Ich sitze irgendwo auf dem Sofa, gucke Fernsehen oder was auch immer ich dann tue. Ich bin also anwesend, das ist aber etwas ganz Anderes als Präsenz.

So habe ich aber auch schon früh – auch noch in der Zeit, wo ich aktiv als Troubleshooter unterwegs war  und diese ganzen Businessgeschichten durchgeschoben hatte – immer drauf geachtet, wenn ich dann mal Zeit hab für die Kinder, bin ich dann aber auch präsent. Und nicht mit den Gedanken im Business oder sonst irgendwo anders, bei irgendwelchen Problemen, die ich lösen muss. Das hat mir damals über diese Zeit schon sehr viel geholfen. Aber das ist etwas, was ich heute ganz anders – natürlich – gestalten kann.

Ilse:       Ja. Was mir auch auffällt, wie du sagst, die Vorbildwirkung. Die ist natürlich viel direkter, wenn man da ist. Und das zweite ist, dass ich glaube, dass es für die Kinder sehr wichtig ist, die Eltern auch im Arbeitsprozess zu erleben.

Maik:    Mhm.

Ilse:       Und das kann ein Kind, wenn die Eltern außer Haus arbeiten ja kaum mehr. Und in dem Moment, wo sie aber die Eltern im Arbeitsprozess erleben, ist auch dieses „Oh, morgen ist wieder Montag“ oder „Ah, Gott sei Dank ist schon wieder Freitag.“ – Das ist dann nicht mehr vorhanden.

Weil der Arbeitsraum und der Lebensraum einfach ineinander verschwimmen und die Kinder auch merken, dass das etwas Wertvolles ist und dass das auch Spaß machen kann, die erleben einfach auch, dass das Freude macht und auch erfüllend sein kann.

Maik:    Ja. Das auf jeden Fall. Also das hat eine Zeit gedauert. Ich meine, ich hatte immer Büros mit Angestellten und so weiter in Köln. Und hab ja über diese ganze Reise, die ich gemacht hab, mit meinem Ingenieurbusiness in das digitale, in das Online-Geschäft plötzlich die Situation vor zwei Jahren gehabt … ich brauchte kein physisches Büro mehr. Und virtuelles Zusammenarbeiten war für mich auch schon vorher normal mit den internationalen Teams. Und dementsprechend habe ich damals dann gesagt: „Warum bezahle ich eigentlich ein teures Büro in Köln?“

Wir wohnen hier in einem Haus im Süden von Köln. Warum nicht hier irgendetwas einrichten.

Und das ist schon ein Mindshift der am Anfang ja da ist auf allen Seiten. Also im Grunde sind es ja drei Faktoren, Fraktionen, Parteien – wollte ich schon sagen – die miteinander dann auch ringen.

Also zuerst einmal ist es so: Meine Frau war es gewohnt, den Alltag hier zu gestalten, ohne dass ich da war. Egal, ob ich jetzt im Büro war, oder beim Kunden. Und plötzlich bin ich da, oder zumindest in der Nähe.

Für mich war es natürlich auch schwierig. Ich sitze hier, arbeite, höre die Kinder im Garten spielen und hab den Impuls ich könnte jetzt eigentlich auch rausgehen, statt arbeiten. Auch das ist Lernen, was passiert.

Aber auch für die Kinder natürlich. „Papa ist da.“ Und es brauchte eine Zeit, bis wir alle auch so einen Modus Operandi gefunden hatten für uns alle, dass es klar war, wenn die Tür zu ist, dann stürme ich jetzt nicht so grade in das Büro rein: „Papa, meine Freundin, die ist doof und hat was blödes gesagt.“

Sondern die wissen genau. Ok, die Tür ist zu. Jetzt braucht Papa seine eigene Zeit.

Wenn die Tür offen ist können sie jederzeit reinkommen und auch gucken, was ich da grade auf meinem Rechner mache. Heut Vormittag hat meine Älteste grad ein bisschen zugeschaut, wie ich ein bisschen was für meine Online-Bibliothek gebastelt habe im Netz. Und das ist halt möglich.

Und ich hab es gemerkt, vor einer Woche ungefähr, war von meinem Schwager, der ist auch Ingenieur in einer leitenden Position, der Sohn hier. Und er sah mich arbeiten, kam rein und sagte zu mir: „Ah und arbeiten, das ist doch schwierig und schwer und anstrengend und was machst denn du da.“ Und dann guckte ich ihn an und sagte: „Simon, ich find das super entspannend die Art und Weise, wie ich heute eigentlich arbeite. Und was ich mach? Ich bin heute eigentlich Lehrer, wie du es kennst aus der Grundschule. Nur eben Lehrer für andere Ingenieure.“

Und das war etwas, wo er sagte, ok, das kann ich verarbeiten und merkte plötzlich, weil er das nicht kannte. Sein Vater ist halt klassisch in einer Führungsposition, viel weg, viel in China, und er wundert sich sehr, wie der Vater seiner Kusine, da die ganze Zeit scheinbar rumsitzt und scheinbar arbeitet.

Ilse:       Ja, aber genau das ist einfach für die Kinder so unheimlich wichtig. Weil das ja so ein direktes Vorbild gibt. Wie kann ich mein Leben gestalten, so dass es mir Freude macht und dass es trotzdem – ja – mir finanziell gut geht? So dass ich mein Leben bestreiten kann.

Maik:    Also das ist ´ne Sache, da hab ich mir auch schon Gedanken drüber gemacht, weil ich kenne ja aus meiner Jugend dieses klassisch, industrielle Angestelltenleben. Ja?

Ilse:       (lacht) Ich kenn das auch. Ja!

Maik:    Ja, die Hälfte bis zwei Drittel der Väter meiner Klasse waren meistens bei Thyssen, Krupp und irgendwo im Bergbau oder sonst wo. Das war schon außergewöhnlich. Mein Vater als Außendienstler hatte relativ viel Freiheit, seinen Tag zu gestalten; wann er losfuhr und wann er abends nach Hause kam. Aber ich kannte es auch aus meiner Lehre. Wie gesagt, ich hab da nicht reingepasst in dieses System mit diesen Stechuhren. Das war aber normal und ich kannte auch keine Alternativen. Und ich merke, wie schwer es mir heute – ich bin heute 42 – immer noch fällt, aus diesem – 20 Jahre erlebten – Denkmuster auch mal auszusteigen. Und ich merke auch im Privaten, in der Nachbarschaft, wie ungewöhnlich meine Art zu arbeiten ist, weil die wissen, dass ich Unternehmer bin. Und früher war es so: „Ist der Maik nicht da, läuft das Geschäft – ist der Maik da, hat er keine Aufträge.“  Dass das heute ja über das Internet komplett anders ist, ist die andere Geschichte. Das ist auch etwas, was die Nachbarschaft gelernt hat, mit der Zeit.

Aber auch so Situationen, die ich häufiger schon hatte. Ich bin dann vormittags mit dem Youngster einkaufen gefahren, wenn ich da meinen Papa-Tag hatte und treffe dann im Supermarkt eine Mutter von einem anderen Kind aus der Schule und die sagte zu mir so: „Oh Hallo, hast du heute Urlaub?“

Und ich steh und sag so: „Nö, ich hab heute einkaufen.“ Und dieses Bild vermittle ich aber heute meinen Kindern und für die wird es wahrscheinlich eine völlig andere Selbstverständlichkeit haben, wie leben und arbeiten in einer Familie gestaltet ist, als das, was ich noch von früher kannte aus meinem Kontext.

Ilse:       Ja. Mhm. Jetzt ist es ja so, dass du bei den drei Kindern quasi deine Vaterrolle unterschiedlich gestaltet und wahrgenommen hast und auch in deiner Wichtigkeit als Bezugsperson, sagen wir mal, die ersten paar Jahre ganz anders vorhanden warst, wie war das für dich. Und zwar jetzt nicht so vom Gefühl her für dich, sondern wie hast du das am Kind wahrgenommen? Hast du wahrgenommen, dass denen etwas abgeht?

Maik:    Hm, das ist schwer zu sagen. Das liegt an den unterschiedlichen Charakteren der Kinder.

Ilse:       Ja.

Maik:    Also was ich sehr wahrgenommen habe, ist bei der zweiten. Die zweite ist ein Sandwichkind. Die hat eine drei Jahre ältere Schwester, die ein ziemlich helles Köpfchen ist und die will im Grunde auch alles schon können, was die ältere kann. Kann sie nun mal nicht. Sie ist halt drei Jahre jünger.

Ilse:       Ja, ja, ja.

Maik:    So … aber ein ganz anderer Charakter. So unsere Älteste ist so vom Bild her: Da ist eine Mauer. Und die geht halt los, schaltet das Köpfchen ein und sucht so lange nach einer Lösung um die Mauer herumzukommen, bis sie irgendwann eine Lösung gefunden hat.

Ilse:       Und wenn sie durchgräbt unten …

Maik:    Ja. Aber sie schalten den Kopf an und guckt, wie geht das. Gibt es da eine geheime Tür? Gibt es da eine Möglichkeit drum rum, oder drunter oder drüber oder wie auch immer. Aber das ist der typische Charakter der Ältesten.

Die Mittlere ist vom Charakter her: Gib mir ´ne Mauer und ich werde da so lange mit Ehrgeiz vorrennen, bis die Mauer in sich zerbröselt. Ja?

Und man hat das so schön gemerkt, wie die Kinder gelernt haben Fahrrad zu fahren und Inline zu skaten. Also die Älteste, da war das ein Prozess über Wochen und Monate.

Bei der Mittleren war das einfach so. Oh, die Älteste kann jetzt Fahrrad fahren, das will ich auch können. Die hat einen Tag mit Blut, Schweiß und Tränen Fahrrad fahren gelernt und konnte das dann auch. Das gleiche war beim Inline-Skaten.

Und dieses Sandwichkind ist ein Papa-Kind. Die ist total auf mich fixiert, was so auch Schwierigkeiten, Nähe und all die Sachen angeht. Da war die Ältere nie so.

Die Ältere ist weder Papa- noch Mama-Kind manchmal. Die macht so ihr eigenes Ding.

Und da merke ich den großen Unterschied bei der Mittleren, weil ich ja anfangs die Mittlere nicht so intensiv mitbekommen habe, heute aber im Grunde da bin und sie halt auch diese Möglichkeit mittlerweile ja auch schätzt.

Ilse:       Und das ja noch früh genug, Gott sei Dank.

Maik:    Ja, ja. Also ich merke es zum Beispiel ich war jetzt vor drei Tagen unterwegs auf einem bezahlten Vortrag bei einem Industriekunden. Da bin ich dienstagmittags in den ICE gestiegen und bin mittwochabends quasi nach Hause gekommen und das sind so Momente, wo sie plötzlich feststellt: „Der Papa ist nicht immer da.“ Und das sind dann auch so Momente, wo sie plötzlich merkt, wenn sie mit der Mama Reibereien hat, gibt es keine Möglichkeit das Thema mal mit dem Papa zu klären. Das heißt nicht immer, dass ich das zulasse. Ich hab da schon eine klare Vorstellung mit meiner Frau, was die Erziehung angeht. Aber sie merkt viel stärker diese Präsenz oder eben auch diese Nicht Verfügbarkeit vom Papa.

Beim Youngster ist es ein bisschen … der hats besser, aber der ist grade erst drei. Aber der kennt es auch nicht anders. Da bin ich mal da, dann bin ich nicht da. Ohem ja, ist ja alles super. Von daher, der freut sich, wenn der Papa da ist und wenn der mit ihm Lego baut, oder Auto spielt und wenn der nicht da ist, dann spielt er mit den Schwestern halt Puppen und Playmobil.

Ilse:       Ja. Gut der hat aber natürlich auch seine Reservoirs schon ganz anders gefüllt, nicht wahr.

Maik:    Mhm, ja na klar, das stimmt. Das ist ein wichtiger Punkt. Der kennt es im Grunde nicht anders. Das ist für ihn normal, ich bin da, ich bin verfügbar. Er sieht, wie ich meinen Alltag gestalte, wie ich über Dinge denke, wie ich handle. Das stimmt schon, das ist bei der Mittleren anders gewesen. Die hat im Grunde erst die letzten drei Jahre von ihren sechs Jahren den Papa um sich herum.

Ilse:       Und was ist euch in der Erziehung der Kinder wichtig? Also welche Werte wollt ihr da vermitteln?

Maik:    Also was uns wichtig ist, ist auf der einen Seite Freiheit, freies Denken. Also, dass sie in der Lage sind, selber zu urteilen, sich eine eigene Meinung zu bilden und darauf basierend auch in der Lage sind, eigene Entscheidungen und eigene Handlungen abzuleiten.

Meine Frau hat das mal so schön in so ein Bild gepackt. Die sagte: „Wir stellen einfach einen ganz groben Rahmen auf und schauen, dass sie da drin bleiben. Ich sag mal halt, dass sie im gesellschaftlichen und auch im privaten Regelraum unterwegs sind und nicht einen totalen Blödsinn anstellen. Aber wenn sie dann innerhalb dieses Raums oder Sandkastens, wie auch immer man das Bild dann nennen will, unterwegs sind und auch mal auf die Nase fallen und aufstehen und gelernt haben, das ist ok. Wir passen halt nur auf, dass wenn sie auf die Nase fallen sie vielleicht nicht von einem drei Meter hohen Baum runterfallen – mal jetzt bildlich gesprochen. Wo sie sich dann selber auch irgendwie Schaden zufügen können. Aber ansonsten lassen wir sie laufen.“

Es ist einfach so … es gibt so einen Spruch bei uns beiden schon lange. Wenn die Kinder auf die Nase fallen, man sieht ja relativ schnell – innerhalb von Sekunden – ist das ernsthaft, ist das ein Problem oder ist das jetzt einfach nur mal über die eigenen Füße drüber gestolpert. Und das gibt es bei uns so diesen geflügelten Spruch: „Aufstehe. Weiterlaufen. Alles gut.“

Und es ist völlig normal für unsere Kinder, dass sie hinfallen, aufstehen und dieses Lernen, dass das dazugehört. Dass ich auch mal eine völlig falsche Richtung einschlage und dann plötzlich feststelle: Oups, ich hab mich total (quasi auch im Bild gesprochen) verlaufen mit meinen Ideen oder mit dem, was ich machen will.

Wir lassen sie laufen und passen aber auf, dass sie in einem geschützten Raum unterwegs sind, aber ihre eigenen Erfahrungen, ja ihre Erlebnisse haben können. Und das ist uns wichtig.

Wir haben es sehr stark gemerkt bei der Ältesten, als sie in die Schule gekommen ist vor drei Jahren. Sie hat von allen Kindern einen der weitesten Wege zur Schule. Und da haben wir sie laufen lassen. Das ist schwer als Eltern dann loszulassen, weil wir in einer anderen Situation sind, als die anderen Eltern der Mitschüler und Mitschülerinnen, weil die haben vielleicht nur 2 Straßenblocks und dann sind die an der Grundschule. Bei uns ist es einmal quer durch den Ort, über die Hauptverkehrskreuzung und dann zur Grundschule rüber. Aber wir lassen sie laufen. Wir haben das mit ihnen geübt. Wir haben dann auch irgendwann mal den Weg alleine ausprobiert und dann haben wir gesagt: „Komm, hey.“

Wir kommen schwer drauf klar, wenn wir sehen, wie andere Eltern ihre Kinder auch in der dritten Klasse mit dem Auto morgens zur Schule bringen und Abends bzw. Mittags wieder abholen, obwohl der Fußweg grade mal 400 m ist.

Ilse:       Eine sehr sympathische Einstellung. Ich finde nämlich auch für die Kinder ist es so wichtig, diese Erfahrung allein zu machen und so wie du das schilderst, habt ihr ja fast so dieses montessorische System. Das heißt es gibt sozusagen eine vorbereitete Umgebung und innerhalb dieser Umgebung dürfen sich die Kinder frei bewegen. Und ich glaub, dass das für die Kinder eben ganz, ganz wichtig ist, diese Erfahrungen selber zu machen, die Fehler selber zu machen, weil sie dann eben auch lernen: Ok, das ist ein Feed-back und dadurch eine viel größere Fehlertoleranz entwickeln und nicht gleich frustriert sind, wenn etwas nicht klappt.

Maik:    Mhm, genau. Also, ja egal, worum es geht, wenn sie was bauen oder basteln wollen oder im Garten irgendwas machen, oder unterwegs sein wollen, oder so … manchmal haben wir die Situation, dass wir sehen, das wird jetzt voll in die Hose gehen. Aber dann lassen wir sie laufen, weil alles andere macht es nur – aus unserer Sicht – anstrengender. Jetzt könnte ich sagen, mach gar nicht erst so, mach so rum und so weiter … ja und dann sagt das Kind „Wieso, ich will es aber so rum machen.“ Dann diskutierst du mit dem Kind oder gar gehst hin und verbietest ihm das und das Kind will es nicht. Es will es ja ausprobieren.

Ilse:       Ja und es soll es ja auch ausprobieren, es soll ja seine Erfahrungen machen.

Maik:    Genau. So und jetzt läuft es dann mit der Nase vor den Strauch und stellt dann fest: „Hups, da war ein Strauch.“. Und dann brauche ich es gar nicht erklären und beim nächsten Mal weiß es, darüber brauch und kann ich mit meinen Eltern diskutieren. Das ist der falsche Weg.

Ilse:       Ja und es ist ja auch so, dass genau diese Herangehensweise den Kindern, diese Neugierde, die Grundneugierde, die sie ja haben und die sie mitbringen in die Welt, erhält. Und das ist ja etwas, was wir, glaube ich, ja ganz, ganz dringend brauchen. Das ist ja das, was wir Erwachsenen mit Coachings und so weiter wieder beibringen.

Maik:    Jaja. Vielleicht ist das auch … ja, weiß ich nicht … bei mir war das so, ich hab mal den Spruch gehört – da war ich ein bisschen perplex, als ich den gehört habe. Ich hab 1999/2000 meine Diplomarbeit geschrieben. Im Entwicklungsbereich, ich hab dort mein Diplomarbeitsthema gehabt und für mich war das so klar forschen und entwickeln, neue Dinge bauen, so ingenieurmäßige Sachen, Technik und so weiter und eben wahnsinnig viel Neugier. Weil ich von Natur aus im positivem Sinne neugierig, ich will wissen, wie die Welt funktioniert, das ist spannend. Und es ist egal, ob es Menschen sind, oder Technik, oder Umwelt oder Weltraum oder was auch immer. Ich finde solche Sachen einfach wahnsinnig spannend und bin dann immer neugierig neues Wissen aufzunehmen. Und damals hat mein Diplombetreuer gesagt, als ich fertig war: „Weißt du was Maik, du bist zu neugierig.“

Ilse:       Geht das überhaupt? (lacht)

Maik:    Und da hab ich nur den Kopf geschüttelt. Ich hab das nicht verstanden. Ich hab gesagt: „Hör mal, du bist doch auch Entwicklungsingenieur. Neugier gehört doch zum Job! Ich muss doch neugierig sein, um diesen Job zu machen.“ Und das war für mich selbstverständlich und da hab ich als erstes gemerkt, dass ich eine etwas andere Einstellung hatte oder sagen wir mal, mir diese kindliche Neugier irgendwie erhalten konnte. Warum auch immer, ich weiß nicht, was meine Eltern da auch richtig gemacht haben.

Ilse:       Ja, mir gelang es auch.

Maik:    Ja. Und dieses zu übertragen und ihnen auch bewusst zu machen.

Wir merken es auch bei der Ältesten gerade wieder. Wir haben Glück gehabt mit der Grundschule. Das ist zwar eine staatliche Grundschule, ganz normal, Standard, aber die haben eine sehr – ich sag mal – moderne Einstellung zum Lernen.

Die Direktorin hat damals gesagt. Das fand ich spannend, was sie gemacht hat. Die hat uns damals am Elternabend vor der Einschulung der Ältesten, da waren so 60 Eltern da und sie hat die Eltern auf den Schulhof gestellt. Sie hat uns mit dem Rücken zum Schulgebäude hingestellt, hat sich gegenüber hingestellt und hat gesagt: „Ich stelle Ihnen jetzt Fragen und jedes Mal, wenn Sie die Frage mit Ja beantworten, gehen Sie einen Schritt weiter, sobald Sie eine Fragen mit Nein beantworten, bleiben Sie für den Rest stehen.“

Und dann ging das los. Und es ging, glaube ich ums Stricken.

Haben Sie schon einmal etwas vom Stricken gehört? – Dann sind die ganzen 60 Eltern einen Schritt nach vorne gegangen. Und dann ging es weiter.

Haben Sie schon mal Stricknadeln in der Hand gehabt?
Haben Sie schon mal etwas gestrickt?
Haben Sie schon mal etwas nach Vorlage gestrickt?
Haben Sie das, was sie gestrickt haben auch schon mal verschenkt/verkauft?

Und nachdem sie da so 6 – 7 Fragen gestellt hatte, standen wir so wild verteilt über den Schulhof und ich war so – weiß ich nicht – irgendwo so im ersten Drittel. Mit Stricken habe ich nicht so viel am Hut gehabt.

Und dann sagte sie: „Jetzt gucken Sie sich mal um, wo Sie alle stehen. Genauso kommen ihre Kinder in unsere Grundschule. Und unsere Aufgabe ist es, sie aufzunehmen und sie weiter zu entwickeln. Genauso werden die Kinder in der Vierten Klasse die Grundschule auch wieder verlassen. Unser Ziel ist es einfach sie aufzunehmen, dort wo sie stehen, sie weiter zu bringen und danach entsprechend, dass sie ihr Leben gestalten können.“

Und das find ich faszinierend, das fand ich eine sehr moderne Einstellung. Das hätte ich nicht bei einer staatlichen, normalen Standardgrundschule. Ja, das ist so.

Ilse:       Es kommt immer auf die Menschen an, die das machen. Ganz egal so.

Maik:    Und da merke ich halt, dass bis heute auch bei der Großen diese Neugierde da ist. Das ist wahrscheinlich auch noch etwas von der Klassenlehrerin, dem Klassenlehrer abhängig und so weiter. Wie die auch wieder drauf sind. Die Direktorin ist ja nur ein Puzzlestein in der ganzen Geschichte. Und ich erlebe dann den Kontrapunkt bei dem Sohn von meinem Schwager. Der ist jetzt ins Gymnasium gewechselt. Der ist jetzt mittlerweile sogar in der siebten. (Anmerkung: Das entspricht in Österreich der 3 Klasse Gymnasium, da in Deutschland durchgezählt wird.)
Die haben es geschafft, innerhalb von 6 Monaten aus diesem Kind, was ein sehr helles Köpfchen ist, was sehr gute Noten hatte in der Grundschule, was sehr – ich sag mal – ein bisschen träumerisch veranlagt ist, komplett das Interesse am Lernen und an der Neugierde rauszuprügeln.

Und beide Eltern sind Lehrer und sind selber sehr irritiert gewesen. „Was passiert da eigentlich grade?“ und mittlerweile hat das alles irgendwie sich eingerenkt. Aber wie sehr Schule Kinder da auch normiert und auch diese Neugier – ich sag mal ganz flapsig – totschlägt. Das ist schwer.

Ilse:       Ja, wobei ich schon sagen muss, es liegt auch in unserer Verantwortung als Eltern, das aufrecht zu erhalten. Also auch, wenn es in der Schule nicht so funktioniert, können wir als Eltern da durchaus gegensteuern.

Maik:    Ja.

Ilse:       Meine nächste Frage ist aber: Nachdem ihr drei Kinder habt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es nicht immer alles ruhig und geordnet abläuft. Das heißt, dass es auch zwischen den Kindern Konflikte gibt und auch Widerstand gibt. Wie geht ihr damit um?

Maik:    Achtsamkeit! Also das ist ein Wort, das sich schnell aussprechen lässt, das aber sehr viel Tiefe hat. Ihnen bewusst zu machen, dass jeder eine eigenen Meinung haben kann, dass das aber trotzdem bedeutet, dass man achtsam und respektvoll miteinander umgeht. Das ist manchmal schwer, wenn das richtig hoch her geht hier. So eine ganz klassische Situation: alle sind genervt, draußen Regenwetter, keiner kann so irgendwie mal die Füße draußen ausstrecken oder sonst was. Meine Frau ist manchmal auch sehr emotional, sehr impulsiv und kann auch durchaus mal ganz klar ihre Meinung auch artikulieren. Und trotzdem immer irgendwo zu gucken, da ist ein anderer Mensch, der hat eine andere Meinung also auch für die Kinder jetzt vor allem, ja. Die Meinung muss ich nicht teilen, das bedeutet aber auch noch lange nicht, dass das andere Kind meine Meinung übernehmen muss und am Ende muss ich diesen Konflikt auch aushalten und achtsam damit umgehen.

Das ist – wir merken es gerade so in dem Kontext mit unseren drei Kindern – manchmal ein spannendes Spiel, was da abläuft. Die Älteste, wie gesagt, war schon sehr früh gewohnt – sie war das zierlichste Kind bei allen Kusinen und Cousins – das heißt als sie noch alleine war, wenn mal Familienfeste waren oder so was, ihr Cousin ist etwas älter und ist so ein richtig physisch präsenter Junge, der hat ihr immer das Spielzeug weggenommen, als sie eins bzw. anderthalb war. Und sie konnte sich dagegen nicht hat zur Wehr setzen. Das heißt sie hat sehr schnell gelernt, solche Situationen mit Köpfchen zu lösen. Das heißt sie hat sich dann einfach für irgendetwas anderes interessiert, was sie eigentlich überhaupt nicht interessiert hat. Das hat dafür gesorgt, dass ihr Cousin das auch interessant fand und er wollte das haben. Da hat sie ihm das hat schön gegeben und hatte dann das Spielzeug, was sie eigentlich spannend fand wieder. Und diese Art und Weise hat sie bis heute behalten und da merkt man manchmal sie weiß genau auf welche Knöpfe sie bei der Mittleren drücken muss, dass die wirklich innerhalb von 2 Sekunden von Null auf Hundertachzig ist.

Das ist etwas, wo wir der Ältesten bewusst machen müssen, dass sie da achtsam ist, dass sie das nicht – ja ich sag mal – in einer Art und Weise einsetzt, die nicht gut ist.

Bei der Mittleren ist es so … wie gesagt das ist so ein … die hat einen sehr starken eigenen Willen. Voran, vorwärts, wenn die sich was in den Kopf setzt, dann wird die dieses Ziel auf Biegen und Brechen auch umsetzen. Und das führt manchmal auch grade mit der Ältesten auch zu Reibereien. Weil irgendwann die Älteste auch genervt ist. Nach dem Motto: Ja, sorry, ich kann aber jetzt schon das und ich kann dir jetzt auch 1000 Mal erklären, dass du drei Jahre jünger bist, sowohl vom Körper, wie auch vom Kopf. Und trotzdem willst du es und du gehst mir jetzt langsam auf den Keks.

Dass da auch der Mittleren auch manchmal bewusst ist, ok, ich hab auch manchmal meine Grenzen. Ich muss auch damit lernen umzugehen.

Und vor allem für die Ältesten nach unten hin, gibt es ja den Bruder – diese Sandwichkinder sind ja auch in einer ganz besonderen Situation – dass sie nicht anfängt nach unten zu treten.

Vor allem weil unser Sohnemann auch sehr schnell rausgekriegt hat, dass er als Jüngster und dann noch als Junge natürlich alle drei Mädels sehr elegant um den Finger wickeln kann. Das ist sowohl für meine Frau, als auch für die beiden Mädels manchmal eine echte Herausforderung. Der kann ein Charmeur sein ohne Ende und er weiß genau, wie er das Spiel spielt. Und ihnen dann bewusst zu machen: Ok, das kann ja nett und lustig sein, das ist noch ok, aber es gibt irgendwann auch Phasen, wo das nicht ok ist, weil er dann unter Umständen Leute gegeneinander ausspielt.

Ilse:       Das kann ich absolut nachvollziehen. Ich hab einen um vier Jahre jüngeren Bruder und da gibt es so eine Story. Als ich schon in der Volksschule war und lesen konnte, kam er mit großen Augen auf mich zu und sagte: „Ilse, sei eine liebe Schwester, lies mir was vor!“

Maik:    Mhm.

Ilse:       Und ich bin schon dort gesessen und hab gelesen.

(lachen beide)

Maik:    Jaja, das macht er auch. Das macht er mit der Ältesten schon lange. Das fängt er jetzt auch mit der Mittleren an, weil die auch jetzt so langsam anfängt zu lesen und ihm auch – noch sehr holprig, aber doch – etwas vorliest. Da ist er gut drin.

Ich sag mal da ist es wichtig, ihm auch ein Wertebild mitzugeben, was eben menschlich ist.

Ilse:       Ja!

Maik:    Ich kann eine Meinung habe, diese Meinung kann komplett konträr sein, als die von einem anderen Menschen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich deswegen diesen anderen Menschen irgendwie umhauen muss oder anbrüllen muss oder sonst was …

Ilse:       Oder manipulieren muss …

Maik:    Ja, oder subjektiv manipulieren. Ja, das ist das elegante Spiel unserer Ältesten. Sondern bei solchen Sachen eben … es ist einfach immer noch ein Mensch, den wir respektieren und wir müssen halt achtsam aufeinander sein. Das ist manchmal schwierig zu vermitteln, weil irgendwann hat ja auch mal jeder so einen Punkt erreicht, wo es einfach nur noch nervt. Das ist ja normaler Alltag und mit allen Höhen und Tiefen, die es da gibt. Aber dann ist es die Verantwortung von uns Eltern, das bewusst zu machen und dann auch nicht selber auszuflippen.

Ilse:       Ja! Und jetzt steht ihr ja mit drei Kindern – du erwähnst es ja mit diesem Sandwichkind immer wieder – vor einer besonderen Herausforderung. Nämlich jedem Kind seinen speziellen Platz zugeben und auch so seine persönlichen Stärken und auch seine Position zu sehen. Wenn ich mir jetzt vorstelle: Bei uns ist das relativ leicht, wir haben einen älteren Sohn und eine jüngere Tochter und somit sind beide quasi einzigartig in ihrer Position. Wie geht ihr damit um? Wie löst ihr das?

Weil ich glaub, dass es schon ganz wichtig ist, dass jedes Kind so sein … sein spezielles Metier hat.

Maik:    Mhm. Das ist nicht einfach. Das ist etwas, was wir auch massiv unterschätzt haben anfangs. Wir hatten … 2007, als die Älteste kam, das hat alles relativ reibungslos funktioniert, die Schwangerschaft hat reibungslos funktioniert, die Zeit nach der Geburt hat reibungslos funktioniert. Im Grunde – ich sag mal – die normalen Höhen und Tiefen, aber nichts Extremes.

Dann haben wir irgendwann mal gesagt ok, ein Einzelkind wollten wir nicht, wir wollten mindestens zwei. Und dann kam die – jetzt Mittlere – dazu. Und das hat auch alles relativ – in normalen Bahnen, mit allen Höhen und Tiefen funktioniert.

Ilse:       Natürlich, weil auch da muss natürlich am Anfang jeder seinen Platz finden und so weiter.

Maik:    Genau, genau, aber es hat funktioniert. Es gab ja auch mittlerweile auch seit drei Jahren auch schon einen gewissen Rhythmus, Alltag und so weiter. Und als die zweite kam, ging die erste ja auch in den Kindergarten. Und so hat sich das alles irgendwie so entwickelt und zu der Zeit haben wir dann drüber nachgedacht, soll´s bei zwei bleiben, oder wollen wir noch ein Drittes. Also wir haben es nicht mehr zwingend auf Teufel komm raus, wir müssen noch ein drittes Kind haben, aber wenn es passiert, dann passiert es. Und wenn wir irgendwann zu alt sind, dann ist es eben nicht so. Und dann sind wir halt zu viert, statt zu fünft.

Und so ist dann drei Jahre später der Youngster gekommen. Bei dem war alles anders. Die Schwangerschaft war stressig für meine Frau. Die hat während der Schwangerschaft Schwangerschaftsdiabetes entwickelt. Also das wünsche ich echt niemandem.

Ilse:       Ja, das ist wirklich anstrengend.

Maik:    Ja, also das ist ja dann weg mit der Geburt.

Ilse:       Nichts desto trotz ist es belastend während dieser Zeit.

Maik:    Ja, absolut. Dann kam dazu, dass unser Youngster es hingekriegt hat vier Stunden nach der Geburt per Notarztwagen in die Kinderklinik gefahren zu werden. Nur zur Kontrolle, nichts Schlimmes. Es war nur eine Kontrolle. Wir hatten die Vermutung, dass er da in Richtung Gelbsucht geht und so weiter. Es war dann alles nichts, aber … so dann hast du plötzlich die Situation die Frau liegt im Krankenhaus und der Sohnemann liegt im Kinderkrankenhaus. Dann muss die Frau erstmal hinterher. Dann ist bist du plötzlich auf einer Intensivstation. Alles war anders bei ihm.

Und so merkten wir plötzlich, ok, das ist mit drei Kindern etwas völlig anderes, als mit zweien. Und dann fängt es mit so banalen Sachen an. Die gesamte Gesellschaft ist auf ein Familienkonzept mit zwei Kindern ausgerichtet.

Ilse:       Ja. Allein schon von den Autos und so weiter und so fort. Ja.

Maik:    Richtig, richtig, richtig.

So, ich hatte einen klassischen Kombi. So, und ich kriegte in meinen 5-er BMW plötzlich keine drei Sitze hinten rein. Ein Freund von mir hat einen Q7. Der sagte: „Hoho, kauf dir doch einen Q7.“

Dann hab ich die Tür aufgemacht und sagte: „Sorry, Andre, du hast auch nur einen Notsitz in der Mitte, da kriegen wir nicht diese drei fetten Hartschalensitze rein.“ Pech gehabt. Q7 geht auch nicht.

Und so ging diese Sucherei nach Autos los. Bis du mal ein Auto hast, wo du diese drei Sitze und all den Krempel unterbringst. Unseren Wagen nenne ich liebevoll Truppentransporter.

Ilse:       Es ist ja auch fast so, gell?

Maik:    Es ist ja auch so. Du merkst es aber auch an anderen Stellen. Du merkst es an so Sachen wie Eintrittstickets.

Ilse:       Ja, oder Familienzimmer im Urlaub.

Maik:    Genau. Da merkst du plötzlich diese Fünferkonstellation ist nicht der Normalfall. Und dann kommt aber noch dazu – und das ist etwas, was auch Eltern, die darüber nachdenken, ob es ein drittes Kind sein soll. Das ist eine Supersache, wir würden es jederzeit wieder machen, aber eines ist wichtig, sich im Vorfeld bewusst zu machen. Mit zwei Kindern ist es so, du hast entweder zwei Eltern. Wenn der eine mit dem anderen sich gestritten hat, dann geht der eine zur Mama und der andere halt zum Papa. Alles gut. Bei drei wird es schwierig. Man ist nur zwei Eltern. Oder wenn du alleine grad unterwegs bist, mit den Kindern. Du hast zwei Hände, zwei Arme. Mit zwei Kindern ging das irgendwie. Wenn alles ganz durcheinander war, dann hab ich halt die Älteste mit vier und die Mittlere mit zwei – der Youngster war ja da noch nicht auf der Welt – dann hab ich die halt mit den beiden Armen gegriffen und bin dann irgendwie durch den Regen ins Haus. Das geht jetzt nicht mehr. Ich kann nicht alle drei gleichzeitig auf den Arm nehmen. Mal ganz abgesehen davon, dass sie auch zu schwer sind. Aber da merkst du so plötzlich: Das ist noch mal anders. Du hast ´ne Hand, ´nen Arm oder eben ´nen Erwachsenen zu wenig. Manchmal sind solche Situationen einfach da. Und das ist etwas, was für uns überraschend neu war. Wo wir auch als erfahrene Eltern – oh ich krieg hier grad ´nen Kaffee; Dankeschön – … wo wir auch als erfahrene Eltern lernen mussten damit umzugehen. Das war für uns neu und das war auch nicht immer einfach.

Ilse:       Ja, wobei ich glaube, dass auch darin wieder für die Kinder eine Chance besteht, weil durch die Situation die Eltern ja gezwungen sind, den Kindern mehr zuzutrauen. Sie haben gar nicht die Chance, die Kinder so zu verhätscheln. Und die Kinder müssen quasi miteinbezogen werden und sie übernehmen – ja sie übernehmen ganz automatisch gewisse Verantwortlichkeiten.

Maik:    Ja. Ja, das stimmt. Das ist ein richtiger, wichtiger Punkt. Es ist uns vermutlich grade, als der Dritte dann dazugekommen ist, leichter gefallen, auch noch mehr sie alleine laufen zu lassen, als wir es eh schon gemacht haben. Das ist ein wichtiger Punkt.

Und ich hab an der Stelle auch vor allem natürlich die etwas – ich sag mal – besondere Situation, dass ich da sein kann. Ja, ich glaube, das mit den drei Kindern wäre für uns alle noch einmal eine extremere Situation, wenn ich vollzeitangestellt als Ingenieur arbeiten würde, gar in einer Führungsposition. Ich war damals in der Lage, ich hätte Karriere machen können, wollte es aber nicht. Ich wollte ja in die Selbständigkeit. Und wenn ich das sehe, was mein Schwager heute für ein Pensum an Flugmeilen im Jahr abreist, das wäre dann für mich wahrscheinlich heute auch normal und dann wäre es mit drei Kindern extrem schwierig.

Ilse:       Ja, vor allem wenn du eine Frau hast, die dann selber vielleicht noch berufstätig sein möchte, weil mit drei Kindern bist du vollzeitbeschäftigt.

Maik:    Genau, genau. Ja, so ist es. Du hast immer irgendein … man merkt es so manchmal in diesen Situationen, wo man denkt: „Ha, jetzt ist mal Ruhe. Jetzt könnt ich mal einen Kaffee und jetzt lege ich hin, jetzt schmeiß ich mich mal mit dem e-book auf die Couch oder draußen auf die Gartenliege.“ Ja und gefühlt nach 30 Sekunden steht irgendjemand neben dir und sagt: „Hu, und ich will nicht und kann nicht und der ist doof …“ und Telefon und so … Ja und dann merkst du in solchen Situationen: Das ist ein Vollzeitjob. Und das ist nicht zu unterschätzen.

Und umso mehr bin ich dankbar, dass ich heute in der Lage bin, das zu tun … oder zu leben in der Art und Weise und diese Freiheit zu haben. Eben das zu machen, was ich heute mache. Und damit auch eben mehr da zu sein.

Ilse:       Gut dann hätte ich noch gerne von dir so eine Art Schlusswort. Was wünscht du deinen Kindern fürs Leben? Was möchtest du ihnen unbedingt mitgeben?

Maik:    Was mir extrem am Herzen liegt, ist dass sie wissen, dass sie in der Lage sind, frei zu denken. Sie sollen sich selber eine Meinung bilden können, auf Basis dieser Meinung eben auch handeln können. Und dass sie keine normierten Roboter in irgendeinem industriellen, gesellschaftlichen Konzept sind, sondern dass es wichtig ist, dass es wahnsinnig viele verschiedene Sichten auf die Welt gibt und jede Sicht ist richtig. Wir als Menschen sind Subjekte und damit immer subjektiv. Und es gibt kein absolutes Richtig oder Falsch. Dass sie sich aber wissen, in diesem ganzen Kontext einzusortieren und dort dann entsprechend für sich selber eigenverantwortlich zu handeln.

Das ist das, was ich versuche, ihnen weiter zu geben. Im Kleinen, wie im Großen. Und sie vor allem – das ist aber jetzt ein Nebenaspekt, der massiv mittlerweile dazukommt – sie auf diese digitale Revolution, die auch für die Kinder passiert gerade, vorzubereiten. Ich mach das grad mit der Ältesten, dass ich ihr bewusst mache, dass diese ganzen elektronischen Geräte, die wir um uns haben, eben nicht nur zum Spielen sind. Sondern, dass sie zu mindestens weiß, dass sie in der Lage ist, diese Geräte auch zu beherrschen, indem sie sie programmieren kann. Sie muss keine Programmiererin werden. Das wird sie wahrscheinlich auch nicht werden, so von ihren Interessensgebieten her, aber zumindest dass sie weiß, wenn sie will, kann sie jederzeit aktiv einen Computer im positiven Sinne manipulieren und ist nicht Sklave dieser digitalen Revolution, die jetzt auch die Kinder grade erleben.

Ilse:       Ja, das finde ich ganz wichtig. Vor allem glaube ich, dass die Kinder in vielen Punkten hineinwachsen. In vielen Punkten auch lernen dürfen, dass sie nicht abhängig sind. Vor allem auch zeitlich nicht abhängig sind und nicht immer verfügbar sein müssen. Ich glaube, dass es ganz wichtig wird, dass sie eben nicht immer am Handy sind, dass sie eben nicht immer verfügbar sind, dass sie lernen, sich da auch abzugrenzen.

Maik:    Ja. Wir merken es jetzt bei der Ältesten. Das wird mehr und mehr ein Thema. Ihre Freundinnen haben jetzt ein Handy und die spielen Mine-Craft und diese ganzen Sachen. Jetzt komm ich natürlich glücklicherweise aus einem technischen Hintergrund. Ich hab schon damals als 12-Jähriger einen C64 gehabt. Ich hab gehackt, gespielt, gemacht, getan und gebastelt. Es hat mich immer interessiert. Das heißt ich kann auf einer ganz anderen Ebene auch unserer Ältesten bewusst machen, was das für ein kreatives Werkzeug ist, was sie da in der Hand hat. Dass sie nicht nur passiver Konsument sein muss, von diesem Gerät, das sie dort hat. Nichts desto trotz ist die Faszination da. Ich kenne das natürlich selber aus meiner Jugend. Was haben wir damals bis in die Nächte hinein Computerspiele gezockt. Kaputt gemacht hat es mich nicht. Ich bin heute wie ich bin und das gehört dazu. Heute spiele ich sehr, sehr wenig. Der Computer ist für mich ein Arbeitsgerät geworden. Aber eben diese Balance zu haben. Auch eben sich bewusst zu machen, es ist eine Welt.

Ilse:       Die unsere ergänzt eigentlich.

Maik:    Die ebenso physisch und virtuell die ganze Zeit existiert, und ich mir selber einfach nur Gedanken mache, bin ich mehr in der physischen oder bin ich mehr in der virtuellen Welt unterwegs. Und was kann ich da grad tun? Wie kann ich kommunizieren?

Und eben sich nicht komplett reinsaugen lassen in diese virtuelle Welt. Dazu kommt natürlich die Kompetenz damit umzugehen. In dieser virtuellen Welt gibt es genauso wie in unserer normalen Stadt … es gibt schöne Ecken, es gibt nicht so schöne Ecken und es gibt ziemlich unschöne Ecken. Und ihnen bewusst zu machen, ok, das Netz ist von Menschen geschaffen, dementsprechend ist es auch ganz menschlich dort und es ist für einen heranwachsenden Jugendlichen natürlich in der physischen Welt einfacher zu erkennen: „Hm, das ist jetzt eine etwas dunkle, schummrige Gasse, da geh ich jetzt besser nicht runter.“ Und sowas auch im Netz zu sehen und zu erkennen, dass das gerade eine Ecke ist, wo sie grade nicht hinwollen.

Ilse:       Ja.

Maik:    Diese Kompetenz ihnen bewusst zu machen und das mit dem Bewusstsein, ich kann jederzeit aktiv und kreativ nützen und selbstbestimmt programmieren. Ob sie es dann tun, oder nicht, ist ganz ihnen überlassen. Aber zumindest sollten sie wissen, dass es geht.

Wir sind jetzt grade dabei. Wir basteln jetzt grade mit einen Rasberry Pi, das ist so ein kleiner Computer.

Ilse:       Ich weiß, mein Sohn hat auch eines.

Maik:    Ja, genau. Die hat sich vor ein paar Monaten zum Geburtstag einen Tresor mit Zahlencode gewünscht, damit ihre Schwester nicht immer an alle ihre Sachen drangeht. Ein seltsames Geburtstagsgeschenk für eine neunjährige, aber sie wollte es unbedingt haben. Und sie hat dann festgestellt, da ist Elektronik drin. So ein bisschen Klimbim Elektronik, das ist ja nicht viel.

So und wir sind jetzt dabei ein erstes Bastelprojekt aufzusetzen, wo sie selber auf die Idee gekommen ist und selber auch Bock dazu hat. Quasi ihren Tresor zu pimpen mit dem Rasberry Pi mit allem Pi-Pa-Po Alarmanlage, Gesichtserkennung und allem, was sie sich dazu ausgedacht hat. Wir werden sehen, was draus wird.

Ilse:       Ich glaube, dass wird ein Thema für einen zukünftigen Podcast. Die dunklen Ecken des Internets erkennen und was kann ich alles basteln mit meinem Computer.

Maik:    Genau.

Ilse:       Ja, na gut, dann in diesem Sinne … herzlichen Dank für das Interview. Ich bin mir sicher, dass da ganz viel dabei war, weil die Situation von euch jetzt wieder ganz speziell war, ganz anders, als das, was ich bisher hatte und … ja herzlichen Dank. Ich freue mich, dass du dabei warst.

Maik:    Ja, Ilse, es hat mich auch gefreut.

Ilse:       Tschüs.

Maik:    Tschüs.

 

 

 

 

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