Aus-gelassen leben

Papa-Interview mit Frank Katzer

 

Papa-Interview mit Frank Katzer

Frank Katzer macht als Vater auf mich einen sehr entspannten Eindruck. Das Gleichgewicht zwischen handwerklicher und erdiger Tätigkeit und Vorbereitung auf die Herausforderungen der Technik ist ihm in der Erziehung wichtig. Weiter unten kannst du das Interview auch als Transkript lesen, wenn dir das lieber ist.

Hier kannst du dir die Folge anhören:

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Shownotes:

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Franks Seite zum Thema Sichtbarkeit findest du hier.

Hier geht es zu seinem Podcast.

Und hier findest du den Podcast von John Lee Dumas, den Frank im Interview erwähnt.

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Hier kannst du den Inhalt des Podcasts auch lesen, wenn dir das lieber ist.

Das ist ein wörtliches Transkript. Ich habe mir jedoch die Freiheit genommen, Wörter, die doppelt genannt wurden oder Satzanfänge, die dann in der Luft hängen geblieben sind zu streichen, damit die Lesbarkeit erhalten bleibt.

Transkript vom Papa-Interview mit Frank Katzer

Ilse:       Ja hallo ich hab dir ja schon erzählt, dass ich heute Frank Katzer den Sichtbarkeitsexperten bei mir zu Gast habe; und zwar in seiner Rolle als Papa. Aber ich erlebe Frank auf Facebook als auch einen der Menschen, der ganz reich und ganz uneigennützig gibt und unterstützt und ich freue mich wirklich, dass du heute da bist, Frank. Vielleicht magst du ein bissel etwas über dich selber erzählen.

Frank:   Hallo Ilse, erstmal danke, dass ich hier … dass du mich zum Interview eingeladen hast. Du hast ja schon ein paar Sachen gesagt. Die Vaterrolle, die hab ich seit 2010, das ist sehr abgefahren, denn in so einer Rolle hab ich mich eigentlich nie gesehen, dass hat sich dann halt ergeben. Ursprünglich früher hab ich sehr viel Musik gemacht, Musik produziert, das hat sich dann irgendwann, so 1999 zu Webseiten entwickeln hin entwickelt. Über eine Schlagersängerwebseite, sehr abgefahren und mittlerweile mehr beratend tätig. Webseiten erstellen, das mache ich zwar auch noch ein bisschen, aber vorwiegend jetzt beraten, coachen und eigene Kurse erstellen, wo ich anderen Leuten mein Wissen vermittle und eben, wie du schon sagst, in Facebook bin ich sehr viel unterwegs, unter anderem.

Ilse:       Gut aber heute geht es ja um deine Rolle als Papa und wie das so dein Leben verändert hat. Du hast gesagt, du bist so seit 2010 Papa und so wie das klingt, war das ja also eine Rolle, auf die du gar nicht vorbereitet warst, die dich also quasi gefunden hat.

Frank:   Ja überhaupt nicht, weil in der Rolle hab ich mich ja nie selber … das hätte ich nie gedacht, dass ich mal Vater von ´nem Kind bin. Weil das ist ja schon so … so erwachsen komm ich mir nicht immer vor … und na gut, man wächst da irgendwie rein. Auf einmal ist es da und dann guckt man, wie sich das so entwickelt. Und das sind schon teilweise auch sehr grenzwertige Erfahrungen, aber das denke ich mal werden alle Eltern irgendwie mitmachen. Und natürlich zwangsläufig kommen dann auch Prozesse in Gang, wo du dir über andere Sachen Gedanken machst. Es gibt ja dann häufig diesen – dieser amerikanische Podcaster der John Lee Dumas, sagt ja dann der Baby-Effekt. Wo man sich dann fragt, will ich das, was ich gerade mache, den Rest meiner Zeit machen. Dann krieg´ ich vielleicht von meinem Kind nix mit, oder so was. Und das bringt dann schon einiges in Gang. Eine Menge Veränderung, also ich denke mal, viel mehr Veränderung kann man sich im Leben nicht vorstellen, als wenn ein Kind dazu kommt.

Ilse:       Jetzt sprichst du was an, was mir bei Freuen immer wieder auffällt, wenn die ihr Kind bekommen, dann kommt es wirklich meistens zu einer massiven Veränderung der Werte. Und ich entnehme aber jetzt deinen Worten, dass das bei dir genauso war. Dass du auch überdacht hast, mag ich das, was ich jetzt tue noch machen, und wie entscheide ich … wie mache ich das mit meiner Zeit, damit auch für Familie und Kind noch genug übrig bleibt.

Frank:   Genau ja, das auf jeden Fall. Ich gehe an solche Sachen nicht wirklich überlegt ran. Das entwickelt sich dann und irgendwann merke ich dann: „Ok, jetzt hab ich das anscheinend so gemacht.“ Also ich bin da nicht besonders reflektierend bei sowas. Das ist nicht … das liegt mir wahrscheinlich irgendwie nicht. Also klar, du überlegst natürlich bei allem, was du machst, wenn ich jetzt das zwei Stunden mache, dann kann ich nicht zwei Stunden bei dem Kleinen sein und mitkriegen, wie der vorangeht, oder sowas. Natürlich das ist auch gleichzeitig dieser superheftige Spagat, zu gucken, wogegen tausche ich jetzt die Zeit mit meinem Kind ein. Das steht immer gegenüber auf der anderen Seite von der Waage. Das ist so die Herausforderung dabei, finde ich. Natürlich möchte man auch die eigenen Sachen ein bisschen voran treiben und gebacken bekommen, weil ich jetzt auch keinen Angestelltenjob irgendwo runterreiße und meine Stunden absitze, sondern ja auch selber dann voran kommen möchte. Und das aber immer so ein bisschen abwäge: „Ok, wenn ich das jetzt mache, dann kriege ich nicht mit, wie der Kleine Fahrrad fährt, oder keine Ahnung was probiert, oder was bastelt, oder weiß ich nicht. Oder zusammen Sendung mit der Maus ankucken. Das ist halt dieses ständige Abwägen ist immer präsent. Das ist so meine Herausforderung.

Aber Veränderung schon auch in jeder Form. Das hat vorher schon ein bisschen angefangen, weil ich so seit 2008 Podcast höre, die generell schon so ein bisschen was in mir in Bewegung gebracht haben … wo ich überlege ok, das Geschäftsmodell Webseiten erstellen jedes Mal von vorne anfangen und zum 100. Mal erklären, wie man so eine Webseite plant und so weiter, auf Dauer ist es das auch irgendwie nicht. Und über die Schiene und zusätzlich Kind bin ich dann irgendwie auf den Trichter gekommen eigentlich könnte ich auch mal das Geschäftsmodell verändern, dass ich nicht immer das Gleiche machen muss.

Ilse:       Ok. Wir haben ja vorher schon gesprochen einmal und da hast du mir erzählt dein Kind geht in einen Waldkindergarten und ihr habt euch auch entschlossen, nachdem er ein Kann-Kind ist, ihn noch ein Jahr länger im Kindergarten zu belassen. Das heißt du beschäftigst dich ja schon sehr viel und sehr intensiv mit diesen ganzen Herausforderungen des Eltern-Seins.

Frank:   Ich beschäftige mich schon auch viel mit Schule und auch zu überlegen, wie das Kind halt auch am besten lernt. Also … weil ich weiß, wie es bei mir war. Schule war so … ja gut ich bin hingegangen, weil ich musste und bin dann auch wieder nach Hause gegangen und hab dann auch wieder mein eigenes Ding gemacht damals. Ich hab dann halt sehr viel Musik produziert oder in meinem Tonstudio gewerkelt, ganz früher auch mit Fischer-Technik viel gebastelt und gemacht. Wo ich halt die Rolle der Schule, der normalen Schule – sag ich mal – sehr abwerte im Moment und hoffe, dass wir hier eine gescheite Lösung finden, wo ich mich nicht jeden Tag ärgere, dass ich den Kleinen in so eine Schule schicken muss. Jetzt im Wald ist er halt super happy. Der hat halt Spaß, wenn es geregnet hat. Oder wenn es regnet, dann gehen die raus und bauen ihre Bahnen mit Schlamm und Wasser und es gab halt bis jetzt noch keinen Tag, wo der keinen Bock hatte, in den Waldkindergarten zu gehen. Und das ist für mich natürlich auch ein tolles Zeichen. Denn das ist für mich schon Einsatz. Ich fahre jeden Tag 15 km raus, wir haben da so eine Fahrgemeinschaft, wo ich einen Teil der Strecke halt übernehme. Das ist natürlich schon ein Aufriss jeden Tag, aber es ist es natürlich auch wert, weil ich merke, er macht da was, wo er sich selber erleben kann. Der freut sich. Der hat heute andere Schuhe angezogen, damit er besser klettern kann auf die Bäume und so. Und das macht ihm halt Spaß. Ansonsten würde ich das mir auch nicht antun. Ich merke jedes Mal, das ist für ihn genau das Richtige. Der erfährt sich durch Bewegung, der erfährt sich durch irgendwo draufhauen (hier ist Werkzeug gemeint) oder auch mit anderen absprechen.   Oder auch gerne mal andere rumkommandieren und dann seine Grenzen abstecken und das motiviert mich halt, das dann auch so weiter zu machen. Und zeigt mir, dass das eine gute Entscheidung war, im Gegensatz zu einem Regelkindergarten, wo das wirklich eine Ausnahme ist, wenn die mal rausgehen.

Ilse:       Das ist sicher eine gute Entscheidung, denn rein vom pädagogischen Standpunkt kann ich dir sagen, dass sicher die Bewegung ganz erheblich beteiligt ist an der Gehirnentwicklung. Das heißt in dem Maß, wo sich die Kinder bewegen, wo sie ihre Muskulatur schulen, indem sie auch merken, dass sie selber Kontrolle haben über ihre Muskulatur und was sie alles fein abstimmen müssen, um zum Beispiel gut auf einen Baum hinauf zu kommen, lernen sie auch, wie sie dann später an einen Lernvorgang herangehen. Beziehungsweise ist es auch so, dass bestimmte Bewegungsmuster auch für bestimmte Lernvorgänge förderlich sind. Also ein Kind, das zum Beispiel nicht rückwärtsgehen kann wird sich in Mathematik schwer tun, beim Subtrahieren, weil es nichts wegnehmen kann.

Frank:   Mhm, witzig.

Ilse:       Und daher ist das sicher eine ganz, ganz gute Basis, egal, welche Schule dein Sohn später einmal besucht. Und das ist etwas, was ihm nie wieder jemand wegnehmen kann.

Frank:   Ja es sind auch so andere Sachen, wie z. B. den kannst du auf eine Wiese tun und dann weiß der was mit sich anzufangen, dann buddelt der ein Loch oder baut was mit Gras oder macht weiß ich nicht was, sucht Stöcke. Den kannst du dann machen lassen. Der braucht kein Spielzeug, Die haben ja da auch nichts, das ist alles sehr reduziert. Also es gibt ´ne Werkbank und so was und es gibt ´ne Hütte, wo mittags auch gegessen werden kann und sowas und das ist alles. Es gibt kein Plastikspielzeug. Wenn, dann sind es Sachen aus Holz oder selber Geschnitztes und gemachtes. Also es ist alles bewusst sehr reduziert und sehr auf Bewegung ausgerichtet. Deswegen bin ich, wo du das sagst, ich hab das ja auch von dem Gerald Hüther auch schon gesehen, den ich da auch sehr gut finde in dieser Bewegung. Sozusagen, wo man auch überdenken sollte, was man den Kindern so antut. Mir ist auch nicht superwichtig, dass er am Mittagstisch jetzt superstill sitzt. Wenn er sich  ein bisschen bewegen mag – gut. Ich mein, er soll schon sein Essen einnehmen und möglichst auf seinem Platz bleiben, aber ob der jetzt wippt oder mit den Füßen wippt oder mit den Händen ein bisschen zappelt, dann hab ich da jetzt kein Problem mit. Ich brauch da nicht so ´nen super sediertes Kind.

Ilse:       Keine kleinen Soldaten, genau.

Frank:   Ja genau. Man muss halt immer kucken welchem Rahmen steckt man da, wie weit darf es gehen. Wenn ich selber beim Essen jetzt zwei Mal aufstehe – was auch nicht selten ist – dann lass ich das bei ihm auch mal zu, solange er dann halt dran bleibt und das Essen ein definiertes Ende hat. Dann ist das für mich auch OK.

Ilse:       Mhm. Jetzt ist es aber so, egal wie wir unsere Kinder erziehen, wir haben ja so bestimmte Erziehungsgrundsätze, die eingehalten werden. Was ist euch denn da so wichtig, in der Erziehung eures Sohnes?

Frank:   Also bei uns ist wichtig, also das was gerade sehr reinspielt in den Alltag und zuletzt durch mich nochmal dazukommt, ist halt der Medienkonsum. Also sprich Umgang mit iPhone, iPad oder Laptop oder was auch immer. Das halt zu reduzieren und zu sagen, also du darfst hier an der Stelle konsumieren. Er kann sich seit einiger Zeit selber in den Computer einloggen, er hat sein eigenes Passwort, wo er so ein bisschen Tippen lernt. Das ändere ich öfter. Da hat er eine halbe Stunde und nach einer halben Stunde geht die Kiste aus. Das ist für ihn auch gar kein Thema. Das ärgert ihn manchmal ein bisschen, aber da weiß er die Grenze ist da. OK, eine halbe Stunde kann ich auf den Computer und dann kann ich auf die WDR-Seite und kann mir Sachen von der Maus angucken oder auch Spiele spielen, die da drauf sind. Solche Grenzen zu setzen z.B. Was nicht immer so leicht ist. Das artet natürlich manchmal schon aus, dass man vielleicht auch Mal ein paar Sendungen mehr guckt, als gedacht, aber das sollte halt nicht die Regel sein.

Und was mir besonders wichtig ist, dass er so … was ich bei anderen Kindern immer wieder sehe, die vor irgendeine Aufgabe gestellt werden, egal, ob es die Flasche aufmachen ist, oder so irgendetwas und die vorher sagen: „Kann ich nicht!“. Und da sag ich: „Till, du hast es noch nicht mal probiert. Probiere es vorher aus. Ich könnte das auch nicht, wenn ich es vorher nicht probiert hätte. Lass dir was einfallen und guck mal, ob du dran kommst.“

Aber da ist er auch nie an einem Punkt, wo er verzweifelt, weil da fände ich es ja auch doof. Aber er probiert dann und merkt, ok, kann er doch selber. Und den Satz hör ich auch mittlerweile bei ihm – oder hab ich auch generell noch nicht so häufig gehört – das hat er sich bei anderen Gott sei Dank noch nicht so sehr abgeguckt, oder das ist auch im Waldkindergarten einfach nicht so häufig. Weil das finde ich immer schlimm. Weil wirklich viele andere Kinder, bei vielen Mädchen hab ich das auch gesehen, die sich an bestimmte Sachen überhaupt nicht ran trauen. Die sagen dann gleich kann ich nicht, obwohl es eine Aufgabe ist, die sie noch nie gesehen haben.

Andere Dinge, die mir wichtig sind, ist auch zu gucken – was nicht immer leicht ist – auch nicht so sehr zu loben. Sondern ich sag eben manchmal, ok, wenn du es gut findest, dann ist es in Ordnung. Es muss mir ja nicht unbedingt gefallen, wenn es was ist, was im Rahmen ist; sag ich mal. Also er muss nicht mein Lob habe, um etwas gut zu finden. Das ist auch wichtig.

Ilse:       Ja genau und die Kinder haben dann oft schon sehr genau eine eigene intrinsische Beurteilung, wo sie dann merken, ist es gut, oder ist es nicht gut.

Frank:   Genau und das finde ich, geht auch häufig auch dadurch kaputt, dass du dann überschwänglich etwas total toll findest und er dann nur noch Sachen macht, um sie dir zeigen zu können, damit du das dann auch gut findest und das finde ich dann eigentlich ein bisschen Quark, weil ich kenn es von mir. Ich hab früher viele Sachen gemacht, die nur ich gut fand und sonst keiner, aber es war mir in dem Moment ziemlich wurst.

Ilse:       Ja, das einfachste ist es dann wirklich oft mit einer Gegenfrage zu antworten, wenn sie dann fragen: „Gefällt dir das?“ – „Wie findest du´s?“

Frank:   Ja, genau, das mache ich auch manchmal. Das geht nicht immer, manchmal ist dann das Lob auch da, aber ja … gut. Das ist so das Natürliche.

Was wir auch versuchen zu vermeiden ist überhaupt Konsum von Nachrichten oder sowas, egal ob es im Radio ist oder Fernseh gucken wir ja eh nicht. Jetzt in so einer Halbzeit von der EM kommt man manchmal um die Nachrichten nicht drum rum. Sowas filtere ich da komplett raus, weil er da völlig unnötiges Zeug mitbekommt, was er jetzt, finde ich, noch nicht mitbekommen muss. Erst wenn er schon ein bisschen besser drüber nachdenken kann. Ich meine mit Flüchtlingen, da hat er schon so Fragen gestellt: „Was ist das? Wo kommen die her? Warum sind die hier?“ Und da versuche ich natürlich klar zu machen, die flüchten von was, was ganz schlimm ist, wo Krieg ist, wo die Leute sterben und die wollen natürlich hier weiterleben. Dass er ein Bild davon bekommt, aber so viele Weltgeschehen oder so was blende ich auch, weil da ist viel Effekthascherei bei der Berichterstattung dabei, was ich nicht gut finde, dass er so etwas ungefiltert mitbekommt.

Fernsehen oder so was gucken wir eh schon vor der Geburt und jetzt seiner Geburt auch schon nicht. Wenn dann gucken wir gezielt irgendetwas, oder einen Film oder Kindersendungen oder so und kein Fernsehen.

Eins will ich noch sagen. Das ist so ein bisschen generell die Sache. Häufig sehe ich es bei anderen Eltern, dass die versuchen ihr Kind von etwas zu überzeugen oder zu zeigen dass eine Handlung grade schlecht war. Wenn sie sagen: „Guck mal, was der jetzt von dir denken muss, wenn du jetzt das und das machst.“ Das finde ich immer superätzend. Weil ich will dem Kind ja nicht beibringen, was der andere jetzt von mir denkt, weil ich das und das nicht mache oder mache. Das vermeide ich auch. So was mache ich auch nicht. Weil ich möchte nicht, dass er jetzt irgendwelche Vergleiche anstellt. Das machen sie ja eh schon genug.  Dass er jetzt guckt, was mag der von mir denken, wenn ich das und das mache.

Und generell mitzugeben, dass ein iPhone oder sowas eben nicht nur da ist, um einen Film zu gucken oder ein Spiel zu spielen, sondern auch selber Sache zu kreieren mit so etwas. Also selber Dinge zu machen, was ja glaube ich die meisten vergessen haben, dass das so ist. Dass es eben zum Erschaffen ganz tolle Möglichkeiten bietet und nicht nur zum Konsumieren.

Ilse:       Das äh löst jetzt auch ein Rätsel auf, das sich mir gestellt hat, wo ich mir gedacht habe ok, du bist jetzt in diesem Internetbereich tätig, ich nehme einmal an, dass du auch zu Hause arbeiten wirst und dass dein Sohn das sehen wird, und da ist jetzt ja dann immer schwer, wenn man sagt: „Ok, du hast jetzt nur eine halbe Stunde Bildschirmzeit.“ Und selber sitzt man dann davor und diesen Unterschied klar zu machen, ok, bei mir handelt es sich um Arbeit und du sitzt da nur davor, um passiv einen Film zu schauen. Das ist ja manchmal gar nicht so einfach. Aber ich nehme jetzt an du führst deinen Sohn auch hin und sagst, ok, du kannst damit etwas Konstruktives machen, nicht?

Frank:   Mhm, ja er darf auch Inhalte erstellen. Er hat ´ne kleine Digitalkamera, mit der man ein paar Sachen machen kann. Er ist auch schon mit der Spiegelreflex rumgelaufen, wenn ich dabei war und so. Und er schafft dann wirklich so Situationen, da haben wir Urlaub gemacht hier im Thüringer Wald, wo wir noch mit ´nem befreundeten Paar unterwegs waren, die ´ne kleine Tochter haben und da hat er wirklich so ´ne Fotosession gemacht, wo er die Kamera mit Stativ und so aufgebaut hat und sich mit dem Mädchen auf den Baum gesetzt hat und dann Fotos erstellt hat. Und mit der Fernbedienung die Kamera ausgelöst hat und solche Sachen. Das macht er da. Oder er hat so ein fernsteuerbares Auto, was man auch über das iPhone programmieren kann, welche Strecken das fährt und so was. Ich denke mal auch an Programmieren ranzuführen ist ´ne für die Zukunft wichtige Eigenschaft. Aber ich finde grade die Mischung aus hier mit Matsch spielen und auf der anderen Seite mal am Computer mit ´nem 3-D-Programm ein bisschen rumzuspielen und zu gucken, diese Mischung finde ich halt eigentlich sehr gut. Und da finde ich wiederum selbst sehr gut, dass der Waldkindergarten dieses andere Extrem mitgibt, was ich hier nicht so erzeugen könnte ohne weiteres. Außer dass er jetzt hier im Garten auf die Bäume klettern kann und natürlich hier auch mit Wasser und so weiter draußen spielen kann. Diese Mischung aus beidem, Naturbezogenheit, aber auch mit der der Technik  konfrontiert sein und keine Angst zu haben. Angst zu haben, wes kaputt zu machen oder so was. Also das ist auch so ein Ding, wenn er irgendetwas kaputt macht, was ihm aus Versehen runterfällt oder was nun mal kaputt geht, was etwas Teureres ist, dann schimpfe ich ihn jetzt nicht aus. Ich zeige ihm schon deutlich, dass ich das jetzt nicht toll finde, aber das macht dann ja überhaupt keinen Sinn zu fragen, „Warum ist dir das jetzt runtergefallen?“, oder „Was soll das jetzt?“ oder „Warum hast du das jetzt kaputt gemacht?“. Da versuche ich auch ruhig zu bleiben, denn das ist ja nur eine Sache. Er merkt ja, dass das jetzt nicht toll war. Das weiß er selber. Und das muss man jetzt nicht unnötig steigern.

Ilse:       Naja und in Wirklichkeit geht es ja um die Lernerfahrung. Also „Ich passe das nächste Mal besser auf.“ oder „Ich gehe anders damit um.“ oder wie auch immer. Z. B. „Ich halte das fester in der Hand.“ Und das sollen sie sich mitnehmen und nicht „Warum ist dir das runtergefallen?“, weil in Wirklichkeit gibt es ja keine Begründung.

Jetzt habe ich aber noch eine Frage. Nachdem du zu Hause arbeitest. Wie schaut es bei dir da aus mit Abgrenzung?

Frank:   Die ist ziemlich einfach, weil der Raum, wo ich auch jetzt drin sitze, das sind zwei Türen da mit großem Abstand dazwischen. Es ist mein ehemaliges Kellerstudio, wo ich früher Musik aufgenommen habe. Also ich kriege zumindest die räumliche Abgrenzung sehr gut hin. Die zeitliche nicht immer wirklich. Wie du auch vorher schon angedeutet hast, er kriegt natürlich aus Situationen mit, wo ich arbeite oder wo ich am Computer sitze. Und dann fragt er mich und dann sag ich ihm: „Da hat jemand eine Frage gestellt, die beantworte ich grade. Dem schreibe ich grade mal was, damit er dann bei sich vorankommt.“ Und so Fragen stellt er sich dann schon. Ansonsten ist die Abgrenzung ganz einfach. Wenn die Tür zu ist, dann weiß ich den Papa jetzt nicht stören. Das funktioniert auch meistens. Die zeitliche Abgrenzung ist das was mir auch wirklich Schwierigkeiten bereitet zu gucken und sich nicht von diesem kompletten Familienalltag vereinnahmen zu lassen. Und das fällt mir manchmal schwer, wo ich merke, heute hast du überhaupt nichts gebacken bekommen, weil in so halbstunden oder zwei Stunden-Stücken kann ich schlecht arbeiten. Ich brauch da immer ein bisschen um reinzukommen und diese längeren Blöcke, die fehlen mir schon durchaus.

Ilse:       Ok, und ich könnte mir vorstellen grade dann, wenn du eben zu tun hast und dich entziehst, kommt’s vielleicht auch zu Widerstand. Wie gehst du damit um, wenn dein Sohn da ein bissel widerspenstig reagiert?

Frank:   In solchen Situationen geht´s eigentlich dadurch, dass wir im Vergleich zu anderen Vätern viel Zeit verbringen miteinander. Also es ist ja auch immer sehr fragmentiert, ich bin da nie … es sei denn ich bin bei einem Kunden vor Ort für ein längeres Gespräch, oder sowas, da gibt es eigentlich nicht den Widerstand. Dass er sagt nicht gehen oder so was. Das geht eigentlich, da hat er nicht so das Problem damit. Da würde er natürlich gerne etwas spielen oder so, aber hätte auch nicht das Problem damit, wenn ich dann arbeiten gehe, sich da zu trennen. Das geht eigentlich.

Ilse:       Mhm, das klingt alles nach einem sehr ausgeklügelten Gleichgewicht. Auch für deinen Sohn, dieses erdige im Waldkindergarten, die Technik dann zu Hause. Diesen Zugang, den die Kinder ja heutzutage im Leben unbedingt brauchen, weil sie werden damit arbeiten müssen. Es klingt auch so, als ob er wirklich toll aufs Leben vorbereitet wird, weil er einerseits diese handwerklichen Tätigkeiten im Wald wahrscheinlich schult. Und wie du sagst, er stellt mit 6 Jahren schon eine Kamera mit Stativ auf, das ist ja nicht alltäglich. Das ist doch bemerkenswert. Vor allem auch dass er sich das zutraut und dass er da damit umgehen kann.

Frank:   Echt. Ich denk halt da spielt halt mit rein, dass du halt keine Angst machst mit den Dingen etwas anzustellen, wenn es runterfällt oder so was. Wenn der super Angst davor hat, aber der Typ ist er im Moment eh nicht, … wenn er super Angst davor hätte, dann würde er sich nicht trauen. Aber diese Situation gibt es eigentlich nicht. Also den musst du definitiv eher ausbremsen in manchen Situationen, als ihn jetzt zu ermutigen, etwas zu machen.

Ilse:       Ja, wobei, das ist ja toll, weil er dann ja natürlich auch intrinsisch motiviert ist, weil er auf Ideen kommt, auf die andere Kinder vielleicht gar nicht kommen würden. Und weil er ja sich diese Neugierde am Leben sich absolut erhalten hat, bis jetzt.

Frank:   Genau, den Rahmen versuche ich auch zu geben. Er hat auch am Balkon eine Ecke, wo er so seine Werkstatt hat. Da nagelt er und schraubt mit dem Akkuschrauber und keine Ahnung … irgendwelche Gefährte zusammen, wo er Rollen unten dran schraubt. Da hat er so eine Kiste mit altem Zeug, wo er halt Sachen dran schrauben kann und geht dann halt da auch mit Werkzeug um. Die Ecke sieht halt dann auch entsprechend aus auf dem Balkon. Aber gut, das ist halt seine Ecke. Und ich kann jetzt nicht erwarten, dass eine Werkstatt immer super aufgeräumt ist. Man merkt, auch, dass, wenn er mal zum Aufräumen motiviert ist, weil er Besuch bekommt, oder weil er was bestimmtes machen möchte in seinem Zimmer, dann funktioniert das auch mit dem Aufräumen. Manchmal sieht das auch einfach so aus, dass er einfach nur Kisten nimmt und alles nur da rein stellt und die Kisten dann irgendwohin schiebt. Aber man merkt dann schon, dass die Motivation da ist, aber es gibt natürlich auch häufig, dass die Motivation zum Aufräumen nicht da ist.

Ilse:       Ja! Gut, das ist aber bei uns auch manchmal so. Was mir aber da so auffällt, vor allem wenn er da herumschraubt. Angst als Eltern ist bei euch kein Thema, oder habt ihr das so gut im Griff? Weil ich kann mir Eltern … also ich kenne Mütter, die würden aufschreien, wenn ein 6-jähriger einen Akkuschrauber in der Hand hat.

Frank:   Den Akkuschrauber, den hat er schon mit vier benutzt und auch Säge und Schnitzmesser und sowas. Das ist halt auch ein Teil, was im Waldkindergarten gemacht wird. Da sind die ja auch wirklich schon mit vier oder fünf am Holz hacken, mit der Axt. Natürlich mit jemandem dabei, der gut aufpasst. Aber die haben alle Schnitzmesser, diese typischen, die vorne nicht spitz sind, aber schon sehr scharf. Das heißt man kann sich damit schon ordentlich schneiden. Und der Till, ich sag mal Schienbein und so weiter … man sieht es dann schon, dass da gewerkelt wird und es sind auch genug Wunden vorhanden, die ihm aber im Prinzip egal sind. Weil das passiert halt, aber es spielt jetzt für ihn nicht so die Rolle. Also wir hatten auch so Fälle … bei ihm muss man wirklich gucken … also wenn er weint und sich wehgetan hat, dann hat er sich wirklich weh getan. Also er ist auch nicht einer, der da so besonders zimperlich mit sich umgeht. Und wenn er weint, weiß man, es hat jetzt wirklich wehgetan und da müssen wir jetzt genauer gucken. Ansonsten siehst du später irgendwelche Schnittwunden oder etwas, was er sich aufgeschabt hast, oder keine Ahnung … da musst du dann 5 Mal nachfragen, um zu wissen, wo es eigentlich her war. Das spielt für ihn irgendwie nicht so die Rolle.

Ilse:       Sie wissen es oft wirklich nicht. Ich kann mich erinnern, meine Kinder haben auch manchmal ausgeschaut, wo ich mir gedacht hab, um Gottes Willen, wenn die jetzt ins Spital müssten, man würde mich fragen, was ich mit meinen Kindern mache, weil sie so viele blaue Flecken auf den Schienbeinen und Unterarmen hatten.

Frank:   OK, das beruhigt mich. Weil das wundert mich immer, dass man nicht weiß, wo jetzt die Wunde her war, oder das Aufgeschabte, oder die Beule. Das weiß der in vielen Fällen nicht mehr. Das wundert mich schon auch, aber das beruhigt mich jetzt grad ein bisschen.

Ilse:       Na es ist so, wenn sie spielen, sie tun sich weh und sie vergessen es dann auch. Und wenn es dann … es tut ja dann meistens aktiv nicht mehr weh, wenn irgendwo ein blauer Fleck da ist oder so … und ja … „Hm, keine Ahnung, wo ich den her hab.“  (lachen)

Jetzt ist es ja so, dass grade Mütter und Frauen der Meinung sind, Väter erziehen anders. Was bis zu einem gewissen Punkt möglicherweise auch stimmt. Also ich beobachte, dass Väter eher dazu tendieren die Kinder aufs Leben vorzubereiten, sie ein bisserl zu schubsen, sie etwas selber machen zu lassen und beobachtend hinter dem Busch zu stehen und zu schauen, ob es ihnen gut geht und so. Wie erlebst du das?

Frank:   Ja, das passt ganz gut, auch mit dem Schubsen. Also ich ärgere ihn manchmal auch bewusst, um zu gucken, wie er reagiert, wie er damit klar kommt. Also jetzt nix böswilliges oder so was, aber da gucke ich schon, wo seine Grenzen sind. So´n Necken-mäßig, wo du schaust. Ansonsten war ich früher auch nicht der Typ, wenn er jetzt hingefallen ist, gleich hinzurennen und ihn aufzuheben. Der soll das lernen selber zu machen. Es sei denn, es ist natürlich etwas passiert. Aber jetzt in neun von zehn Fällen passiert ja da nix, außer vielleicht eine kleine Schürfwunde, oder sowas und dann steht er auf und geht weiter. Also dieses gleich hinrennen und „Was haste hier?“ und gleich Spray drauf und weiß ich nicht … aber gut, das ist natürlich auch eine Typfrage, bei manchen ist schon vielleicht der Bedarf da, dass die Eltern sich mehr kümmern oder mehr gucken.

Ilse:       Ja, das Spannende ist, die Kinder holen sich dann ohnehin, was sie brauchen. Also wenn man die Nerven hat zuzusehen, dann stehen sie auf und spielen weiter, oder sie kommen dann und holen sich den Trost ohnehin.

Frank:   HmHm genau und der Till ist da irgendwie nicht so der Typ dafür. Da weiß ich dann aber nicht, wo er das her hat. Er will halt dann eben der Starke sein und es hat nicht weh getan. Dann ist er richtig manchmal zornig, wo du fragst. „Ne, hat nicht weh getan. Alles gut. Hat nicht weh getan.“ Wo du auch denkst, ok, das muss jetzt aber echt weh getan haben. Es gibt also Situationen, wo mir das Herz stehen bleibt erstmal. Er ist mal im Waldkindergarten mit dem Auge in einen Stock hineingefallen. Das war so ein Ding, wo ich sage, das brauche ich jetzt nicht noch Mal. Es war Gott sei Dank nix Schlimmes, aber das hätte auch sehr böse werden können. Also das darf ich mir auch nicht zu sehr vorstellen, sonst wird es mir anders.

Ilse:       Ja, aber ich glaube, wir erleben alle solche Erlebnisse mit unseren Kindern. Also ich kenn kaum ein Kind, das nicht irgendwann einmal hinunter gefallen ist und sich verletzt hat, oder sich eben mal wo was hineingestoßen hat. Das passiert eben und das ist auch Teil der Kindheit und Teil der Erfahrung. Und das ist glaube ich, auch etwas, was wir Eltern uns immer wieder bewusst machen dürfen: Wir können unsere Kinder nicht vor allem schützen! Wir können sie nicht vor jedem Unsinn bewahren. Und manchmal ist es unsere Aufgabe, daneben zu stehen und zu zuschauen und da zu sein, nachher.

Frank:   Das ist ja das, was viele irgendwie vergessen. Weil die Kinder müssen einfach … das merkt man ja bei sich selber … die müssen einfach die Erfahrung machen. Und die können sie nicht machen, wenn du sie jedes Mal vorher abdämpfst und dran hinderst überhaupt in die Situation zu kommen. Da fährt er halt mit dem Fahrrad in den Zaun rein, oder keine Ahnung, das ist dann an der Stelle halt so. Und ich denke mal, das ist was, was man häufig falsch versteht, wenn ein Kind jetzt Mal … ich weiß nicht, der hämmert da gerne Mal mit dem Hammer ordentlich laut am Balkon irgendetwas zusammen, wo du sagst, ok, das hätte jetzt auch Mal 10 Minuten kürzer sein dürfen, das Hämmern. Aber wo du denkst, ok, der hat ja noch nicht viel in seinem Leben gehämmert oder den Spaß gehabt, so laut zu sein. Und das dann auch zuzulassen. Ich denk mal, nicht zuletzt davon kommt dann, dass Kinder Sachen 50 Mal wiederholen. Wo man sagt, hey, zwei Mal reicht, ist ok. Aber der hat es noch nicht viel gemacht, der weiß nicht, wie das ist und findest es grade cool. Da muss man dann nicht alles wieder im Keim ersticken.

Ilse:       Genau. Das weiß ich ja auch aus der Montessori-Pädagogik. Es ist so, dass Kinder manche Tätigkeiten machen, bis sie wirklich satt sind davon. Und grade so Dinge, die mit Lautstärke zu tun haben und die für uns Erwachsenen oft unangenehm sind, bewirken ja auch etwas. Lass Kinder, dreijährige in einen großen Turnsaal. Das erste was passiert ist: Sie werden schreiend von einer Wand zur anderen laufen. Und das machen sie deshalb, weil sie mit dem Schall auch den Raum erkunden. Und beim Hämmern ist es ja zum Beispiel ja auch so, dass sie beim Hämmern diese … dieses Gefühl des Prellens in der Hand haben. Das heißt, das ist ja auch ein Reiz auf die Muskulatur, der da ausgeübt wird. Und wo sie sich dann wieder ein gutes Stück weit selber erfahren auf eine Art und Weise. Und es ist ja auch spannend, wenn ich merke, wenn ich da drauf haue, dann macht es nicht nur Bumm und es kracht, sondern ich spür das auch, ich spüre diesen Lärm in meinem Körper.

Frank:   Mhm, so hab ich das auch noch nicht gesehen. Ja witzig, mhm. Ja das merkst du natürlich auch viel, dass da solche Sachen gemacht werden, weil´s halt häufig noch nicht gemacht wurde und weil es Reaktionen gibt, die man vorher so nicht erwartet hat, die vielleicht auch weh tun. Aber die man halt trotzdem macht, um zu gucken, was passiert denn da alles.

Ilse:       Genau. Jetzt würde mich noch interessieren, gibt es irgendetwas, das du mit deinem heutigen Wissen anders machen würdest?

Frank:   Puh, das ist immer so eine Frage mit dem … Was hätte man anders gemacht, wenn man das und das gewusst hätte. Ich bin mir sicher, dass man überhaupt nichts anders gemacht hätte, weil man die Erfahrung einfach machen muss und das Wissen im Prinzip nichts nutzt. Es ist ja genauso … Wie gut würden wir alle leben, wenn wir das, was wir wüssten auch anwenden würden …

Ich glaube … Also um es kurz zu machen … Nö! Ich wüsste jetzt nicht, was ich anders machen würde. Natürlich würde ich in bestimmten Situationen vielleicht nicht so aufbrausen oder so was. Wo ich sag, ok, das hätte jetzt nicht sein müssen. Aber wenn so was Mal ist, dann versuche ich ihm nachher zu erklären: Ok, das war jetzt doof von mir. Ich hab mich halt total geärgert.
Also dass man das jetzt nicht nur so im Raum stehen lässt. Aber ich hätte jetzt nichts, wo ich sage, das hätte ich unbedingt anders machen wollen. Ohne dass das jetzt so sein soll, dass ich jetzt mit allem zufrieden bin, so wie ich es mache.

Ilse:       Nein, ich finde das eine sehr sympathische Antwort, die sehr viel Weisheit beinhaltet, weil ich glaube, dass auch wir Erfahrungen einfach machen müssen. Und es hat überhaupt keinen Sinn, sich nachher böse zu sein und zu sagen: „Boa, hätt ich es doch nur anders gemacht.“, und sich mit Selbstzweifeln zu quälen. Denn auch wir lernen ja als Eltern dazu. Und wir lernen mit jedem Kind dazu und wir lernen mit jedem Lebensjahr jedes einzelnen Kindes dazu und es gibt einfach Dinge, die man nicht durch Bücher weitergeben kann, nicht durch Erzählungen weiter geben kann, sondern das sind Erfahrungen, die wir schlicht und einfach machen müssen.

Frank:   Mhm, ich glaube sowieso generell in diesem extremen Bereich von – ja, Erziehung ist immer so ein schwieriges Wort – von einem Kind, was man hat, das musst du einfach durchleben und dann weißt du, das war jetzt gut oder das war jetzt nicht so gut, aber wer sagt dir, dass es besser war, wenn du es anders gemacht hättest. Ähm ich denke mal, ein Kind sucht sich da eh, die Dinge raus, die es bei der jeweiligen Person gut findet und vielleicht auch für sich selber übernehmen möchte. Wo wir ja dann bei diesen Vorbildrollen sind. Und es bastelt sich da das eigene ICH zusammen, je nachdem, was es gut findet und was es nicht gut findet. Es gibt auch viele Sachen bei der Oma, wo ich jetzt sage, ok, das sollte er sich besser nicht abgucken, weil die nicht immer sehr positiv gestimmt ist, sag ich Mal vorsichtig. Wo ich aber denke, dass das bei ihm abprallt, weil er weiß, dass ich oder meine Frau jetzt so nicht dieser Meinung sind. Also dass er sich dann negative Dinge nicht für sich übernimmt.

Ilse:       Nein, er holt sich dann andere Dinge dort.

Frank:   Genau, er weiß dann halt, die Oma bringt immer ´ne Käsebrezel mit und so was. Das sind dann andere Situationen. Genau, wo er auch weiß, ok, das sind unterschiedliche Leute, und niemand hat da jetzt die 100 % Vorbildfunktion. Er pickt sich da die Sachen raus, die für ihn passen, denke ich mal. Das hoffe ich.

Ilse:       Und weil wir jetzt schon bei der Vorbildfunktion sind und weil das so schön rund ist noch eine abschließende Frage: Gibt es etwas, was du deinem Sohn unbedingt mitgeben möchtest fürs Leben?

Frank:   Die vorrangige Sache ist wirklich einfach nicht auf andere zu hören und zu gucken, das hinzubekommen, für sich selber ein Bild zu haben, wie man die Welt gerne hätte oder selber gerne leben möchte und nicht da drauf zu hören, was andere erzählen, was richtig und was falsch ist. Also selber zu lernen sich eine Meinung zu bilden über was und auf das Gerede von anderen nichts zu geben. Sich nur das rauszupicken, was man selber denkt, das ist gut für einen und den Rest ausblendet.

Ilse:       Die besten Voraussetzungen für ein gutes Selbstbewusstsein. Herzlichen Dank, dass du uns diesen Einblick gewährt hast, in dein Vater-Sein und in deine Sicht der Dinge.

Frank:  Gerne!

Ilse:       Ich bin sicher, das ist ganz spannend, weil ich glaube, dass es wirklich an der Zeit ist … ich meine wir haben jetzt so lange hin- und her „Sind die Mütter wichtiger?“, „Sind die Väter wichtiger?“ … und es ist endlich an der Zeit, dass wir erkennen, dass ein Kind beide Elternteile braucht. Ich weiß, dass es in Zeiten von Patchwork Familien und so weiter nicht immer möglich ist. Aber nichts desto trotz Kinder brauchen genauso männliche Identifikationsfiguren, wie sie eine Mutter brauchen und da gibt es kein „Der ist besser.“ Oder „Der ist schlechter.“, und „Der ist dringender, oder eben nicht.“

Frank:   Mhm, denke ich auch. Und mittlerweile ist es so, denk ich mal, dass sich Kinder auch in anderen Medien diese Rollen rauspicken können. Wo ich auch gucken kann … ja, dann finde ich die zwei aus der Sendung mit der Maus halt toll und die übernehmen dann die Rolle, falls kein Vater da ist. Also man hat die Möglichkeit das zumindest in einem kleinen Bereich ein bisschen zu kompensieren – solche fehlenden Rollen.

Ilse:       Auf alle Fälle. Die Kinder sind ja auch in Sportvereinen und ich weiß nicht wo. Die holen sich das dann schon.

Frank:   Genau! Das denke ich auch.

Ilse:       Nochmal herzlichen Dank, dass du da warst und dass du mir deine Zeit geschenkt hast und auch meinen Hörerinnen und Hörern.

Frank:   Sehr gerne.

Ilse:       Ich freue mich riesig, dass du da warst.

Frank:   Ja, das ist ja für mich auch spannend, über diese Sachen nachzudenken, weil – wie schon gesagt – ich bin da nicht besonders reflektiert. Da muss ich immer ziemlich viel kramen, bis ich da auf meine Antworten komme.

Ilse:       (lacht) gut … Tschüs

Frank:   Tschüs

 

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