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Papa-Interview mit Thomas Albrecht

Thomas Albrecht ist Netzwerker aus Leidenschaft und hat die Business-Dads ins Leben gerufen. Da er selbst Vater von 2 Söhnen ist, kennt er die Herausforderungen von Vätern.

Ihm geht es vor allem darum, seinen Söhnen ein neues Vaterbild mit auf den Weg zu geben. Der Begriff Work-Life-Balance ist ihm ein Gräuel, da er meint, wir haben nur ein Leben, das wir möglichst harmonisch gestalten sollen.

Weiter unten kannst du das Interview auch als Transkript lesen, wenn dir das lieber ist.

Hier kannst du dir die Folge anhören:

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Shownotes:

Thomas Albrecht - Business-Dads

Hier findest du nähere Informationen über das Referral Institute.

Über die Business-Dads kannst du dich hier informieren.

 

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Hier kannst du den Inhalt des Podcasts auch lesen, wenn dir das lieber ist.

Das ist ein wörtliches Transkript.

Transkript vom Papa-Interview mit Thomas Albrecht

 

Ilse:                       Hallo und herzlich willkommen bei Aus-gelassen leben! Mein heutiger Interviewgast ist Thomas Albrecht, er ist beim Referral Institute und hat gleichzeitig auch die Business-Dads ins Leben gerufen. Hallo Thomas!

Thomas:              Servus, Ilse. Grüß dich.

Ilse:                       Ich freue mich, dass du da bist. Ja, wir werden heute vor allem über deine Rolle als Papa plaudern aber mit den Business-Dads ist das ja etwas, was du gar nicht ganz trennen kannst und auch gar nicht ganz trennen möchtest, wenn ich das richtig verstanden habe.

Thomas:              Das stimmt, absolut. Das ist ein und dasselbe, sozusagen.

Ilse:                       Gut. Vielleicht magst du uns ein bissel erzählen, warum du die Business-Dads ins Leben gerufen hast und was so deine Intention dahinter ist, weil ich glaube, das hat ja auch ganz, ganz viel mit deinem eigenen Vater-Sein zu tun.

Thomas:              Ja, das stimmt absolut, Ilse. Und zwar die Idee der Business-Dads, das kam so im Jänner vergangenen Kalenderjahres, also im Jänner 2015, weil wir uns natürlich im Referral Institute immer die Frage stellen: „Wer ist denn deine Zielgruppe.“

Und die Frage nach der eigenen Zielgruppe, die ist oft gar nicht so einfach zu beantworten und wir sind draufgekommen, dass das sehr viel mit der Person selbst zu tun hat. Nämlich mit der eigenen Herkunft, mit dem eigenen Grundmotiv. Und da wurde mir ein bisserl geholfen in die Tiefe zu gehen, von unseren eigenen Consultants. Und so sind die Business-Dads entstanden.

Ilse:                       OK. Vielleicht erklärst du für unsere Hörerinnen und Hörer noch, was das Referral Institute ist, weil ich denke, das werden viele nicht kennen und können sich daher gar nichts drunter vorstellen.

Thomas:              Ja also im Refferal Institute geht es einfach darum, dass wir Unternehmerinnen und Unternehmern dabei helfen, ihre wirklichen Wunschkunden zu finden. Was viele Unternehmer unterschätzen ist, dass die Wahl der Kunden einen ganz großen Einfluss hat, auf deren persönliche Lebensqualität. Denn wir kennen das vielleicht, wenn wir die falschen Kunden wählen, die einfach nicht zu uns passen, oder wir auch nicht zu ihnen passen – das geht ja meistens in beide Richtungen . Dann ist das so, dass diese Kunden nicht das von uns bekommen können, was sie wirklich benötigen. Wir brauchen daher auf beiden Seiten sehr viel Zeit und Energie, weil es einfach nicht passt.

Im Gegensatz dazu, wenn wir also mit unseren Wunsch- und Lieblingskunden arbeiten dürfen, dann ist das für beide Seiten hervorragend, weil diese Wunsch- und Lieblingskunden genau die Leistung oder das Produkt bekommen, das sie benötigen und wir diese Leistung sehr einfach liefern können.

Und genau das ermöglichen wir Unternehmern im Referral Institute. Nämlich den Weg zu ihren Lieblingskunden tatsächlich zu finden und mit ihnen diesen Weg auch gemeinsam zu gehen. Wir liefern also sozusagen Lieblingskunden. Das ist unser Auftrag.

Ilse:                       Das sind in Wirklichkeit die kompletten Marketing-Basics.

Thomas:              Absolut! In Wirklichkeit sind es komplette Marketing-Basics im Zuge der unternehmerischen Herausforderungen.

Ilse:                       Ja und jetzt aber zurück auf dein Vater-Sein. Du hast ja, nehme ich an, diese Art von Unternehmertum auch gewählt, um das gut mit deiner Familie vereinbaren zu können. Wie schaut bei euch z. B. diese Aufteilung von Erziehung und Haushalt aus?

Thomas:              Also mein persönlicher Zugang ist da vielleicht ein ganz anderer. Ich finde, es gibt so etwas wie Balance oder Work-Life-Balance und Aufteilungen. Wir Menschen haben ja ein Leben. Jeder lebt von uns sein eigenes Leben und dieses Leben hat einfach verschiedene Komponenten und verschiedene Aspekte. Ich denke, es ist wichtig, für die Kinder da zu sein, genauso wie für die Ehepartnerin oder den Ehepartner. Einfach da zu sein, wenn das notwendig ist und die Zeit es erfordert. Ich persönlich halte sehr wenig davon, von fixen Aufteilungen, wie du machst das und ich mache jenes. Sondern wir trachten gemeinsam immer danach, dass wir die Zeit einander schenken, die es gerade bedarf.

Ilse:                       Mhm. Jetzt ist es ja so … wenn man so gemeinsam in eine Erziehungsaufgabe hineingeht, hat man Vorstellungen, hat man Pläne, hat auch irgendwo so die Idee, welche Werte man vermitteln möchte. Auf der anderen Seite kommt dann oft alles ganz anders, als man denkt.

Thomas:              Doch immer! (lacht)

Ilse:                       Und wie war das bei euch so?

Thomas:              Also bei uns – meiner Einschätzung nach und meiner Erfahrung nach, kam immer alles, was wir gedacht haben und das ist auch heute so. Denn die Tage verlaufen einfach so, wie sie oft verlaufen. Natürlich haben wir klare Vorstellungen, was wir machen möchten und erreichen möchten, doch ist halt der Alltag immer anders. Weil einfach unsere Kinder und auch wir selbst einfach Erfordernisse haben und uns Dinge wünschen, die wir vielleicht vor einer Stunde noch gar nicht wussten.

Ilse:                       OK. Ihr habt zwei Kinder, gell?

Thomas:              Wir haben zwei Kinder gemeinsam.

Ilse:                       Zwei Burschen.

Thomas:              Burschen, ja.

Ilse:                       Ja, ok. Und die beiden sind wie alt?

Thomas:              Also der Jonas ist 7 und der Jakob 5 ½ Jahre.

Ilse:                       OK. Und was sind da so eure Erziehungsgrundsätze und was möchtet ihr den Kindern gerne weitergeben?

Thomas:              Was wir den Kindern gerne weitergeben wollen ist absolutes Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Und dass die Kinder in die Lage versetzt werden, ihr eigenes Leben so führen zu können – später, wenn sie erwachsen sind – wie sie das gerne möchten.

Ilse:                       Mhm.

Thomas:              Darauf zielt unsere Erziehung – unter Anführungszeichen –ab, dass wir ihnen das ermöglichen und ich glaube, das funktioniert am besten, wenn wir ihnen das auch vorleben. Kinder und alle Menschen lernen einfach durch nachmachen und die dürfen das dann gerne nachmachen, was wir gut gemacht haben.

Ilse:                       Ja, da gibt es ja so diesen schönen Spruch von Karl Valentin: „Du kannst deine Kinder erziehen, so viel du willst, sie machen dir doch alles nach.“

Thomas:              Genau richtig. (lacht)

Ilse:                       Jetzt denke ich mir einmal … gerade bei zwei Jungs, da gibt es auch so Rangeleien und so weiter. Wie geht ihr da mit Widerstand um?

Thomas:             Mit Widerstand zwischen den beiden oder mit Widerstand uns gegenüber?

Ilse:                       Sowohl als auch. Es gibt ja immer wieder so diese Eifersüchteleien zwischen den Kindern. Nach dem Motto: „Moa, der darf das und ich darf das nicht!“
Oder auch wenn sie dann etwas tun sollen, was sie nicht tun wollen. Oder eben auch untereinander dieses Hickhack. Wobei das bis zu einem gewissen Grad ja dazu gehört.

Thomas:              Ich glaub einfach, dass das dazu gehört. Und wenn es hier Unstimmigkeiten oder Uneinigkeiten gibt … die gibt es natürlich und die gehören zum Alltag auch dazu … dann arbeiten wir immer gemeinsam dran, einfach zu zeigen: „Schau ihr seid zwei verschiedene Menschen und ihr habt jeder euer eigenes Leben und auch zwei verschiedene Dinge, die um euch passieren. Für den einen ist das gut, was für den anderen jetzt nicht unbedingt gut ist. Aber was du möchtest, muss der andere nicht unbedingt haben wollen. Nur, weil dein Bruder Schokolade isst, musst du nicht auch Schokolade essen.

Also uns geht es immer darum, diese vermeintlichen Abhängigkeiten oder „wenn der eine hat, dann muss ich auch“ … das ein bissel rauszunehmen. Und dass sich die Kinder – und wir uns auch – auf ihre eigene Persönlichkeit fokussieren können. Und sich nicht darüber definieren, ob der andere jetzt eine Schokolade hat, oder nicht.

Ilse:                       Ja, in Wirklichkeit ist es ja auch so, dass jedes Kind individuell etwas ganz anderes braucht, und ich es ja nur dann individuell fördern kann, wenn ich auf das Rücksicht nehme. Das heißt, dieses „wenn der eine das hat, kriegt der andere das auch“, ist ja oft gar nicht im Sinne der Entwicklung.

Thomas:              Richtig, ich denke auch, dass diese Abhängigkeiten, die wir auch als Erwachsene noch haben – aus unserer Kindheit, oder durch andere Glaubenssätze angeeignet haben – dass das hinderlich ist. Also auch dieses Vergleichende. Einfach zu vergleichen: Der hat ein schöneres Haus, ein größeres Auto, ein was auch immer, einen grüneren Rasen. Das sind einfach Vergleiche, die in Wirklichkeit die eigene Lebensqualität sehr, sehr stark mindern und sehr stark einschränken.

Ja und mir persönlich geht es sehr drum, diese Vergleiche rauszunehmen und zu sagen: „so, wie du es hast, ist es für dich gut und wie du es hast, ist es auch für dich gut. Und es ist eine gute Idee, dafür dankbar zu sein. Nicht, dass wir es nicht besser machen können oder wollen, sondern aber zunächst einmal für die Situation, in der wir heute sind, einfach dankbar zu sein und daraus Kraft zu schöpfen für den nächsten Schritt.

Ilse:                       Mhm. Das, was du jetzt gesagt hast, führt mich gleichzeitig zu etwas anderem. Nämlich: Wir sind ja alle auch geprägt durch unsere eigene Erziehung, durch das, was wir selber gelernt und erfahren haben. Das muss nicht unbedingt dem entsprechen, was wir jetzt an Werten vertreten und doch ist es manchmal so, dass diese anerzogenen Dinge in uns aufstehen und „Hier“ schreien und uns dann trotzdem beeinflussen, obwohl wir es gar nicht wollen. Das heißt wir hören dann quasi die eigene Mutter, den eigenen Vater aus uns sprechen, obwohl das ja gar nicht uns entspricht. Wie geht ihr mit so etwas um?

Thomas:              Also da hast du absolut Recht, Ilse. Das passiert immer wieder. Ich denke es ist gelungen – und daher auch der Schluss zu den Business-Dads wieder – viele Muster aus meiner eigenen Erziehung, die von meiner Väterseite kamen, einfach aufzubrechen und zu verändern. Das ist sehr, sehr gut gelungen aus meiner Einschätzung nach. Drum sind auch die Business-Dads meine Zielgruppe als Unternehmer, die gleichzeitig Familienväter sind.

Wo ich noch dran arbeite ist, dass mütterlicherseits … da gibt es sicher noch Punkte aufzubrechen und ich glaube, es ist ein guter Fortschritt, es zu erkennen. Und hier sind meine Kinder, meine Jungs gute Coaches für mich. Denn die sagen das dann auch.

Ilse:                       Das stimmt. Kinder sind ja da sehr direkt und die haben auch sehr feine Antennen.

Aber jetzt möchte ich noch gerne einmal auf die Business-Dads zurückkommen, weil wir ja oft in unserer Zielgruppe auch das haben, was wir selbst schon durchgemacht haben, was wir selbst schon erlebt haben …

Thomas:              Absolut.

Ilse:                       … Was sind so die Bedürfnisse deiner Zielgruppe? Wie würdest du das kurz beschreiben?

Thomas:              Die Bedürfnisse meiner Zielgruppe sind jene Väter, die, wenn sie im Unternehmen sind, sozusagen ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ja wissen, dass sie zu Hause sein sollten und dass sie gebraucht werden, von ihren Kindern und von ihrer Partnerin. Und die, wenn sie dann zu Hause sind, einfach auch ein schlechtes Gewissen haben, weil sie immer dran denken, wie viel Arbeit eigentlich auf ihrem Schreibtisch liegt und getan werden müsste.

Ilse:                       Oh, das finde ich jetzt ganz, ganz erlösend, weil ich war ja lange Zeit halbtags berufstätig und mir ging es auch immer so. Also war ich im Büro, hab ich mir gedacht, eigentlich sollte ich mich schon tummeln, weil ich sollte nach Hause zu den Kindern. Und war ich zu Hause, ist mir eingefallen, was ich am nächsten Tag im Büro alles erledigen muss. Und ich habe das damals – also das ist jetzt schon etliche Jahre her – so empfunden, als ob nur Frauen diesen Druck hätten. Und das ist jetzt genau einer der Gründe, warum ich diese Interview-Serie mache. Um aufzudecken, dass sehr wohl diese Sachen auch in Männern vorhanden sind. Sie reden weniger drüber.

Thomas:              Das stimmt. Also Männer neigen dazu, das „eh“ unter Kontrolle zu haben. (lacht)

Ilse:                       Jetzt aber ein anderes Thema. Gerade bei Business-Dads gibt es auch oft Arbeit im Home-Office. Ich nehme an, du wirst ja deine Arbeitstage auch ein bissel Home-Office-mäßig aufteilen, wenn es geht. Wie gehst du dann mit dem Thema Abgrenzung um? Wie grenzt du dich ab, wenn rundherum Familie ist? Wie machst du das?

Thomas:              Also für mich ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Lebensqualität, immer Zeit zu haben, wenn ich es möchte. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Aspekt von Lebensqualität. Drum bin ich auch grade dabei, mein Büro nach Hause zu übersiedeln. Wie du weißt, sind wir auch grade privat übersiedelt und mein Büro übersiedelt da mit und ich denke, der Begriff Abgrenzung passt gar nicht so gut.

Es gibt da eher die Sache einer Vereinbarung unter uns, dass wir sagen, es gibt Zeiten, wo wir arbeiten, oder wo ich arbeite, wo die Kinder spielen. Und dann gibt es Zeiten, dir wir auch dann intensiver gemeinsam verbringen. Und es ist keine Trennung von Räumlichkeiten, obwohl es im selben Haus stattfindet.

Ilse:                       Ok. Dann hab ich es vielleicht falsch ausgedrückt. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass wenn die Tür zu meinem Arbeitszimmer zu ist, dann weiß die Familie, ich mache etwas, wo ich nicht gestört werden möchte. Dann bin ich einfach im Flow und möchte mich nicht unterbrechen lassen. In vielen Fällen ist die Tür zu meinem Arbeitszimmer einfach offen und es ist integrierter Raum.

Thomas:              Ja. Also meine Arbeitszimmertür ist grade jetzt geschlossen, wegen der Tonqualität und Geräuschkulisse, sonst ist sie immer offen. Ich hab da auch kein Problem damit, wenn meine Gesprächspartner am Telefon einfach merken, dass ich meinem Grundsatz der Business-Dads auch im Beruf sozusagen wahrnehme.

Das ist einfach so. Und da sind Kinder, die sprechen im Hintergrund. Das ist absolut legitim. Zu dem stehe ich.

Ilse:                       Ja, ja. Ein großes Thema für Frauen ist ja auch oft das Thema loslassen von Kindern und nach Studien ist es ja so, dass Väter oft diejenigen sind, die das Loslassen anstupsen und ermöglichen. Nachdem du aber da ja sehr offen sprichst: Hast du ein Thema mit dem Loslassen deiner Kinder? Gibt es Situationen, wo du sagst: „Da ist es mir schwergefallen“?

Thomas:              Ja, natürlich ja. Also, wie der Größere der beiden mir gesagt hat, nachdem er mit der Schule begonnen hat und nach 6 Wochen meinte: „Papa, ich gehe jetzt alleine in die Schule“. Also ich geh jetzt alleine. Das war noch in Wien und er sagte: „Ich mach den Schulweg alleine.“ Da musste ich schon ein bissel schlucken und ich lebe das gerade wieder so durch jetzt. Da hab ich mir gedacht: „Ups, jetzt geht er alleine.“ Und dann hat er zu mir gesagt: „Ja, du kannst mich ja noch begleiten, bis zum Einkaufsmarkt, da hinunter.“ (lacht)

Ilse:                       Das zeigt es aber auch so schön. Die Kinder reagieren ja ganz fein, mit ganz, ganz feinen Antennen auf das, was wir ausstrahlen. Das heißt, die merken ja dann wenn es uns nicht gut geht damit. Und das kann man ja auch im Kindergarten beobachten, dass es meistens so ist, wenn es Kinder gibt, die Trennungsschmerz haben, … wenn die Mama das Kind in den Kindergarten bringt, dann ist es wesentlich schlimmer, als wenn der Papa das Kind in den Kindergarten bringt.

Thomas:              Das stimmt, ja. Ja ich hab da natürlich mit dem Loslassen … ein Thema würde ich jetzt nicht sagen … ich lebe es ganz gerne durch, ja. Weil es ist ja auch eine Weiterentwicklung für mich persönlich. Und auch ein Zeichen, dass ich auf einem guten Wege bin, den Kindern auch etwas zuzutrauen. Denn der durfte natürlich auch alleine gehen, das ist ja gar keine Frage.

Also ich glaube, man darf als Vater seine eigenen Themen nicht zu den Themen der Kinder machen.

Ilse:                       Ja. Da bin ich überzeugt davon, das sehe ich auch als Mutter so. Ich glaube nur, dass man sich selber gegenüber reflektiert sein sollte. Also bei mir war es zum Beispiel so, mir hat das im Kindergarten nix gemacht, mir hat es in der Volksschule nix gemacht und für mich war das ganz, ganz schlimm, als der Florian – das ist der größere Sohn – ins Gymnasium kam und dann mit dem Bus wegfahren musste und ich das gefühlt nicht mehr unter Kontrolle hatte.

Thomas:              Mhm.

Ilse:                       Was ja lächerlich war, weil er ist ja jahrelang vorher schon allein in die Volksschule gegangen. Also das spannende ist, dieses Gefühl kann einen überrollen, wenn man gar nicht damit rechnet und ich glaube, da ist es einfach wichtig reflektiert zu sein und sich das einzugestehen und sich einfach zu sagen: „Ok, jetzt ist es auf einmal da.“ Das heißt ja nicht, dass das etwas Negatives ist, sondern sich das anzuschauen und damit auseinanderzusetzen.

Thomas:              Absolut, da bin ich voll deiner Meinung.

Ilse:                       Weil wenn ich es mir nicht anschaue und mich nicht damit auseinandersetze, dann wird es zum Thema des Kindes.

Thomas:              Das stimmt, ja. Absolut d´accord.

Ilse:                       Ja dann auch so ein großes Thema ist so diese Wichtigkeit der männlichen Bezugspersonen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Mein Mann war, als der Florian acht war, ein Jahr im Ausland. Und jetzt ist er wieder zwei Jahre im Ausland. Nur jetzt ist es nicht mehr so tragisch. Jetzt ist der Florian 21, da ist es ihm egal. Aber wie er acht war, hat er ganz massiv andere männliche Bezugspersonen gesucht. Weil er Dinge ausleben wollte, die er mit mir nicht ausleben konnte und für die ich mich auch gar nicht zuständig fühle.

Wie siehst du das? Und wie beobachtest du das vielleicht auch so im Bekanntenkreis. Weil es gibt ja dann immer wieder Kinder, die von Alleinerzieherinnen sind, oder wo der Papa halt nicht da ist oder so.

Thomas:              Also ich finde, dass unsere Gesellschaft viel zu wenige männliche Bezugspersonen hat – unsere Kinder – und dass unsere eigene Generation möglicherweise mit zu wenig männlichen Bezugspersonen aufgewachsen ist. Also aus der Kriegszeit heraus waren ja die Väter alle weg und dann waren die in vielen Familien wieder weg und sind wieder weg, in vielen Familien – einfach durch diese hohe Trennungsrate. Und wie schon am Beginn gesagt, die Kinder machen das halt nach. Sie machen das dann auch nach und trennen sich von ihren Familien. Und ich denke, dass diese männliche Komponente in der Erziehung und in der Bezugsperson sehr stark vernachlässigt wird. Auch wenn man in die Schulen hineinschaut, die meisten Lehrkräfte sind weiblich und die wenigsten sind männlich, gerade in den Volksschulen. Also in der Zeit, wo die Kinder noch in dieser Prägungsphase sind. Und wir hatten das Glück, dass der Jonas in der ersten Klasse Volksschule in Wien einen männlichen Volksschullehrer hatte.

Ilse:                       Mhm, ja. Ich bin ja Montessoripädagogin und ich hab ja in meiner Ausbildung im Kinderhaus auch die Erfahrung gemacht. Wir hatten einen männlichen Erzieher und der war von den Kindern umkämpft. Der war heißgeliebt. Der hatte auch einen ganz, ganz anderen Zugang zu den Kindern.

Thomas:              Mhm.

Ilse:                       Was du jetzt aber ansprichst ist noch was ganz anderes. Dass die Männer ja auch wenn sie da sind, oft außerhalb des Hauses sind und nicht präsent sind. Das heißt, sie sind irgendwo in einem Büro, sie fliegen in der Weltgeschichte herum, weil sie eben dienstlich unterwegs sind und sind nicht präsent.

Und das finde ich aber den großen Vorteil vom Unternehmertum und auch vom Homeoffice. Dass die Kinder direkten Bezug zur Arbeitswelt bekommen und sich auch etwas drunter vorstellen können.

Thomas:              Ja, absolut. Ich sehe das genauso und drum habe ich auch mein Büro jetzt wieder – sozusagen – nach Hause verlegt. Weil das meiste, was ich zu tun habe, lässt sich dank moderner Technologien einfach von zu Hause auch erledigen. Und es ist gar nicht mehr notwendig so viel in der Weltgeschichte herum zu fahren. Und das ist für mich – wie ich schon gesagt habe – einfach ein wichtiger Punkt zur Lebensqualität, mir auch immer Zeit zu nehmen, wenn meine Kinder diese Zeit benötigen. Einfach zu sagen: „Ja, ich mach halt diese Aufgabe in einer Stunde, oder morgen, oder wann auch immer.“ Und ich denke, so möchte ich auch meine Kinder erziehen, dass sie einfach auch diesen Freiraum für sich erleben können und auch für sich gestalten können, wenn sie erwachsen sind. Das ist sicher ganz anders, als ich das erlebt habe: Schule, Ausbildung, Studium, Konzern arbeiten. Und meine Kinder – das wünsche ich mir zumindestens – dürfen die Gelegenheit haben, das anders zu erleben, nämlich ein eher selbstbestimmtes Leben zu führen, und dann zu entscheiden, welche besonderen Leistungen oder Produkte sie anderen Menschen anbieten möchten.

Ilse:                       Mhm. Da sehe ich unter anderem auch die Ursache, warum dieses Thema Work-Life-Balance so ein medial hochgepuschtes ist. Weil eben die Arbeitswelt von der Lebenswelt sehr getrennt ist, in vielen Bereichen und in dem Moment, wo das miteinander verschwimmt, ist es ein Leben.

Thomas:              Richtig ja und um das geht es. Um das Leben geht es. Es geht also nicht um eine Balance, sondern um eine Harmonie. +

Ilse:                       Jetzt ist es ja so, dass Väter mit ihren Kindern von Anfang an ganz anders umgehen. Ich weiß nicht, ob dir der Begriff Kamikaze Play etwas sagt.

Thomas:              Ja.

Ilse:                       Väter reagieren und erziehen also anders. Wie würdest du die Art wie du mit deinen Söhnen umgehst, und mit der Art, wie deine Frau mit deinen Söhnen umgeht, beschreiben.

Thomas:              (lacht) Das ist eine gute Frage. Also ich denke, dass ich mit meinen Söhnen etwas direkter, ich will nicht sagen strenger, umgehe. Vielleicht auch klarer, als meine Frau das möglicherweise macht. Und meine Frau vielleicht viel mehr Verständnis bringt, wenn es da Herausforderungen gibt und ich versuche mehr Klarheit zu bringen. Ich weiß nicht, ob das jetzt so nachvollziehbar ist, wie ich das beschrieben habe. Wir haben da sicher unterschiedliche Seiten, wie wir an die Dinge herangehen. Also wenn ein Kind … also meine Frau ist sicher eher die Tröstende, wenn es Schwierigkeiten gibt und ich bin vielleicht eher der Fordernde. Vielleicht lässt sich das so beschreiben.

Ilse:                       Ja, das ist auch ein Bild, das ja auch von der Wissenschaft so beschrieben wird und das ist auch eines, das ich bei uns sehr klar beobachten kann. Spannenderweise ist das etwas, womit viele Frauen manchmal kämpfen. Sodass sie das Gefühl haben, sie müssen ihre Kinder in Schutz nehmen, weil Männer oft sehr klar, sehr direkt, manchmal auch sehr harsch sein können in ihrer Forderung. Und da haben Mütter manchmal das Gefühl, sie müssen jetzt die Kinder beschützen. (lacht)

Was aber doch auch eine Qualität ist, die den Kindern ja auch gut tut, in Wirklichkeit. Wenn man es einmal nüchtern betrachtet. Das ist so diese Qualität, wo sie in die Welt hinausgeschupst werden und wo auch einmal verlangt wird: „Na, probiere es doch erst einmal selber, bevor du da jetzt herumeierst.“ Und ich glaube, dass genau diese Gegensätze eine ausbalancierte Erziehung ermöglichen.

Thomas:              Ich denk das auch, denn das Leben ist ja genauso. Oder zumindest stark ähnlich. Es gibt da sozusagen die Familie, die Geborgenheit und es gibt da den Alltag. Und es sind ja nicht immer alle Menschen im Umfeld nett zu einem. Das ist ja nicht der Fall. Und drum ist es auch wichtig, sozusagen, sich auch wehren zu können und eine klare Position beziehen zu können. Ich denke, das ist eine wichtige Eigenschaft, die die Menschen haben sollten und die wir in der Erziehung unseren Kindern mitgeben können.

Ilse:                       Ja und auch gegebenen falls einmal mit jemanden zurecht zu kommen, der jetzt nicht so ganz auf meiner Linie liegt. Also ich finde das auch ganz wichtig – zum Beispiel – eben wenn es um Schule geht. Weil da ja oft zu hören ist: „Ja, und der Lehrer ist so böse, und der mag den nicht.“ Und so weiter.

Ja, das gibt es. Ja, Pädagogen sollten nicht so sein, das ist eine Tatsache. Aber Fakt ist, es gibt solche Lehrer und die Schüler sollten schon auch lernen, mit solchen Menschen zurecht zu kommen.

Thomas:              Die gibt es auch später. Als Vorgesetzte, als Kunden, als Partner.

Ilse:                       Genau. Und immer vorausgesetzt, das artet nicht aus. Das ist natürlich schon so, weil im Grunde genommen sind wir Eltern natürlich dazu da unsere Kinder zu schützen vor Eskalationen.

Thomas:              Mhm. Das ist keine Frage.

Ilse:                       Was hilft dir, mit deinen Kindern gut in Beziehung zu treten?

Thomas:              Was mir hilft ist einfach die Zeit zu haben. Auch in der Früh hier zu sein, wenn sie nach Hause kommen, hier zu sein. Und wenn sie etwas möchten, wenn sie spielen möchten, wenn sie sagen: „Papa, können wir das machen?“ einfach ja sagen zu können.

Das hilft mir. Und dann auch sozusagen eine eigene klare Fokussierung zu haben. Sehr präsent zu sein und im Hier und Jetzt zu leben.

Ilse:                       Mhm, das ist schön. Und jetzt noch eine Frage zum Abschluss – wenn du sie beantworten möchtest – Was ist so deine größte Herausforderung gewesen bis jetzt als Vater?

Thomas:              Meine größte Herausforderung als Vater war es, die Muster, die ich von meinen Vätern geerbt habe, nämlich, dass die ihre Familie verlassen haben, sozusagen mehr oder weniger, immer wieder über die Generationen hinweg, dieses Muster zu durchbrechen.

Ilse:                       Ja. Ja, das kann ich verstehen. Und das ist aber gleichzeitig ein schöner Übergang, weil damit ermöglichst du es deinen Kindern, es anders zu machen. Das wäre so meine ganz letzte Abschlussfrage: Was möchtest du ihnen als Vorbereitung auf das Leben mitgeben. Du hast am Anfang gesagt Selbständigkeit, Selbstwirksamkeit und auch dieses Gefühl sein Leben gestalten zu können. Gibt es noch etwas, was du da jetzt draufsetzen möchtest?

Thomas:              Also, was ich meinen Kindern mitgeben möchte und ermöglichen möchte ist, dass sie so viel wie möglich lernen dürfen, was Kommunikation betrifft mit anderen und auch mit sich selbst, was Klarheit betrifft in ihrem eigenen Leben, was ihnen hilft ihre eigenen Glaubenssätze zu erkennen und möglicherweise zu verändern. Diese Dinge zuerst zu lernen, zu erfahren, bevor sie einen Beruf erlernen sollen. Bei mir war es genau umgekehrt. Zuerst das Studium, dann zwischenmenschliche Kommunikation. Und ich denke, es macht viel mehr Sinn, das umzudrehen. Einfach zuerst zwischenmenschliche und eigene Kommunikation zu erlernen und dann mit dieser Stärkung der eigenen Persönlichkeit in die Berufswelt zu gehen und mit Produkten und Leistungen wie auch immer, dann den Beruf zu ergreifen. Das soll gut gelingen und das wünsche ich mir sehr an der Stelle.

Ilse:                       Das ist ein wunderschönes Ziel und nachdem meine ja schon 18 und 21 sind, kann ich dir fast versprechen, es wird so sein. Es lässt sich gar nicht vermeiden. Wenn wir uns mit uns selbst beschäftigen, wenn wir bei uns selber schauen, dass wir da in der Richtung vorwärts kommen, dann nehmen die Kinder das mit.

Thomas:              Perfekt, sehr schön.

Ilse:                       Gut in diesem Sinne herzlichen Dank für das Interview.

Thomas:              Danke dir, Ilse.

Ilse:                       Es freut mich, dass du dir die Zeit genommen hast.

Thomas:              Sehr gerne.

Ilse:                       Tschüs.

Thomas:              Ok, tschüs, Servus.

15:51

 

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