schlechtes Gewissen-Schuldgefühle-Erziehung

Warum dein schlechtes Gewissen Grund für Zoff mit deinen Kindern ist

Schlechtes Gewissen und Schuldgefühle scheinen die ständigen Begleiter von vielen Müttern zu sein.

Die beiden waren auch lange Zeit meine besten Freunde im Alltag mit Kindern, Beruf, Hausumbau und noch ein paar anderen Herausforderungen. Stets hatte ich das Gefühl nicht gut genug zu sein, mich mehr anstrengen zu müssen, es noch besser machen zu können. Das schlimmste waren aber nicht diese Gefühle, sondern das Gefühl damit ganz allein zu sein.

Ich war umgeben von strahlenden Müttern, die alles ganz toll geschafft haben. Die hatten ein blitzsauberes Haus, brachten noch selbstgebackenen Kuchen mit ins Büro und waren immer topgepflegt. Dadurch fühlte ich mich bestätigt: Nur mir geht es so!

Was ich damals noch nicht wusste: Frauen und Mütter sind großartig nach außen den Schein der heilen Welt aufrecht zu erhalten. Sie zeigen nicht, wenn es ihnen schlecht geht. Schließlich geht es ja nur ihnen so!

Ein Teufelskreis!

Zusammenreißen

Weil es ja nur mir so ging, musste ich mich zusammenreißen. Wenn ich hundemüde war und meine Tochter wollte schaukeln, dann hab ich mich zusammengenommen, sie auf die Schaukel gesetzt und lustlos umgeschubst. An manchen Tagen hat mich ihre gute Laune und ihre Rufe: „Höher, höher Mutti.“, aus der Lethargie gerissen.

An anderen hab ich einfach halbherzig mitgemacht.

Kommt dir das bekannt vor?

Wenn du diese Situationen kennst, dann weißt du auch, dass Zoff mit den Kindern nicht mehr weit ist. Schließlich will das kleine Äffchen auf der Schaukel höher und höher und das stundenlang. Du hast dazu aber weder die Kraft noch die Zeit. Denn es ist ja noch so viel anderes zu tun. Die Wäsche ist zu Waschen, das Abendessen zu richten und ein wenig Chaos-Beseitigung würde dem Wohnzimmer auch nicht schaden. Wie schaut es denn in deiner Wohnung aus.

Egal wie du es nun drehst oder wendest, du hast eins schlechtes Gewissen und fühlst dich schuldig.

Bleibst du bei deinem Kind und der Schaukel, dann bleibt alles andere liegen und du weißt, dass du später nur mehr das Nötigste schaffst. Machst du die Arbeit, die dir am Herzen liegt, weil du dich auch selbst wohl fühlen willst, dann enttäuscht du dein Kind. Als gute Mutter solltest du doch …

Nein, solltest du nicht!

Wozu das alles führt

  • Du bist zu allererst unzufrieden mit dir selbst
  • Du bist angespannt und gereizt
  • Deinen Kindern gegenüber reagierst du ungeduldig
  • Du schimpfst, obwohl du das nicht willst
  • Ungerechtigkeit
  • Du fragst dich, was du falsch machst, dass das bei dir nicht klappt
  • Unzufriedenheit mit dir selbst

Klar, egal was du machst, du hast das Gefühl, immer nur einem Teil deiner Aufgaben gerecht zu werden.

Diese Unzufriedenheit kannst nur du selbst auflösen. Ich weiß das ist viel leichter gesagt, als getan.
Du willst allen gerecht werden. Aber vergisst du dabei nicht jemanden?

Bevor ich jetzt weiterschreibe möchte ich dir unbedingt sagen:

Du leistest wundervolle Arbeit, bist für alle da. Du managst den Familienalltag und hast wahrscheinlich als einzige den Überblick über alle Familientermine.

Deine Kinder lieben dich.

Sie lieben dich auch, wenn die T-Shirts einmal nur gewaschen und nicht gebügelt sind. Sie lieben dich auch, wenn es mal ein paar Würstel gibt, statt eines „anständigen“ Essens.

Wenn du Kinder hast, dann ist es Zeit, dass du dich mit deinem Perfektionismus auseinandersetzt. Das Leben verändert sich durch Kinder. Sie bringen den besten geplanten Tagesablauf durcheinander. Sie machen das nicht absichtlich. Es liegt in ihrer Natur! Und daran, dass unsere Welt auf das Tempo der Kinder so wenig Rücksicht nimmt. Und dann bist du es als Mutter, die versucht diesen Spagat zwischen schneller Welt da draußen und Kindertempo zu schaffen. Dabei kannst du dir leicht einen Muskelriss zuziehen, weil die Lücke, die du überbrücken willst, so breit ist.

Du bist angespannt und gereizt

Wann hattest du das letzte Mal so richtig Zeit für dich selbst?
Nicht nur, um mal schnell eine Tasse Kaffee zu trinken, oder in Ruhe zu duschen. Sondern so richtig viel Zeit. Um auszuschlafen, ein Buch zu lesen, gemütlich durch die Stadt zu bummeln, Sport zu treiben und deine Batterien wirklich aufzuladen.

Ich traue mich wetten, dass 60 – 80 % meiner Leserinnen sagen, sie können sich daran kaum mehr erinnern.

Hmmm. Und jetzt wunderst du dich, wenn du angespannt und gereizt bist?

Ungeduld gegenüber den Kindern

Nachdem du das Gefühl hast, mit all deinen Aufgaben nicht richtig hinterherzukommen, hetzt du dich selbst durch den Tag. Damit kommst du in klaren Konflikt mit dem Punkt deinen Kindern die Zeit zu lassen, die sie brauchen. Das sagst du deinem Kind auch „Lass dir Zeit.“ Du bemühst dich. Du versuchst ruhig daneben zu stehen, während sie sich selbst anziehen. Innerlich aber zerreißt es dich fast. Am liebsten würdest du selbst anpacken. Doch als gute Mutter bleibst du (zumindest äußerlich) ruhig. Nach einiger Zeit beginnst du mit dem Fuß zu tippen, um deinen Druck abzubauen.

Spätestens hier, meistens aber viel früher, wird dein Kind quälend langsam. Es bemerkt deine Spannung wie ein Seismograph. Es versucht seine widersprechenden Gefühle einzuordnen. Stimmt jetzt das, was Mami sagt? Oder das, was ich spüre?

Es will Klarheit und daher beginnt es – mit seinen Mitteln – zu testen.

Bis dir der Geduldsfaden reißt. Dann endlich passen die Körpersprache und der Ton zusammen. Dann ist es klar. Nachdem Kinder auf der Suche nach Klarheit sind, ist deinem Kind diese Klarheit lieber, als widerstreitende Gefühle.

Eine sehr gute und liebevolle Psychologin hat einmal zu mir gesagt: „Kinder tun alles FÜR ihre Eltern.“

Du schimpfst, obwohl du es nicht willst

Jetzt bist du an dem Punkt, wo du schimpfst, obwohl du das nicht wirklich willst. Du hast einfach das Gefühl, dass dein Kind absichtlich langsam ist und dich boykottiert.

Kind beleidigt und traurig. Mutter fühlt sich schlecht.

Du bist ungerecht

Du weißt, dass du überreagiert hast. Hattest du dir nicht vorgenommen, deinem Kind mehr Zeit zu lassen?

Und jetzt kommt es. Du hast dir wieder einmal selbst bewiesen, dass du eine schlechte Mutter bist. Du hast deinen eigenen Glaubenssatz bestätigt.

Das klingt harmlos. Leider sieht dein Gehirn das anders. Wenn du Recht hast, dann freut es sich. Es schüttet den Botenstoff Dopamin aus. Dieser Botenstoff aktiviert das Belohnungszentrum des Gehirns. Du hast also gelernt: Ich glaube ich bin keine gute Mutti. Du findest die Bestätigung und denkst: „Ich hab es ja gewusst.“ Damit glaubst du noch viel fester daran, dass du als Mama nichts richtig machen kannst. Sch…e, nicht wahr?

Du fragst dich, was du falsch machst

Die Spirale der Selbstzweifel dreht sich munter weiter.

Wo bist du bloß falsch abgebogen? Was hast du nur falsch gemacht?

Diese Zweifel setzen dich unter Druck und halten dich im schlimmsten Fall nachts wach. Du drehst und wendest alles hin- und her, aber du kommst zu keinem Ergebnis. Außer zu dem, dass du dich eben noch mehr anstrengen muss.

Die Lösung?

Ich gebe dir jetzt eine erlösende Information. Du musst dich nicht noch mehr anstrengen. Du darfst loslassen. Die Lösung liegt in der Gelassenheit und in der Lebensfreude.

Was ich herausgefunden habe

Ich habe mich damals auch schlecht gefühlt. Und dann hab ich etwas herausgefunden. In all den anderen Familien, die scheinbar so perfekt waren, gab es entweder ganz viel Unterstützung, oder ich konnte die Unzulänglichkeiten von außen nicht wahrnehmen.

Die Kollegin, die immer den Kuchen mitgebracht hat machte den nicht selbst. Sie holte ihn einfach einmal wöchentlich bei ihrer Mama ab.

Eine andere Mama, die scheinbar immer gut drauf war, schluckte Psychopharmaka. (Soweit kam es bei mir Gott sei Dank nie.)

Und eine Freundin von mir, die immer alles so gut unter einen Hut brachte, deren Haus immer Tip-Top war und die der Geduldsengel in Person im Umgang mit den Kindern war … die war 2 Jahre später geschieden und gestand mir dann wie allein gelassen sie sich gefühlt hatte.

Der erste Schritt ist also, über die Gefühle zu reden. Nicht mit jedem dahergelaufenen, aber mit anderen Mamas, die dir sympathisch sind. Du wirst sehen: Vielen geht es genau so wie dir.

Im nächsten Artikel zeige ich dir dann, was du tun kannst, um dein schlechtes Gewissen abzubauen und loszulassen.

Bleib gelassen!

Ilse Maria_Signatur

 

 

 

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5 Kommentare
  1. Petra sagte:

    Hi Ilse,
    ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass wenn man vor anderen Mamas seine Ängste oder Probleme nicht versteckt, dass man dann ganz viel Unterstützung bekommt und auch Einsicht, dass bei anderen Müttern auch nicht alles perfekt ist – es nur von außen so aussieht.

    Antworten
  2. Sonja sagte:

    Liebe Ilse Maria,

    danke für den tollen Artikel!!!

    Ich glaube, dass dieses Thema ganz ganz viele Mamas begleitet und ich habe sowohl als dreifache Mama als auch als Familientrainerin schon oft ähnliche Erfahrungen gemacht. Es ist es mir ein ganz besonderes Anliegen Müttern dabei zu helfen, ihren Perfektionismus zu verkleinern und somit mehr Freude und Leichtigkeit in ihren Alltag zu bringen.

    Ich teile deinen Artikel gerne auf meiner FB-Seite – https://www.facebook.com/Mama.sein.mit.Freude/

    liebe Grüße,
    Sonja

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Sonja,

      es gibt keine Zufälle. Unlängst erst war ich zufällig auf deiner Seite. Machen wir gemeinsam die Welt der Mütter schöner, nehmen wir den Druck raus und bringen wir Leichtigkeit und Freude in den Familienalltag.

      Liebe Grüße
      Ilse

      Antworten
  3. Dagmar sagte:

    Liebe Ilse,
    ein super Artikel, der wie ich glaube auf sehr viele von uns zu trifft.
    Manchmal muß man einfach lernen aus diesem Perfektionshamsterrad auszusteigen
    und mal einfach man selbst zu sein.
    Freue mich immer über deine treffenden Artikel!!!!
    Liebe Grüße
    Dagmar

    Antworten

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