Warum Kinder nicht zuhören

Warum hört mein Kind nicht auf mich?

Warum Kinder nicht zuhören?
„Peter, kommst du bitte?“ – „Ja Mama gleich!“ ertönt es aus dem Kinderzimmer.

„Peter bitte komm jetzt!“ – „Sofort, Mama!“

Lieselotte ist verzweifelt. Es scheint, als ob Peter einfach nicht zuhört. Er hört. Er gibt Antworten. Aber er reagiert einfach nicht auf das, was seine Mutter von ihm will.

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Warum hört mein Kind nicht zu?

Das fragt sich nicht nur Lieselotte, das fragen sich 100-e Mütter auf diesem Erdball.
Lieselotte hat schon vieles versucht:

Sie redet gut zu.
Sie versucht zu überzeugen.
Sie argumentiert.
Manchmal wird sie sogar laut.

Und dann schämt sie sich. Sie wollte immer eine ruhige, besonnen Mutter sein. Als Peter ein Baby war hat sie sich ausgemalt, wie sie geduldig und verständnisvoll auf ihn eingehen wird.

Jetzt ist sie oft genervt und mit ihrem Latein am Ende. Von Zeit zu Zeit gehen ihr die Nerven durch. Dann schreit sie sogar. Das wollte Lieselotte wirklich nie. Sie hat das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein. Daher würde sie das Thema auch nie ihren Freundinnen gegenüber ansprechen.

Sie merkt allein kommt sie nicht mehr weiter. Daher beginnt sie Informationen zu sammeln. Sie liest Bücher.

Nach einiger Zeit merkt sie, dass sie die Informationen in den Büchern noch mehr verwirren. Sie scheinen sich zu widersprechen. Die Informationen passen nicht zusammen.

So wie Lieselotte geht es ganz vielen Müttern. Ich finde es sehr schade, dass viel Frauen so bemüht sind, eine perfekte Fassade aufrecht zu erhalten. Denn sonst würden sie sehr schnell merken, dass sie mit dem Problem nicht allein sind.

Dadurch ist zwar das Problem noch nicht weg, aber der innere Druck nimmt ab. Offenheit und Austausch schafft Verbindung. Das ist für Eltern sehr, sehr wichtig.

Lieselotte und Peter kann geholfen werden.

Denn sie leiden beide. Auch Peter geht es nicht gut. Er hat das Gefühl, dass seine Mama immer von ihm genervt ist. Er fühlt sich von ihr nicht gesehen. Daher geht er in den Widerstand.

Dröseln wir das Thema gemeinsam auf. Denn vielleicht hast auch du so einen kleinen Peter oder eine Pauline zu Hause, die nicht auf die hören.

Wie bringst du dein Kind dazu zuzuhören?

Beziehung ist die Basis

Als erstes ist es notwendig, dass Lieselotte und Peter an ihrer Beziehung arbeiten. Beide brauchen ganz dringend positive Erlebnisse miteinander. So wird sich das Klima ganz schnell entspannen und beide können wieder offener aufeinander zugehen.

Wie kann die Beziehung gestärkt werden?

Lieselotte könnte z. B. mit Peter gemeinsam einen Ausflug machen und sich an diesem Tag ganz auf ihn einstellen.
Sie könnte auch einen Spielenachmittag mit ihm verbringen. An diesem Nachmittag darf Peter bestimmen, was gemacht wird.
Oder die beiden gehen gemeinsam ins Kino.

Was sie machen ist ganz egal. Hauptsache es macht beiden Spaß und sie sind unbelastet.

Warum sollte die Initiative von Lieselotte ausgehen?

Lieselotte ist die Erwachsene und sie kann ihre Gefühle besser regulieren als Peter. Sie hat gelernt Kompromisse einzugehen und sie weiß, dass ihr Einsatz später belohnt werden wird.

Mit diesen 4 einfachen Tricks wird dein Kind wieder auf dich hören

1. Zum Kommunikationspartner hingehen

Wenn du von deinem Kind etwas willst, dann gehe zum Kind. Oft machen Eltern den Fehler einfach durch die Wohnung zu rufen, wenn die Kinder im Kinderzimmer spielen. Sie wundern sich, wenn ihre Kinder nicht reagieren.

Stell dir die Situation einmal umgekehrt vor:
Du sitzt an deinem Schreibtisch und arbeitest konzentriert und dein Partner oder deine Partnerin ruft nach dir. Reagierst du sofort?

Ich kenne diese Situation aus unserem Beziehungsalltag und mich nervt es unendlich, wenn mein Partner mir durchs ganze Haus und vielleicht noch von einem Stockwerk ins andere schreit. Ich klappe meine Ohren dann *trotzig* zu.

2. Direkte Ansprache

Kennst du diese Situationen, wo du nur unspezifisch in den Raum fragst: „Kann bitte jemand den Mistkübel ausleeren?“

Wenn deine Familie normal tickt – und davon gehe ich aus – dann wird dieser Aufruf 9 von 10 Mal ungehört verhallen. Einfach weil sich niemand zuständig fühlt.

Das kannst du vermeiden, indem du konkret jemanden ansprichst.

„Jana, trockne bitte die Teller ab.“

„Niklas, decke bitte den Tisch.“

Achte darauf, dass dein Tonfall freundlich, aber bestimmt ist. Formuliere den Satz als Aufforderung und nicht im Konjunktiv und als Frage formuliert. Also nicht: „Jana, könntest du die Teller abtrocknen?“

3. Steh hinter deinen Aussagen und achte auf deine Gefühle

Es gibt Gelegenheiten, wo du als Mutter oder Vater nicht voll und ganz hinter deinen Aussagen stehst.

Das kann verschiedene Gründe haben:

  • Du hast sehr viel Verständnis für die Situation deines Kindes.
  • Du bist innerlich zerrissen, weil du nicht sicher bist, ob du gerade richtig handelst.
  • Du kämpfst gerade mit einem Gefühl, das in dir selbst hochkommt.
  • Du versuchst eine Anforderung von außen zu erfüllen.
  • Du handelst nach tradierten Wertevorstellungen, die du nicht ganz teilst.
  • Deine Aussage ist ein Rückstand aus deiner eigenen Erziehung.

All das führt dazu, dass du zerrissen bist. Diese Zerrissenheit wird sich in deiner Körpersprache ausdrücken.

Darum ist es so wichtig, dass sich Eltern auch mit ihren eigenen Gefühlen auseinander setzen.

Denn Kinder merken sofort, wenn die Aussage mit der Körpersprache nicht zusammen passt und im Zweifel richten sie sich nach der Körpersprache.

4. Die 5 A Methode

Besonders Kinder im Alter von ungefähr 4 Jahren sind oft ganz in sich versunken. Wenn sie spielen, dann hören sie wirklich nichts. Das ist keine böse Absicht. Da ist Teil ihrer Entwicklung.

Auch in diesem Fall gibt es Hilfe. Nütze die 5 A Methode.

Wie geht die 5 A Methode

Geh dorthin, wo dein Kind gerade ist. Damit erweist du ihm Respekt.

Atme

Anrede:
Sprich dein Kind mit seinem Namen an.

Atme

Augenhöhe:
Gehe auf Augenhöhe deines Kindes. In den meisten Fällen wirst du dich hinhocken oder auf den Boden setzen müssen.

Atme

Angreifen:
Greif dein Kind an einem Arm liebevoll an.

Atme

Augenkontakt:
Schau ihm in die Augen.

Atme

Auftrag oder Ansprache:
Hast du seine Aufmerksamkeit? Dann Erteile ihm jetzt den Auftrag oder mach deine Ansage.

Du wirst sehen, mit dieser Methode erreichst du auch die verträumteste Prinzessin und den Ritter, der gerade mit den Drachen kämpft.

Wichtig ist, dass du zwischen den einzelnen Schritten immer atmest. Das beruhigt dich und gibt deinem Kind zusätzlich Zeit, sich auf dich einzustellen.

Voraussetzungen, um von einem Kind gut gehört zu werden

Kinder hören zu, wenn

  • Eltern sich ihnen zuwenden
  • Sie körperlich und seelisch berührt werden
  • Eltern Augenkontakt aufnehmen
  • Erwachsene mit ihren Gedanken bei der Sache sind
  • sie munter und aufnahmebereit sind
  • sie genug Bewegung haben. Nicht vergessen der Gleichgewichtssinn sitzt im Ohr.
  • sie körperlich und seelisch im Gleichgewicht sind.
  • Sie gelernt haben zu lauschen
  • Sie sich ernst genommen fühlen

Das ist jetzt nur ein Abriss und einige dieser Punkte bieten genug Stoff für einen eigenständigen Blogartikel.

Warum ich diese Aufstellung trotzdem ans Ende dieses Artikels gestellt habe?
Ich bin davon überzeugt, dass du durch die Aufstellung zum Nachdenken angeregt wirst. Sie wird dir helfen dein Kind etwas besser zu verstehen.

Zu diesem Thema habe ich schon Seminarreihen gehalten und die Teilnehmenden waren begeistert. Möchtest du gerne mehr über das Thema Kommunikation im Familienalltag wissen? Dann schreib mich an oder kommentiere unter diesem Artikel.

In der Zwischenzeit wünsche ich dir viel Erfolg beim Ausprobieren dieser ersten Tipps.

Bleib gesund und gelassen

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