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Wie sprichst du mit dir?

Wie sprichst du mit dir - Kommunikation - innerer Dialog - Selbstgespräch

Ja du hast schon richtig gelesen. Es heißt: Wie sprichst du mit dir?
Die Ähnlichkeit mit dem empörten Ausruf, wenn dich jemand verbal angreift und du ihm entgegenschleuderst „Wie sprichst du eigentlich mit mir?“ ist durchaus beabsichtigt.

Ich möchte dich darauf aufmerksam machen, wie du mit dir selbst sprichst. Fast jeder von uns hat innere Dialoge laufen. Wenn du ähnlich tickst wie ich, dann tendierst du vor allem in Zeiten, wo du viel zu tun hast, dir selbst deine To-Do-Liste während des Abarbeitens vorzubeten. Dabei bist du natürlich immer einen Punkt voraus, damit du dich selbst so richtig schön unter Druck setzt :-(

Möglicherweise kommentierst du auch den Erfolg deiner eigenen Arbeit. Wenn du Perfektionistin bist, ist dir natürlich keine deiner Leistungen gut genug und du weißt immer, was du verbessern könntest. Dann macht es natürlich einen großen Unterschied, ob du zwar die Verbesserungsmöglichkeiten siehst und auch deine Leistung wertschätzen kannst, oder ob du dir selbst gram bist, weil du deinen eigenen Ansprüchen nicht entsprichst.

Hier ein paar Tipps, wie du die Kommunikation mit dir selbst verbessern kannst:

Vermeide einige Wörter

Müssen

Müssen ist ein Wort, das Druck verursacht. Es ist einfach ein Unterschied, ob du dir innerlich sagst: „Ich muss die Geschirrspüle einräumen, bevor ich fortgehe“, oder „Ich räume die Geschirrspüle ein, bevor ich fortgehe.“

Im ersten Fall bist du getrieben, du siehst dich mit äußeren Zwängen konfrontiert und erweckst den Eindruck, du hast keinen Einfluss auf die Lage.

Das ist natürlich Nonsens. Denn rein theoretisch kannst du das Geschirr stehen lassen und es einräumen, wenn du wieder zurückkommst. Jetzt wirst du vielleicht einwenden: „Ja, aber dann komme ich abends in eine unordentliche Wohnung. Außerdem trocknen die Speisereste an und ich habe dann viel mehr Mühe, das Geschirr sauber zu bekommen.“

Genau! Und darum übernimmst du die Verantwortung, entscheidest dich für die (für dich) bessere Variante, und räumst das Geschirr gleich ein. Es ist dein freier Wille. Das drückst du mit dem Satz „Ich räume das Geschirr ein, bevor ich fortgehe“ auch aus.

Eigentlich

Das Wort eigentlich nimmt jeder Aussage die Kraft. Wenn in einem Satz „eigentlich“ vorkommt, dann warten wir schon auf ein „aber“.

  • Eigentlich geht es mir gut. (Vielleicht noch mit einer bedeutungsschwangeren Pause danach)
  • Eigentlich bin ich zufrieden.
  • Eigentlich bin ich für dieses Projekt …

Streiche dieses Wort einfach. Du brauchst es nicht. Die Sätze sind auch ohne „eigentlich“ vollständig und haben Kraft und Aussage.

  • Es geht mir gut.
  • Ich bin zufrieden.
  • Ich bin für dieses Projekt.

Schnell

Schnell ist ein Wort, dass Stress verursacht. Du hetzt dich damit selbst. Wenn du dir selbst vorsagst: „Ich muss nur noch schnell diese 5 E-Mails beantworten und dann …“, dann vermittelst du dir selbst, dass du dich beeilen musst.

Du hast dir deine Zeit sicher gut eingeteilt. Die Dinge dauern eben, solange sie dauern. Solange du effizient arbeitest, hast du dir nichts vorzuwerfen. Nur weil du dir selbst befiehlst, dass du „schnell“ machen musst, wirst du nicht schneller ;-)

Konjunktive

Vermeide auch in Selbstgesprächen den Konjunktiv. Genau genommen da erst recht. Wenn du nicht einmal dir selbst gegenüber ehrlich und klar sagen kannst, was Sache ist, wie willst du es dann den anderen vermitteln.

Du tust dir selbst nichts Gutes wenn du dir sagst: „Ich würde gerne mehr Sport machen, wenn ich nur genug Zeit hätte, aber leider hindern mich meine Verpflichtungen, denen ich nachkommen sollte …“.

Ja, natürlich habe ich hier übertrieben. Du siehst dadurch genau, was ich meine. Du willst Sport machen? Dann hilft es nur, wenn du dir deine Zeit gut einteilst und die Sporteinheiten in deinem Terminkalender berücksichtigst.

Nicht

Gehörst du auch zu den Menschen, die genau wissen, was sie nicht wollen?

Prima! Damit weißt du eine ganze Menge.

Versuch aber einmal in ein Taxi einzusteigen und zu sagen: „Fahren Sie los!“. Der Taxifahrer wird bestimmt wissen wollen: „Wohin?“
Du kämst nie auf die Idee ihm zu sagen: „Ganz egal wohin, Hauptsache ich bin früher dort.“

Sei also auch bei Selbstgesprächen präzise und genau. Bestimme, was du willst, was du erreichen möchtest und am besten auch gleich wann.

Steig also in dein Taxi und sage: „Bringen Sie mich auf dem schnellsten Weg zum Flughafen!“ Am besten sagst du den Namen des Flughafens noch dazu. Du weißt ja: In manchen Städten gibt es 2 -3 Flughäfen.

Sie nett und freundlich zu dir

Sei dir selbst gegenüber genauso wertschätzend, wie gegenüber anderen.

Ich kenne Menschen, die beschimpfen sich selbst so, wie sie nie mit einem anderen sprechen würden.

Ein kleines Beipiel:

Etwas fällt zu Boden und die betreffende Person denkt sich: „Eh klar, du Dummkopf. Hättest du nicht besser aufpassen können. Warum hast du das nicht festgehalten. Wo hattest du nur wieder deine Gedanken?“
In der verschärften Form murmeln diese Menschen das auch noch vor sich hin.
Und dann wundern sie sich, dass andere ihnen nicht wertschätzend begegnen.

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst, für diese Welt. (Gandhi)

Dieser Satz passt für so vieles – und auch hier.

  • Du willst, dass andere dich achten? – Dann achte dich selbst.
  • Du willst geliebt werden? – Gestehe dir ein, dass du liebenswert bist.
  • Du willst Wertschätzung erhalten? – Bring anderen Wertschätzung entgegen und schätze dich auch selbst wert.

Sei aufmerksam, wie du mit dir selbst sprichst und was du denkst. Dein Unbewusstes nimmt all das wahr und du erschaffst dir damit deine Wirklichkeit.

Was du tun kannst, wenn in deinem Kopf die Gedanken, wie im Bienenstock surren

Achtsam sein

Sei einfach achtsam und bemerke, was du so den lieben langen Tag denkst und zu dir sagst. Du hast schon viel erreicht, wenn du dich dabei ertappst, dass du die oben angeführten Wörter verwendest und dass du vielleicht unfreundlich zu dir selbst bist.

Stopp

Wann immer du das bemerkst, sag zu dir selbst „Stopp!“. Steig kurz aus der Situation aus. Wenn du möchtest, nimm das als Anlass für eine kurze Pause.

Drehe deine negativen Gedanken um

Wenn du bemerkst, dass du sehr in Negativa denkst, also wenn du Worte wie „nicht“ oder Silben, wie „un-“ benutzt, dann versuche, das Gedachte umzudrehen.

Manchmal erfordert das ein wenig Aufwand.
Wenn du zum Beispiel denkst: „Ich war ungeschickt“ oder „Ich habe nicht aufgepasst“, dann kannst du dir auch denken „In Zukunft werde ich gut achtgeben.“
Auf diese Art und Weise erkennst du an, dass du etwas verbessern kannst, gleichzeitig richtest du dich auf die positive Zukunft aus. Du lernst aus der Situation, dass du in Zukunft gut achtgeben wirst.

Wenn du es eilig hast, gehe langsam

Sorge gerade in Zeiten, wo du viel zu tun hast für regelmäßige Pausen. Das hilft bei der Sache zu bleiben und konzentriert und effizient zu arbeiten.

Wenn du all diese Tipps befolgst, wirst du bemerken, dass sich deine Gedanken mit der Zeit ganz von alleine verändern. Du richtest dich gedanklich vollkommen neu aus.

Du wirst merken, wie viel liebevoller du mit dir sprichst. Du wirst das, was du leistest anerkennen.

Das schönste daran ist, dass diese Veränderung sich auch in deiner Umwelt spiegeln wird. Du wirst Gelegenheiten erkennen, wenn sie sich bieten, weil du offen dafür bist und du wirst Menschen kennen lernen, die dich schätzen und weiterbringen.

Ich weiß das, denn ich habe diesen Weg selbst hinter mir. Ich bin jeden Tag überrascht, wie viel Unterstützung zum richtigen Moment ins Haus schneit, seit dem ich wirklich sicher bin, was ich möchte und seit dem ich auch meine kleinen Schritte wertschätzen kann. Kaum tut sich eine Herausforderung auf, ist die richtige Person da, die mir einen Tipp gibt, wie ich sie lösten kann.

Das wünsche ich auch dir!

Bleib gelassen und lebensfroh!

Ilse Maria_Signatur

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9 Kommentare
  1. Barbara J. Schoenfeld sagte:

    Oh ja, ich bin auch auf dem Weg der Besserung, liebe Ilse,

    früher habe ich mich auch immer beschimpft und wollte auch nur noch schnell….. und eigentlich wollte ich auch nur…… aber das ging nicht, weil…..
    Alles Ausreden und Ausflüchte. Aber seit ich bewusster darauf achte, wird alles wesentlich besser, obwohl ich auch so manche Tage habe, an denen ich mich dann doch wieder ertappe. Aber ich bleib am Ball….

    Herzliche Grüße
    Barbara

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Barbara,

      das scheint ja ein echter Frauen-Dauerbrenner zu sein. Es wird wirklich Zeit, dass wir uns selbst gegenüber genau so nachsichtig werden, wie wir es anderen gegenüber längst sind.

      Viel Spaß bim immer wieder Üben!
      Ilse

      Antworten
  2. Birgit Terletzki sagte:

    Liebe Ilse,

    toller Artikel und schmunzeln musste ich auch.Habe ich mich doch bei dem ein oder anderen Punkt wiedererkannt. Doch auch ich und meine Familie arbeiten daran. Witzig war diese Tage – meine Tochter schrieb Bewerbungen für ihr Schülerpraktikum, welches zur vorbestimmten Zeit für alle Schüler Pflicht ist. Nun schrieb sie doch tatsächlich in einem Satz, in welchem eigentlich das „Müssen“ rein muss, damit die Firma auch sieht, dass es eine Pflichveranstaltung in genau diesem Zeitraum ist, das Wörtchen „dürfen“. Mit der Begründung zu mir, müssen klingt so nach Muss und Druck ….. Sie lernt schnell.

    Und vor einigen Tagen haben wir mal einen „Nicht nein-Tag“ gehabt. Das heisst, wir wollten das Wörtchen Nicht aus jedem Satz bewusst durch ein positives ersetzen. Das war super anstrengend und erschreckend gleichzeitig, denn in jedem 2 Satz sagen wir unbewusst nein!

    Herzlichst Birgit

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Birigt,

      eine großartige Idee ein „nicht-nein-Tag“. Ich habe etwas Ähnliches auch schon gemacht und es hat mich überrascht, wie viele versteckte Verneinungen sich in der Sprache finden. Hinwise sind nicht, nein, un- und auch kaum, eher …

      So ein nicht-nein-Tag führt sicher auch dazu, sich der eigenen Geefühle bewusst zu werden, sie wahrzunehmen und zuzulassen. Ich kann ja dann nicht sagen: „Du bist unfreundlich.“ sondern werde es ersetzen durch etwas in der Art wie „Ich wüsche mir, dass du freundlich mit mir sprichst.“

      Das hat also doppelten Wert.

      Herzlich
      Ilse

      Antworten
  3. Gabriele Valerius-Szöke sagte:

    Liebe Ilse,

    klasse Artikel. Ja, ich muss gestehen, auch ich rede ab und an nicht sehr nett mit mir. Allerdings bin ich schon vor einiger Zeit dazu übergangen, wenn ich mal wieder was Dummes gemacht habe und mich als blöde Kuh bezeichne, dass ich dann direkt sage: Nein, ich bin sehr klug, das kann jedem mal passieren.

    Durch deinen Artikel wurde ich wieder erinnert, noch achtsamer mit mir umzugehen. Vielen Dank dafür!

    Herzlichst
    Gabi

    Antworten
    • Ilse Maria Lechner sagte:

      Liebe Gabi,

      ich arbeite auch stetig an mir und doch gibt es Tage, da bin ich nicht so freundlich zu mir, wie ich es mir wünsche. Wie heißt es so schön: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung …

      Antworten

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