Die drei Basis-Sinne und die Entwicklung des Kindes

Die drei Basissinne?
Wenn wir von unseren Sinnen sprechen, dann fallen den meisten Menschen die 5 Sinne: sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken ein.

Aber unser Sinnessystem ist viel differenzierter und viel ausgeklügelter.

Wir unterscheiden zwischen Fernsinnen – also sehen, hören und riechen

Und Nahsinnen – also Geschmackssinn, Gleichgewichtssinn, Tastsinn und Eigenwahrnehmung.

Die drei Basissinne und die Entwicklung des Kindes, Kind auf einer Schaukel

Unter den Nahsinnen nehmen die Basissinne noch einmal eine gesonderte Stellung ein. Sie sind die ersten Sinne die gebildet und geschult werden. Sie bilden – wie ihr Name schon sagt – die Basis.

Die drei Basissinne

Der Tastsinn oder das taktile System

Die Haut reagiert auf Druck, Berührungsreize, Vibration, Temperatur und Feuchtigkeit. Diese Reize werden durch verschiedene Sensoren (Mechanosensoren, Thermosensoren und Nozisensoren) aufgenommen und an den Hirnstamm übertragen.

Das taktile System ist das erste Sinnessystem, das sich bereits im Mutterleib bildet. Es ist das ausgedehnteste Sinnessystem. Haut und Nervensystem entwickeln sich aus dem gleichen Gewebe.

Vom Hirnstamm aus werden die taktilen Informationen an die verschiedenen Hirnareale weitergeleitet.

Bei der Geburt reagiert dieses System hauptsächlich auf Berührung, Schmerz und Temperatur. Im Laufe der kindlichen Entwicklung entwickelt es sich weiter und bildet neue neurale Strukturen aus. Es hat dann auch beurteilende Aufgaben wie Kontroll- und Lokalisationsfunktion.

Das taktile System ermöglicht Berührungen wahrzunehmen und einzuordnen. Das ist für das Baby wichtig, um emotionale Vorgänge zu entwickeln und einzuordnen. Ist also die taktile Wahrnehmung (Berührungswahrnehmung) gestört, dann wirkt sich das auch auf die Emotionen und die Bindung aus. Eine diffuse (verschwommene, unklare) Berührungswahrnehmung bietet keine emotionale Sicherheit. Das Baby wird also unruhig sein, häufig schreien und sehr viel Zuwendung brauchen, um sich sicher zu fühlen.

Störungen des taktilen Systems

Eine häufige Störung des taktilen Systems ist es, dass das Gehirn nicht ausreichend in der Lage ist, die Reize zu unterscheiden und einzuordnen, sowie sie zu lokalisieren. Diese Kinder empfinden dann Berührungsreize also zu stark oder als unangenehm.

Bei einer taktilen Unterempfindlichkeit erhält der Körper zu wenig Impulse und kann sich daher nicht normal entwickeln.

Das propriozeptive System – Das System der Eigenwahrnehmung

Auch das propriozeptive System entwickelt sich bereits im Mutterleib. Es reagiert auf Zug und Druck und registriert die Stellung der Gliedmaßen zueinander. Es steuert aber auch Kraft und Bewegung.
Die beteiligten Regionen sind die Muskelspindel, die Gelenksrezeptoren und die Golgi, Sehnen. Die Reize werden durch das Rückenmark an den Hirnstamm und das Kleinhirn weiter geleitet. Dort werden diese Reize auch verarbeitet.

Die Spontangeburt, bei der das Kind durch den Geburtskanal gepresst wird ist die stärkste propriozeptive Stimulation.

Das System der Eigenwahrnehmung verarbeitet Informationen über Längenveränderung und Spannung des Muskels und registriert die Gelenksstellung.

Die Eigenwahrnehmung ist eng mit dem Gleichgewichtssystem verbunden. Wenn du dich streckst und somit die Körperlänge veränderst, dann löst das einen Reiz im Gleichgewichtssystem aus. Die Antwort darauf erfolgt wiederum im propriozeptiven System. Die Bewegung wird durch andere Muskeln und Gelenke ausgeglichen, damit du nicht aus der Balance kommst.

Im Normalfall geschieht das unbewusst und ganz automatisch. Wenn du deine Aufmerksamkeit bewusst darauf ausrichtest, dann nimmst du die veränderte Körperhaltung oder die Aktivität deines Körpers wahr. Das passiert z. B. ganz stark wenn du Sport betreibst oder neue Bewegungsmuster erlernst.

Störungen des Propriozeptiven Systems

Wenn das System ungenügend entwickelt ist, dann kann der Muskeltonus nicht richtig angepasst werden.

Bei zu hohem Muskeltonus wirken die Bewegungen grob und ungeschickt.

Bei zu geringem Muskeltonus sind die Bewegungen für das Kind anstrengend und es wirkt in seiner gesamten Körperhaltung eher schlaff. Das sind z. B. Kinder, die immer am Tisch herumlümmeln, weil die gerade Sitzhaltung als anstrengend empfunden wird.

Die natürliche Bewegungsfreude kann in beiden Fällen vermindert sein.

Das vestibuläre System – das Gleichgewichtssystem

Auch dieses System wird schon im Mutterleib gebildet und angeregt. Das Baby nimmt die Bewegungen der Mutter wahr, und wird im Fruchtwasser geschaukelt. Es nimmt die Eigenbewegung wahr und sein Gleichgewichtssystem wird angeregt.

Das Gleichgewichtssystem sitzt im Innenohr und besteht aus zwei Rezeptorarten. Die Macula reagiert auf Schwerkrafteinwirkung. Gemeinsam mit den Bogengängen registriert sie die Bewegung im Raum. In den Bogengängen liegen die Cupula. Das sind kleine Gallert-Körperchen, die träge sind. Dadurch bleiben sie bei Bewegung zurück und die sie umgebenden Sinneshärchen werden gereizt. Beim Abbremsen oder Stoppen schwingt die Gallertmasse nach. So werden Änderung von Tempo und Bewegungsrichtung wahrgenommen.

Gleichgewichtsreize werden in den Vestibulärkernen im Hirnstamm und dem Kleinhirn verarbeitet. Durch das Kleinhirn sind sie mit den anderen Sinnessystemen verknüpft.

Störungen des vestibulären Systems

Ein unsicheres Gleichgewichtssystem führt auch emotional zu Unsicherheit. Du bemerkst das, wenn du selbst z. B. auf einer Slack-line balancierst. Du kannst es auch an alten Menschen beobachten, die nicht mehr so sicher zu Fuß unterwegs sind. Diese Unsicherheit des Gleichgewichtssystems führt auch zu einer emotionalen Unsicherheit.

Wenn das Gehirn nicht in er Lage ist, die einströmenden Gleichgewichtsreize zu hemmen und zu ordnen, dann ist es überstimuliert. Kinder die von einer solchen Verarbeitungsstörung betroffen sind, vermeiden Bewegung und Lageveränderungen.

Bei Unterempfindlichkeit erhält das Gleichgewichtssystem zu wenig Information. Das Kind holt sich die nötigen Reize durch waghalsige Spiele. Kein Kletterturm ist hoch genug, keine Hochschaubahn zu aufregend.

Bei Überempfindlichkeit des Gleichgewichtssystems vermeiden Kinder Bewegung und Lageveränderungen. Sie hassen es beispielsweise zu schaukeln und zu klettern.

Die drei Basissinne als Fundament für die Fernsinne

Du siehst, die Basissinne werden schon sehr früh entwickelt und nehmen ihre Arbeit bereits im Mutterleib auf. Nach der Geburt entwickeln sie sich noch weiter und werden verfeinert. Sie haben ihren Namen aber nicht umsonst. Sie bilden die Basis für die ganze künftige Entwicklung. Eine Entwicklungsverzögerung oder Entwicklungsstörung der Basissinne hemmt auch die Entwicklung der Fernsinne.

Die Basissinne werden durch Bewegung angeregt und geschult. Jedes Mal wenn dein Kind springt, läuft, schaukelt, klettert, etwas trägt, sich anstrengt oder auch die Muskulatur bewusst locker lässt, werden diese Sinne angesprochen. Ganz automatisch und ohne großes Nachdenken.

Vielleicht wird jetzt klarer, warum du einen Satz immer wieder von mir hörst: Die körperliche Entwicklung geht der geistigen Entwicklung immer voraus.

Lernen braucht Bewegung

Auch das ist plötzlich sonnenklar. Denn jedes Mal, wenn sich dein Kind bewegt, werden die drei Basissinne angeregt und mit ihnen alle anderen Sinne. Wenn dein Kind schaukelt, dann regt es nicht nur sein Gleichgewichtssystem und seine Eigenwahrnehmung an. Es wird auch der Sehsinn gefordert. Die Muskulatur wird geschult und gekräftigt. Und das wiederum hilft deinem Kind später gerade zu sitzen und einen guten Blick auf die Tafel in der Schule zu haben.

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