Pubertät ist der Wechsel des Betriebssystems bei voller Nutzung.

Quelle leider unbekannt

Dieser Spruch ist mir unlängst untergekommen und er ist so passend.

Stell dir vor du hättest einen Computer. Der vorhandene Speicherplatz ist gut gefüllt. Und jetzt sollst du zu allem Übel noch das Betriebssystem wechseln.

Sicher würdest du erst eine Sicherung der Daten machen. Erst danach würdest du dich ans Werk machen und ein neues Betriebssystem aufsetzen. An diesem Tag wärst du wahrscheinlich gut beschäftigt. Denn nach so einem grundsätzlichen Wechsel des Fundaments (Betriebssystems) müsstest du wahrscheinlich auch noch einige Anpassungen vornehmen, damit wieder alles reibungslos funktioniert. Es würde etliche Programm-Updates nach sich ziehen, da die vorhandenen Programme nicht kompatibel wären. Du müsstest dich an die neue Oberfläche gewöhnen.

Ein Horror? – Finde ich auch!

Ich habe so einen grundsätzlichen Wechsel einmal in einer Firma durchgemacht. Wir haben ein Wochenende lang fieberhaft gearbeitet, bis alles so weit lief, dass es wieder verwendbar war. Auch Wochen später sind uns immer noch Kleinigkeiten aufgefallen, die wir anpassen mussten.

Das alles neben dem normalen Arbeitsaufwand stemmen zu können, wäre unmöglich gewesen.

Herausforderung Pubertät

Herausforderung Pubertät

Körperliche Veränderungen

Die körperlichen Veränderungen der Pubertät setzen ungefähr mit dem 9. Lebensjahr ein. Bei Mädchen beginnen die Brüste zu wachsen, die Schambehaarung wächst, die erste Periode kann einsetzen.

Bei Jungen beginnen Penis und Hoden zu wachsen. Andere äußerlich wahrnehmbare Veränderungen setzen erst später ein: Die Muskelmasse nimmt zu, die Körperbehaarung wird mehr, der Stimmbruch setzt ein.

Hormonelle Veränderungen

Die Pubertät beginnt, wenn die Hirnanhangdrüse mithilfe von verschiedenen Hormonen wie z. B. Releasing-Hormonen und Gonadotropinen Signale an den Körper sendet. Das ist der Startschuss damit in den Geschlechtsorgangen vermehrt Geschlechtshormone gebildet werden und ins Blut ausgeschüttet werden. Anfänglich entwickeln beide Geschlechter sowohl Östrogen und Testosteron. Nur herrscht bei den Burschen später Testosteron und bei den Mädchen Östrogen vor.

Diese Hormone sind für die augenfälligen körperlichen Veränderungen zuständig.

Außerdem wird in der Hypophyse das Wachstumshormon Somatropin ausgeschüttet. Daher wachsen die Jugendlichen auch noch einmal ordentlich.

Die Thymusdrüse bildet sich mit dem Einsetzen der Pubertät zurück. Bis zum Beginn der Pubertät ist sie für die Produktion von Immunzellen zuständig.

Sonderstellung Melatonin

Mit Beginn der Pubertät kommt auch die Zirbeldrüse durcheinander. Sie ist für die Produktion des Schlaf- und Wachstumshormons Melatonin verantwortlich.
Im Jugendalter kommt die Zirbeldrüse aber erst ca. 2 – 3 Stunden später auf Touren.

Im Kindesalter ist es so, dass die Produktion des Schlafhormons so einsetzt, dass die Kinder rechtzeitig zu Beginn des Abends müde werden. Zu dieser Zeit hat die Zirbeldrüse im Jugendalter ihre Arbeit noch nicht einmal aufgenommen.
Genau darum liegen die Jugendlichen oft bis weit nach Mitternacht wach und sind am Morgen wie gerädert. Der fehlende Schlaf macht sich bemerkbar. Sie können jedoch abends wirklich nicht einschlafen. Es fehlt einfach das Hormon, das den Schlaf überhaupt erst möglich macht.

Dazu kommt, dass gerade in dieser Zeit Smartphones und Computer so richtig interessant werden. Diese Geräte stören aber durch das ausgesandte blaue Licht die Arbeit der Zirbeldrüse erst recht.

Großbaustelle Gehirn

Das Gehirn gleicht in der Pubertät einer Großbaustelle. Mehrere Umbaumaßnahmen laufen gleichzeitig ab. Das ist für Eltern und Kinder nicht immer angenehm.

Im Gehirn werden während der Pubertät alle Verbindungen auf Notwenigkeit geprüft. Im Kleinkindalter liegt der Schwerpunkt auf dem Aufbau der neuronalen Verbindungen. Das Netz soll möglichst dicht werden, die Verbindungen sollen möglichst vielfältig sein.

In der Pubertät wird Sortiert, geordnet und aussortiert.

Bleiben wir bei der Analogie des Einstiegs: Das Gehirn wird sozusagen heruntergefahren und das vom Nacken aufwärts wieder hochgefahren. Das geht aber nicht so schnell, wie du vielleicht meinst. Der präfrontale Cortex, das Stirnhirn, reift erst zwischen dem 20. Und 24. Lebensjahr aus.

Das erklärt auch die oftmals impulsgesteuerten und scheinbar unüberlegten Handlungen der Teenager. Es fehlt ihnen der Einfluss des präfrontalen Cortex. Er ist nämlich sowohl für die Impulskontrolle, als auch für rationales, überlegtes Verhalten zuständig.

All das kann auf deinen Teenager ganz schön überwältigend sein.

Dein Sohn oder deine Tochter muss nicht nur mit den körperlichen Veränderungen klarkommen. Dein Kind muss auch realisieren, dass diese Veränderungen Auswirkungen auf den Alltag haben. Der Schweiß beginnt plötzlich zu riechen. Sie müssen also ihre Körperhygiene anpassen.

Das schnelle Wachstum führt zu einer veränderten Körperwahrnehmung. Zudem wächst nicht alles gleich schnell und so kommt es oft zu einem Gefühl der Unausgeglichenheit. Die Hände scheinen zu lang, das Becken wird größer. Oftmals verliert dein Teenager das Gefühl wo er anfängt und wo er aufhört.

Die Jugendlichen merken selbst, dass sie eigenartige Schlafzeiten haben, sind dauernd müde, leiden selbst unter den Gefühlsausbrüchen und unter der Vergesslichkeit.

Wie du als Mama leichter Verständnis findest?

Ganz einfach erinnere dich an deine Schwangerschaft. Da wirst auch du vielleicht ein höheres Schlafbedürfnis und verschobene Schlafzeiten gehabt haben. Außerdem kannst du dich vielleicht an eine größere emotionale Empfindsamkeit erinnern: Du warst nah am Wasser gebaut oder du wart schneller nervös oder ärgerlich als normalerweise. Auch die Vergesslichkeit kennen viele schwangere und stillende Menschen.

10 Tipps für dich als Mutter

  1. Erst einmal nimm nicht alles, was dein Kind sagt persönlich. Halte dich zurück, solange dein Kind einen emotionalen Ausbruch hat.
    Wenn dir das nicht gelingt und du ebenfalls laut wirst und mit den Türen knallst, dann solltest du dir mal deine eigene Geschichte ansehen. Was triggert dich so?

    Denn du rutscht dann aus der Position des vernünftigen Erwachsenen und läuft in Gefahr dich selbst wie ein emotionaler Teenager zu benehmen. Damit ist niemandem geholfen.

    Wenn sich dein Kind allerdings beruhigt hat, dann suche ein offenes Gespräch. Jetzt kannst du über deine Gefühle sprechen und deinem Teenager auch die Konsequenzen seines Verhaltens vor Augen führen.
  2. Schenke deinem Teenager einen Vertrauensvorschuss und trau ihm auch etwas zu. Signalisiere, dass du denkst, dein Kind könne mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens umgehen.  Ich denke da auch an Situationen, wo dein Kind seine Vernunft beweisen muss. Wie z. B. ausgehen und verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol.

    Wenn du deinem Kind vertraust, ist es sehr wahrscheinlich, dass dir dein Kind auch Vertrauen entgegenbringt.
  3. Behandle dein Kind wie den jungen Erwachsenen, der es ist. Das sollte sich in deiner Sprache und in deinem Verhalten widerspiegeln.
    Dazu gehört auch das Anklopfen, bevor du das Zimmer betrittst und dass du akzeptierst, wenn dein Kind einmal allein sein möchte.
  4. Mach dich nicht über das Aussehen, die Verhaltensweise oder die Sprache deines Kindes lustig.
    Auch du möchtest nicht für deinen Haarschnitt, für deine Kleiderwahl oder deine Gewohnheiten belächelt werden.
  5. Wenn dein Sohn oder deine Tochter reden will, dann nimm dir sofort Zeit. Gerade im Teenageralter sind diese Gesprächsfenster sehr kurz offen. Wenn du sie nicht gleich nützt kann es sein, dass dein Kind in der Zwischenzeit seine Probleme mit sich selbst löst oder seine Peergroup zu Rate zieht.
  6. Übe dich im Loslassen. Dazu gehört auch dein Kind seine eigenen Fehler machen zu lassen und eventuell auch die Konsequenzen erkennen zu müssen. Das bedeutet aber auch, dass du – quasi wie ein Sicherheitsnetz – im Katastrophenfall eingreifen und dabei unterstützen kannst, die Situation wieder gerade zu biegen.
  7. Sei vorsichtig bezüglich der Benützung von Jugendsprache. Denn die Jugendlichen benützen ihre Idiome unter anderem, um sich von den Erwachsenen abzugrenzen. Du kannst das als humoristisches Stilmittel ab und an einsetzen. Aber im Allgemeinen schätzen Jugendliche es nicht, wenn die Eltern Jugendsprache benützen. Es wirkt schnell peinlich und übermäßig bemüht, wenn Eltern Jugend-Jargon benützen.
  8. Vermeide folgende Killerphrasen im Umgang mit deinem Jugendlichen:

    „Du musst …“ – Es klingt nach Befehl und ruft Widerstand hervor

    Scheinfragen wie „Glaubst du wirklich …“ oder „Willst du wirklich …“ – Dein Teenager merkt die Absicht der Manipulation und ist verstimmt.

    Pauschalaussagen wie „Du bist immer …“ oder „Nie machst du …“ – Denn sie stimmen so nicht. Es gibt sicher Ausnahmen.
    All diese Phrasen rufen Widerstand hervor und provozieren.
  9. Im Zweifelsfall hilft immer atmen und bis 1000 zählen und dich daran zu erinnern, dass so ein Wechsel des Betriebssystems bei laufender Nutzung eigentlich ein
    Ding der Unmöglichkeit ist. Dein Teenager schafft es trotzdem!
  10. Bleib mit deinem Teenager im Gespräch und in Beziehung!

Pubertät kann eine bereichernde Zeit sein

Auch wenn du es dir im Moment vielleicht nicht vorstellen kannst: Pubertät kann eine bereichernde Zeit sein. Die Jugendlichen entwickeln einen eigenen Humor. Sie entdecken die Lust am Diskutieren und Argumentieren. Sie sind interessiert am Weltgeschehen.
Einige der schönsten Gesprächen mit meinen Jungs habe ich in der Pubertät geführt.

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3 Kommentare
  1. Daniela Stube sagte:

    Hallo,

    Bitte in der Überschrift den Nachnamen ändern.
    Bei Ihnen war Frau Strube, mit r.
    Es steht aber Stube.
    So werde ich geschrieben.
    Vielen Dank

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniela Stube

    Antworten

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  1. […] haben Daniela Strube und ich intensiv über die Herausforderung Pubertät […]

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