Warum hört mein Kind erst wenn ich schreie

Warum hört mein Kind erst wenn ich schreie?

Lieselotte und Peter kennst du ja schon.

Lieselotte ist eine wirklich liebe Mama. Sie ist voller Ideale. Sie ist aber nicht nur Mama, sie hat auch einen Beruf. Sie ist halbtags Rechtsanwalts-Sekretärin. Sie hat auch noch einen Ehemann, ein Haus, einen Garten und einen Hund.

Warum hört mein Kind erst, wenn ich schreie, frau schreit und hält sich den Kopf

Sie hat hohe Ansprüche an sich selbst und möchte alles immer zu 100 % tun. Ihre Freundin Pia meint sogar, dass Lieselotte immer 150 % gibt. „Das ist Unsinn!“, sagt Liselotte „Niemand kann mehr als 100 % geben. Ich möchte einfach nur alles möglichst gut machen.“ Sie weiß, dass sie sich mit diesem Anspruch unter Druck setzt. Aber irgendwie kann sie nicht dagegen an. Es ist einfach Teil ihrer Persönlichkeit.

Peter ist ein lieber Junge. Er ist an allem interessiert, immer neugierig und wissensdurstig und daher auch überall dran. Seit er laufen kann sorgt er für Chaos in Lieselottes Leben. Sie kann gar nicht so schnell wegräumen, wie Peter herräumt.

Es ist unmöglich Peters Fragen alle zu beantworten. Jetzt ist Peter auch noch im „Warum?“-Fragealter. Alles und jedes wird hinterfragt. Keine Antwort stellt ihn zufrieden. Jede Antwort wird mit „Warum?“ kommentiert.

Lieselotte kommt kaum zur Haus- und Gartenarbeit, weil sie Peter so sehr in Anspruch nimmt. Immer wieder versucht sie Peter in ihre Tätigkeiten einzubinden. Aber dieses Energiebündel ist nicht zu bändigen.

Und dann gibt es diese Tage, da versucht Lieselotte Peter zur Kooperation zu bewegen. Aber er sträubt sich. Er macht einfach nicht mit. Dabei ist es vollkommen egal, ob er sich anziehen soll, weil die beiden einkaufen gehen müssen, oder ob Peter Tisch decken soll.

Er reagiert einfach auf keine Aufforderung oder stellt sofort seine „Warum?“Fragen.

Das spielt sich ungefähr so ab:


„Peter bitte stell die Teller auf den Tisch.“
„Warum?“
„Weil wir gleicht essen gehen.“
„Warum?“
„Weil ich mit kochen fertig bin.“
„Warum?“
„Weil wir Hunger haben und nachmittags zur Oma wollen.“
„Warum?“

Du merkst schon, Peter könnte ewig weiter machen. Lieselotte wird bei jeder Antwort lauter. Sie bemüht sich höflich und freundlich zu bleiben. Aber in ihr brodelt es, wie in einem Vulkan.

Nachdem Lieslotte aber nicht schimpfen will und Peters Wissensdrang nachkommen will, hält sie ihren Unmut unter Kontrolle.

Ganz gelingt ihr das nicht. Daher wird ihre Stimme nicht nur lauter, sondern wandert auch immer weiter in den Brustraum.

„Peter bitte, kannst du aufhören zu fragen und einfach den Tisch decken.“

Jetzt ist Lieselotte schon auf 180. Aber sie bemüht sich immer noch ruhig zu bleiben. Ihre Stimme wirkt gepresst und wird höher.

Nach dem nächsten „Warum?“ lässt sie einen Brüller los.
„Deck jetzt den Tisch, aber sofort!“

Und Peter dreht sich um und deckt den Tisch.

Warum hört mein Kind erst, wenn ich schreie

Diese Frage stellt sich Lieselotte dann abends im Bett, wenn sie den Tag reflektiert. Sie will nicht laut werden und schon gar nicht schreien. Sie fühlt sich schlecht danach. Peter tut ihr leid.

Aber meistens kooperiert er erst dann, wenn sie ausrastet. Das ist ein Teufelskreis, den sie gerne durchbrechen möchte.

Gehen wir der Sache auf den Grund

Was passiert, wenn Lieselotte schreit und was könnte ein Grund sein, dass Peter plötzlich kooperiert?

Gleich vorweg: Ich bin mir ziemlich sicher, Peter hat keine Angst vor seiner Mama. Es sind andere Gründe.

Lieselotte geht ganz ins Gefühl und wird authentisch

Kinder wollen, dass ihre Eltern echt sind. Echt zu sein heißt nicht unbedingt perfekt zu sein. Kinder brauchen Eltern, die zu ihren Fehlern und Schwächen stehen. Lieselotte war schon vorher aufgebracht, aber sie versuchte dieses Gefühl zu unterdrücken. Und dann ist genau das passiert, was sie nicht erreichen wollte. Sie ist explodiert.

Das ist aber auch verständlich. Stell dir einen Kessel mit Wasser vor. Wenn du das Wasser erhitzt und den Kessel fest verschließt, dann baut sich so viel Druck auf, dass der Deckel sich hebt.

Es wäre also besser für Lieselotte und Peter, wenn sie schon vorher ihre Gefühle ausdrückt.

Also etwa: „Peter, bitte hör jetzt auf zu fragen. Ich merke, dass mich das unruhig macht. Ich bin hungrig. Danach können wir gerne weiter machen.“

Die Stimme wandert in den Bauchraum, wenn Lieselotte schreit

Wenn jemand wirklich laut schreit, dann wandert die Stimme in den Bauchraum. Damit wird sie gleichzeitig tiefer.

Kinder mögen tiefe Stimmen und tiefere Stimmen werden von Menschen generell als respekteinflößend beurteilt.

Lieselotte könnte sich das zu Nutze machen. Einfach tief durchatmen und bewusst die Stimme in den Bauch schicken, wenn sie eine Anweisung ausspricht.

Also: Atmen – Stimme in den Bauch – „Peter, bitte deck den Tisch!“

Das geht auch ohne Ärger und ganz bewusst. Es erzielt trotzdem den Effekt.

Das hat Lieselotte in einem meiner Vorträge dann von mir gehört.

Sie hat es ausprobiert und mich nach dem Vortrag begeistert angeschrieben:

„Ilse, das funktioniert tatsächlich. Gefühle zeigen und Stimme in den Bauchraum schicken. Ich muss mich nur vorher kurz sammeln. Aber da ich normalerweise ohnehin so viel Energie aufwende, um meine Gefühle unter Kontrolle zu halten, macht mir das gar nichts aus. Danke!“

Rückmeldung von Lieselotte (Name nach Absprache geändert)

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