7 gute Gründe Selbstwirksamkeit zu erlernen

7 Gründe Selbstwirksamkeit zu erlernen

Dieser Beitrag erschien das erste Mal am 13. Oktober 2014 und wurde am 22.09.2019 neu überarbeitet.

Warum du 7 gute Gründe hast Selbstwirksamkeit zu erlernen

Selbstwirksamkeit ist das Bewusstsein, dass du mit deinen Handlungen etwas bewirken kannst. Du machst etwas und siehst, dein Handeln bewirkt einen Unterschied zur bestehenden Situation. Du siehst, dass du etwas verändern kannst. Dein Handeln macht einen Unterschied!
Du ahnst es schon, das ist eine wichtige Fähigkeit für dein Leben. Ich gebe dir 7 Gründe Selbstwirksamkeit zu erlernen.

Um dir zu zeigen wie einfach und wichtig es ist, Selbstwirksamkeit zu erlernen, wähle ich Beispiele aus der kindlichen Entwicklung. Das zeigt einerseits, dass es keinen großen Mehraufwand braucht, um Selbstwirksamkeit zu erlernen, andererseits macht es bewusst, dass die Erfahrung selbstwirksam handeln zu können, uns schon sehr früh beeinflusst.

1. Selbstwirksamkeit macht selbstbewusst

Durch selbstwirksames Handeln wirst du dir bewusst, was du alles kannst.

Selbstwirksamkeit macht selbstbewusst! Klick um zu Tweeten

Schau dir ein Kind an, das übt, Wasser in ein Glas einzuschenken. Es ist hochkonzentriert. Anfangs vielleicht noch etwas unsicher in der Hand-Auge-Koordination, d. h. es tut sich schwer abzuschätzen, ob der Wasserstrahl auch wirklich ins Glas treffen wird.

Jeden kleinen Fehler bemerkt es sofort.

Das Kind greift also korrigierend ein. Zuerst machen diese Eingriffe noch den Anschein von Versuch und Irrtum. Aber mit der Zeit, kann das Kind viel besser abschätzen, wie es den Krug richtig hält, damit der Wasserstrahl auch gut ins Glas trifft. Es strahlt! Der erste Erfolg.

(Übrigens bemerkt es das alles leichter, wenn du das Wasser zum Üben mit Lebensmittelfarbe einfärbst.)
Die nächste Hürde steht bevor: Abschätzen zu können, wie lange, das Wasser rinnen darf, ohne dass das Wasser über den Rand des Glases läuft. Auch hier experimentiert das Kind mit Schwung und Vorsicht, bis es das richtige Maß erkennt. Aber dann, der Erfolg: Das Glas ist eingeschenkt und das Wasser nicht übergelaufen.
In diesem Augenblick blitzt die Erkenntnis auf: „Ich kann das.“ Das stärkt das Selbstbewusstsein.

2. Selbstwirksamkeit macht resilient

Laut Wikipedia ist Resilienz die Fähigkeit eines Systems mit Veränderungen umgehen zu können. Bei Menschen beschreiben wir mit Resilienz die Fähigkeit mit Rückschlägen und negativen Ereignissen im Leben gut umzugehen. Resiliente Menschen überstehen diese Ereignisse nicht nur gut, sie sind auch in der Lage, sich durch diese Herausforderungen weiter zu entwickeln. Um Resilienz zu entwickeln braucht es ein paar Voraussetzungen. Eine davon ist die gute Bindung zu einer Bezugsperson, die unterstützend wirkt.

Über Resilienz und warum Selbstwirksamkeit hilft, sie zu entwickeln, schreibe ich demnächst einen eigenen Artikel.

3. Selbstwirksamkeit hilft uns, uns als Verursacher unseres Lebens(verlaufs) zu erkennen

Im NLP wird das mit der Überschrift „Ursache versus Gründe“ zusammengefasst. Genau genommen ist diese Erkenntnis aber schon viel älter. NLP hat bekanntermaßen nur Erkenntnisse anderer Fachrichtungen zusammengefasst, gebündelt und geordnet.

Etwas anders findest du den Spruch auf meinen Karten:

Wer etwas will findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.

Selbstwirksamkeit

Auch das will erlernt sein; sich selbst als Ursache des Ausganges zu betrachten.
Sehr gut erlernen wir das beim Singen. Deshalb ist Singen für Kinder auch so wertvoll.
Sie erfahren, dass sie durch die Kontrolle eines ganz kleinen Bereichs des Körpers – nämlich der Stimmbänder – Töne erzeugen können. Und sie hören sofort, ob sie den Ton richtig getroffen haben. Sie können herumprobieren und üben so oft sie wollen. Sie werden immer sofort ein Feed-back erhalten. Das Wunderschöne an der Sache: Sie selbst sind Feed-back-geber. Das Kind erfährt sich so als Ursache und Wirkender zugleich.

Nebenbei bemerkt, ist Singen die beste Möglichkeit Angst zu überwinden. Durch die beim Singen erforderliche Körperhaltung ist es nicht möglich, Angst zu haben. Um gut – und laut – zu singen, benötigen wir eine aufrechte Körperhaltung und gut gefüllte Lungen.
Das wusste früher jedes Kind, das alleine in den Keller geschickt wurde und deswegen gab es auch Kampflieder ;-)

4. Selbstwirksamkeit macht selbstsicher und glücklich

Selbstwirksamkeit macht auch selbstsicher, denn es ist ein schönes Gefühl, mit den Herausforderungen des Lebens umgehen zu lernen. Jede erfolgreiche Lernerfahrung bewirkt eine Dopaminausschüttung im Gehirn und diese wiederum beeinflusst die Gehirnentwicklung.

Selbstwirksamkeit erlernen wir aber nicht an einer kleinen Aufgabe, die wir leicht verrichten.
Es sollte schon eine Herausforderung sein. Deshalb ist es auch so wichtig, Kindern Herausforderungen zu bieten.
Kinder signalisieren uns das ganz deutlich. Wir haben nur verlernt, diese Signale zu verstehen. Für ein Kind ist Tisch decken dann interessant, wenn es körperlich noch fast zu klein ist, um auf den Tisch zu reichen.

Von mir selbst gibt es eine Geschichte, dass ich im Alter von 3 – 4 Jahren begeistert den Tisch gedeckt habe. Ich war gerade so groß, dass ich mit dem Kopf die Tischplatte überragte. Um den Schaden zu minimieren, bekam ich jeweils nur einen der Porzellanteller. Ich nahm den Teller in beide Hände, legte ihn mit der Kante an den Rand des Tisches und schubbste mit dem Brustkorb sanft dagegen. Dann legte ich das Besteck daneben. – Und habe gestrahlt, wie ein frisch lackiertes Hutschpferd (für alle deutschen Leser: ein frisch lackiertes Schaukelpferd). Noch heute bin ich meiner Mutter dankbar, dass sie die Nerven hatte, mich diese Erfahrung machen zu lassen.

5. Selbstwirksamkeit fördert die Zivilcourage

Was glaubst du, wann du dich eher für eine Sache einsetzt: Wenn du dir bewusst bist, dass du etwas verändern kannst, oder wenn du dich als machtlos und als Spielball der Umstände empfindest?
Genau deshalb fördert Selbstwirksamkeit die Zivilcourage. Die Fähigkeit, uns für andere einzusetzen und auch einzutreten.

Selbstwirksamkeit hilft Zivilcourage zu entwickeln und für andere einzutreten. Eine Fähigkeit, die wir heute mehr denn je brauchen. Klick um zu Tweeten

Für Zivilcourage braucht es nicht nur Selbstwirksamkeit, sondern auch Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Denn es ist ja nicht so einfach sich gegen eine Gruppe zu stellen. Genau das erfordert Zivilcourage aber meistens.

Zivilcourage ist etwas, das wir heute sehr dringend brauchen. Sie hilft uns allen gegen Mobbing, Benachteiligung und Ungerechtigkeiten vorzugehen. Diese Fähigkeit unterstützt uns alle dabei uns schützend vor jemanden zu stellen der Hilfe braucht und laut zu sagen: „Stopp! Es ist genug!“
Zivilcourage braucht dein Kind aber auch, um zu seinen Werten und Überzeugungen zu stehen. Auch wenn die Peergroup gerade etwas anderes bevorzugt. Also: nein zu Alkohol und Drogen zu sagen. Nein zu sagen zu übergriffigem Verhalten.

6. Selbstwirksamkeit reguliert die Anstrengungsbereitschaft in Lernsituationen

Wie schon erwähnt, wird bei jeder erfolgreich bestandenen Lernsituation Dopamin, eine Art Belohnungshormon, ausgeschüttet. Jede erfolgreich bestandene Situation bestärkt dich im Glauben an dich selbst: „Ich kann das schaffen.“ Diese Überzeugung wirkt sich auch auf deine Erwartungshaltung aus. Somit bist du bereit, dich mehr anzustrengen, um dein Ziel zu erreichen.

Genau das braucht dein Kind. Es braucht Erfolgserlebnisse, damit es lustvoll weiter lernen kann. Deshalb ist es auch so wichtig anfangs die Lernschritte klein zu halten, damit sich schnell ein Erfolg einstellt.

Notfalls bedeutet das auch einen Schritt zurückzugehen und die Basics zu wiederholen.
Also:

  • Die Buchstaben gut wiederholen, wenn ein Kind nicht Silbenlesen kann.
  • Die Zahlen festigen, bevor das Kind zu rechnen anfängt.
  • Die Beweglichkeit der Hand zu schulen, wenn das Kind sich beim Schreiben schwer tut.

7. Selbstwirksamkeit erhöht die Toleranz gegenüber eigenen Fehlern

Du hast schon gelesen, dass ein Teil der Selbstwirksamkeit, das Lernen an den eigenen Fehlern ist. Im besten Falle, das feed-back an sich selbst. Somit werden Fehler völlig anders gewertet. Sie werden gesehen, als das, was sie sind: Ein Signal, dass es noch etwas zu verbessern gibt. Sie zeigen, an welchen Schrauben du noch drehen musst, damit das Ergebnis noch besser wird.

7 Gründe Selbstwirksamkeit zu erlernen-Selbstkontrolle

So verlieren Fehler auch ihren Schrecken. Du brauchst keine Angst zu haben, zu versagen oder den Ansprüchen von außen nicht zu genügen. Du erfüllst deine eigenen Ansprüche.

Deshalb ist auch das Montessori-Material so wertvoll. Das Kind erhält das Feed-back nicht durch eine andere Person, sondern durch das Material. Es merkt selbst: Da stimmt etwas nicht und kann sich auf die Fehlersuche machen.

Wann lernen wir Selbstwirksamkeit am leichtesten?

Nach meinen Beispielen ahnst du es schon. Im Kindesalter! Genau darum ist es wichtig, dass du deinem Kind Herausforderungen zugestehst und ihm einen sicheren Rahmen bietest, um sich auszuprobieren und zu lernen.

Du kannst dein Kind mit deiner Haltung gut dabei unterstützen Selbstwirksamkeit zu erlernen. Das bedeutet aber auch, dass du deinem Kind nicht alles abnimmst und ihm nicht jeden Stein aus dem Weg räumst. Im Gegenteil: Dein Kind sollte möglichst viele verschiedenartige Erfahrungen machen dürfen. Deine Aufgabe dabei ist es, da zu sein. Du bist das Back-up, auf das dein Kind jederzeit zurückgreifen kann. Das gibt Sicherheit und macht Mut.

Können auch Erwachsene noch Selbstwirksamkeit lernen?

Natürlich können auch Erwachsene noch Selbstwirksamkeit lernen. Jede Situation, in der wir unsere Komfortzone verlassen, lehrt uns wieder ein wenig Selbstwirksamkeit. Wir stellen uns einer Situation die uns unangenehm ist, die uns möglicherweise ängstigt und die uns herausfordert. Wenn wir die Erfahrung machen: „Juhu, ich kann das!“, dann bemerken wir, dass wir mit unserem Handeln Veränderung bewirken. Coaching kann diesen Prozess unterstützen.

Erwachsene haben sogar mehr als 7 Gründe Selbstwirksamkeit zu erlernen

Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit:

  • Haben ein höheres Anspruchsniveau
  • Haben eine große Anstrengungsbereitschaft zur Erreichung des Zieles
  • Zeigen mehr Ausdauer
  • Suchen flexibel nach Lösungen und denken out-of-the-box
  • Stellen sich bereits vor Beginn der Arbeit den erfolgreichen Abschluss vor
  • Arbeiten hocheffektiv
  • Lassen sich nicht ablenken
  • Können die Güte des Arbeitsergebnisses realistisch einschätzen
  • Können mit Rückschlägen gut umgehen

All diese Fähigkeiten kannst du im Alltag und im Arbeitsleben gut brauchen und einsetzen.

Kanntest du den Begriff Selbstwirksamkeit schon bevor du diesen Artikel gelesen hast?
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