Wie du in alltäglichen Konfliktsituationen deine Gelassenheit behältst

In Alltagskonflikten Gelassenheit behalten

Mit der Gelassenheit ist das so eine Sache. Die einen setzen sich selbst unter Druck, die anderen ärgern sich über die Technik und wieder andere werden hauptsächlich von anderen Menschen aus dem Gleichgewicht gebracht. Wünscht du dir auch, du würdest in Alltagskonflikten Gelassenheit behalten?

Selbst Menschen, die allgemein als sehr ruhig gelten geraten in Konfliktsituationen mit anderen schon mal aus der Fassung und sagen in der Hitze des Gefechts Dinge, die ihnen nachher leidtun.

Drei Dinge im Leben kann man nicht zurückholen: den Pfeil, der vom Bogen schnellte, das in Hast und Eile gesprochene Wort, die verpasste Gelegenheit. (Hadrat Ali)

Das geht schneller, als du vielleicht glaubst und ich bin sicher auch du kannst dich an Gelegenheiten erinnern, wo du einmal ausgesprochenes am liebsten wieder zurück genommen hättest. So geht es uns meist dann, wenn wir unsere Gelassenheit verlieren und impulsiv und emotional handeln und reagieren.

Wenn du dir ein paar wichtige Prinzipien merkst, bist du auf den nächsten Konflikt gut vorbereitet und kannst Situationen, wie eben geschildert, vermeiden.

Bringe deine Argumente vor

Wenn es zu einem Konflikt kommt, wo du mit jemandem verschiedener Meinung bist, dann bringe deine Argumente klar und sachlich vor. Versuche möglichst wenig Emotion in diese Darstellung einzubringen. Schildere einfach deine Beobachtungen, ohne zu werten.

Dieses Beispiel aus dem Alltag verdeutlicht, was ich meine.

Du beobachtest, wie dein Kind oder auch dein Partner das Geschirr auf die Spülmaschine stellt, statt es gleich hineinzuräumen. (Ja, ich weiß, das kommt nur in meinem Haushalt vor und sonst nirgendwo :-) )

Wenn es dir so geht wie mir, dann steigt dir an manchen Tagen gleich der Ärger hoch und du läufst in Gefahr zu rufen: „Alle stellen immer das Geschirr auf dem Geschirrspüler ab, anstatt es gleich hineinzustellen.“

Stopp! Erinnere dich an die guten Tage. Da kannst du ganz emotionslos sagen: „Du hast gerade das Geschirr auf den Geschirrspüler gestellt, anstatt es gleich einzuräumen. Jetzt braucht es statt einem Handgriff zwei. Denn ich muss jetzt noch einmal das Geschirr in die Hand nehmen und es einräumen. Mach das bitte gleich.“

Bleib ruhig

Was ist an den guten Tagen anders? Ganz einfach. Du schaffst es ruhig zu bleiben.

Wie kannst du das an allen anderen Tagen auch erreichen? Atme zuerst einmal tief durch und steig innerlich einen Schritt zurück. So gewinnst du etwas Abstand von der Situation.

Vergegenwärtige dir noch einmal die Situation mit dem Geschirrspüler. An manchen Tagen wird es dir gut gelingen ruhig zu bleiben, an anderen wird dir schon beim Anblick des Geschirrs der Ärger hochsteigen und du kannst deine Emotionen kaum kontrollieren.

Vielleicht ist die Situation aber auch genau anders herum und du hast z. B. die Zahnpastatube nicht zugeschraubt und dein Partner ärgert sich gerade fürchterlich.

Sind wir selbst in der Position des Kritisierten fällt es oft noch viel schwerer ruhig und gelassen zu bleiben. Auch dann hilft es, wenn du erst einmal durchatmest.

Nicht du wirst kritisiert, sondern dein Verhalten

Mach dir klar, dass nicht du als Person kritisiert wirst, sondern dein Verhalten. Alle Menschen wollen geliebt werden und jede Kritik kratzt am Selbstbewusstsein. Oft dockt sie genau an den negativen Glaubenssätzen an, die du über dich selbst hast. Oder sie erinnert dich an ein Verhalten, das du in der Kindheit erlebt hast.

Dein Partner kritisiert dich nicht auf persönlicher Ebene. Er möchte einfach nur zugeschraubte Zahnpastatuben und Ordnung im Badezimmer.

Du bist kein Kind mehr

Stell dir vor du hast als Kind schon immer gerne alles langsam und gründlich gemacht. Deine Eltern hatten aber einen straff durchorganisierten Tagesablauf und du musstest dich daran anpassen. Du hattest also das Gefühl nie genug Zeit zu haben. Wenn dich jetzt jemand drängt, dann fühlst du dich sofort wie damals.

Genau das ist der Grund warum du dich klein und schwach fühlst, wenn du kritisiert wirst. Du bist wieder in der Position des kleinen Kindes. Wenn du dich so fühlst, dann ruf dir in Erinnerung, dass du jetzt erwachsen bist, gut auf dich aufpassen kannst und dich auch zur Wehr setzen kannst.

Leider kommt es auch in Konflikten mit den eigenen Kindern vor, dass sich Erwachsene plötzlich in die eigene Kindheit zurückversetzt fühlen. In diesen Situationen ist das besonders dramatisch, weil sich im Konflikt dann plötzlich zwei Kinder gegenüber stehen, von denen das eine das Aussehen eines Erwachsenen hat.

Das beteiligte Kind spürt das und ist dadurch verunsichert. Der große Erwachsene, der doch Vorbild sein sollte, verhält sich auf einmal genau wie ein Kind und kann weder Grenzen noch Struktur vermitteln.

Versuche den Standpunkt des anderen zu verstehen

Nimm nur für einen Moment den Standpunkt des anderen ein. Versetze dich in seine Lage. Wie würdest du in seiner Situation handeln und argumentieren?

Nimm seine Sicht der Dinge ein. Betrachte das Geschehen von seinem Erfahrungshintergrund aus. Vielleicht fehlen dem anderen Informationen und Erfahrungen, die du bereits gemacht hast.
So entwickelst du Verständnis für seine Situation. Du kannst nachvollziehen, warum er so und nicht anders handelt. Das unterstützt dich, gelassen auf seine Bedürfnisse zu reagieren. Schließlich kannst du hin jetzt – bis zu einem gewissen Grad – verstehen.

Du erkennst so aber auch, welche Informationen dir helfen können, eine Veränderung zu erzielen. Du bist auf die Argumente vorbereitet und kannst dir überlegen, wie du reagieren möchtest.
Schau auch dich selbst mit den Augen des Gegenübers an. Wie verhältst du dich in seinen Augen? Wie wirkst du auf ihn oder sie? Betrachte dich selbstkritisch. So wirst du auch erkennen, wie du dein Verhalten verändern kannst, um eine Einigung zu erreichen.

Wie würde ein Unbeteiligter die Sache sehen

Stell dir vor eine vollkommen unbeteiligte Person käme in den Raum, wo ihr zofft. Diese Person hat weder zu dir noch zu deinem Gegenüber ein Vertrauensverhältnis und ist euch wohlgesonnen. Wie sieht eine solche Person diesen Konflikt? Was sieht sie?

Versuche die Position dieser unbeteiligten Person einzunehmen. Betrachte beide Konfliktparteien liebevoll. Beurteile nicht. Nimm einfach wahr, was du siehst. Am Anfang ist das vielleicht gar nicht einfach, aber mit der Zeit wird dir das immer besser gelingen.

Wie reagieren die Konfliktparteien aufeinander? Was regt den einen besonders auf, was den anderen? Wie könnten die beiden Parteien ihr Verhalten ändern, damit es zu einer Lösung kommt?

Wie kann eine Lösung aussehen?

Strebe Win-Win-Situationen an

Suche nach einer Win-Win-Situation. Geh davon aus, dass so eine Situation möglich ist. Du weißt ja, du findest, was du suchst.

Manchmal sehen andere Menschen in etwas einen Gewinn, was für uns selbst keiner ist. Das bedeutet aber auch, dass du dich mit der anderen Person auseinandersetzt. Rede mit ihr. Versuche sie und ihre Werte zu verstehen. Vielleicht kannst du dem anderen mit etwas eine Freude machen, was in deinen Augen unbedeutend ist. Ich meine damit nicht, dass du versuchen sollst, billig davon zu kommen. Ich möchte dich darauf aufmerksam machen, dass die Lösung oft dort liegt, wo wir sie nicht vermuten.

Kompromisse schließen

Manchmal sind Win-Win-Situationen tatsächlich nicht möglich. Dann ist ein Kompromiss die nächstbeste Lösung. Der Nachteil vom Kompromiss: In Wirklichkeit ist keiner so richtig zufrieden. Denn jeder hat das Gefühl sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt zu haben.

Akzeptanz

Wenn es sich um Konflikte in Ansichten und Werten handelt, dann werdet ihr vielleicht zu keiner Lösung kommen, weil es keinem gelingt, den anderen zu überzeugen. Da hilft es dann nur die Meinung des anderen zu respektieren. Ihr einigt euch also darauf, dass ihr unterschiedlicher Ansicht seid. Auch das ist eine wichtige Eigenschaft und in Bewerbungsbögen wird diese Dissensfähigkeit genauso hoch geschätzt, wie die Fähigkeit zum Kompromiss.

Du siehst also, es ist gar nicht so schwer, in einem Konflikt gelassen zu bleiben. Mir ist schon klar, dass du deine Emotionen nicht ausknipsen kannst, wie das Licht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das ein Lernprozess ist. Es braucht einfach Übung. Wirf also die Flinte nicht gleich ins Korn, wenn es dir nicht gleich gelingt ruhig und gelassen zu bleiben. Überlege dir einfach, was dir diesmal gut gelungen ist und freue dich darüber. Darauf kannst du beim nächsten Konflikt aufbauen. Dann wird es dir bald leicht fallen in Alltagskonflikten Gelassenheit zu bewahren.

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Zu diesem Artikel gibt es eine Checkliste. Diese findest du in meinem Downloadbereich.

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5 Kommentare
  1. Birgit Terletzki sagte:

    Liebe Ilse,

    ja Gelassenheit muss stetig neu gelernt und geübt werden. Das innehalten und tief ein und aus atmen ist für mich immer der Schlüssel überhaupt. Es hilft in jeder Situation.

    Liebe Grüße
    Birgit

    Antworten
  2. Petra sagte:

    Sehr interessant fand ich deinen Satz, dass es im Konflikt mit Kindern passieren kann, dass Eltern sich in die Kindheit zurückversetzt fühlen und die Kinder das fühlen und sie verunsichert. Da würde ich sehr gerne mehr darüber erfahren, wenn das in deinen Redaktionsplan reinpasst! Auch was Eltern tun können in diesen Momenten – speziell auf ihre Kinder bezogen.
    LG
    Petra

    Antworten

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  1. […] einem meiner letzten Artikel von „Wöchentlich Gelassenheit!“ habe ich über Alltagskonflikte geschrieben und dabei auch erwähnt, dass sich in Familienkonflikten oft zwei innere Kinder […]

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