Kleine Schritte fördern die Kooperationsbereitschaft (nicht nur) deines Kindes

In diesem Artikel zeige ich dir, warum kleine Schritte die Kooperationsbereitschaft deines Kindes fördern.

Kleine Schritte fördern die Kooperationsbereitschaft deines Kindes,
Spuren im Sand

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

(Lao Tse)

Der Spruch ist so bekannt und wird so oft zitiert, dass ich ehrlich verwundert bin, warum so viele Menschen glauben Veränderungen in einem Tag erreichen zu können.

Gerade jetzt am Jahresanfang schießen die großen Ziele wie die Schwammerl aus dem Boden:

  • endlich abnehmen
  • mehr Sport betreiben
  • Die Wohnung ausmisten
  • Einen Capsule Wardrobe zusammenstellen
  • Nicht so viel einkaufen

Aber auch wenn es um die Bildung und die Gewohnheiten von Kindern geht, wird oft unglaublich viel in kurzer Zeit erwartet.

  • Sich um einen Notengrad verbessern
  • Endlich lernen die 7 Zwetschken zusammen zu halten
  • Sehen, wo Mithilfe erwünscht wäre
  • Selbständigkeit

All das geht nicht von heute auf morgen, sondern nur in kleinen Schritten.

Die meisten Menschen überschätzen, was sie kurzfristig leisten können und unterschätzen, was sie langfristig leisten können.

(unbekannt)

Keine Sorge, das geht nicht nur dir so, sondern den meisten Menschen.

Ich selbst habe lange Zeit in Ho-ruck-Aktionen gedacht, weil ich es nicht besser wusste. Selbst als ich es wusste, war ich noch nicht bereit, mein Denken umzustellen. Ich musste es langsam – eben in vielen kleinen Schritten – erfahren.

Große Umstellungen erfordern eine Menge Disziplin

Stell dir vor, du hättest ein bestimmtes Disziplin-Konto. Du kannst darauf nicht aktiv einzahlen. Es füllt sich von selbst, wenn du dir Ruhe gönnst und Pausen machst.

Aber durch jede Kleinigkeit, die du nicht gerne machst, die dich ärgert oder aus der Bahn wirft, die dich Kraft oder Überwindung kostet, wird ein Betrag xx von deinem Disziplinkonto abgebucht.

Nicht all diese Umstände hast du unter Kontrolle. Du kannst nicht entscheiden, ob dein Chef dich morgens schief anredet. Auch nicht, ob am Weg zur Arbeit ein Stau war. Oder wie deine Kinder gelaunt sind.

Mit all diesen Dingen umzugehen erfordert Kraft und erschöpft dein Disziplinkonto.

Aber auch alles, was du dir ambitioniert vornimmst, wie z. B. gesunde Ernährung, nicht mit den Kindern zu schimpfen, gut zuzuhören, geduldig zu sein … gibt Minuspunkte auf deinem Disziplinkonto, weil es für dich mit Konzentration, Achtsamkeit und vielleicht auch Anstrengung verbunden ist.

Damit ist auch klar, warum es an stressigen Tagen viel schwerer ist mit den Kindern geduldig umzugehen oder nicht zu schimpfen, als an Tagen wo rundherum alles gut läuft.

Die Gefahr von Ho-ruck-Aktionen

Die große Gefahr von zu großen Zielen oder Ho-ruck-Aktionen liegt darin, dass sie scheitern können.

Solange alles glatt geht, ist es in Ordnung. Dann passt es eh.

Es ist besser mit kleinen Schritten viel zu erreichen, als sich mit einem großen Sprung die Beine zu brechen.

(unbekannt)

Aber wenn du mit diesen großen Zielen scheiterst, dann stellt sich gleich Mutlosigkeit ein. Denn Misserfolge führen zu einem Hormon-Cocktail im Gehirn. Das beginnt schon, wenn du merkst, dass du dein Ziel wahrscheinlich nicht erreichen wirst. Dann mobilisierst du Kraft und Disziplin. Das führt zu Stress und zur Ausschüttung von Stresshormonen. Erreichst du dein Ziel nicht, dann werden wieder andere Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet. Diese können dazu führen, dass du an dir selbst zweifelst und sich das Gefühl einstellt „Das kann ich ohnehin nicht.“ Beim nächsten misslungenen Versuch setzt sich dann schon ein Teufelskreis in Gang. Einerseits wirst du wieder enttäuscht. Andererseits bestätigt sich deine Meinung über dich selbst. Blöd nicht?

Neue Gewohnheiten einschleichen

Viel leichter und besser ist es also statt eines gewaltigen und einmaligen Kraftaktes Veränderungen einzuschleichen. Das machst du, indem du neue Gewohnheiten bildest. Sie werden nach einiger Zeit zu Routinen und sind gar nicht mehr anstrengend.

Diese Methode machen sich verschiedene Systeme zunutze

Vielleicht hast du schon einmal vom Flylady-System für den Haushalt gehört. Das beruht genau auf der Einführung kleiner Gewohnheiten. Das Grundprinzip lautet: Lieber jeden Tag 15 Minuten in den Haushalt investieren und Inseln der Ordnung schaffen, als einmal die Woche stundenlang putzen.

Auch Bright line eating setzt auf die Veränderung von Gewohnheiten. Dieses System nimmt auch noch klare und strenge Richtlinien dazu. Durch die Beachtung der strengen Richtlinien entfällt die ständigen Diskussionen mit sich selbst: Mache ich es heute so – oder eben anders. Es gibt einen Plan, der wird befolgt und basta Ich will jetzt nicht beurteilen, ob diese Ernährungsform sinnvoll und für jeden passend ist. Aber für viele Menschen sind strenge Richtlinien am Anfang sehr erleichternd, um eine Verhaltungsumstellung zu erreichen. Da können sie abhaken und sich über jedes Häkchen freuen. Das gilt ganz allgemein.

Diese Häkchen-Methode benützt übrigens auch meine Freundin und Kollegin Claudia Kauscheder in ihrem Programm Home-sweet-office. Es gibt dort richtige Häkchen-Fans in der zugehörigen FB-Gruppe.

Auch im Umgang mit deinem Kind kannst du dir die kleinen Gewohnheiten zunutze machen

Du willst, dass dein Schulanfänger selbständig wird.

  1. Beginnt im ersten Schritt damit, dass es seine Schulsachen für den kommenden Tag herrichtet. Gemeinsam kontrolliert ihr nach und packt die Schultasche ein.
  2. Wenn das gut klappt, dann packt dein Kind selbst den Ranzen und du kontrollierst nur mehr nach.
  3. Läuft das, dann macht dein Kind ab nun allein.

Du wünscht dir mehr Mithilfe im Haushalt?

  1. Starte damit, dass dein Teenager sich drei Aufgaben selbst aussucht, für die er zukünftig verantwortlich ist. Geht miteinander durch, wann und wie diese Aufgaben erledigt werden sollen.
  2. Macht die Aufgaben sichtbar und sorgt dafür, dass du auf einen Blick siehst, dass sie erledigt sind.
  3. Wenn du siehst, dass die Aufgaben zum vereinbarten Zeitpunkt nicht erledigt sind, dann erinnere.
  4. Manchmal hilft es, wenn dein jugendliches Kind von sich aus eine „erledigt-Meldung“ abgibt.

Deine Tochter soll sich in der Schule verbessern?

  1. Legt miteinander einen Arbeitsplan fest, wo sie täglich eine bestimmte (überschaubare) Zeitspanne lang übt.
  2. 15 Minuten konzentriert sind am Anfang oft schon genug.
  3. Danach abzuprüfen ist für viele Schülerinnen und Schüler hilfreich, damit sie sehen, was hängen geblieben ist.
  4. Manche machen aber lieber auch alles allein.

Dein Kind soll unaufgefordert mithelfen und die Arbeit sehen?

  1. Dann legt miteinander einen Bereich fest, wo dein Kind immer wieder aufmerksam hinschaut. Das kann z. B. der Geschirrspüler sein.
  2. Ist er einzuräumen? Oder ist er voll und einzuschalten? Vielleicht muss er ausgeräumt werden.
  3. Dein Kind entscheidet und handelt selbständig.
  4. Es übernimmt für diesen einen Bereich Verantwortung.
  5. Nach und nach können andere Bereiche dazu kommen.

Bei sehr kleinen Kindern kann es eine ausreichende Verantwortung sein, sich selbst anzukleiden. Dabei wird die vorbereitete Kleidung benützt. Die nächste Stufe wäre dann dem Wetter angepasste Kleidung selbst herauszusuchen und anzuziehen.

Die Vorteile der Methode der kleinen Schritte

Kleine Schritte sind überschaubar

Diese einzelnen Bereiche sind sowohl für dein Kind gut überschaubar, als auch für dich auf einen Blick zu kontrollieren. Damit gibt es keine endlosen Diskussionen. Aber auch keine überzogenen Erwartungshaltungen.

Kleine Schritte sind nachvollziehbar

Vor allem für junge Kinder sind diese kleinen Schritte gut nachvollziehbar. Sie können sich das merken und erfolgreich anwenden. Das schafft Erfolgserlebnisse und Siegerfreude. Dabei ist es egal, ob es sich um Kinder in der Selbstfindungsphase, um Kinder in der Wackenzahnpubertät oder Pubertierende handelt.

Kleine Schritte sind gut nachvollziehbar und versprechen Erfolge. Erfolge machen Lust auf mehr! Klick um zu Tweeten

Erfolgserlebnisse machen Lust auf mehr

Erfolgserlebnisse sorgen im Gehirn für eine Kette an Hormonausschüttungen. Diese erzeugen ein gutes Gefühl. Von diesem Gefühl wollen Menschen mehr. Daher werden sie die Aktion wiederholen. Nicht nur das, sie trauen sich durch diese Erfolge mehr zu und sind eher geneigt Neues auszuprobieren.

Das fördert auch die Kooperationsbereitschaft deines Kindes

All die geschriebenen Fakten gelten auch für dein Kind. Kinder wollen einerseits nützlich sein und Verantwortung tragen. Sie wollen aber auch das Gefühl haben dieser Verantwortung gewachsen zu sein. Sie lieben Erfolge genau so wie Erwachsene. Jeder Erfolg spornt sie an dran zu bleiben.

Wenn du deinem Kind also Aufgaben gibst, die es gut erfüllen kann, dann wird es diese auch gerne machen. Und wenn es sie nicht gerne macht, dann wird es zumindest merken, dass sie leicht von der Hand gehen und zu schaffen sind. Das fördert die Kooperationsbereitschaft!

Mitbestimmung ist der Schlüssel

Ein anderer Faktor ist die Mitbestimmung. Du wirst bemerkt haben, dann in all meinen Beispielen davon die Rede ist miteinander bestimmte Dinge festzulegen. Dadurch kann dein Kind mitbestimmen. Es fühlt sich einbezogen in den Prozess und nicht deinen Anforderungen ausgeliefert.

Es hat also bis zu einem gewissen Grad selbst Kontrolle behalten. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Und dieses Selbstbewusstsein nimmt dein Kind mit um die Aufgabe zu erledigen.

Es gilt also der Grundsatz:

Es spielt keine Rolle, wie langsam du gehst, solange du nicht stehen bleibst.

(Konfuzius)

Du siehst, allein an der Anzahl der Sprüche und Zitate zu diesem Thema kann man bemerken, wie viele Menschen damit beschäftigt sind.

Also zerlege deine nächsten Ziele in kleine überschaubare Schritte und probier diese Methode aus.

Viel Spaß beim Ausprobieren und bleib gesund und gelassen!

Deine Mütterversteherin

P.S.: In einem früheren Artikel habe ich diese kleinen Schritte auf dem Weg zum großen Ziel auch schon beschrieben. Auch bei der Erreichung deiner eigenen Bedürfnisse kannst du diese Technik nutzen.

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  1. […] Denn oft ist dieses „Das mag ich nicht!“ nur ein Aufschrei nach Mitbestimmung. […]

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