Lügen in der Pubertät

Im Gegensatz zu Kleinkindern durchschauen Pubertierende ihr Verhalten schon und sie wissen ganz genau, dass es nicht in Ordnung ist zu lügen. Dennoch gehört lügen zu den typischen Pubertätsproblemen.

Ab ca. 10 Jahren können Kinder die Unterscheidung treffen, ob eine Lüge eine absichtliche Täuschung oder eine Notlüge ist. „Wie kommt es zu Lügen in der Pubertät?“ und „Warum lügt mein Kind mich an?“, sorgen sich viele Eltern. Erst einmal: Keine Panik, wir alle lügen manchmal. Die Gründe dafür reichen von Konfliktscheu bis Rücksichtnahme oder von Feigheit bis Selbstschutz. Nicht immer ist es in der Absicht anderen zu schaden.

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Warum kommt es zu Lügen in der Pubertät?

Situation wird anders aufgefasst

Immer wieder kommt es vor, dass dein Kind eine Situation anders auffasst. Es erzählt die Geschichte dann aus seiner Warte. Dein Kind hat z. B. morgens verschlafen und behauptet steif und fest der Wecker habe nicht geläutet. Es ist überzeugt den Wecker gestellt zu haben, hat es aber vergessen. Dann ist das keine Lüge, sondern ist einer falschen Erinnerung geschuldet.

Auch Teenager fassen Situationen manchmal falsch auf. Das kann den Eindruck erwecken, dass sie lügen. Klick um zu Tweeten

Scherzlügen

Vor allem Kinder in der Vorpubertät lieben es andere an der Nase herum zu führen. Sie nützen dazu Scherzlügen. Sie wissen also, dass sie flunkern. Sie wollen dir damit aber nichts Böses tun, sondern nur einen Streich spielen. Gemeinsames Lachen entschärft solche Situationen.

Bluff und Aufschneiden

Auch in diesem Alter wird häufig geblufft und aufgeschnitten. Ziel dieser Lügen sind eher die Freunde. Wenn du dein Kind bei einer solchen Lüge ertappst, dann solltest du es keinesfalls vor den Freunden darauf aufmerksam machen und blamieren. Sprich lieber später in Ruhe mit deinem Kind. Versuche auch zu verstehen, warum es glaubt bluffen zu müssen. Meisten liegt ein angeknackstes Selbstbewusstsein zugrunde. Am besten hilfst du deinem Kind, indem du sein Selbstbewusst sein stärkst.

Kläre Meinungsverschiedenheiten oder Verfehlungen deines Kindes immer unter vier Augen. So wird dein Kind nicht beschämt und hat die Chance den Vorfall aus seiner Sicht zu schildern.

Ilse Maria Lechner

Gefühl ausgefragt zu sein

Jugendliche brauchen ihre Privatsphäre. Sie wollen nicht mehr jede Erfahrung mit ihren Eltern teilen. Fühlen sie sich ausgefragt, kann es sein, dass sie zu einer Notlüge greifen, um Ruhe zu haben. In diesem Fall solltest du dich etwas zurückziehen und deinem Kind mehr Raum geben.

Lügen zum Selbstschutz

Angst vor Strafen

In der Pubertät baut fast jedes Kind einmal gehörig Mist. Wenn dein Kind dann Angst vor deiner Reaktion hat und Strafen befürchtet, dann kann es sein, dass es dir eine Lügengeschichte auftischt. Natürlich ist das kurzfristig gedacht. Denn deinem Teenager ist klar, dass die meisten Lügen früher oder später ans Tageslicht kommen. So gesellt sich zur Angst vor Strafe noch das schlechte Gewissen wegen der Lüge dazu. Wahrlich keine angenehme Situation. Wie du in da richtig reagierst, kannst du hier nachlesen.

Lüge aus Überforderung oder Verlegenheit

Am Montag ist Schularbeit. Am Freitag fragst du dein Kind ob es schon gelernt hat und sich gut auskennt. Die Antwort ist ein knappes „Ja!“ Später stellt sich heraus, dass dein Kind einfach nicht wusste, wo es zu lernen anfangen soll. Es war komplett überfordert. Gerade in der Pubertät kommen sich viele Jugendliche schon sehr erwachsen vor. Daher fällt es ihnen ganz schwer Hilfe anzunehmen oder zuzugeben, wenn sie etwas nicht wissen.

Wenn du den Verdacht hast, dass das der Fall sein könnte, dann wende einen Türöffner an und frage von dir aus, ob du unterstützen kannst. Signalisiere, dass du da bist, wenn dein Kind Hilfe braucht. Du kannst auch anmerken, dass es dir selbst in diesem Altern manchmal schwer gefallen ist, Hilfe anzunehmen.

Angst Verantwortung übernehmen zu müssen

Dein Kind hat die letzte Klassenarbeit versaut. Es weiß genau, die Konsequenz davon wäre, dass es sich jetzt auf den Hosenboden setzt und lernt. Allerdings ist es so viel verlockender mit den Freunden abzuhängen.

Also erzählt es dir, dass es eine drei bekommen hat. Der nächste Elternabend ist noch weit und es hofft, dass sich bis dahin alles in Wohlgefallen auflöst.

Dein Kind will dich nicht enttäuschen

Dein Kind kennt und spürt deine Erwartungen. Es merkt z. B. ganz genau, dass dir wichtig ist, dass es ein Instrument lernt. Dein Kind treibt aber lieber Sport und schwänzt den Instrumentunterricht um in dieser Zeit Skateboard zu fahren.

Dein Kind kann eine kränkende Situation nicht verarbeiten

Dein Kind ist einer kränkenden Situation ausgesetzt und kann diese nicht verarbeiten. Damit es sich nicht damit auseinandersetzen muss erfindet es eine Lügengeschichte, die es überall herumerzählt.

Dies passiert z. B. bei Kindern die psychisch kranke Eltern pflegen oder bei Teenagern, die einen Elternteil gar nicht kennen.

Wenn du dein Kind beim Lügen ertappst

Wichtig ist: Ruhe bewahren!

Du solltest auch herausfinden aus welchen Gründen dein Kind gelogen hat. Das geht dann am besten, wenn dein Kind merkt: Meine Ehrlichkeit wird nicht bestraft, sondern ich bekomme Unterstützung durch meine Bezugsperson.

Du kannst Fragen stellen wie:

  • Was hast du davon gehabt, dass du diese Lüge erzählt hast?
  • Warum hast du nicht gleich die Wahrheit gesagt?
  • Was hast du dir durch deine Geschichte erhofft?

So findest du mehr über die Beweggründe deines Kindes heraus und kannst weiterhelfen.

Bleib gesund und gelassen!

Deine Mütterversteherin

Ilse Maria Lechner

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